Zur Erinnerung an unsere Vorfahren, die als Migranten aus Süddeutschland in die Welt zogen

Schlagwort: Flüchtlinge (Seite 2 von 2)

Großhennersdorf

Katharinenhof

Auf dem in Großhennersdorf 1721 gegründeten diakonischen „Katharinenhof“ zur Versorgung von Waisenkindern und armer, alter Leute lebten 1940 etwa 300 behinderten Kinder.  Unter dem Vorwand der „Beräumung“  zur Unterbringung von Flüchtlingen wurden sie Opfer der Euthanasie, wie ich es bereits in meinem Bericht zum Lager Hubertusburg erklärte. Man verbrachte über 200 Kinder nach Pirna-Sonnenstein und Großschweidnitz, um sie dort umzubringen. In den leeren Gebäuden des „Katharinenhofs“ wurden im Anschluss etwa 400 Elsass-Lothringer, die wegen ihrer Wehrdienstverweigerung zwangsumgesiedelt worden waren, sowie Bessarabiendeutsche untergebracht.

Die Verlegung der Borodiner Umsiedler aus Löbau erfolgte am 3. Dezember 1940 in das Lager Nr. 40 Großhennersdorf, wo die Umsiedler am 4. Dezember augenommen wurden, ehe sie am 24. September 1941 nach Litzmannstadt verlegt wurden, wie man dem noch vorhandenen Lagerpass der Familie Scheurer3 entnehmen kann.

Bessarabiendeutsche in Grosshennersdorf
Bessarabiendeutsche in Grosshennersdorf, Foto: Privatarchiv M. Scheuer, welcher das Bild freundlicher Weise zur Verfügung stellte.

Im November 1941 kamen Zwangsumsiedler aus Slowenien nach Großhennersdorf, im Oktober 1944 Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Der Ort wurde Durchgangsstation für Tausende, die zeitweilig beherbergt und versorgt werden mussten.

1996 wurde auf dem Gelände des Katharinenhofes eine Gedenksäule errichtet, mit der an 223 Frauen, Kinder und Männer erinnert wird, die der Tötungsaktion T4 des NS-Regimes zum Opfer fielen.



1) Der Katharinenhof im sächsischen Großhennersdorf während der Zeit des Nationalsozialismus
2) Sammlung Alt-Herrnhut Fischers Bücherstube Postkarte mit Stempel des Lagerpostamtes im Gau Sachsen Nr. 40: Umsiedlungslager Bessarabien

3) Lagerpass Privatarchiv M. Scheurer

Hubertusburg

Schloss Hubertusburg

 Zwischen Januar 1940 und August 1941 deutschlandweite Aktion „T 4“ der Nationalsozialisten – auch Hubertusburg war betroffen.

Bundesarchiv, Bild 101III-Alber-096-34 / Alber, Kurt / CC-BY-SA 3.0

Benannt ist die Aktion nach der Tiergartenstraße 4 in Berlin, dem Sitz der Zentraldienststelle T4, einer Organisation, mit der Durchführung des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms beauftragt war.

SS-Gruppenführer Arthur Nebe (Beamter des Reichskriminalamtes und Amtschef) im Gespräch mit Dr. Albert Widmann (Chef der chemischen Abteilung des Kriminaltechnischen Instituts im Reichskriminalamt):

„Widmann, kann das Kriminaltechnische Institut große Mengen Gift herstellen?“
„Wofür? Um Menschen zu töten?“
„Nein.“
„Wozu dann?“
„Um Tiere in Menschengestalt zu töten; das heißt die Geisteskranken, die man nicht mehr als Menschen bezeichnen kann und für die es keine Heilung gibt.“ 3

Dr. phil.h.c. Karl Wilhelm Fricke: Akten-Einsicht Rekonstruktion einer politischen Verfolgung. Mit einem Vorwort von Joachim Gauck; Analysen und Dokumente – Wissenschaftliche Reihe des Bundesbeauftragten, Band 2; 4. aktualisierte Auflage, Berlin 1997; Ch. Links Verlag; S. 134

In insgesamt 6 T4-Anstalten (Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Sonnenstein, Bernburg, Hadamar) werden innerhalb von 20 Monaten (Januar 1940-Sep 1941) werden 70.243 1 Menschen getötet, vorwiegend psychisch Kranke und geistig Behinderte.

Die gezielten Tötungen gehen auch nach dem am 24.8.1941 verfügten „Euthanasie-Stopp“ weiter und enden erst 1945 – man läßt verhungern, vergiften, spritzt Überdosen von Medikamenten oder versorgt Kranke nicht.

Bereits im Frühjahr 1940 wird die Heil- und Pflegeanstalt Hubertusburg aufgelöst, um einer Unteroffiziersschule der Luftwaffe und einem Lager von „volksdeutschen“ Umsiedlern Platz zu machen.

