Gouvernement Taurien

Carte du Gouvernement de Tauride, Comprenant la Krimee et les Pays Voisins. Dezauche, Jean Claude. Paris, 17881

Taurien, einstiges Gouvernement, welches die Halbinsel Taurien (Krim), die nördlich liegende nogaische (krimsche) Steppe, das Land der tschernomorskischen Kosacken und die zwischen der Kubanmündungen gelegene Halbinsel Taman umfaßte. Mit dem Festland ist die Halbinsel durch die Landenge von Perekop verbunden.

Es findet sich im Norden der Halbinsel eine baumlose Steppe mit einigen Salzseen, im Süden längs der Küste ein Kalkgebirge, durchzogen von waldige Höhen und fruchtbaren, wasserreichen Tälern. Das milde Klima ist ideal für den Anbau von Wein, Obst und Südfrüchten. Die Halbinsel Taman besitzt zudem einige Bergteerquellen, ein natürliches Vorkommen von Asphalt

Zur Zeit des antiken Griechenlands Sitz der Skythen und Amazonen, gab es  auch griechische Kolonien. Phanagoria, auf der Halbinsel Taman, Pantikapaion und Theodosia im Osten der Krim. Chersonesos (Heraklea) auf dem Steppenplateau, oder etwa Olbia an der Mündung des Bug.3
Die Geschichte Tauriens war wechselhaft, wie ich unter Krim geschrieben habe, zogen im Laufe der Jahrhunderte viele Völkerschaften in diesen Gegend, eroberten und zogen wieder von dannen. Am Ende des 12. Jahrhunderts waren die Genueser Herren der Krim und gründeten Caffa. Hier war der Sitz einer Administration im Netzwerk von Handelsstützpunkten im Schwarzen Meer. Im 13. Jahrhundert eroberten Tataren die Krim und im 15. Jahrhundert Türken. 1771 von den Russen erobert wurde 1774 die Unabhängigkeit der Krim anerkannt. 1783 wurde die Krim zu russischem Eigentum erklärt und als solches 1784 von der Türkei förmlich anerkannt. Unter dem Namen Taurischer Chersones, kurz Taurien, wurde die Krim 1784 dem russischen Reich angegliedert.

Grigori Alexandrowitsch Potjomkin erhielt als Dank für die Eroberung den Beinamen „der Taurier“, der kaiserliche Titel erweitert als dem „Zaren des taurischen Chersones“.

Als Teil des Kolonisationsgebietes Neurussland wurde eine Oblast Taurien eingerichtet. Dabei wurde der antike Name Taurien wiederbelebt, als Name für die Krim setzte sich Taurien außerhalb von offiziellen Dokumenten allerdings nicht durch. 1796 von Zar Paul I. aufgelöst, wurde es 1802 von Alexander I. als Gouvernement wiedererrichtet. In dieser Form bestand es bis Oktober 1921.

Potjomkins Ansiedlungsversuche brachten nicht den gewünschten Erfolge, erst unter Alexander I. begann um 1803/1804 eine gezielte Ansiedlung von Deutschen und rund 60 Schweizer Familien.

Carte generale du gouvernement de la Tauride, Piadyshev, Vasilii Petrovich, 18222

Die Gründungen der deutschen Kolonien erfolgte rasch:

  Kolonie heutiger Name Gründung Herkunft der Kolonisten
  Hoffental heute im nördlichen Teil von Wynohradne 1804 evangelisch einige Familien sind  1802 – 1807 aus Baden und Württemberg nach Preußisch Polen ausgewandert; 1810 kamen noch zwei Familien aus Württemberg und 17 Familien aus Westpreußen
  Rosental Nowe Pole / Нове Поле 1804 evangelisch Zu den ursprünglichen Familien kamen 1810 drei Familien aus Preußisch Polen und 3drei aus Baden. 1823 kamen noch zwei Familien und 1833 acht Familien aus der aufgelösten Kolonie Neudorf. Insgesamt waren es 28 Familien.
  Alt-Montal Samoschne / Заможне 1805 evangelisch 60 Familien aus Polen, Brandenburg und Mecklenburg; 1809 kamen noch 20 Familien aus Baden und Elsaß
  Alt-Nassau Wynohradne / Виноградне 1805 evangelisch bereits 1800 – 1802 aus Nassau-Usingen ankommend; 1814 gründeten 20 Familien Neu-Nassau
  Neudorf   1805 evangelisch zerstört, südlich von Wyschnewe / Вишневе; Neudorf wurde 1831 aufgelöst und die Bewohner nach Kronsfeld und Rosental ausgesiedelt.
  Prischib im nördlichen Teil von Wynohradne 1805 evangelisch, katholisch großteils zerstört, der größte Teil der Einwanderer kam aus Württemberg und Baden. Später weitere Einwohner aus dem verschiedenen Teilen Deutschlands und den umliegenden deutschen Kolonien
  Wasserau Wodne / Водне 1805 evangelisch 1802 kamen Einwanderer aus Württemberg, Kreis Rottenburg nach Preußisch Polen, dann 1804 mit einigen anderen dortigen Familien (insgesamt 38 Familien) nach Südrussland. 1810 kamen 4 Familien aus aus Baden-Durlach dazu. 1823 übersiedelte die ganze Gemeinde an einen günstigeren Ort, da das Land im ursprünglichem Ort sich über 12 km ausdehnte und daher die Bearbeitung umständlich war..
  Weinau Tschapajewka / Чапаєвка 1805 evangelisch 1802 aus der Stuttgarter Gegend,  lebten die Kolonisten einige Jahre in Preußisch Polen. 1810 kamen noch 12 Familien aus Baden. 1815 zogen 15 Familien nach Wasserau und 1840 drei Wirte nach Kronsfeld.
  Waldorf Schowtnewe / Жовтневе 1809 katholisch  
  Durlach   1810 evangelisch zerstört, südlich von Tschapajewka / Чапаєвка
  Grüntal   1810 evangelisch zerstört, bei Tschornosemne/Чорноземне
  Heidelberg Nowohoriwka / Новогорівка 1810 katholisch die meisten Familie kamen aus Baden: Mannheimer, Heidelberger und Rastatter Umgebung; 1822 kamen zu den 82 Familien noch weitere 10 hinzu
  Hochstädt Wyssoke / Високе 1810 evangelisch  
  Kostheim Pokasne / Показне 1810 katholisch Badener Familien aus dem Raum Bruchsal, Elsässer, Pfälzer aus der Gegend um Landau und Speyer
  Leiterhausen Traktorne / Тракторне 1810 katholisch Familien  aus der Gegend von Mannheim, Heidelberg und dem Elsaß
  Reichenfeld Plodorodne / Плодородне 1810 evangelisch, katholisch 30 evangelische und eine katholische Familien aus der Gegend um Mannheim und Heidelberg. Dazu einige Württemberger aus dem raum Stuttgart und einige Pfälzer aus dem Bistum Speyer.
1823 kamen noch 6 evangelische und 4 katholische Familien aus Zarskoje Selo bei Petersburg, wohin sie 1807 – 1809 eingewandert waren.
  Friedrichsfeld Rosdol / Роздол 1812 evangelisch Familien stammen aus dem Raum Mannheim und Heidelberg; dazu 4 Familien aus der Stuttgarter Gegend; 1811 kamen weitere Familien, die 1804 aus Preußisch Polen nach Neudorf eingewandert sind und dann nach Friedrichfeld umsiedelten.
  Neu-Nassau Suwore / Суворе 1814 evangelisch 12 Familien stammen aus dem Schwarzwald (Württemberg) und 20 aus Hessen-Nassau.
  Karlsruhe Sraskowe / Зразкове 1815 evangelisch 15 Familien kamen aus Weinau und 16 aus Wasserau; 1821 zogen weitere 5 Familien aus dem Durlacher und Eppinger Raum in Badens zu; einige aus dem Elsaß
  Neu-Montal Peremoschne / Переможне 1816 evangelisch 21 Familien kamen aus Alt-Montal, 1823 kamen weitere 7 hinzu
  Hochheim Komsomolske / Комсомольське 1818 evangelisch  
  Tiefenbrunn Tschystopillja / Чистопілля 1820 evangelisch  
  Blumental Riwne / Рівне 1822 katholisch Nachkommen der Kolonien Kostheim, Leiterhausen, Heidelberg und Waldorf
  Kronsfeld Marjaniwka / Мар’янівка 1825 evangelisch Die Kolonie wurde von Familien, die aus der Gegend von Heidelberg und Tübingen auswanderten und zunächst bei Petersburg (Zarskoje selo) siedelten, gegründet. Es waren 19 Familien, die unter ihrem Schulzen Adam Schatz Kronsfeld gründeten. 1833 musste die Kolonie 12 weitere Familien aus dem aufgelösten Neudorf aufnehmen. 1839 kamen weitere 3 Familien aus Weinau hinzu.
  Kaisertal Solota Dolyna / Золота Долина 1838 evangelisch  
  Darmstadt Romaschky / Ромашки 1840 evangelisch  

1 Barry Lawrence Ruderman Antique Maps

2 David Rumsey Map Collection, Taurien 1788, Taurien 1822, Taurien 1829

3 Skizzen aus der Geschichte der Krim Vortrag, gehalten im Stadthaus zu Weimar den 20. März 1855 Autor: Sauppe, Hermann (1809-1893) Professor, deutscher klassischer Philologe, Pädagoge und Epigraphiker, 1855

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