Alt Prerau: Lagerleiter Johann Groß, 36 Bewohner aus Josefsdorf
Asparn an der Zaya: Lagerleiter Heinrich Eberlein, 166 Bewohner aus Lunga
Bernhardsthal: Lagerleiter Leo Reichl, 120 Bewohner aus Tarutino, Josefsdorf
SA-Heim, Burg Laa an der Thaya: Lagerleiter Rudolf Gsonek, 116 Neu-Tarutino
Gaubitsch: Lagerleiter Johann Lahner, 58 Bewohner aus Neu-Tarutino
Kirchstetten: Lagerleiter Georg Ehrenreich, 152 Bewohner aus Konstanta, Karamurat
Kronberg: Lagerleiter Franz Haindl, 78 Bewohner aus Neu-Tarutino
Ladendorf: Lagerleiter Eduard Riedl, 275 Bewohner aus Mathildendorf, Neu-Mathildendorf, Petrowka, Borodino
Mistelbach an der Zaya: Lagerleiter Johann Schuch, 177 Bewohner aus Josefsdorf
Pellendorf: Lagerleiter Franz Stelzer, 133 Bewohner aus Josefsdorf
Schloß Poysbrunn: Lagerleiter Rudolf Fluchy, 81 Bewohner aus Neu-Tarutino
Walterskirchen
Pfarrhof in Walterskirchen, Gemeinde Poysdorf, Niederösterreich, Österreich 4
Lagerleiter Johann Kaufmann, es gab hier am 1. März 1941 gelistete 81 Bewohner aus Tarutino, Neu Tarutino und Josefsdorf5:
Familie Friedrich Göhner und Frau Magdalena geb. Wahl; 10 Kinder; aus der Ehe mit Schneider Adam (†) 4 Kinder (22 Kinder und 18 verstorbene!), Johann Göhner und Magdalena Motz, 2 Kinder (eins verstorben)
Familie Wilhelm Trautwein, Frau Anna geb Ertmann, 2 Kinder; Johann Trautwein, Frau Rosina geb. Günter, 9 Kinder (davon 4 †) und Martin Trautwein mit Frau Rosina geb. Knodel, 10 Kinder (davon 4 †)
Familie Eduard Bogner mit Frau Elise geb. Fandrich, 1 Kind; Johannes Pohl (†) mit Frau Helene geb. Döhring, 4 Kinder (davon 3 †); Gottfried Bogner mit Helene geb Döhring 12 Kinder (davon 8 †).
Familie Reinhold Rath mit Frau Elsa geb. Stoik, 4 Kinder (davon eins verstorben) und Wilhelm Rath mit Frau Christine geb. Wahler, 9 Kinder (davon 3 †)
Familie Rudolf Tetzlaff mit Frau Maria Fandrich, 1 Kind und Samuel Tezlaff mit Frau Pauline Milbrat, 12 Kinder (davon 4 †)
Familie Alfred Bich mit Frau Adele Wanke, 3 Kinder (davon 2 †); Johann Bich mit Frau Salomena geb. Bunk, 11 Kinder (davon 7 †) und Gottfried Bich mit Frau Magdalena geb. Seize, 4 Kinder (davon 2 †)
Familie Michael Böttcher mit Frau Alfine geb. Schöffelmeier, 7 Kinder (davon eins †) und Daniel Böttcher mit Frau Juliane Butau, 11 Kinder (davon 3 †)
Familie Johann Pohl und Frau Katharina geb. Pohl, 9 Kinder (davon 3 †) und Christian Pohl mit Frau Anna geb. Ruff, 8 Kinder
Familie Johann Schrank mit Frau Karoline geb. Fälscher, 3 Kinder und Toternschke, Jorips (?) (ein Russe) mit Karoline Fälscher 3 Kinder
Familie Gottfried Brißke mit Frau Hulda geb. Sept 14 Kinder (davon 3 †), Ferdinand Brißke mit Frau Katharina geb. Frank 6 Kinder (davon 2 †) und Reinhold Kling mit Frau Hulda geb. Sept, 1 Kind
Šumperk (deutsch Mährisch Schönberg) ist eine Stadt in der Region Olmütz in Tschechien.
Die deutsche Geschichte reicht viele Jahrhunderte zurück, daher gab es eine Sudetendeutsche Partei (SdP), die offen das „Dritte Reich“ unterstützte und bei den Wahlen 1935 auch 64 % der Stimmen erhielt.
Im Jahre 1938, nach dem Münchner Abkommen wurde die Stadt dem Deutschen Reich zugeschlagen und war bis 1945 Sitz des Landkreises Mährisch Schönberg und gehörte zum Reichsgau Sudetenland. Erst mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, 1945 wurde Mährisch Schönberg an die Tschechoslowakei zurückgegeben und erhielt den tschechischen Stadtnamen Šumperk zurück. In der Folge begannen großflächige Enteignungen und Vertreibungen der verbliebenen deutschmährischen Bevölkerung.
Hier befanden sich die der Stadt unterstellten Umsiedlerlager:
Mährisch-Altstadt mit 121 Personen
Mährisch-Schönberg Nr. 42 mit 52 Personen
Ullersdorf Nr. 43
Zöptau mit verantwortlichem Lagerleiter Johann Huft
Im Umsiedlerlager Nr. 42 waren im Februar 1941 folgende Bessarabier gemeldet (Liste liegt mir vor5):
Friedrich Alber mit Frau Olga geb. Funk, 3 Kinder
Olga Banek geb. Winkler, 2 Kinder
Gottfried Funk mit Frau Lilli geb. Lehmann, 2 Kinder
Witwe Eleonore Georgiu, geb. Wezlaff, 3 Kinder
Johannes Haller, Witwer der Karoline geb. Lehr, 6 Kindern
Emil Rall und Emilie geb. Leitz, 4 Kinder
Friedrich Riethmüller und Ottilie geb. Bossert, 5 Kinder
Eduard Ölke und Magdalena geb. Gabert, 6 Kinder
Gotthilf Sawall und Pauline geb. Hermann, 3 Kinder
Witwe Mathilda Sawall geb Huber, 8 Kinder
Gotthilf Schlauch und Mathilde geb. Buchfink, 6 Kinder
Otto Schulz und Marie geb. Beck, 4 Kinder
In der Region Aussig (Ústecký kraj) lag der Bezirk Tetschen (Okres Děčín) mit der Stadt Rumburg (Rumburk) . Untergeordnet waren der Stadt Romburg die Lager:
Georgswalde mit 114 Personen
Nixdorf, Deutsches Haus mit 129 Personen (Lager 108)
Nixdorf, Krankenhaus mit 133 Personen (Lager 109)
Philippsdorf, mit 139 Personen
Rumburg, verantwortlicher Leiter Franz Schmid, mit 137 Personen
Schönlinde, mit 95 Personen
Schluckenau, verantwortlicher Leiter Metzner, mit 265 Personen
Teichstatt, mit 104 Personen
Warnsdorf, mit 182 Personen
Wölmsdorf, mit 55 Personen
Zeidler, mit 98 Personen
Nixdorf (Mikulášovice)
Vlak tažený lokomotivou 434.2186 u Mikulášovic na trati Rumburk–Sebnitz 6Tanzsaal „Deutsches Haus“ 7
In Nixdorf (Mikulášovice) stand das Hotel „Deutsches Haus“, in der Nachkriegszeit wurde das Gebäude Nixdorf Nr. 19 umgenutzt und diente ab September 1953 als Kompanie der Grenzschutzabteilung, bevor es 1966 an die zivile Verwaltung übergeben wurde.