In der zweiten Aprilhälfte 1940 wurden fast alle (ca. 1.400) der überwiegend weiblichen Patienten aus Hubertusburg verlegt. Die Zugangs- und Abgangslisten 1939 – 1945 der Heil- und Pflegeanstalt Waldheim vermerken für den 18.4.1940 die Aufnahme von 434 männlichen Kranken aus Hubertusburg. Zurück in Hubertusburg bleiben nur einige „Funktionspatienten“ als „Arbeitskommando“ für den zweckentfremdeten Betrieb der aufgelösten Landesanstalt. Im Rahmen der staatlich organisierten Massenmorde (Euthanasie) wurden insgesamt 570 Patienten aus der Hubertusburg nach Waldheim verlegt. 3

Foto aus dem Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau

Als Transportmittel wurden graue Busse mit übermalten Fenstern oder vorgezogenen Gardinen eingesetzt.


Pfarrer Scheipers2 als Augenzeuge der Abtransporte aus der Hubertusburg:

„Es war bedrückend, den Abtransport der Busse mit den Todeskandidaten zu beobachten, ohne die Mordaktionen verhindern zu können.“

Auszug aus der Predigt von Prälat Hermann Scheipers am 3. und 4. November 2007 in der Pfarrkirche St. Hubertus zu Hubertusburg

123 Patienten aus Hubertusburg werden gleich in Waldheim ermordet, 208 in unbekannte Tötungsanstalten gebracht und 219 in Pirna-Sonnenstein vergast. 20 Patienten aus Hubertusburg überleben die erste Vernichtungsaktion, ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. 3

Die „Heil- und Pflegeanstalt“ Waldheim ist bereits 1940/41 nicht nur Zwischenstation auf dem Weg in die Vergasungsanstalten Brandenburg/Havel und Sonnenstein/Pirna, sondern ist selbst eine Tötungsanstalt.

Dr. med. Gerhard Wischer, von 1938 bis 1945 Leiter der Waldheimer Psychiatrie, bezeichnet die Behandlung der Patienten, die vielen das Leben kostet, als „Dämmerschlafkuren“. Außerdem räumt Wischer 1950 bei Vernehmungen ein, „absichtlich und mit voller Überlegung durch Einspritzung übermäßiger Dosen von Medikamenten den Tod von 20 – 30 Kranken“ herbeigeführt zu haben. Wischer wurde 1950 in der DDR zum Tode verurteilt und hingerichtet. 3

Das West-Berliner Kammergericht erklärte 1954 die Waldheimer Urteile für „absolut und unheilbar nichtig.“ Die Verurteilten seien „so zu behandeln, als ob kein gerichtliches Verfahren gegen sie durchgeführt worden ist, das heißt, sie gelten als nicht verurteilt“. Deshalb muss auch Wischer als nicht verurteilt gelten, wenn er auch wegen seiner Untaten exekutiert wurde. 4

Vermutlich wusste niemand der am 29.10.1940 ankommenden Umsiedler, was vor ihrer Ankunft geschah. Von den 3084 Ankömmlingen waren 2476 aus Teplitz, 304 aus Neu-Klöstitz und 304 Buchenländer. Der stellvertretende Lagerleiter Walter Thiele notierte: „Und der erste Eindruck, den wir gewonnen hatten? Das Menschenmaterial, wenn man so sagen kann, macht einen besseren Eindruck als das der vergangenen Aktion…“ (damit waren wolhyniendeutsche Umsiedler gemeint). Nach der „Schleusung“ waren 1882 Teplitzer als O-Fälle und 634 als A-Fälle zur Ansiedlung vorgesehen. Ein Teil der A-Fälle wurde nach Rochlitz bei Leipzig verlegt, die O-Fälle kamen zwischen Frühjahr und Herbst 1941 zur Ansiedlung in den Osten, die letzten Umsiedler verließen am 12.3.1942 das Lager. 5


Fotos:

Schloss Hubertusburg public domain, Wikimedia, Andre Kaiser 10.8.2007

Historisches Foto der „Grauen Busse“ aus dem Zentralarchiv Diakonie Neuendettelsau, „Verlegung von Behinderten im Rahmen der Euthanasie-„Aktion T 4“ aus der Pflegeanstalt „Schloß“ Bruckberg der Diakonissenanstalt Neuendettelsau in staatliche Heil- und Pflegeanstalten“; Frühling 1941, Fotograf unbekannt, public domain,Wikimedia

Bundesarchiv, Bild 101III-Alber-096-34 / Alber, Kurt / CC-BY-SA 3.0, Wikimedia

1) Ernst Klee (Hrsg.): Dokumente zur „Euthanasie“. Fischer Taschenbuch Verlag Nr. 4327, Frankfurt am Main 1985, S. 232.

