Zur Erinnerung an unsere Vorfahren, die als Migranten aus Süddeutschland in die Welt zogen

Schlagwort: Transkaukasien (Seite 1 von 3)

Kollektivierung 1930

Bonner Zeitung 22.6.1930

Wie die Bauern in Rußland kollektivisiert werden

Bekanntlich führen die Bolschewisten in Rußland die Zerschlagung der privaten Landwirtschaft und die Ueberführung der Bauern in die Kollektiven mit aller Gewalt durch. Für uns Deutsche ist es von besonderem Interesse, die Zwangskollektivisierung der deutschen Weinbaukolonie in Transkaukasien zu verfolgen. Wir sind in der Lage, den Bericht eines deutschen Weinbergbesitzers auszugsweise zu veröffentlichen.

Die Kollektivisierung der deutschen Kolonien Transkaukasiens wurde in der Zeit zwischen dem 6. und 15. Februar 1930 unter schwerem Druck und unter schweren Drohungen durchgeführt. Der Anfang wurde in den beiden größten Kolonien Helenendorf und Katharinenfeld gemacht.

Helenendorf. Um die Leute gefügig zu machen, wurden in Helenendorf am Vorabend des Beginns der Kollektivisierung sechs Männer verhaftet. Am nächsten Tage wurde die Gemeinde versammelt, und ein georgischer kommunistischer Funktionär drohte während der einberufenen Gemeindeversammlung, daß jeder, der gegen die Kollektivierung stimme, erschossen werde. Auf diese Weise wurde fünf Tage lang auf die deutschen Kolonisten eingewirkt, bis sie so weit zermürbt waren, daß sie sich durch Unterschrift verpflichteten, in die Kollektivwirtschaft einzutreten.

Trotz dieser unerhörten Drohungen telegraphierte der Kommunist Emil Bock an seinen Gesinnungsgenossen Thälmann in Berlin, daß die deutschen Kolonisten Helenendorfs mit Begeisterung die Kollektivwirtschaft aufgenommen hätten.

Am Tage der Kollektivisierung hatte die deutsche Winzergenossenschaft „Konkordia“ für die zwangsweise liquidierte Filiale in Leningrad eine Ueberweisung von 2 Millionen Rubeln erhalten. Diese Ueberweisung wurde von den kommunistischen Funktionären sofort beschlagnahmt.

Gleichzeitig mit der Kollektivisierung wurden sämtliche außerhalb des Gemeindelandes gelegenen Weinberge der Kolonisten Helenendorfs aus dem Kollektiv Thälmann (früher Helenendorf) abgeteilt und an Fremdstämmige übergeben (rund 1000 Morgen).

Katharinenfeld. Nachdem hier die kommunistischen Funktionäre sich zwei Tage lang vergeblich bemüht hatten, die Kolonisten zum Eintritt in die Kollektive zu bewegen, wurde die Gemeinde in vier Gruppen geteilt, von denen nun jede für sich bearbeitet wurde. Schließlich gelang es den kommunistischen Funktionären Fritz Reiser und Gottfried Kimmerle durch Drohungen, aus jeder Gruppe einige Personen zur Unterschrift zu bewegen. Am sechsten Tage waren auch die anderen so weit zermürbt, daß sie sich einverstanden erklärten, in die Kollektive einzutreten. Die einzigen, die nicht in die Kollektive eintraten, waren die in dieser Kolonie ansässigen Reichsdeutschen. Der Eintritt in die Kollektive erfolgte hier mit dem Vorbehalt, daß alle wieder austreten würden, wenn auch nur ein deutscher Ansiedler dieser Kolonie verhaftet würde.

Die Reichsdeutschen dieser Kolonie befinden sich bereits auf dem Wege nach Deutschland. Ihr Vermögen wurde auch hier der Kollektive einverleibt.

Nachdem die deutschen Kolonien kollektivisiert waren, wurde versucht, die Kollektivisierung auch in den tatarischen und georgischen Dörfern durchzuführen. Hier stießen aber die Funktionare auf schärfsten Widerstand. Die gutbewaffneten Tataren sammelten sich und lieferten den roten Truppen bei dem Dorfe Karasachkal eine Schlacht bei dem Uebergang über die Kura. Der Kommandeur der Miliz des Kasacher Kreises Hatschan ging mit einem Teil seiner Leute zu den Aufständischen über und versorgte die auf rund 8000 Mann angewachsene Truppe mit Maschinengewehren, Militärflinten und Munition. Die roten Truppen mußten aus Karajachkal mit bedeutenden Verlusten abziehen.

