Alt-Schwedendorf

Alt-Schwedendorf – Staroschwedske – Gammalsvenskby, der nordöstlichste Gemeindeteil der Gemeinde Smijiwka, welche sich in der südukrainischen Oblast Cherson befindet. Dieses wurde von schwedischen Siedlern 1781 gegründet. Auch heute lebt noch eine kleine schwedische Minderheit im Dorf, welche noch immer schwedisch sprechen.

Auszug aus der „Statistisch-historischen Beschreibung der Kolonien im schwedischen Gebiet betreff ihres 100-Jährigen Bestehens
von Wilhelm Isert, 1904.
Lehrer an der Schule zu Schlangendorf, Gouv. Cherson.

Seite 3: Statistischer Teil, 1. Grund und Boden.

Das ganze schwedische Gebiet umfasst einen Flächenraum von 8.700 Dessj. brauchbaren und 2.588 Dessj. unbrauchbaren Landes, von welchem im Ganzen auf die Steppe 9.700 und auf die Dnjeperniederung 1.588 Dessj. kommen. Dieses Land zieht sich in einer Ausdehnung von ungefähr 6 Werst Breite und bis 12 Werst Länge nordöstlich am Dnjeperufer entlang, wodurch, wie ersichtlich, der für eine gedeihliche Wirtschaftsführung so nachteilige Übelstand sich ergiebt, dass die Plane der Kolonien ausserordentlich schmal und lang werden mussten.

Seite 4/5 : Bevölkerung.

Der ganze Flächenraum des schwedischen Gebiets wurde ursprünglich den, durch die Kaiserin Katherina II aus der Leibeigenschaft frei-gesprochenen, und von der Insel Dagö – aus den Kirchspiel Roisk – zur Ansiedlung hierher gewiesenen Schweden bestimmt und zugeteilt.
Es war ihnen gestattet, ein geeignetes Stück Land auf der ganzen Strecke von Nikopol bis Berislaw {Kisik-Kirmen) zu wählen. Die Anzahl der Schweden kann nicht mehr genau ermittelt werden, muss sich jedoch auf 1.200 Seelen beiderlei Geschlechts belaufen haben, die denn auch hinlänglich gewesen wären, den ganzen Plan zu besiedeln. Sie verliessen ihre alte Heimat unter Aufsicht und Führung eines ihnen von der Regierung beigegebenen Beamten – Iwan Maximowitsch Sinelnikow – am 20. August 1780 und kamen am 1.Mai 1781 hier an. Den Winter des Jahres 1780 verbrachten sie in der Nähe von Poltawa im Dorfe Restschitilowka. – Im Jahre 1794 wurden durch Potjemkin noch 30 Kriegsgefangene schwedische Soldaten aus Theodosia hierher zur Ansiedlung beordert. Auch aus Italien sind zwei Familien hier angesiedelt worden, nämlich Krakowsky. Der Stammhalter war aus der Stadt Scala – in Italien – gebürtig.

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Das veränderte Klima aber hatte schon unterwegs so nachteiligen Einfluss auf die Gesundheit der Auswanderer, dass grosse Massen hinstarben und nur 70 Familien hier ankamen, Auch hier starben in der ersten Zeit noch viele, hauptsächlich an der Ruhr, so z.B. im ersten Jahr ihres Wohnens hieselbst 318, und im zweiten 116 Personen, bis man sich endlich mehr und mehr an die veränderte Luft und Temperatur gewöhnte und demnach die ungewöhnliche Sterblichkeit nachliess. Es blieben 30 Familien mit einer Seelenzahl von 71 Seelen männlichen und 64 Seelen weiblichen Geschlechts nach. Diese ungewöhnliche Sterblichkeit hatte natürlich auch zur Folge gehabt, dass die ökonomischen Verhältnisse darunter sehr litten, und die Schweden auf keinen grünen Zweig kommen konnten. Es ist deshalb gar nicht zu verwundern, wenn die Regierung im Jahre 1802 die Schweden, welche das 30. Lebensjahr erreicht hatten, zur Verheiratung zwang. Wer dieser Forderung kein Gehör leisten wollte, musste 1 Jahr Hirte sein und wären nicht die Deutschen hergekommen, wer weiss ob die Schweden nicht ganz ausgestorben wären!