Lauenhain, heute Ortsteil von Mittweida im sächsischen Landkreis Mittelsachsen, hatte das Umsiedlerlager 98b, ursprünglich ein Marinelager, verantwortlicher Leiter W. Welz (oder Welg). In diesem waren am 23. Januar 1940 Bewohner aus Brienne, Bessarabien, untergebracht. Lagerverwaltungsführer war der Brienner August Schell.
Die Namen der Familien liegen mir als Liste2 vor, aus Datenschutzgründen gebe ich diese verkürzt wieder:
August Adolf, mit Frau und 2 Kindern
Emil Hannemann mit Frau und 3 Kindern
Herbert Hannemann mit Frau und zwei Kindern
Johann Hannemann mit Frau und 2 Kindern
Otto Hannemann mit Frau und einem Kind
Reinhold Hannemann mit Frau und einem Kind
Ewald Klav mit Frau und 2 Kindern
Hulda Klav, Witwe, mit Sohn
Peter Lang mit Frau und 5 Kindern
Gustav Mattheis mit Frau und 5 Kindern
Artur Mattheis mit Frau und einem Kind
Bernhard Martsch mit Frau und 4 Kindern
Katharina Martsch, Witwe mit 3 Kindern, jüngstes starb im Lager am 30. Januar 1941 um 18.00 Uhr
In den Jahren 1940 bis 1942 beschlagnahmte die NSDAP zahlreiche Klöster zur Unterbringung deutscher Umsiedler aus Südosteuropa. Im allgemeinen Sprachgebrauch nannte man diese Phase der Beschlagnahme und Enteignung von rund 300 katholische Klöster und kirchliche Einrichtungen „Klostersturm“1. Die Klosterbewohner mussten das Kloster verlassen, der Betrieb wurde eingestellt.
In Bayern waren die betroffenen Klöster 1940 zumeist im Betrieb nur stark eingeschränkt, bis man 1941 versuchte, wegen angeblich „volks- und staatsfeindlicher“ Betätigung der Ordensgeistlichen, mindestens acht Klöster zu schließen. Der Protest der katholischen Bevölkerung konnte dieses letztlich verhindern.
Unter Berufung auf das Reichsleistungsgesetz vom 1. September 1939 wurde die Grundlage für die Beschlagnahme von Gebäuden „für kriegswichtige Zwecke“ geschaffen. Man forderte daher gezielt die kirchlichen Gebäude, um dort Umsiedler unterzubringen und illegal (Rückgabe war nicht geplant), der Grundstücke habhaft zu werden.
Aus Erzählungen der Umsiedler und Eintragungen in Dokumenten kennt man die Lagerstandorte, einige davon:
1941 Umsiedler aus Neu Elft, Bessarabien, bekannt sind Unterbringungen im Gasthaus zur Post, verantwortlicher Leiter Schrankenmüller; im Kloster verantwortlicher Leiter A. Sillib.
Die Familien waren jeweils in einem oder zwei Zimmern untergebracht, auch die Versorgung war besser als in anderen Lagern, wie die Familien teilweise in Sälen untergebracht waren, nur getrennt von Decken. Die arbeitsfähigen Männer und Jugendlichen waren mit Arbeitseinsätzen im Ort und der Umgebung beschäftigt, währen die Frauen in der Lagerküche halfen oder bei Reinigungsarbeiten.5
Im Jahre 1852 gründete Pfarrer Joseph Probst in einigen verfallenen Gebäuden die erste Anstalt für geistig Behinderte in Bayern mit 14 Kindern. Bereits 1884 lebten hier 190 Pfleglinge mit 50 Schwestern in einer klosterähnlichen Gemeinschaft. Bis 1902 wurden neue Gebäude für insgesamt 229 Bewohner geschaffen. Zwischen 1921 und 1934 entstanden die Filialen Bachham/ Heldenstein und Berg bei Schnaitsee.7
Die Kretinenanstalt Ecksberg beherbergte vom 8. Oktober 1940 bis 13. September 1941 rund 350 Bessarabiendeutsche, in der Filiale Bachham 100.
Um diesen Platz zu schaffen, wurden von den 342 Pfleglingen in Ecksberg am 26. September 1940 sechzig in die Anstalt Gabersee überstellt, am 30. September weitere 228 in die Anstalt Haar bei München „verbracht“. Von dort aus ging es für 245 in die Gaskammern der Tötungsanstalt Hartheim bei Linz8. Es überlebten nur 45 in Ecksberg, elf in Berg und neun in Bachham, zusammen 65 Pfleglinge9.
In Berg waren in der „Lüderitz-Villa“ (Villa „Alte Eichen“) in Kempfenhausen unter der Leitung von C. Laux Umsiedler aus Alexanderfeld, Balaban, Netusche und Tarutino untergebracht.
1941 Umsiedler aus Neu Elft und Dennewitz, Bessarabien
Unterbringung der Neu Elfter im Gasthof Prinz Ludwig, verantwortlicher Leiter H. Baur, Gasthof Grauer Bär, verantwortlicher Leiter Lanzl. Da der Graue Bär bereits als Unterkunft für die Kinderlandverschickung diente, resümierten der Kreisleiter und der Bürgermeister bei der Besichtigung vor der Ankunft der Neu Elfter, dass das Haus „einen grauenhaften baulichen Zustand“ besaß, trotzdem wurde einquartiert. Im Erholungsheim Seehof, unter dem Leiter H. Baur, wurden Dennewitzer untergebracht.
Das Benediktiner-Kloster wurde ab 22. November 1940 mit rund 350 Personen aus Bessarabien und der Dobrudscha belegt. Die Umsiedler aus Ciucurova berichten, ihre Ankunft war am 25. November 1940. Johann Adam (*1913 Ciucurova) berichtet dazu:
„Es folgt nun die Lagerzeit und die ist hart. Die Lagerführer sind dazu da, die dobrudschadeutschen Bauern umzuerziehen. Es gibt dabei viel Not und Elend“.
in: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 1956 p.46, Otto Klett, Eugenverlag
Das Lagerleben war ihnen ein Gräuel, aber sie mussten auch das zweite Weihnachtsfest dort feiern, ehe man 1942 in einem Lager im Warthegau auf die Ansiedlung wartete.
Percha bei Starnberg
Altenheim St. Josef mit der integrierten Kirche St. Bonaventura 12
Das St. Josefsheim beherbergte 1941 Umsiedler aus Alexanderfeld, Balaban und Ismail, Bessarabien. Die Leitung hatte C. Laux.
Heute erinnert sich kaum jemand an ein Umsiedlerlager für Bessarabiendeutsche im Jahre 1941 in Assenhausen, Ortsteil von Berg am Starnberger See.
An diesem Ort befindet sich ein Gebäude mit langer Tradition, das einstige Hotel „Rottmanns-Höhe“, welches 1874 auf dem Berggipfel errichtet wurde und eine wunderbare Sicht auf den Starnberger See bietet. Den Namen erhielt es in Erinnerung an den Landschaftsmaler Carl Rottmann, der vor dem Bau des Hotels von hier aus die Landschaft malte.