Auch die tatarischen Dörfer bei dem früher Siemenschen Kupferbergwerk Kedabek verteidigten sich mit den Waffen in der Hand gegen die Kollektivisierung. Hier erreichte den georgischchen Funktionär, der die Kollektivisierung der deutschen Kolonien mit Gewalt durchgedrückt hatte, sein Schicksal: von den wildgewordenen Tataren wurde er gevierteilt und das von ihm Uebriggebliebene seinen Gesinnungsgenossen in Gandscha zugestellt.

Nach dem Kreis Baschkeschet, Georgien, wurde ein besonderer Vertrauensmann Stalins entsandt, um die dortigen Tataren zum Eintritt in die Kollektivwirtschaft zu überreden. Doch gelang ihm dies nicht, er konnte sich nur durch rasche Flucht vor dem Schicksal seines Gesinnungsgenossen retten (Kedabek).

In den georgischen Dörfern versuchten die kommunistischen Funktionäre vergeblich, die Kollektivierung zu erzwingen Die Bauern leisteten überall schärfsten Widerstand, und eine Reihe der Funktionäre wurde von den georgischen Bauern ermordet. Daraufhin wurden Hunderte von georgischen Bauern verhaftet, viele flüchteten.

Die bekannte deutsche Winzergenossenschaft „Konkordia“, die noch im vorigen Jahre von allen kommunistischen Zeitungen als mustergültig für die ganze Sowjetunion bezeichnet wurde und die in Wirklichkeit die einzige Genossenschaft Sowjetrußlands war, die sich ohne Staatshilfe aus eigener Kraft lebensfähig erhielt, die sich im Verlauf der letzten zehn Jahre zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor heraufgearbeitet und im Geschäftsjahr 1927/28 einen Umsatz mit ihren eigenen Erzeugnissen von über 20 Millionen Rubeln erzielte, wurde von der Sowjetregierung aufgelöst.

Die Genossenschaft„Konkordia“ wurde im Jahre 1921 auf gesetzlicherlicher Grundlage gegründet und umfaßte die in Aserbeidschan befindlichen acht deutschen Kolonien Helenendorf (Thälmann), Georgsfeld (Leninfeld), Annenfeld (Maifeld), Eigenfeld, Traubenfeld, Alexejewka, Grünfeld und Jelisawetinka (Marxowka), deren sämtliche Ansiedler der Genossenschaft angeschlossen waren.

Die durch den Vertrieb der Erzeugnisse erzielten Gewinne wurden ausschließlich für allgemeinwirtschaftliche und kulturelle Zwecke verwendet. Ein entomologisches=geologisches Institut und ein Versuchsgarten für Weinbau von 40 Hektar wurden von der„Konkordia“ unterhalten. Ihre Mitglieder wurden mit den nötigen Schädlingsbekämpfungsmitteln und allen anderen Bedarfsartikeln versorgt. Genossenschaftskeller und Bewässerungsanlagen für die einzelnen Gruppen wurden gebaut. Außerdem unterhielt die „Konkordia“ eine deutsche Oberrealschule (später in eine Arbeitssschule 2. Stufe umgewandelt), acht zweiklassige Volksschulen, eine Taubstummenanstalt sowie vier Kirchspiele mit vier Pfarrern, Küstern, Organisten usw.

Schon bevor mit der Kollektivisierung der Kolonien begonnen wurde, mußte die Genossenschaft gezwungenermaßen ihre Niederlassungen in Leningrad, Moskau usw. liquidieren. Das Vermögen der Genossenschaft gehört ihren Mitgliedern, das heißt, den deutschen Kolonisten Aserbeidschans.

Das viele 10 Millionen zählende Vermögen der deutschen Winzergenossenschaft „Konkordia“ sowie die Privatweinberge und das Privatvermögen der deutschen Kolonisten von noch bedeutend höherem Werte, das im Verlauf von über 100 Jahren von vielen Generationen durch schwerste Arbeit erworben worden war, ist somit den deutschen Kolonisten durch die Kollektivisierung geraubt worden.