2) Auszug aus der Predigt von Prälat Hermann Scheipers am 3. und 4. November 2007 in der Pfarrkirche St. Hubertus zu Hubertusburg

3) Dr. phil.h.c. Karl Wilhelm Fricke: Akten-Einsicht Rekonstruktion einer politischen Verfolgung. Mit einem Vorwort von Joachim Gauck; Analysen und Dokumente – Wissenschaftliche Reihe des Bundesbeauftragten, Band 2; 4. aktualisierte Auflage, Berlin 1997; Ch. Links Verlag; S. 134

4) Jachertz, Norbert: Die Waldheim-Story Dtsch Arztebl 2009; 106(39): A-1882 / B-1614 / C-1582

5) Heimatkalender der Bessarabiendeutschen 1956, S. 89

 

Heim ins Reich

Zwangsmigrationen in Europa 1938-1948


Bereits Anfang 1936 umriss Reichsbauernführer Walther Darré vor regionalen Mitarbeitern (Fachberatern) des Reichsnährstandes recht konkret die deutschen Eroberungspläne:

„Der natürliche Siedlungsraum des deutschen Volkes ist das Gebiet östlich unserer Reichsgrenze bis zum Ural, im Süden begrenzt durch Kaukasus, Kaspisches Meer, Schwarzes Meer und die Wasserscheide, welche das Mittelmeerbecken von der Ostsee und der Nordsee trennt. In diesem Raum werden wir siedeln, nach dem Gesetz, daß das fähigere Volk immer das Recht hat, die Scholle eines unfähigeren Volkes zu erobern und zu besitzen.[…] Ein solches politisches Ziel muß auf den deutschen Bauernhöfen von Mund zu Mund weitergereicht werden, muß auf unseren Bauernschulen eine selbstverständliche Grundlage des Unterrichts sein. Dann wird auch eines Tages das Volk demjenigen Staatsmann folgen, der die sich ihm bietenden Möglichkeiten ergreift, um unserem Volke ohne Raum den Raum nach dem Osten zu öffnen.“

Adam Tooze: Ökonomie der Zerstörung. München 2008, S. 238.

Dabei plante man die Ausrottung der Intelligenz in den eroberten Gebieten und die Versklavung der übriggebliebenen Bevölkerung. Dieses Ziel wurde religiös, sozialdarwinistisch und rassistisch begründet, so äußerte der Leiter der DAF, Robert Ley, vor dem Fachamt der DAF „Der Deutsche Handel“ am 17. Oktober 1939:

„Wir können unseren Auftrag nur daher nehmen, dass wir sagen, es ist von Gott gewollt, dass eine höhere Rasse über eine mindere herrschen soll, und wenn für beide nicht genügend Raum ist, dann muß die mindere Rasse verdrängt und, wenn notwendig, zum Vorteil der höheren Rasse ausgerottet werden. Dasselbe gilt von dem Starken und dem Schwachen. Die Natur rottet überall das Schwache und Ungesunde zugunsten des Starken und Gesunden aus. Der gesunde Hirsch stößt den kranken, und der gesunde Elefant zertrampelt den kranken. Wir aber haben jedoch für 2000 Jahre aus Mitleid Kranke erhalten, das Minderwertige gepäppelt und gepflegt und zu dessen Gunsten das Höhere sich nicht entfalten lassen. Aus diesen Gedanken, aus dieser Idee kommt unser Auftrag. Deshalb verlangen wir Boden.“

Helmut Krausnick, Harold Deutsch (Hrsg.): Tagebücher eines Abwehroffiziers 1938-1940. Stuttgart 1970, S. 576

In ganz Ost- und Südosteuropa gab es deutschsprachige Bevölkerungsgruppen, deren Vorfahren teilweise seit dem Mittelalter dort gesiedelt hatten. Das Ziel der Nationalsozialisten war eine „Neuordnung Europas“, wie es im „Generalplan Ost“ (1941) formuliert wurde, um diese sogenannten „Volksdeutschen“ in einem ethnisch homogenen Deutschen Reich zusammen zu bringen, dessen  Siedlungsgebiet bis zu einer Linie von der Krim bis Leningrad gedacht war.

Um diese Pläne umzusetzen, wurden ab 1938 Territorien annektiert (Österreich, Sudetenland) und ab 1939 erobert.

Zweiter Weltkrieg in Europa, kleine Animation3

rot Alliierte und UdSSR seit 1941 grün UdSSR bis 1941  blau Achsenmächte und Vichy-Regime  grau neutral

Zugleich sollten die deutsche Minderheiten „heim ins Reich“ gebracht werden. Diese „Splitter des deutschen Volkstums“ wurden als „nicht haltbar“ (Hitler am 6. Oktober 1939) angesehen und sollten in geschlossen deutsch besiedelte Gebiete „zurückgeholt“ werden. Basis dieser geplanten Umsiedlungen („Bevölkerungstausch“) waren zunächst Verträge wie das Münchner Abkommen (1938) im Rahmen der Zerteilung der Tschechoslowakei, nach dem Einmarsch in Polen folgten Verträge mit Italien und weiteren ost- und südosteuropäischen Staaten sowie der Hitler-Stalin-Pakt. Dieser wurde um den Deutsch-Sowjetische Grenz- und Freundschaftsvertrag4 ergänzt, welcher die Umsiedlung der Bessarabiendeutsche, Deutsch-Balten und Bukowinadeutschen ermöglichen sollte.