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Im Jahre 1804 zählte die Kolonie Alt-Schwedendorf 97 Seelen männlichen und 91 Seelen weibl. Geschlechts und besass: 80 Pferde, 612 Stück Hornvieh, 692 Schafe, 233 Schweine, 23 Pflüge, 33 Eggen, 37 Wagen, 30 Spinnräder und 21 Webstühle.
Jetzt zählt die Kolonie Alt-Schwedendorf 710 Seelen männl. und weibl. Geschlechts und besitzt 2701 Dessj. brauchbaren und 545 Dessj. unbrauchbaren Landes, 501 Pferde, 556 Stück Hornvieh und 309 Schweine, 75 Pflüge, 150 Eggen, 60 Mähmaschinen und 150 Wagen.

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Da nun die Anzahl, der ursprünglich für das hiesige Gebiet bestimmten schwedischen Ansiedler durch die ungewöhnliche Sterblichkeit der ersten Jahre so ausserordentlich sich vermindert hatte, wurden später auf diesem Gebiete von der Krone hoch drei andere Kolonien angesiedelt. Schon 1786 kam ein Transport Einwanderer als der Gegend der preussischen Stadt Danzig hier an, um hier angesiedelt zu werden. Sie verliessen aber schon im folgenden Jahre den hiesigen Ansiedlungsplan wieder und wurden 15 Werst von der Stadt Elisabetgrad sesshaft, und die Besiedlung des hiesigen Planes blieb anstehen bis zum Jahr 1804, wo die Kolonie Schlangendorf zuerst mit 19, Mühlhausen mit 16 und Klosterdorf mit 30 Wirten gegründet wurden.

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Im Mai des Jahres 1805 kam noch ein Transport neuer deutscher Auswanderer, zirka 35 Familien, meistens römisch-katholischer Konfession, hier an und Hessen sich in den Kolonien nieder.
Die Schlangendörfer kamen aus den früheren polnischen, damals preussisch gewordenen Wäldern der jetzigen Provinz Posen, auch aus Würtemberg, Hessen-Darmstadt, Elsass-Lotringen u.a. Gegenden. Die Klosterdörfer kamen meistens aus Österreich, die Mühlhäuser hatten sich aus Würtemberg, Preussen der Schweiz, Baden, Polen u.a. Ländern zusammengefunden. In den Adern mehrerer Kolonisten-Familien der Kolonien Schlangendorf und Mühlhausen fliesst nicht nur germanisches, sondern auch mongolisches Blut. Der ausgeprägte mongolische Typus dieser Personen lässt auch heute noch mit Bestimmtheit auf diese merkwürdige Erscheinung sohliessen. Der Ur- grossvater der jetzt sehr zahlreichen Familie Quadrizius, Andreas Quadrizius, aus Sachsen gebürtig, heiratete, nachdem er längere Zeit in Russland gelebt, ein Tatarenmädchen. Der Überlieferung nach wäre diese Verheiratung auf Wunsch und Willen der Kaiserin Katharina II geschehen.
Nachdem die Kolonisten mehrere Jahre hier gelebt hatten, wurden noch mehrere Familien aus dem Molotschnaer, Josephstaler und Mariupoler Gebiet der Kolonien angesiedelt.


Quelle: Records of the National Socialist German Labor Party (NSDAP) : National Archives Microcopy no. T-81
Verfasser: Deutsches Ausland-Institut (Stuttgart) (Main Author)
American Historical Association. Committee for the Study of War Documents (Added Author)
Veröffentlichung: Washington, D.C. : American Historical Association. American Committee for the Study of War Documents, 1956
Mikrofilm 008878487 Frame 2463685 ff.

mehr zur Familie Quadrizius in: Henriette Goette: VON DER HEIMAT VERLEUGNET, Hundt-Druck GmbH 2008

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