Foto und Textabschrift: Bonner Zeitung 22.6.1930, 40. Jahrgang Nr. 167

Aus dem deutschen Leben

Katharinenfeld den 16. Januar 1921

Im letzten Spätherbst zog eine Gruppe hiesiger Jünglinge und Jungfrauen nach Württemberg, um dort zu studieren, vor ihrer Abfahrt ließen sich die meisten vom Ortspastor Bescheinigungen darüber ausfertigen, dass sie wirklich württembergische Abstammung sind. – „Ja, ist denn das noch nachweisbar?“, hörte man damals öfter fragen, denn wiewohl man sich dessen hier vollständig bewusst ist, dass unsere Vorfahren aus Württemberg ausgewandert sind, so kennt den eigentlichen Heimatort seiner Voreltern doch nur noch selten jemand. Die Alten sind längst nicht mehr da, die Jungen denen man es wohl oft erzählt hatte, sind auch alt geworden und jene nachgefolgt. Mit ihnen hat auch der Briefwechsel allmählich nachgelassen und endlich aufgehört und so haben sich Verwandte und Freunde von hier und drüben auf ganz natürliche Weise vergessen. Der letze, mir bekannte Brief aus Schwaben an die Verwandten in Katharinenfeld, stammt aus Schorndorf und ist datiert vom 5. Dezember 1877. Es erkundigt sich darin eine geb. Kärcher in recht herzlichem Tone über das Wohlergehen ihrer Verwandten hier und bittet, doch mit dem nächsten Briefe ihre Fotografien mitzuschicken. „um wenigstens einander in so weiter Ferne auf dem Papier kennenzulernen. „ – Erst in letzter Zeit regt sich wieder ein besonderes Interesse für sie. Um nun diesem einigermaßen entgegenzukommen, seien hier in Kürze die Daten angegeben, die sich nach den noch vorhandenen Familienverzeichnissen über den Auswanderungsort und den Beruf unsere Ahnen haben ermitteln lassen. – Zuvor über den Ort. „Kennt ihr das Land in deutschen Gauen, das schönste dort am Neckarstrand?“ … … „Das ist das Land, wo unserer Väter Wiege stand!„ Dieses haben sie, zusammen mit einer größeren Auswanderungsharmonie, im Sommer 1817 verlassen, um sich hier in dem Lande „wo Sonnenglut und ew´ger Schnee sich fest die Hände reichen“, ein neues Heim zu suchen. Sie stammten ursprünglich fast ausschließlich aus der Gegend zwischen Reutlingen, Heilbronn, Pforzheim und Gmünd, von Tübingen, Nürtingen und Eßlingen aber gibt es beinahe keinen Flecken, den nicht irgendwelche Katharinenfelder als ihren alten Heimatort bezeichnen dürften. Ordnet man nun diese Ortschaften in ihre Oberämter und zwar nach der Zahl der Auswanderer, die sie damals Katharinenfeld gegeben haben, so kommen auf Tübingen und Umgegend die meisten, nämlich 26 Familien, auf Esslingen 17, Nürtingen 15, Kirchheim 13, Schorndorf 12, Stuttgart 9, Reutlingen und Preußen je 8, und Göppingen je 7, Baden 6, Backnang, Kannstadt, Waiblingen, Urach und Preußisch-Polen je 5, Nagold, Leonberg, Münsingen und Heidenheim je 4, Balingen, Sulz und Elsaß je 3, von ebenso viel (3) Familien ist der Auswanderungsort gar nicht bekannt, auf Heilbronn. Marbach, Herrenberg und Polen kommen je 2, Freudenstadt, Kalw, Maulbronn, Winnenden und Pfullingen je 1 . – Von Bauern ungefähr die Hälfte, die übrigen aber beinahe ausschließlich Handwerker, genauer war das Verhältnis folgendes: Bauern 72, Weber 22, Weingärtner 20, Bauern und Handwerker (gemischt) 18, Zimmerleute 9, Maurer 8, Kübler und Böttcher 7, von ebensovielen ist die Beschäftigung unbekannt, Schuhmacher 6, Schneider und Bäcker je 5, Schmiede 4, Schreiner 3, Wagner 2, Schulmeister, Bierbrauer, Ziegler, Sattler, Holzhauer und Tagelöhner je 1.  Zusammen 194 Familien, und zwar nicht Arme. Diese Zahl verminderte sich aber im Laufe der zwei ersten Jahre so rasch, daß, bis es zur Gründung der hiesigen Kolonie kam, nur noch die Hälfte davon übrig geblieben war. Zur Orientierung für den Einzelnen seien hier die Angaben von Familien, deren Nachkommen heute noch leben, auch einzeln gemacht.