Insgesamt waren über 900.000 „Volksdeutsche“ von den Umsiedlungen betroffen, die in 1.375 Lager verteilt wurden14. Der propagandistische Aufwand war gewaltig, ein spezialisierter bürokratischer Apparat (RFSS)5 wurde geschaffen, der vom „Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums„, Heinrich Himmler, geleitet wurde. Anfangs waren die Betroffenen vor die Alternative gestellt, sich entweder für die deutsche Staatsangehörigkeit und damit für die Umsiedlung ins Deutsche Reich zu entscheiden oder aber in ihrer Heimat zu bleiben und damit ihr „Deutschtum“ aufzugeben, nach Kriegsbeginn nahm der Zwang zur Umsiedlung immer weiter zu.

in: Bericht über den Stand der Um- und Ansiedlung am 1.7.19426

Die geplante Ansiedlung erfolgte jedoch in den wenigsten Fällen auf dem Territorium des deutschen Reichs, die meisten kamen nach mehrmonatigen Lageraufenthalten in die dem Deutschen Reich angegliederten bzw. eroberten Gebiete, die Bessarabiendeutschen vorrangig in den polnischen „Warthegau“, wo sie die „Eindeutschung“ vorantreiben sollten. Angesiedelt wurde u.a. auf Bauernhöfe von zuvor vertriebenen Polen.

Viele der in Osteuropa angesiedelten waren mit der herannahenden Front zum Kriegsende bzw in den ersten Nachkriegsjahren ein weiteres Mal von erzwungener Migration betroffen und wurden zu Flüchtlingen, Repatriierten oder Vertriebenen.

In Gebieten, die während des Krieges zum Großdeutschen Reich gehörten und mit dem Ende des Krieges zu Territorien Polens, der Tschechoslowakei oder Jugoslawiens wurden, entstand zunächst ein verwaltungsloser Raum, in dem Willkür und Gewalt herrschten. Am 2. August 1945 wurde in Potsdam die ethnische und territoriale Neuordnung Europas beschlossen: Polen und Deutschland verloren durch die Beschlüsse der Alliierten ihre Ostgebiete. Die sich bereits in vollem Gang befindenden massenhaften Bevölkerungsverschiebungen sollten kontrolliert, organisiert und legalisiert werden. Neben dem Beschluss zum „Transfer“ der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei, Polen und Ungarn war die Festlegung der deutsch-polnischen Grenze von Bedeutung.

Karte: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Da die Umsiedlungspläne der alliierten Großmächte bekannt waren, kam es vor allem in Polen und in der Tschechoslowakei13 zu willkürlichen gewaltsamen Vertreibungen und Misshandlungen von Deutschen, die erst zwischen dem Sommer und Winter 1945 unterbunden werden konnten.

Entsprechend dem im Herbst 1945 erstellten Plan des Alliierten Kontrollrates wurden im Jahre 1946 und zum geringen Teil zwischen 1947 und 1949 unter der administrativen Kontrolle der alliierten Regierungen Zwangsumsiedlungen von rund 4,8 Millionen Deutschen aus Polen, der Tschechoslowakei und aus Ungarn durchgeführt. Sie wurden in überwachten Transporten größtenteils in die amerikanische, britische oder in die sowjetische Besatzungszone gebracht, und dort zum Teil wie zu Zeiten der  „heim ins Reich“ Aktion in Lagern untergebracht.

Passauer Neue Presse vom 18.06.1946
Alltag in einem Gemeinschaftsraum im Flüchtlingslager „Schlotwiese“ in Stuttgart-Zuffenhausen; Bildquelle: Haus der Geschichte Baden- Württemberg, Sammlung Weishaupt

Über die Lager der bessarabiendeutschen Umsiedler vor 1945 ist allgemein nicht viel bekannt, es fallen durch Familienberichte einzelne Namen, die Recherche zur Historie ergibt jedoch ein perfides System der menschenverachtenden Vernichtung im Dritten Reich.

Es gab etwa 2507 „Umsiedlerlager“ die den Menschen über Monate, teilweise Jahre, Unterkunft bieten sollten. Hier wurde im Rahmen der „Schleusung“ sortiert, wer nach den Gesichtspunkten der damaligen Ideologie ansiedlungswürdig war und wer nicht. Genaueres dazu habe ich in unserer Familienhistorie zum Thema Umsiedlung berichtet.

An dieser Stelle möchte ich auf die Geschichte einiger dieser Lager verweisen, die sich u. a. in Bayern (z.B. Kloster Niederaltaich, Schloss Werneck, Dobrudschadeutsche in Burg Rothenfels, Leiders bei Aschaffenburg), der „Ostmark“ (u.a. Kloster Göttweig; Kloster St. Anna Ried im Innkreis, Österreich), für Dobrudschadeutsche in Rohrau und Gemünd  (Niederdonau), Gablitz (Wien), Feldbach (Steiermark), Obersiebenbrunn [Karamurater], Mährisch-Kromau [Mamuslier], Schloß Kranichberg oder Ybbs an der Donau 8 befanden.