Ansichtskarte von Ferdinand Finsterlin (1843–1917)14
Als besondere Attraktion für Ausflügler gab es von 1901 bis 1919 an der Schiffsanlegestelle „Leoni“ eine Standseilbahn, um die 85 Höhenmeter zum Hotel zu überwinden. Seither führt der Seilbahnweg auf der ehemaligen Trasse entlang.
Mit der Einstellung des Hotelbetriebes wurde das Gebäude ab 1908 als Sanatorium genutzt, ehe es 1920 von den Jesuiten angekauft und zum Exerzitien-Gebäude15 wurde. Sie passten es optisch an ihre Klostergebäude an, indem ein Dachstuhl aufgesetzt, der dort vorhandene Aussichtsturm und Teile des Seilbahnmaschinenhauses entfernt wurden.
Nachweislich ab April 1941 waren dort 95 Bessarabiendeutsche untergebracht und Kinder konfirmiert (Denning, Kienzle, Lichtenthal16).
Als Lagerstandort der Dennewitzer wurde die Rottmannshöher SS-Bräuteschule eingetragen, verantwortlicher Leiter Georg Entres. Dieser blieb der Leiter, als Volksdeutsche aus Slowenien nach den Bessarabiern im Lager untergebracht wurden. Endres war dafür dienstverpflichtet und unabkömmlich gestellt (vom Kriegsdienst befreit).18
1941 Umsiedler aus Neu Elft und Alt Posttal, Bessarabien im Kloster unter der Leitung von A. Keller
Urfeld am Walchensee
Urfeld um 1900 vom Kesselberg mit Walchensee und Herzogstand 21
1941 Umsiedler aus Neu Elft und Dennewitz, Bessarabien
Die Unterbringung der Dennewitzer erfolgte im Hotel Post, verantwortlicher Leiter M. Recum und im Hotel Einsiedel, verantwortlicher Leiter E. Macco. Die Neu Elfter kamen ins Hotel Fischer am See, verantwortlicher Leiter J. Heiss und ins Hotel Jager am See, verantwortlicher Leiter E. Holthaus.
Das Ende des Zweiten Weltkriegs im Erzbistum München und Freising Die Kriegs- und Einmarschberichte im Archiv des Erzbistums München und Freising / Peter Pfister (Hrsg.). (Schriften des Archivs des Erzbistums München und Freising ; Bd. 8) ISBN 3-7954-1761-9 Verlag Schnell und Steiner GmbH, Regensburg 2005; p.861f ↩︎
Exerzitien (von lateinisch: exercere = üben) sind mehrtägige, meist schweigend begangene geistliche Übungen im christlichen Glauben ↩︎
mein Dank an Frau M. Kienzle, welche mir das Dokument dazu zur Verfügung stellte ↩︎
mein Dank gilt Heinz Rothenfußer, Archivar der Gemeinde Berg am Starnberger See, der mit freundlicherweise Material zur Verfügung stellte: „Namentliches Verzeichnis der ausgegebenen Umsiedlerausweise 12.04.1941“ (Staatsarchiv München) ↩︎
Institut für Zeitgeschichet München-Berlin, München 17.5.2013 Gutachten über Max und Maria Wutz p.31 Zitat 243: Bundesarchiv Berlin, ehem. BDC, PK C 66 (Schreiben betr. UK-Stellung des Georg Endres vom 7.1.1941 wegen seiner Dienstverpflichtung als Lagerführer; Staatsarchiv München, SpkA K 3733: Wutz, Max (Vernehmung Kreszenz Endres vom 30.9.1946). ↩︎
Hotel „Schützenhaus“ Asch
Ansichtskarte von 1938, Kunstverlag Georg Philipp, Nr. 26
Asch ist eine Stadt in Nordwestböhmen im heutigen Tschechien, im 11. Jahrhundert kamen Kolonisten aus Bayern, so erhielt sich bis ins 20. Jahrhundert, ebenso wie im südlich angrenzenden Egerland, der nordbayerische Dialekt. Auch im nördlich angrenzenden Vogtland wurde diese Mundart in etlichen Ortschaften nahe der tschechischen Grenze gesprochen.
Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 gehörte Asch zur Tschechoslowakei, eine Angliederung an Bayern wurde abgelehnt. Nach dem Münchner Abkommen gehörte die Stadt von 1938 bis 1945 zum Landkreis Asch im Reichsgau Sudetenland, weshalb zahlreiche Umsiedler hier in Umsiedlerlagern untergebracht wurden.
Am 14.10.1940 wurden die Bewohner Kisils zum Donauhafen Kilia gebracht und fuhren mit dem Donaudampfer „Schönbrunn“ am Abend des 15.10.1940 Donau aufwärts durch das „Eiserne Tor“ bis Semlin bei Belgrad, wo sie am 18.10.1940 vormittags von einer Musikkapelle empfangen wurden.
Nach kurzer Rast in einem Zeltlager ging es am 20.10.1940 abends, mit Bussen zum Bahnhof Belgrad und per Zug über Graz, Wien, Prag und Eger nach Asch.
Alle, die mit dem Treck fuhren, Väter gemeinsam mit ihren ledigen Söhnen oder auch kinderlose jüngere Ehepaare, lenkten ihre Gespanne am 17.10.1940 von Kisil bis Galatz. Bei Ankunft wurde das Gepäck auf die Schiffe verladen und die Pferde für das Militär gemustert. Von Galatz ging an Bord der Schiffe bis Prahowo in Jugoslawien und von dort mit der Bahn bis Asch, wo sie am 10. November 1940 eintrafen.
In Asch wurden die Kisiler mit den eintreffenden Umsiedlern aus Manscha (Annowka) und Raskajetz auf drei Lager verteilt.
Das Hauptlager war das Schützenhaus, hier waren unter anderem Renate Manske (1922–1945, sie starb zusammen mit ihren Eltern auf der Flucht beim Überqueren der Weichsel), Ida (*1924) und Anna Maria (*1921) Heller, Elfriede Winter (*1924), Gertrud Härter(*1924), Harald Mantz (*1937) und Klara Klaudt (*1921) untergebracht.
Neue Turnhalle des Turnvereins Jahn in Aš (Asch) aus dem Jahr 19331.
In der Jahnhalle waren die Familien Artur Flöther (*1908), Eduard Haas (*1914), Gotthilf Kehrer (1900–1945), Rudolf Kehrer (*1899), Rudolf Böpple (1909–1984), Oskar Schoon (1899–1946) und Oskar Witt (*1902, Cousin des Großvaters von Katharina Witt) untergebracht. Mütter mit Säuglingen bekamen einen eigenen Schlafsaal.
Weitere bekannte Namen der Umsiedler in der Jahnhalle waren Adolf, Gerber, Merz, Rauch, Schneck und Wirth. Außerdem gab es noch das Jägerhaus.
Für die Speisezubereitung in der Lagergroßküche waren die bessarabische Frauen zuständig, schulpflichtige Kinder hatten das Glück, in die Bürgerschule gehen zu können, das war nicht immer möglich, vor allem im Warthegau war es mit dem Schulunterricht nicht so gut bestellt. Die Kinder ab 10 Jahren kamen zum Jungvolk, ab 14 Jahren zur Hitlerjugend bzw. zum Bund deutscher Mädel (BDM).
Den Schulunterricht erteilten die bessarabischen Lehrer Robert Deiß und Oskar Mantz (*1910) aus Kisil, Robert Brenner aus Manscha und Heinrich Sonderegger aus Raskajetz.