Die Namen Beck, Brodt, Gaisdörfer, Hottmann, Jägle, Kötzle, Reiser und Wuchrer waren in den Verzeichnissen nicht vermerkt, da diese Familien erst viel später hier eingewandert sind. Desgleichen übersiedelten im Jahre 1831 aus Annenfeld hierher die Familien: Fleig, Häring, Bös, Kurz und G. F. Fischer; aus Elisabettal: Binder (1830) Krohmer (1830) und Eckstein; aus Helenendorf: Reeber, Reiter (1827), Maurer und Caspar Meier (1828); aus Ardaghan im Jahre 1833 M. Chetschik und aus dem Taurischen im Jahre 1834 die Familie Illg.


aus: Kaukasische Post Nr. 8, 13. Jahrgang, Tiflis, 30.1.1921

Salzmann Tiflis

Was Eierkuchen mit Architektur zu tun haben

Eine 3/4 Wegstunde vom Tifliser Spital, am Ufer der Kura befand sich in den 1830ern ein landwirtschaftlicher Mustergarten. Dieser wurde durch die Gesellschaft zur Ermunterung der Landwirtschaft in Grusien initiiert. Zur Unterstützung zahlte die Regierung dieser jährlich 10.000 Silberrubel, 6.000 vom Minister für Finanzen, 4.000 vom Oberbefehlshaber, zur Bestreitung der Unkosten und zu Versuchszwecken. Direktor der Gesellschaft war der Gymnasiallehrer und Staatsrat Schultz, der sich mit der Landwirtschaft wenig auskannte und daher Neuerungen im Kosten-Nutzen-Verhältnis wenig einzuschätzen wusste. So nahm sich Salzmann der Sache an, ihm wurde bescheinigt, das alles, was einigermaßen gut war, von ihm stammte. Dazu kam noch ein weiterer deutscher Kolonist, der die Arbeiten im Mustergarten ausführte. In diesem Mustergarten wurden verschiedene Hirsearten, Tabak, Bohnen, Rizinus, Sesam, Baumwolle, chinesischer Indigo und mehr angebaut.3

Herr Salzmann war bereits mit den ersten Auswanderern 18191 nach Grusien gezogen und konnte, so Dr. Koch4, von den Strapazen der Auswanderung berichten. Er ließ sich 1819 in Katharinenfeld nieder und errichtete ein Mahlmühle mit einem Gang – im Jahre 1836 die einzige in ganz Grusien. Nach dem Überfall auf Katharinenfeld im Jahre 1826 ließ er sich in Elisabettal als Bauer nieder, ehe er sich in Tiflis auf dem „Sand“ als Gastgeber ansiedelte und 1830 heiratete. Sein kleines Hotel in Riqe, erbaut 1836 wurde durch sein blaues Zimmer bekannt. Koch bemerkte dazu, es gab eine Gemütlichkeit in seinem Hause, wie man das nur aus der Heimat kannte, die Töchter trugen die Tücher, wie in Schwaben üblich, über die Schulter gelegt und auf der Brust vorn gekreuzt. Auch Dr. Georg Rosen gab in einem Brief vom 10.5.1844 Salzmann als Referenzadresse für Unterkunftssuchende in Tiflis an.

Friedrich Bodenstedt berichtete 1850 in seinem Buch „Tausend und Ein Tag im Orient“, wie er die Brücke über den Kyros überschreitet, um auf den „Sand“, einem Viertel im Stadtteil Awlabar zu glangen. Hier lebten die Deutschen Kolonisten. Unter ihnen der ehrliche „Sandwirt“ Salzmann, dessen von vielen Kindern gesegnete Frau den Ruf hatte, die besten Eierkuchen von Tiflis zu backen, welche in jeder damaligen Reisebeschreibung lobend erwähnt wurden.2 In einer anderen Beschreibung wird dagegen gewarnt vor dem reiche Salzmann, der auf dem „Sand“ mehrere stattliche Häuser besitzt:

„Salzmann ist ein Intriguant, ein Schleicher, ein Ordensjäger. … Um einen Tschin zu erlangen, nach welchem sein ganzer Ehrgeiz gerichtet ist, wäre er fähig, der geheimen Polizei zu dienen. Er hat kein deutsches Herz, jeder Blutstropfen ist in ihm verrußt.“4

Trotz aller Zwiespältigkeit der Ansichten über Salzmann waren seine Bemühungen um seine neue Heimat Tiflis so groß, das er vom Kaiser Nicolaus I. die goldene Verdienstmedaille verliehen bekam, welche er stets am roten Bande um den Hals trug. Im Jahre 1854 wurde Johann Friedrich Salzmann, Ehrenbürger der Stadt für seine besonderen Bemühungen zum Wohle der Allgemeinheit zum erblichen Ehrenbürger erhoben.

Rigaische Stadtblätter 1.7.1854 S. 230

Woher kamen die Salzmann nach Tiflis?

I. Generation

Der erste bekannte Sal(t)zmann, war Johann(es) Friedrich, ein herumziehender Spielmann (Marionettenspieler), welcher die Catharina Barbara Boß (1748-1814), Tochter eines Tagelöhners aus Großaspach, schwängerte. Angeblich soll er sie geehelicht haben und starb alsbald. Sie zog den Sohn als Witwe Salzmann alleine groß.

II. Generation

Johann Friedrich ( *11.3.1775 in Großaspach) war zunächst herumziehender Schnallenmacher, ehe er als Handelsmann und Krämer sesshaft wurde.

III. Generation

Aus der Ehe mit Christiana Margaretha Baumann ging am 11. Mai 1798 in Heimsheim der 1819 nach Katharinenfeld ausgewanderte Sohn Johann Friedrich hervor.

Kirchenbuch Heimsheim Taufregister 1754-1808 Band 2

Dieser wurde Mahlmühlenbesitzer einer eingängigen Getreidemühle, eine der ersten in Grusien. Er ehelichte 1830 in Tiflis Hedwig Allmendinger und siedelte später ganz nach Tiflis über. Auch sein Bruder Johann Georg wanderte nach dem Tod der Ehefrau 1839 ohne seine Kinder nach Russland aus.

Fünf weitere Kinder aus der Ehe mit Christiana Margaretha Baumann starben jung.

Als der Katharinenfelder Johann Georg Krämer (1798-1840) Ärger mit den württembergischen Behörden bekam, da er seinen Militärdienst nicht abgeleistet hatte, sondern heimlich 1819 auswanderte, deswegen ein Vermögensanspruch in der alten Heimat verlustig gehen sollte, war es der alte Salzmann, der 1840 eine Bittschrift verfasste und sowohl das Vermögen rettete, als auch dafür sorgte, dass die Forderung zur Erfüllung des Militärdienstes fallen gelassen wurde.

Im Juni 1842 folgte der alte Salzmann, Johann Friedrich, den Söhnen in einem Auswandererzug nach Abbas-Touman mit seiner zweiten Frau, Sophia Charlotta Streicher (*13.8.1800 Spagenweiler). Diese Ehe war mit 8 Kindern gesegnet, von denen fünf jung starben, über den Verbleib der anderen drei ist nichts bekannt.

Sophia starb in Tiflis am 11. Februar 1873 an einer Erkältung.

Tiflis, Nr. 1461, Sterbebuch 1873

Über den alten Salzmann wurde Folgendes berichtet:

Der alte Salzmann war einer von den neuen Ansiedlern, welchen der Ruf von seines Sohnes Glück noch in späten Lebensjahren bewogen hatte, seinem Vaterland Würtemberg den Rücken zu kehren. Sein Sohn erfüllte die kindliche Pflicht, indem er seinen armen Vater reich ausstattete und ihm die Mittel gab, in Katharinenfeld ein sorgenfreies und doch nicht unthätiges Leben zu führen. Die Gluth des südlichen Klimas und das Feuer des somchetischen Weines schien Blut und Nervengeist des alten Mannes mit neuer Lebenskraft durchdrungen zu haben. Er verliebte sich und heirathete zum drittenmal.5

Das die neue Frau sehr viel jünger war als er selbst, erregte jedoch die Gemüter einiger Bewohner, die sich gewünscht hätten, dass er statt eines blutjungen Mädchens eine ältere Witwe genommen hätte.