Im „Sudetengau“ wurden ca 25.000 Umsiedler in Lagern untergebracht, deren größten lagen in Asch, der Schuhfabrik „Humanik“ in Saatz, Hartessenreuth und in Suchenthal.Schlackenwerth an der Eger nahm Dobrudschadeutsche auf. Da sich 88 Männer und 12 Frauen aus Malkotsch nicht einbürgern lassen, sondern in die Heimat zurück kehren wollten, wurden sie in das Konzentrationslager Flossenbürg gebracht, die Frauen schaffte man zeitgleich in das KZ Ravensbrück. Vom 2. Juli bis 17. Oktober 1942 wurden sie dort „behandelt“, am 18. Oktober erhielten sie eine „2. Chance“ und waren nun „bereitwillig“ zur Einbürgerung.

Württemberg hatte 11 Umsiedlerlager für rund 5.000 Menschen aus Bessarabien.9    In Sachsen waren Pariser in diesen Lagern:

Weitere Lager10 11 in Sachsen waren:

  • Lager 8 Possendorf, Dresden A.28
  • Lager 51 Bischofswerda
  • Lager 56 Reichels Neue-Welt, Chemnitz
  • Lager 77 Rosener Hof, Meißen
  • Lager 97 Auerbach, Vogtland
  • Lager 106 Jugendheim Glauchau
  • Lager 117 Werdau, Pleissental
  • Lager 121 Krimmitschau
  • Lager 152g Weißigstrand bei Rathen
  • Lager „Freier Blick“, Planitz, Zwickau
  • Lager Christau, Zittau
  • Lager 156 Leipzig, Park Meusdorf
  • Lager Leipzig C 1, Seeburgstr. 100
  • Hubertusburg bei Wermsdorf
  • Lager Hoeckerschule, Langenfeld, Plauen
  • Lager Katharinenhof, Großhennersdorf
  • Lager Bad Schandau
  • Lager Ostrau
  • Lager Postelwitz
  • Lager Rosenthal-Schweizermühle,
  • Lager Liebstadt
  • Lager Bad Gottleuba-Hartmannsbach
  • Lager Stolpen
  • Lager Sonnenstein, Pirna

Da die Behörden aus der Umsiedlung der Wolhynier und Galizier gelernt hatten, standen die Lager für die Bessarabier vor Abtransport bereits fest. So verschickte man den Ortsbezirk Mannsburg (Mannsburg, Sofiental, Basyrjamka, Maraslienfeld, Plotzk, Gnadental, Sarata, Friedenstal, Lichtental, Eigenfeld, Annowka und Seimeni) ins Sudetenland, den überwiegenden Teil des Bezirks  Beresina (Beresina, Borodino, Hoffnungsthal, Neu Klöstiz, Paris, Arzis, Teplitz, Katzbach, Krasna) nach West- und Ostsachsen, die Klöstitzer ins Eichsfeld/Thüringen. Albota, Eichendorf und Wischniowka kamen nach Niederbayern und Franken, Kulm, Leipzig, Tarutino, Alt Posttal, Neu Elft und Alexanderfeld hatten das Ziel Franken, Mainfranken und München/Oberbayern. Die Lager der Gaue Unter- und Oberdonau waren für Kischinew, Jekaterinowka, Neu Sarata, Fürstenfeld, Alt Oneshti, Neu Strymba, Mariewka, Mathildendorf und Kurudschika vorgesehen. 12

Bevor jedoch die Umsiedler in diese Lager aufgenommen werden konnten, wurden diese oftmals „beräumt“ von jenen, die man schlicht als „unwert“ betrachtete. Wie das vor sich ging, lesen Sie bitte in den Artikeln zu den Lagern.


1) Adam Tooze: Ökonomie der Zerstörung. München 2008, S. 238.
2) Helmut Krausnick, Harold Deutsch (Hrsg.): Tagebücher eines Abwehroffiziers 1938-1940. Stuttgart 1970, S. 576
3) San Jose – Eigenes Werk basierend auf: Karten der Univerity of Texas Libraries
4) „Die Neuordnung Osteuropas“ in: ZAOERV 9 (1939/40) Vollständiger Text des Vertrages und der Zusatzprotokolle
5) Anordnung des RFSS über den Aufbau der Volkstumsarbeit der NSDAP und eine Abgrenzung der Zuständigkeit der Hauptämter der SS
6) Bericht über den Stand der Um- und Ansiedlung am 1.7.1942, Bundesarchiv Bestand NS 19 (Persönlicher Stab des Reichsführers SS) Akte 2743
Erlaß des Führers und Reichskanzlers zur Festigung des deutschen Volkstums, 7. Oktober 1939, BArch R 43 II/604, Bl. 27-28
Mitteilung über die Dreimächtekonferenz von Berlin [(„Potsdamer Abkommen“) vom 2. August 1945]
7) Geschichtsschreibung zu den böhmischen Ländern im 20. Jahrhundert: Wissenschaftstraditionen – Institutionen – Diskurse. Vorträge der Bad Wiessener Tagung des Collegium Carolinum 21.-23.11.2003 und vom 12. -14.11.2004 , Herausgeber Collegium Carolinum Forschungsstelle für böhmische Länder, Band 28, Oldenbourg Wissenschaftsverlag (11. Oktober 2006), S. 191
8) Jahrbuch 1956 der Dobrudscha-Deutschen
9) Martin Grasmannsdorf: Die Umsiedlungslager der Volksdeutschen Mittelstelle im Gau Württemberg-Hohenzollern 1940–1945, dazu: Homepage des Autors mit Lagern der Slowenen
10) DAI Microfilm T-81; Roll #599; Serial 816; Group 1035
11) Geschichte Pirna
12) Ute Schmidt; Die Deutschen aus Bessarabien, Eine Minderheit aus Osteuropa, Bölau 2006, S. 181f
13) Zahlen der Vertriebenen nach Berichten der Sudetendeutschen Landsmannschaft vom 5.11.1955
14) Tagesbote Nr. 290 vom 6.12.1940, Mährischer Zeitungsverlag Brünn, S.3 „Heimkehr der 320.000 Volksdeutschen“