Zudem wurden die Umsiedler zur Arbeit in Fabriken und Betrieben herangezogen, Asch war ein Zentrum der Textilindustrie, das war nicht in allen Lagern so und führte dort durch Herumsitzen und Langeweile zu Frust. Junge Männer wurden direkt eingezogen zum Wehrdienst.
Am 17.10.1941 ging es per Zug über Eger, Karlsbad, Dresden, Görlitz und Breslau in den Warthegau, in Freihaus (Stunska Wola) wartete auf die Umsiedler noch einmal ein Durchgangslager vor der Ansiedlung im Warthegau.
Asch wurde am 20. April 1945 durch US-amerikanische Truppen besetzt. Im November 1945 kam Asch nach der Übergabe an sowjetische Besatzungstruppen unter sowjetische Militärverwaltung und wurde danach tschechisch.
Quelle: 1 Overview of the development of various streams of German physical education in the Czech lands – Scientific Figure on ResearchGate. Available from: https://www.researchgate.net/figure/Abbildung-6-Neue-Turnhalle-des-Turnvereins-Jahn-in-As-Asch-aus-dem-Jahr-1933-Figure_fig4_354658790 [accessed 6 Jul, 2023] Creative Commons Attribution 4.0 International
2 Kisil, ein Schwabendorf in Bessarabien, Schriften des Heimatmuseums der Deutschen aus Bessarabien Nr. 36, herausgegeben von Ingo Rüdiger Isert, Stuttgart 1999
Für die Umsiedler wurde in Löbau die Kaserne genutzt. Ob noch andere Gebäude belegt wurden, ist nicht bekannt.
Etwa 1915: Jäger-Kaserne Löbau, erbaut 1912-14. In der DDR Offiziershochschule der Landstreitkräfte „Ernst Thälmann“. Kasernen-Außenansicht von SSW (GMP: 51.105785,14.681745)1
Das Umsiedlerlager Löbau in Sachsen wurde von Borodinoer Umsiedlern zwischen dem 30. Oktober 1940 und dem 3. Dezember 1940 belegt. Diese Daten kann man dem noch vorhandenen Lagerpass der Familie Scheurer2 entnehmen.
Bessarabiendeutsche im Lager Löbau, Foto: Privatarchiv M. Scheuer, welcher das Bild freundlicherweise zur Verfügung stellte.
1) Wikimedia: Etwa 1915: Jäger Kaserne Löbau, erbaut 1912-14. In der DDR Offiziershochschule der Landstreitkräfte „Ernst Thälmann“. Kasernen-Außenansicht von SSW (GMP: 51.105785,14.681745). Fotograf unbekannt – 19770427050AR.JPG/Repro Blobelt CC BY-SA 4.0
Mein herzlicher Dank für die Dokumententexte, Zeitungsartikel und das Lagerlied geht an Herrn Friedrich Wimmer, Waxenberg. Ohne ihn hätte ich diesen Artikel in dieser Form nicht realisieren können.
Das Schloss Waxenberg liegt im Ortszentrum von Waxenberg in der Gemeinde Oberneukirchen im oberösterreichischen Mühlviertel.
Bereits im17. Jahrhundert unterhalb der Burgruine Waxenberg errichtet, diente es zwischen 1756 und 1848 als Sitz der Herrschaft Waxenberg und ist heute in Privatbesitz der Familie Starhemberg.
Neues Schloss Waxenberg 1)
Das heutige „Neue Schloß“, erbaut 1908 bis 1914, diente seit 1938 der Volksfürsorge, nachdem es durch die Nationalsozialisten enteignet wurde.
Mietvertrag 1938 3)
Im September 1940 richtete man nach Beschlagnahme der Gebäude ein Umsiedlerlager ein.
Beschlagnahme 1940 3)
Beschäftigte im Umsiedlerlager und Mietangebot Saal als Schulzimmer 1940 3)
Der „Heimatbrief für die Soldaten aus dem Kreis Freistadt, O. D.“3
berichtete im Brief Nr. 6 September/Oktober 19403 :
Als Neuigkeit muss ich euch noch sagen, dass wir dieser Tage 370 Bessarabien Deutsche erwarten. Wir wollen sie alle in den Waxenberger Schlösser unterbringen, da gibt es natürlich noch viel vorzubereiten, damit wir diesen braven Menschen wenigstens vorübergehend eine Heimat ersetzen können. Schon durch ihr Kommen zeigen sie uns ja, welche Liebe sie zu unserem Volk und zu unserem Führer haben. Sie, die ihre Heimat und ihren schwer erkämpften Boden verlassen, um Seite an Seite mit uns am Kampf und am Neuaufbau unseres Vaterlandes mitzuarbeiten, zeigen uns so recht, wie wir heute an der Geburt eines Reiches stehen, dessen Größe und innere Geschlossenheit das erste Mal in der Geschichte alles in seinen Bannkreis zieht, was bluts- und willensmäßig zu unserem Volke gehört. So entsteht Stein auf Stein das herrliche soziale deutsche Volksreich von dem zu allen Zeiten die Besten unseres Volkes geträumt haben und das Jahr jetzt durch Euren höchsten Einsatz für immer begründen helft.
Zeitgleich erhielten die Marienfelder ihren Umsiedlerpass, Mitte September 1940 wurden alle Frauen und Kinder, ebenso die arbeitsunfähigen und älteren Männer auf LKW verladen und nach Galatz ins Sammellager gebracht. Nach etwa einer Woche Lageraufenthalt setzten sie ihre Reise mit dem Schiff Donau aufwärts in das Sammellager Semlin in Jugoslawien fort. Wieder erwartete sie rund eine Woche Lageraufenthalt, ehe die Weiterreise mit der Bahn angetreten wurde. Nach der Ankunft in Wien wurden alle verteilt auf die Umsiedlungslager Eschelberg, Waxenberg und Schloß Riedegg bei Gailneukirchen (Linz/Oberdonau).
Näheres über die Vorbereitungen zur Aufnahme der Marienfelder in Waxenberg erfahren wir aus dem 7. Brief November 19403 :
Oberneukirchen empfing die Bessarabien Deutschen.
Wie wir im letzten Heimatbrief angekündigt haben, sind nun die Bessarabien-Umsiedler mit Kind und Kegel hier eingetroffen. Die Ortsgruppe Oberneukirchen hat das Möglichste getan, um ihnen schon von Anfang an zu zeigen, wie sehr wir bemüht sind, ihre Lage nach Möglichkeit zu erleichtern. Tage vorher schon wurde Jung und Alt mobilisiert, welche Tag und Nacht arbeiten mussten, um das Lager Waxenberg in einen Zustand zu setzen, der den gestellten Anforderungen gerecht wird. Es galt bei 400 Strohsäcke zu stopfen, Zimmer und Betten in Ordnung zu bringen und verschiedene andere kleine Arbeiten zu verrichten, die zur wohnlichen Ausgestaltung notwendig sind. Besonders in den letzten Tagen wurde oft bis 11 und 12 Uhr nachts mit Liebe und Fleiß gearbeitet, und als schließlich der Tag kam, wo das Eintreffen der Umsiedler gemeldet wurde, da konnten ihnen alle Beteiligten mit dem Bewusstsein entgegen blicken, ihre Pflicht als Volksgenossen den tapferen Heimwanderern gegenüber restlos nachgekommen zu sein.