Der Tifliser Ehrenbürger Friedrich Salzmann

Sohn Friedrich (Фёдор Зальцман, fälschlich mit Theodor übersetzt) galt als sehr gebildet und weltklug. Neben der Mühle betrieb er eine Bierbrauerei, eine Karawanserei und führte die ersten Droschken – russische Fiaker – in Tiflis ein, die für ihn ein einträgliches Geschäft darstellten. Durch spekulative Geschäfte zu Reichtum gekommen, erwarb er Immobilien, stand bei jedem neuen Statthalter mit verschiedenen Diensten und der Lieferung ausgesuchter Küchenartikel in der Gunst, dennoch war ihm bewusst, nur ein Rang mit den damit verbundenen Vergünstigungen wäre auf Dauer eine solide Basis. Dieses wurde ihm 1854 endlich vergönnt.

Jerewan Platz, Tiblisi, mit Droschken8

Seine Umtriebigkeit zeigt eine Anzeige von 1862 aus der Wiener Zeitung zum Verkauf von Insektenpulver aus dem Samen der roten Camille.

Wiener Zeitung, 20.4.1862 Nr. 92, S. 6158

IV. Generation

Albert Immanuel Salzmann – der Architekt von Tiflis

Friedrich´s Stand erlaubte die umfassende Ausbildung seines Sohnes Albert Immanuel (Альберт Фёдорович Зальцман), der 1833 geboren wurde. Der zeichnerisch begabte Sohn studierte in Sankt Petersdorf, heiratete dort im Frühjahr 1860 Emilie Jürgens, Tochter eines Sankt Petersburger Baumeisters und kehrte mit ihr zusammen 1861 nach Tiflis zurück. Im Jahre 1863 wurde er in die Generaldirektion des Generalgouverneurs des Kaisers aufgenommen, wo er in der 1860 in Tiflis gegründeten Gesellschaft zur Wiederherstellung des orthodoxen Christentums im Nordkaukasus arbeitete. Für diese reiste er mehrere Monate durch Europa, besuchte Frankreich, Belgien und England und lernte den Bau von Krankenhäusern und Gefängnissen kennen. So findet sich in der Beilage zum Neuen Fremden-Blatt vom 21. Mai 1874 seine Ankunft im Hotel „Schwarzer Adler“ Leopoldstadt, Wien, Österreich.7

Albert Salzmann (1833-1897)6

Im Jahr 1876 wurde Albert Salzmann zum Architekten der Bezirksingenieurabteilung des kaukasischen Militärbezirks ernannt. Er war Mitglied der Akademie und wichtiger Kunstkomitees in der Stadt, einige Jahre lang Abgeordneter im Stadtrat von Tiflis, erhielt zahlreiche Orden und Ehrenzeichen.

Zusammen mit Otto Jakob Simonson war Salzmann der Architekt, der in der Zeit der raschen bürgerlichen Entwicklung der Stadt den Gebäuden von Tiflis einen neuen Stil verliehen hat. Bezeichnend ist, dass in seinen Fassadenlösungen traditionelle Motive der georgischen Architektur verwendet wurden, ganz im Sinne der national-romantischen Stilbewegung in der georgischen Architektur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Leider verstarb er viel zu früh, im Alter von 64 Jahren, am  26. Juli 1897 durch einen Sturz von einem Baugerüst.

Tiflis, Nr. 1463, Sterbebuch 1873-1916

Zu seinen architektonischen Leistungen gehörten Bauwerke wie die Katholische Kirche St. Peter und Paul, geweiht am 16. Oktober 1877, das St. Michaels-Krankenhaus, das Mädchengymnasium, das Gebäude des Stadtrates, der Umbau des Hotels „Orient“, das kaukasische Museum und viele weitere Gebäude.

Tiflis, Hotel Orient auf alter Ansichtskarte

V. Generation Salzmann

Dem Ehepaar wurden nach meiner Recherche die Söhne  Alexander Gustav (*25.1.1874), Eduard (*20.9.1875), Michael Heinrich (*12.10.1877) und ein weiterer Michael (um 1880-30.7.1889) geboren, wobei letzterer im Alter von 9 Jahren starb. Bei Sohn Boris Waldemar (* 25.3.1883) wird die Mutter Wilhelmine genannt.