Mittelpolen – Volhynien

Der Bürgerkrieg in Polen 1768 und die folgenden Unsicherheiten – Russland, Preußen und Österreich bekamen polnisches Land zugeschlagen, das Königreich Galizien und Lodomerien gründete sich auf polnischem Gebiet, ließ die Kolonisten um ihre Rechte bangen. Maria Theresia rief die Kolonisten ins Land. Joseph der II. ermöglichte mit seinem Ansiedlungspatent 1781 zahlreichen Kolonisten unter günstigen Bedingungen die Ansiedlung.

Sotzmannsche Karte der Neumark 1807, Warthebruch

Vor allem Pfälzer zogen nun rheinaufwärts bis Speyer und dann zwischen Schwarzwald und Odenwald hindurch bis nach Ulm. Von Ulm aus fuhr man auf der Donau in den so genannten Ulmer Schachteln bis nach Wien.

Die Zillen – „Ulmer Schachteln“, ein Spottname wegen der einfachen Bauweise, waren Boote, die nur in einer Richtung donauabwärts fuhren, denn sie wurden am Ende Ihrer Reise als Brennholz verkauft.

Dieser Weg wurde auch für den Weg nach Bessarabien genutzt bis Ismail. Sie waren etwa 20-30 Meter lang und 4-7 Meter breit, die Ruder dienten nur dem Lenken, Manövrieren und Bremsen und der Aufbau hatte maximal eine Giebelhöhe von 4 Metern. Um Kosten zu sparen, hatte man mit der Schifferzunft ab 1817 die Vereinbarung getroffen, die Reisekosten nicht nach Personenzahl, sondern nach der Anzahl der genutzten Boote zu entrichten. Entsprechend überfüllt waren sie, was sich vor allem auf die Hygiene auswirkte und Krankheiten begünstigte.

A Wien B Brünn C Olmütz D Mährisch Neustadt E Bielitz F Krakau ca. 570km

Von Wien aus ging die Reise auf dem Landwege weiter. Man zog mit Pferdewagen in größeren Gruppen über Brünn, Olmütz, Mährisch Neustadt, Bielitz bis nach Krakau und von dort weiter in die Bestimmungsorte.

In den Auswanderungsakten der Kolonisten findet sich des Öfteren als Auswanderungsziel Galizien oder Lodomerien (Wolhynien), das Ende der Reise war jedoch häufig Bessarabien. Wir finden unter den Kolonisten in Galizien viele Familiennamen, welche uns aus Bessarabien vertraut sind: Irion, Ackermann, Bender, Scherer, Bross (Brost), Weiß, Zahn, Singer, Tritthardt, Lutz, Roth, Armbruster (Armbrüster), Frey u.a.m.

Der Höhepunkt der Zuwanderung wurde jedoch unter der Regierung von Friedrich dem II. und III. erreicht, nachdem durch die neuerliche Teilung Polens weite Teile an Preußen fielen. Zwischen 1793 und 1807 entstanden so die meisten Kolonien. Nach der zweiten (1793) und dritten (1795) Teilung Polens zogen viele ehemalige Kolonisten in die Region um Kalisch, Krotoschin und Jarotschin in das Warthebruch, es finden sich die Namen unserer Vorfahren gehäuft auch in der Region Sompolno wieder.

Einige der künftigen bessarabischen Kolonisten waren bereits 1801 durch den preußischen Werbekommissar von Nothardt, Öhringen, Baden-Württemberg, angeworben worden, um im Domänenamt Leszno Wola die Dörfer Alt- und Neu-Ilvisheim, Ludwigsburg und Schwiningen zu gründen. Bei Warschau entstand Szopy Niemieckie, im Domänenamt Potycz Kanstadt, sie siedelten in polnischen Dörfern und übernahmen wüste Höfe, bis der Aufbruch nach Bessarabien und Cherson begann, der Zustrom nach Polen endete jedoch erst 1860.