Schnell wurde noch alles Notwendige zur Verpflegung heran geholt, Kartoffel und Kraut eingelagert, Brennmaterial besorgt und dann die Vorbereitung zum Empfang getroffen.
Um 4 Uhr nachmittags kam dann unser umsichtiger Kreisleiter, um noch alles zu überprüfen und die Umsiedler persönlich in ihrer vorübergehenden Heimat zu begrüßen. Inzwischen hatten die Gliederungen der Partei und der Reichskriegerbund Aufstellung genommen, auch die Ortsmusik von Oberneukirchen fehlte nicht, um den Empfang durch schneidige Märsche zu verschönern. Als dann um halb 8 Uhr abends die lange Autokolonne einfuhr und nach und nach die Familien, insgesamt 310 Personen, in das Schloss geleitet wurden, da ist wohl jedem von uns die Größe des Vaterlandes klar geworden, die diese Familien für Deutschland und für unseren geliebten Führer darbringen. Alte Leute, rüstige Männer, brave Mütter und viele, viele Kinder gingen an uns vorüber. Eine gute Organisation der Lagerführung sorgte dafür. Dass schon eine Stunde später alles in den zu geteilten Räumen untergebracht war. Die rührige Frauenschaft von Oberneukirchen und Warenberg verteilte sich sodann in den Räumen und hatte für jedes Kind und für jede Mutter ein besonderes Päckchen guter Sachen. Dankbare Blicke und Worte der bescheidenen Menschen belohnten reichlich die aufgewendeten Mühen.
So wurde auch diese Arbeit in gemeinschaftlichem Zusammenwirken geschaffen. Für Arbeit und Beschäftigung der Rückgeführten muss natürlich auch Sorge getragen werden. Um Arbeit sind wir ja in Oberneukirchen nicht verlegen. Es wurde deshalb sofort ein neuer Güterweg nach der Ortschaft Reindlsödt projektiert und sind die Vorbereitungen bereits so weit gediehen, dass wir hoffen, alle arbeitsfähigen Männer in Kürze beschäftigen zu können. Ein schöner Herbst wäre natürlich wie bei allen anderen Arbeiten auch hier dringend notwendig.
Die zurückgebliebenen Marienfelder Männer mussten ihr Vieh versorgen und das Getreide auf den Bahnhöfen Comrad oder Skinosse abliefern. Die meisten hatten seit der Abfahrt der Familien ihre Schweine geschlachtet, das Fleisch gebraten und mit Schmalz übergossen in verschlossenen Gefäßen verpackt.
Diese Art der Haltbarkeitsmachung kannte ich noch von den Schlachtetagen meiner Schwiegereltern – „Gselchtes“.
Das Schweinefleisch wurde nach dem Schlachten zunächst gepöckelt. Während die Spitz- und Eisbeine in einer Salzlake im Steintopf zogen, wurden die besseren Stücken mit einer Mischung aus Salz und Gewürzen eingerieben und in einem Steintopf gestapelt, dann kühl im Keller gelagert. Der austretende Saft wurde so zur Lake, nach einiger Zeit wurde umgestapelt. So zog die Salz-Gewürzmischung etwa 3 Wochen durch das Fleisch. Anschließend wurde alles abgespült, das Fleisch etwas gewässert, dann zum Trocknen aufgehängt. Das dauerte etwa einen Tag. Danach kam es in die Räucherkammer und wurde heiß geräuchert, meist nur 2-3 Stunden. Kalt geräuchertes, wie Schinken oder Salami dauerte deutlich länger und wurde zumeist mehrfach geräuchert und blieb hängen in der Räucherkammer.
Im nächsten Schritt wurden die gepöckelten und geräucherten Fleischstücken gekocht und angebraten. Das abfließende Fett wurde als Schmalz aufgefangen.
Wieder kamen Steintöpfe zum Einsatz. Alle waren peinlich sauber geschrubbt und wurden mit Schmalz ausgegossen, es befand sich also im Topf ein 1-2 cm dicke Schicht an den Wänden und dem Boden. Das Fleisch wurde Schicht um Schicht in den Topf gelegt und mit flüssigem Schmalz bedeckt. Es durfte nirgends Luft eingeschlossen werden, da hier das Fleisch zu schimmeln beginnt. Obenauf ein dicker Abschluss aus Schmalz, dann wurde der Topf mit Deckel zugebunden und kam in den Keller. So konnte das Fleisch durchaus bis zu einem halben Jahr stehen.
Wenn Gehacktes verarbeitet wurde, haben sie es ebenfalls für ein paar Tage roh in Schmalz eingegossen und in den Keller gestellt, so konnte es nach und nach verarbeitet werden. In der Regel wurde es eingeweckt.
Uns mag das heute abenteuerlich erscheinen, aber man hatte früher wenig Möglichkeiten, seine Nahrung zu konservieren und für den Transport war diese Methode sehr geeignet, zudem waren die Winter in Bessarabien ungleich kälter als in Deutschland, so war der Keller der beste Kühl- gar Gefrierschrank.
Anfang bis Mitte Oktober 1940 hatten auch die zurückgebliebenen Männer in Marienfeld ihre Pferdegespanne beladen und machten sich mit zwei Stopps in Jekaterinovka und Albota auf den Weg nach Galatz.
Dort nahm man ihnen allerdings die Pferdegespanne, einschließlich aller aufgeladener Güter, ab. Ihre ganze Mühe war umsonst.
Nach einer Woche Lageraufenthalt nahmen sie den Reiseweg ihrer Familien und kamen von Wien aus in das Auffanglager Kremsmünster in Österreich. Erst von dort wurden sie auf die Lager verteilt, in denen ihre Familien untergebracht waren.
Unter den im Schloss Waxenberg befindlichen Marienfeldern waren auch die Familie Samuel Grieb, denen ein Kind hier geboren und getauft wurde und die Familie Jacob Beierle, die später nach Amerika auswanderte..
Der 8. Brief Weihnachten 19403 berichtete erneut aus Waxenberg an die Front:
Es ist nicht immer leicht, von der engsten Heimat Neuigkeiten zu berichten, doch einiges gibt es auch diesmal wieder zu erzählen. Wie Euch bekannt ist, sind im Schloss Warenberg zirka 450 Volksdeutsche aus Bessarabien vorläufig über den Winter einquartiert. Es gelang der Gemeinde bereits, einem Teil der Männer entsprechende Arbeitsstellen zuzuweisen, so dass sie nun zum Unterhalt ihrer Familien schon selbst zum Teil beitragen können. Es sind meist recht kinderreiche Familien, durchwegs willige und fleißige Arbeitskräfte, die überall zupacken. Und Arbeit gibt es trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit bei uns immer noch genug. So wird zum Beispiel derzeit die Wasserzuleitung zu unserem Marktbrunnen repariert. Eine Steinquetsche steht ferner zum Gaudium unserer Schuljugend hinter dem Schulhaus in Betrieb. Auch unsere Schuljugend zeigt wieder ihren bewährten Sinn für Arbeitseinsatz in jeder Form. So werden derzeit für die Kinder der Bessarabien Deutschen zirka 150 Stück Spielwaren als Weihnachtsgeschenk in gar vielen Bastelstunden hergestellt. Da geht’s oft recht lustig zu. Autos, Puppenküchen, Bettchen, Wiegen, Hampelmänner, Schlachtschiffe, Flieger, und vor allem Puppen entstehen in Serienerzeugung.