Bekannt wurde Alexander Gustav (von) Salzmann (Александр Альбертович Зальцман) als Maler, Karikaturist und Bühnenbildner, er war Kunstleiter des Opernhauses und Balletttheaters in Tiflis unterrichtete zudem an der Schule für Malerei.

Alexander Gustav Salzmann KB Tiflis Nr. 1462 Taufen 1873-1890

Seine Mutter, die für ihre Handarbeitskunst in Tiflis bekannt war, förderte die musischen Begabungen ihres Sohnes frühzeitig, 1892 nahm er ein Studium der Malerei in Moskau auf, 1898 wechselte er an die  Königliche Akademie der Bildenden Künste in München. Bereits zwei Jahre später unterhielt Alexander Salzmann ein gemeinsames Atelier mit Adelbert Niemeyer und Carl Strathmann, 1901  lernte er bei einer Ausstellung Wassily Kandinsky kennen.

Jahrbuch des Deutschen Werkbundes 1912, S. 258

Es folgten Reisen nach Frankreich, ehe er 1906-1907 im Südflügel des Wiesbadener Kurhauses, im sogenannten „Muschelsaal“, den Freskenzyklus „Die vier Jahreszeiten“ malte. Es folgten kunstgewerbliche Entwürfe für die „Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst GmbH, Dresden und München“ und eine Tätigkeit für das  Festspielhaus Hellerau/ Dresden als Beleuchtungsinspekteur.  Hier lernte er auch seine spätere Ehefrau, die am Genfer Konservatorium ausgebildete Komponistin, Pianistin und Balletteuse Jeanne Allemand kennen, beide heirateten 1911 oder 191 in Genf.

Im Jahre 1917 kam das junge Paar nach Tiflis, wo Jeanne eine Tanz- und Musikschule eröffneten, Alexander entwarf Kostüme und Bühnenbilder für Theateraufführungen. Ihre Tochter Natalie, genannt „Boussik“, wurde 1917 in Tiflis geboren, sie starb 2007 in Caracas/Venezuela.11

Durch einen Kontakt zu dem russischen Komponisten Thomas von Hartmann lernten sie den Esoteriker, Choreographen und Komponisten Georges I. Gurdjieff (Георгий Иванович Гюрджиев) kennen, dessen größte Anhängerin Jeanne wurde.

Nachdem Gurdjieff zunächst ein Institut in Tiflis eröffnete, im Juli 1920 nach Konstantinopel ging, folgten ihm beide dort hin. Am 16. Februar 1921 wurde Georgien von der Roten Armee besetzt und als Teilgebiet der „Transkaukasischen Sowjetrepublik“ in die Sowjetunion eingegliedert. So gingen alle im August 1921 zurück nach Hellerau, im Oktober 1922 nach Frankreich. Alexander war am Pariser  Théâtre des Champs-Élysées als Beleuchter tätig. In Europa betätigte er sich nebenbei als  Antiquitätenhändler und widmete sich der Malerei.10

In Paris kam auch der gemeinsame Sohn von Jeanne und Gurdjieff, Michel (1923-2001), zur Welt.12

Am 3. Januar 1934 starb Alexander als Alexandre Gustav de Salzmann im Sanatorium „Le Belvédère“ in Leysin/ Schweiz an der Tuberkulose, seine Werke gerieten für lange Zeit in Vergessenheit. Jeanne widmete sich nun vollständig der Verbreitung Gurdjieff´s  esoterischer Lehre eines „Vierten Weges“ bis zu ihrem Tod am 25. Mai 1990 in Paris.

Das vergessene Erbe des Alexander von Salzmann

die Katalogseiten können angeklickt werden, öffnen pdf:

Katalog 1908 S. 305-31114
Katalog 1912 S.223-22915
Alexander v. Salzmann, Tiflis 191913

VI. Generation Salzmann

Nathalie de Salzmann de Etievan (12.1.1917 Tiflis – 11.6.2007 Caracas/Venezuela) war eine studierte Pädagogin, Journalistin, Übersetzerin, Autorin, Pilotin und Malerin mit anerkannten Verdiensten in mehreren internationalen Ausstellungen. Zudem war sie Gründerin der Gurdjieff-Gruppen in Venezuela.