Hintergrund dieses Weges über Polen war jedoch nicht nur eine bereits vorhandene Ansiedlung, viele von ihnen trafen ab 1810 auch in der Region Warschau ein, um ein Verbot des Zaren zur Zahlung der Tagesgelder, welches seit 1810 ausgesprochen war, zu umgehen, denn dieses Verbot galt nicht für die aus Polen kommenden Kolonisten. So ließ man sich für kurze Zeit nieder, um dann erneut „auszuwandern“. Vor allem die Separatisten, zurückgehend auf die Hugenotten und Waldenser, (unter ihnen unser Ahn Wornat), nutzen diese „Lücke“. Da man ihnen die Ansiedlung in Georgien später (nach 1819) unter Hinweis auf ihre „Halsstarrigkeit“ verwehrte, wanderten sie jedoch auf eigene Faust mit einer „Notlüge“ aus, sie behaupteten einfach, sie hätten bei dem Zaren vorgesprochen, als dieser in Aachen war. Viele dieser Auswanderer ließen sich später in Bessarabien nieder, da sie mehr Land erhielten, als in Georgien, auch schreckten Berichte von den schwierigen Bedingungen im Kaukasus ab.

Unsere Vorfahren wanderten überwiegend in das heutige Polen aus, ehe sie sich entschlossen, im Herbst 1813 nach Bessarabien aufzubrechen. Die Familie meiner Oma lebte in der Region um Tomaszów Mazowiecki, von wo einige der Kolonisten 1809 in die Kolonien um Sankt Petersburg weiterzogen.

Mit dem Wiener Kongress entstand 1815 das Königreich Polen aus dem ehemaligen Mittelpolen, durch seine Anbindung an Russland bis zum Ende des ersten Weltkrieges folgte für die deutschen Kolonisten wieder der Militärdienst, diesmal in der russischen Armee, was viele bewog, weiter zu wandern.

Da der Krieg die wirtschaftliche Lage in Polen ruiniert hatte, wurde mit dem Gesetz vom 2. März 1816 Einwanderern kostenloses Baumaterial, Freiheit von Einfuhrzöllen und Militärdienst sowie Steuerfreiheit zugesichert. Am 30. März 1821 wurde mit einem Vertrag für die deutschen Einwanderer die Grundlage der Neuschaffung der Textilindustrie Polens, gelegt, Tuchmacher aus Schlesien, Sachsen, Pommern, Brandenburg und der Eifel, wanderten erneut in Scharen – unter anderem in die Region um Lodz – ein. Bekannte Tuchmacherfamilien waren Quiram oder Appel – seit 1799 in Dombie, Namen, welche auch unter den Bessarabiern vertreten sind, ansässig waren u.a. auch Fribus (Friebus), Kunkel, Jahnke, die Tuchmacher wanderten später nach Lodz ab, viele gingen später nach Wolhynien.

Um 1855 setzte eine verstärkte Abwanderung nach Wolhynien ein, da man dort billig Land kaufen konnte, welches nur noch von den Stubben gerodet werden musste, bis 1885 zogen tausende Kolonisten dorthin, da die Unruhen des polnischen Aufstandes 1863 – 1865 vielen das Gefühl gab, in der Zukunft nicht mehr so leben zu können, wie bisher. Man verkaufte sein Land, manche verpachteten auch, kaufte sich für 25 Rubel einen Reisepass und brach auf eine 4 – 5 wöchige Reise auf, welche jedoch für die Kinder sehr strapaziös war, so dass viele ihr Ziel nie erreichten. Eine große Gruppe bildeten die „Braneborger“, die Märker, am zweiter Stelle die Pommern, Zitomir, Lutzk und Rowno mit ihren Waldgebieten wurden als Zielorte genannt.

Zeugnis meiner Oma in der Amtssprache polnisch, auch der deutsche Nachname wurde der polnischen Schreibweise angepasst.

Nach dem ersten Weltkrieg erlangt Polen durch den Vertrag von Versailles seine Unabhängigkeit, die Teilungen von 1772, 1793 und 1795 wurden annulliert, der überwiegende Teil von Westpreußen, Posen, Galizien, Westwolhynien und Teile Oberschlesiens fielen ab 1919 zurück an Polen. 1925 wurde ein Großteil des deutschen Grundbesitzes enteignet und Polen bei Landverkäufen ein Vorkaufsrecht gewährt, deutschen Gewerbetreibenden wurde die Konzessionen entzogen, daher wanderten etwa 1 Million Deutsche – vor allem aus den Städten – aus. In den Schulen wurde polnisch Unterrichtssprache und so bekam z.B. meine Großmutter ein Zeugnis, welches in polnisch verfasst war.

Die nächsten 20 Jahre waren für die Deutschen, welche blieben, geprägt von immer stärkeren werdenden Repressalien, mit dem Einmarsch deutscher Truppen am 1.09.1939 kippte diese Stimmung noch stärker und führte am 3.09.1939 zum Bromberger Blutsonntag

Von diesem Moment an nahm die Geschichte ihren verhängnisvollen Verlauf, aus Spannungen wurde der willkommene Auftakt zu einem sinnlosen Krieg, in dessen Folge nicht nur der polnische Staat praktisch bis 1945 aufhörte zu existieren, da die Gebiete Posen und Westpreußen wieder deutsch wurden, man eroberte Danzig-Westpreußen, Wartheland und Ost-Oberschlesien und wollte diese mit Deutschen aus dem Baltikum, Bessarabien, Wolhynien, Galizien und dem Ostpolnischen Raum neu besiedeln.