Aus dem Umsiedlerlager Waxenberg
Aus dem Umsiedlerlager Waxenberg
9. Brief – Jänner Februar 19413
Für die Bessaraber, die auf ihrer Zwischenstation in Wagenberg das Weihnachtsfest im Lager feiern mussten, wurde alles getan, was in unseren Kräften stand. Die Schulkinder von Oberneukirchen haben in mühseliger Arbeit einen vollen Monat gebastelt, so dass mit Hilfe der NSV ein reicher Gabentisch gedeckt werden konnte.
10. Brief – März 19413
Liebe Soldaten- Für diesmal gibt es in unserem Ort fast keine Neuigkeiten. Trotzdem sich die Sonne nach Kräften bemüht, uns zu helfen, umgeben uns noch unwahrscheinlich große Schneemassen nur mit dem Unterschied, dass das blendende Weiß der Gegend einem unfreundlichen, schmutzigen Grau gewichen ist. Wir sind dabei, die Straße Oberneukirchen-Waxenberg-Traberg frei zu legen, und wenn auch noch Schneepflüge mit Raupen helfen, hoffen wir doch, den Frühling auch in unserem Land mit Gewalt auf die Beine zu bringen.
Eine besondere Belebung erfährt Oberneukirchen durch den ständigen Besuch aus dem Umsiedlerlager in Waxenberg, dessen 450 Einwohner sowohl der Gemeinde, als auch dem Standesamt ständig zu tun geben.
11. Brief – April 19413
Liebe Soldaten! Die Heimat grüßt Euch. Endlich ist der harte Winter, der heuer besonders grimmig sich zeigte, gewichen, und sonnige Tage lassen uns den Frühling ahnen. Noch verunzieren allerdings schmutzige, oft meterhohe Schneehaufen den lieben Markt, doch Straßen und Wege sind schneefrei. Ab 9. März verkehrt endlich das Helfenberger Auto wieder nach langer Winterpause.
Fleischhauer Dunzendorfer hat zum Leidwesen der „Sonntag=Bürgertag=Besucher“ das Gastgewerbe aufgeben. Das Gasthaus Kafka hat einen neuen Pächter aus Enns bekommen.
12. Brief – Mai Juni 19413
An Ortsneuigkeiten gibt es diesmal nicht viel zu berichten.
Am 1. Mai setzte die Jugend den üblichen Maibaum an der Stelle, wo früher das »Park-Bründel« stand; dieses und der Park sind verschwunden Letzterer harrt einer neuen, schöneren Wiederanlage.
Im Bessarabienlager in Waxenberg erweckte das „Eierlesen“ viel Heiterkeit
Für die Marienfelder sollte sich die Zeit des Lagerlebens in Waxenberg nach etwa eineinhalb Jahren dem Ende zuneigen. Nachdem sie ihre Einbürgerungsunterlagen erhielte und nun offiziell „Deutsche“ waren, wurde ihre Ansiedlung auf Bauernhöfe in Polen vorbereitet.
Marienfelder Senioren 1941, links mit der Knickerbockerhose Lagerleiter Führlinger, ganz rechts Andreas Schaal (1879-1966), 5. von rechts Andreas Kraft (1873-1967)2)
Herr H. Grieb, im Lager Waxenberg geboren, hat 2006 den Ort und Herrn Wimmer besucht und einiges aus Familienerzählungen berichtet, Herr Wimmer schreibt am Heimatbuch Waxenberg und betreut zudem das Online-Archiv Waxenberg. Wer zu Waxenberg noch weitere Informationen und Familienerinnerungen teilen kann, den bitte ich, sich an Herrn Wimmer zu wenden.
Im Jahre 1942 zogen neue Bewohner in das Lager ein.
14. Brief – September Oktober 19413
Eine Schar Holländer-Kinder, welche zu einem sechswöchigen Aufenthalt teils bei Eckerstorfer in Oberneukirchen, teils bei Rader in Waxenberg lagermäßig untergebracht waren, wurden dieser Tage vom Ortsgruppenleiter in ihre Heimat zurückgebracht.
19. Brief – Juli August 19423
Die Erdäpfel, Kraut und Rüben sind auch recht schön. Obst zeigt sich auch so halbwegs eins. Und die Froschau hat Menschenzustrom wie ein kleiner Wallfahrtsort, da es ja heuer mehr Kirsche dort gibt als in vergangenen Jahren. Nur bei manchem Haus werden die ,,Kerschenbrocker vermisst. Sie stehen als Soldaten im Osten.
Denkt Euch; die ersten Ukrainer Landarbeiter sind eingetroffen. Es sind lauter Ehepaare, die wir haben. Wie sie bei der Arbeit sind, kann ich Euch noch nicht sagen, da sie erst ein paar Tage hier sind.
Leihvertrag Kindergarten und Schulgebäude 1943 3)
25. Brief – Juli August 19433
…das Land zu gehen und die Haferfelder anzusehen. Trotz des Leutemangels ist die Heuernte eigentlich sehr rasch eingebracht worden. Es hat alles, ob klein-, groß, Jung und Alt, fleißig mitgeholfen. Die Frauen aus den Westgebieten haben zum Teil sehr stramm mitgeholfen und werden uns auch bei weiteren Ernten sicherlich gern mithelfen.
In unsere Ortsgruppe sind schon über 130 Volksgenossen aus Westdeutschland gekommen Obwohl sie sehr viel mitgemacht haben, haben sie eine stolze Haltung an den Tag gelegt Mancher kann sich da ein Beispiel nehmen.
26. Brief September/ Oktober 19433
Am 31. Juli fand im Umsiedlerlager in Warenberg eine Namensgebung statt. Außer der Sippe nahmen auch Vertreter der volksdeutschen Mittelstelle und Ehrengäste der Partei und Gemeinde teil. Der Obersturmbannführer.
Die Arbeit beim Güterwegbau in Oberneukirchen (Mitterfeld) geht unentwegt vorwärts
29. Brief – März April 19443
Liebe Soldaten! Die herzlichsten Grüße sendet Euch die Heimat. Der Winter hat zwar kalendermäßig sein Ende genommen, aber in Wirklichkeit denkt er noch an dein Gehen. Diese Schneemassen hat Oberneukirchen mehrere Jahrzehnte nicht gesehen. Seit drei Wochen verkehrt bei uns kein Auto (Die Post wird wieder wie zu Zeiten des alten Vrenner von ZwettI geholt).
Seit einigen Tagen können doch die Fuhrwerke wieder fahren. Zwettl ist seit Wochen der Umschlagplatz von Waren, Lebensmittel und Kohlen. Der Postkraftwagen wird kaum vor Mitte April verkehren können. Nun könnt Ihr Euch ein Bild von diesem Winterende machen. hoffen wir, dass ein gutes Jahr für die Feldfrüchte folgen wird, an Feuchtigkeit für die Wiesen und Felder fehlt es nicht, nur die liebe Sonne muss ums viele warme Tage bescheren, dann ist auch in diesem Jahr für Ernährung wieder gesorgt Die Arbeiten werden durch den Einsatz aller verfügbaren Arbeitskräfte geschafft werden.
32. Brief – September Oktober 19443
Die Gauwehrmannschaften hielten am Sonntag den 17. September auf der Schießstätte in Waxenberg ein Schießen ab.