Quelle: Wikipedia – © Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild R 49 Bild-0705 / 1939

Originalbeschreibung im Bundesarchiv: Polen, Herkunft der Umsiedler, Karte

Nach dem Feldzug der 18 Tage begann die bisher großzügigste Umsiedlungsaktion der Weltgeschichte. Alle Volksgruppen, die Draußen ihre Aufgaben erfüllt haben, rief der Führer zurück in die Heimat ihrer Väter. Sie helfen jetzt mit beim Ausbau und der Fertigung des großdeutschen Reiches. In besonderem Maße werden beim Aufbau des Warthegaues ihre kolonisatorischen Fähigkeiten wirksam werden. [Karte- Übersicht zur Herkunft deutschstämmiger Umsiedler im Wartheland.]

Die einstigen Kolonisten folgten dem Ruf „Heim ins Reich“ und verloren dabei Familienangehörige, ihr Heim, Hab und Gut, der „Größenwahn“ eines Diktators führte zu einer in der Geschichte beispiellosen Umsiedlung, Vertreibung und Tötung von Menschen, auch noch nach dem Ende des 2. Weltkrieges! Es verloren bis zum Ende des 2. Weltkrieges 55 bis 60 Millionen Menschen ihr Leben !

16,9 Millionen Deutsche, deren Vorfahren einst die Heimat verließen, gerufen, um als Kolonisten bis dahin unwirtliche Landstriche zu erschließen, waren betroffen.

Allein 3,2 Millionen „verschwanden“ in Vernichtungs- und Internierungslagern oder blieben verschollen. 2 Millionen von ihnen verloren ihre staatsbürgerlichen Rechte und ihren Besitz, weil sie in ihrer Heimat blieben, das Schicksal von 1,4 Millionen Russlanddeutschen ist zum Teil noch heute ungeklärt. Ihre Deportationen nach Sibirien und Kasachstan begann im August 1941, und, obwohl zunächst auf die Wolgadeutschen bezogen (fast 366.000 wurden im September 1941 deportiert), folgten im August bereits 40 – 50.000 auf der Krim ansässige Deutsche, beim Einmarsch der Deutschen Truppen 1942 waren nur noch 960 von ihnen auf der Krim. Funktionärs- und Sympathisantenlisten wurden erstellt und die Betreffenden vor dem Deportationstermin liquidiert. Aus der Ukraine wurden 100.000 wehr- und arbeitsfähige Männer zwischen Juli und Oktober 1941, 25.000 aus dem Südkaukasus im Oktober nach Kasachstan deportiert. 350.000 wurden bei ihrer Flucht aus dem Warthegau von der Front eingeholt und deportiert, Unzählige, welche sich zu den Alliierten „gerettet“ hatten, wurden an die Sowjetunion ausgeliefert und zur Zwangsarbeit verurteilt.

Im November 1944 per Gesetz bereits aller staatsbürgerlicher Rechte und ihres Besitzes beraubt, kamen 200.000 deutschstämmige Jugoslawen in Lagern um, 50.000 wurden in die Sowjetunion deportiert. In Rumänien wurden 500.000 daheim gebliebene 1949 für „vogelfrei“ erklärt, und erlebten schwere Repressalien, man deportierte im Januar 1945 über 75.000 Menschen im Alter von 17 bis 45 zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion, 425.000 wurden ab März 1945 vollständig enteignet. Etwa 80.000 in Ungarn verbliebene wurden zur Zwangsarbeit deportiert und 1/4 überlebte dies nicht. Im Frühjahr und Sommer 1945 kam es in der Tschechoslowakei zu Massenexekutionen und Blutbädern, ca. 400.000 Sudetendeutsche starben oder blieben verschollen.1

Quelle: Wikipedia – © Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild 146-1990-001-30

Man möchte meinen, dann kehrte Friede ein, der Krieg war vorbei und alle fanden ihren Platz.

Bis Ende 1949 fanden sich im Osten Deutschlands 4,3 Millionen heimatlos gewordenen Menschen ein, das waren 1/4 der Gesamtbevölkerung der sich gründenden DDR !2

Die „Verbannung“ in die „Sondersiedlungen“ z.B. in Kasachstan wurde erst am 13.12.1955 nach dem Besuch Adenauers in Moskau aufgehoben !

Eine Teilrehabilitierung der Wolgadeutschen erfolgte am 29. 08.1964 mit dem Beschluss „Über die Abänderung des Erlasses vom 28. August 1941 über die Umsiedlung der Wolgadeutschen“ – in ihre Heimatorte zurück kehren durften sie jedoch nicht!


1) Heimatkalender der Bessarabiendeutschen, Bessarabiendeutscher Verein e.V. , Stuttgart

2) SBZ-Handbuch, Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945-1949. Martin Broszat, Hermann Weber (Hrsg.): Im Auftrag des Arbeitsbereichs Geschichte und Politik der DDR an der Universität Mannheim, 2. Auflage 1993. VI, 1106 S.

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Deutsche Kolonisten

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