Aber in diesem Jahre denkt nicht nur ihr Söhne unserer Heimat unser liebes Oberneukichen. Mit euch gehen die Gedanken vieler Kameraden aus den Städten der Ostmark und der des Altreichs, die ihre Frauen und Kinder zu uns in Sicherheit brachten. Mit Euch gehen jetzt auch die Herzen der Siebenbürger SS-Kameraden, deren Familien in Gedanken sich bei einem Muehlviertler Fichtenbäumchen kreuzen. Ihnen allen aber, die Haus und Hof verloren haben, wollen wir zeigen, dass sie nie heimatlos sein können, solange es ein Deutschland gibt. Unsere Herzen aber sind immer bei Euch. Ihr kämpft für uns, wir arbeiten für Euch, damit wir uns am Ende den Sieg des Vaterlandes verdienen.
33. Brief – November Dezember 19443
Der Volkssturm unserer Ortsgruppe zählt 256 Mann, welche in den Wintermonaten ihre militärische Ausbildung erhalten. Am Montag den 13. November kam hier der erste Treck Siebenbürger Deutschen mit Pferd und Wagen an und wurden vorläufig in die Auffanglagern bei Eckerstorfer und in zwei Klassen der Volksschule gegeben. Diese Woche werden sie in die Quartiere eingeführt. Es sind durchwegs Bauern, große stattliche Menschen heute, Sonntag-, konnten sich die Frauen in ihrer malerischen Tracht sehen lassen. Die meisten Männer müssen in nächster Zeit zur SS einrücken.
2 Foto (p. 111) aus: Marienfeld, Kreis Bender – Bessarabien 1910-1940 Zusammengestellt von Artur Schaible, Kreisamtsrat a. D. Herausgeber: Christian Fiess, Vorsitzender des Heimatmuseums der Deutschen aus Bessarabien e. V., 1990
3 von mir nachbearbeitete Dokumententexte und Zeitungsartikel mit freundlicher Überlassung durch Herrn Friedrich Wimmer, Waxenberg. Autor von „Waxenberg hat Geschichte – hat Kultur“, Waxenberg 2008, 104 S. (Gem. Oberneukirchen)
Auspitz war ein kleiner südmährischer Ort mit einer überwiegend deutschsprachigen Bevölkerung, der nach dem Ersten Weltkrieg und dem Friedensvertrag von Saint Germain 1919 Bestandteil der Tschechoslowakischen Republik wurde. Nach dem Münchner Abkommen 1938 wurde Auspitz in den Reichsgau Niederdonau eingegliedert und gehörte nun zum Deutsche Reich. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Gemeinde am 8. Mai 1945 wieder zur Tschechoslowakei zurück.
Im Oktober 1940 trafen die deutschen Umsiedler aus Bessarabien ein, diese Umsiedler waren Mathildendorfer, die als ganzes Dorf mit 502 Erwachsenen und 246 Kindern eintrafen. Die Gemeindemitglieder hatten auch die Bewohner der Tochtersiedlungen Neu-Mathildendorf, Perowka und Mansyr in ihrer Mitte. Sie verließen 40.000 Hektar Grund und Boden, um sich jetzt auf die Ansiedlung vorzubereiten. Als Namen wurden genannt: Follmer, Zeh, Ruf, Kronwald, Motz, Wahl, Keller, Scheurer, Adam, Haas, Hildenbrand, Gießler, Weippert, Borg, Altinger und Suls (Sulz).
Die Auspitzer mussten feststellen, dass das Gemeinschaftsgefühl sehr stark vorhanden war, der Kinderreichtum überraschte sie ebenfalls. Zudem wurde ein ausgesprochenes „Herrengefühl“ festgestellt, was Dr. Leopold Baierl (Nikolsburg)2 darauf zurückführte, das die Kolonisten seit ihrer Ankunft in Bessarabien als „Jugune“ (Herren) von den Rumänen angesprochen wurden.
Um seine Darstellung der Persönlichkeit der Umsiedler abzurunden, veröffentlichete der Autor Dr. Baierl ein Gedicht, welches ihm aus der Überlieferung von den Umsiedlern erzählt wurde:
Tagesbote 29.12.1940 S. 32
J wenn i Göld gnug häd (:no wißt i wos i täht:,) Heisa, Juchhe! No mißt a Haisla her, (:dos nou mai aiga wär:) No dos wär schen.
Droba am Berg mischt´s soi (:mittla im Sunaschoi:) eisa, Juchhe! Mittla in Kleebluma sovül da guade Wid (:uf jed´n Fenschter brid:) No do war schen.
No mischt a Waibla noi (:schwoazhorig mischt se soi:) Heisa, Juchhe! Mit scheene weiße Zähn´ Grod so wie Schulsa Gred (:wonn die mi nehma täht:) No dos wär schen.
Brächt uns da Schtorch afs´ Johr (: a Bua mit rolla (gelockt) Hoar:) Heisa, Juchhe! Schpäter noch meh Kend Au dazwischa dona noi (:konns au a Medla soi:) Do dos wär foi.
Aber i hon holt koi Göld (:s´ gibt af da gonza Wölt:) Heisa, Juchhe! Ärmeres nix meh J glab i schtirb no dron (:s` guckt mi holt keine an:) Oh, des tuat weh.
Die Mathildendorfer blieben bis zum Herbst 1941, ehe sie zur Ansiedlung nach Westpreussen verbracht wurden. An ihrer Stelle kamen Umsiedler aus Bulgarien, sie blieben von Dezember 1941 bis November 1942, im September 1944 trafen Flüchtlinge aus dem Banat, Riga, Tschenstochau und Warschau (Rumänen, Deutsche aus der Ukraine, lettische Staatsangehörige), sowie evakuierte Einwohner des Gaus Wien ein.
1wikimedia, Hustopeče – pohled na město 1941, Anonym – https://www.fotohistorie.cz/, Gemeinfrei 2Tagesbote, 29.12.1940, Jahrgang: 90, Nummer: 312, Brünn, 1851-1945 (1940-1945 Mährischer Zeitungsverlag)
Am 1. Februar 1886 wurde die Evangelische Diakonissenanstalt Schwäbisch Hall gegründet. Sie unterhielt für Versicherte der Bezirkskrankenkasse 30 Betten im Diakonissenkrankenhaus, ein vom Leiter und seiner Familie sowie einigen Diakonissen bewohntes Stammhaus und das Johanniter-Krankenhaus zur Betreuung von Kindern.
Unter der Leitung von Pfarrer Gottlob Weißer ab 1899 entstand ein größerer Neubau im Jahre 1911, der die Pflegekapazität im Bereich geistig behinderter Frauen und Kinder auf etwa 500 erhöhte. In den Jahren des Ersten und Zweiten Weltkrieges diente das Krankenhaus zudem als Lazarett.
Zeugenaussage – Gottlob-Weiser-Haus in Schwäbisch Hall, Pfarrer Wilhelm Breuning 4
Am 14. November 1940 erschienen der Heilbronner NSDAP-Ortsgruppenleiter und Kommissar der Volksdeutschen Mittelstelle Richard Drautz2, sowie der Haller NSDAP-Kreisleiter Otto Bernhard Bosch (*8.2.1894 in Truchtelfingen) in der Diakonissenanstalt, beide ließen sich die Baupläne des „Gottlob-Weißer-Hauses“ und des Feierabendhauses geben und besichtigten die Gebäude. Danach erfolgte die Beschlagnahmung und es wurde die vollständige Räumung beider Häuser innerhalb von acht Tagen für die Unterbringung von 1.400 „Volksdeutschen“ aus Bessarabien angeordnet.
Bereits zwischen dem 19. und 21. November wurden 33 Betreute in die Heilanstalt Christophsbad Göppingen und 240 nach Weinsberg verlegt, unter ihnen 51 Kinder.3 Die Kinder wurden direkt im Rahmen des Euthanasieprogramms „Aktion T4“ von Weinsberg nach Grafeneck geschickt, andere nach Hadamar, insgesamt wurden 184 Menschen ermordet, nur 265 weitere Frauen konnten vor der Verlegung gerettet werden. Die ersten Pflegekräfte kehrten am 1. Dezember, die letzten am 1. März 1941 nach Schwäbisch Hall zurück, da es „nichts mehr zu pflegen gab“.
Am 22. November 1940 wurden die Gebäude in bestem, sauberen Zustand zur Belegung mit den Bessarabiendeutschen übergeben. Da das Haus leer blieb, wurden zunächst Umsiedler aus dem Baltikum untergebracht, ab 1942 erfolgte die Nutzung als Lehrerbildungsanstalt.
1945 wurde Otto Bosch auf der Flucht gefasst und von den Amerikanern in Schwäbisch Hall auf dem Marktplatz öffentlich zur Schau gestellt. In den Jahren 1948–1949 während des „Synagogenprozesses“ wurde er zu einer Haftstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten verurteilt, da er die Anweisung zur Brandstiftung der Schwäbisch Haller Synagoge in der Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938 und anschließend der Feuerwehr den Befehl gab, ihre Löschversuche einzustellen. Da er bereits 3 Jahre und 3 Monate im Interniertenlager Ludwigsburg, sowie einige Wochen in Untersuchungshaft im Heilbronner Gefängnis gesessen hatte, musste er diese Strafe nicht absitzen.6
Ab 1952 arbeitete Otto Bosch wieder als Geschichts- und Erdkundelehrer, 1957 wurde er als Beamter übernommen und ging 1959 als Rektor a.D. in Rente.6
Otto Bosch war Vater des Lt. z. S., dem Ersten Wachoffizier von U 634, Eberhard Bosch. Ein Teil der Baukosten von U634 wurde durch eine U-Boot-Spende der Stadt Schwäbisch Hall aufgebracht, weshalb das Boot am Turm das Stadtwappen führte. Das U-Boot wurde am 30. August 1943 im Nordatlantik versenkt, niemand überlebte.
Fotograf Willh. Gerling Darmstadt, Verlag Robert Schweizer Schwäbisch Hall, Nr. 3039
Martin Grasmannsdorf: Die Umsiedlungslager der Volksdeutschen Mittelstelle im Gau Württemberg-Hohenzollern 1940-1945: Eine Bestandsaufnahme Frank & Timme 2013, S. 19,29f, 102
Zeugenaussagen – Anstalt Tempelhof, Otto Knöll; Gottlob-Weiser-Haus in Schwäbisch Hall, Pfarrer Wilhelm Breuning; Landessarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Sigmaringen, Wü 29/3 T 1 Nr. 1756/02/01
Christine Arbogast: Herrschaftsinstanzen der württembergischen NSDAP. Funktion, Sozialprofil und Lebenswege einer regionalen NS-Elite 1920–1960. Oldenbourg, München 1998
Das barocke Schloss Werneck, zwischen Würzburg und Schweinfurth gelegen, wurde ab 1853 nach Plänen des Königlichen Regierungs- und Kreismedizinalrats Dr. Schmidt und des Königlichen Bauinspektors Mack zu einer Heil- und Pflegeanstalt für psychisch Kranke umgebaut. Am 1. Oktober 1855 konnte die Heil- und Pflegeanstalt Werneck unter ihrem ersten Direktor, Dr. Bernhard von Gudden ihre Arbeit aufnehmen. Werneck ist damit Sitz einer der ältesten psychiatrischen Kliniken Deutschlands.
Als von Januar 1940 bis August 1941 die deutschlandweite Aktion „T 4“ der Nationalsozialisten durchgeführt wurde, war auch Werneck betroffen.
Die Volksdeutsche Mittelstelle benötigte für die Unterbringung der „Volksdeutschen“ dringend Platz, so plante man, aus den vorhandenen 850 Pflegebetten eine Belegung für 1.750 Bessarabiendeutschen zu schaffen.3
Betraut mit der Aktion wurde der Gauleiter Otto Hellmuth, welcher am 23. September 1940 die Örtlichkeiten besichtigte, beschlagnahmte und die sofortige Räumung verfügte.
Otto Hellmuth (1896-1968)2
Zwischen dem 3. und 6. Oktober 1940 wurden insgesamt 777 Patienten aus Werneck mittels der „Gemeinnützigen Krankentransport GmbH Berlin“, einer Tarnorganisation, in die Heil- und Pflegeanstalt Lohr am Main bzw. über Zwischenstationen wie die Pflegeanstalt Reichenbach und Anstalt Karthaus-Prüll/Regensburg in die Tötungsanstalten Schloss Sonnenstein bei Pirna und Schloss Hartheim bei Linz verbracht, wo sie vergast wurden.4
Beim Abtransport sicherte Otto Hellmuth zu, dass die Patienten nach Abschluss der Umsiedlungsaktion der Volksdeutschen wieder nach Werneck zurückverlegt würden, eine eiskalte Lüge, rund zwei Monate nach ihrem Abtransport waren alle Patienten, die die Region Mainfranken verlassen hatten, tot.
Am 24. Oktober 1940 wurde die Heil- und Pflegeanstalt Werneck mit bessarabischen Volksdeutschen belegt, die von hier aus im Reich angesiedelt werden sollten.
Im Januar 1941 war das Schoss mit etwa 2.000 Personen belegt. Da der landeskirchliche Pfarrer nicht tätig werden durfte, beauftragte der Landeskirchenrat am 8. Januar 1941 unter Kostenübernahme den aus Tarutino stammenden Pfarrer Albert Kern (1899–1985) mit der Seelsorge der Umsiedler. Leider war er nur kurz vor Ort, da er bald darauf in den Warthegau versetzt wurde.5
Otto Hellmuth wurde für den Mord an den fast 800 Patienten während der Aktion „T4“ nie angeklagt.
E. Kienast (Hg.): Der Großdeutsche Reichstag 1938, IV. Wahlperiode, R. v. Decker´s Verlag, G. Schenck, Berlin 1938
Maria Fiebrand: Auslese für die Siedlergesellschaft: Die Einbeziehung Volksdeutscher in die NS-Erbgesundheitspolitik im Kontext der Umsiedlungen 1939-1945 (Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung); Vandenhoeck & Ruprecht; Oktober 2014
Schmelter, Thomas: Nationalsozialistische Psychiatrie in Bayern. Die Räumung der Heil- und Pflegeanstalten. (DWV-Schriften zur Geschichte des Nationalsozialismus 1).Verlag Baden-Baden: Deutscher Wissenschaftsverlag 1999
Baier, Helmut : Kirche in Not: die bayerische Landeskirche im Zweiten Weltkrieg, Degener [in Komm.], 1979, S. 124