Sie entwickelte das Etievan-Bildungsmodell (Etievan Educational Model) als Ergebnis langjähriger pädagogischer Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen. Ihr Verständnis für die Situation des Menschen brachte sie zu der Schlussfolgerung, das die richtige Bildung zur Bildung verantwortungsbewusster Menschen beiträgt, die an ihrer eigenen Entwicklung, ihrer Familie und ihrer Umwelt interessiert sind. Bildung sollte nicht nur an den Geist, sondern an das Bewusstsein gerichtet werden, sich auch auf das Gefühl und den Körper auswirken, so dass zwischen Denken, Handeln und Fühlen ein Gleichgewicht entsteht.

Dieses Modell ist seit 1973 Grundlage vieler Schulen in Peru, Venezuela, Kolumbien,  Chile und Ecuador, seit 1994 werden auch Lehrer in Brasilien ausgebildet.

Dr. Michel de Salzmann (31.12.1923 Paris – 4.8.2001 Beaupréau) war von 1990 bis zu seinem Tod Psychiater und Präsident der Gurdjieff-Stiftung. Für seine Freunde und Schüler eine der wichtigsten spirituellen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

Weitere Salzmann-Nachkommen

Oskar Schmerling. Fotograf Konstantin Zanis (1880-1947)16
  • Die Schwester des Architekten Albert Immanuel Salzmann war mit Oberst Schmerling verheiratet. Der gemeinsame Sohn Oskar wurde am 1. Juli 1863 in Tiflis geboren und starb 1938. Das künstlerische Talent der Salzmanns hatte er ebenfalls geerbt. So studierte er in der  Akademie der Künste Sankt Petersburg und München, ehe er ab 1893 in Tiflis zunächst für die Zeitung „Tsnobis Purtseli“ Karrikaturen zeichnete. Neben vielen anderen Zeitungen illustrierte er Bücher und eröffnete 1898 eine Malschule in Tiflis.

Im Jahre 1902 gründete er eine Schule der Malerei, Bildhauerei und Kirchenbaukunst an der Gesellschaft zur Unterstützung der Künste, auf Grundlage dieser Schule wurde 1922 die Akademie der Künste in Tiflis gegründet, an der Oskar Schmerling als Professor tätig war. Seine Tochter, Prof. Dr. Reneé Schmerling (1901-1967), studierte hier ebenfalls, sie wurde eine anerkannte Kunsthistorikerin und Malerin17. Sohn Edgar Theodor (*1906) wurde Journalist, er überlebte die Deportation nicht. Schmerlings Enkeltochter Alla starb im Jahre 2007 in Tiflis.

Oskar Schmerlings Schwester ehelichte Oberst Nesterowski.

  • Theodor (Теодор) Salzmann, geboren um 1844 in Katharinenfeld, starb am 25.5.1878 in Tiflis. Mit Ehefrau Julia hatte er die Kinder David Friedrich (1869-1873) und Elisabeth Mathilda (1876-1876).

  • Nicolai Federoff (Николай Фёдоров) war wahrscheinlich der Sohn von Johann Friedrich und Hedwig, geb. Allmendinger. Es wird vermutet, das er um 1845 geboren wurde.

Er ehelichte Maria Philippowna geborene von Salzmann (*10. Januar 1862 Katharinenfeld). Maria´s Eltern Georg Philipp Salzmann und Erika Kieß waren aus Katharinenfeld.

Sohn Peter Salzmann wurde am 16. Juni 1897 in Tiflis geboren.  Er starb als Hauptwachtmeister der Schutzpolizei 1945 in Lübeck.

KB Lübeck Tote 1945 S. 70

Aus der Ehe mit Martha Speck ging Hildegard Bertha von Salzmann hervor. Sie wurde um 1924 in Schwerin an der Warthe geboren und starb dort am 4. November 1925. Zum Zeitpunkt des Todes wurde Peter Salzmann als Musiker angegeben.

Aus weiterer Ehe hatte er den Sohn Peter Alfred Salzmann, geboren am 16. Oktober 1939 in Travemünde, verstorben am 4. Februar 1945 in Lübeck.

Wer zu Peter Salzmann (1897-1945) und seiner Familie weitere Informationen besitzt, möge mir bitte schreiben, die Nachkommen wären dafür sehr dankbar.


1Dr. Eduard Wiedenmann, Dr. Hermann Hauff: Reisen und Länderbeschreibungen der älteren und neuesten Zeit, Band 8, Cotta´sche Buchhandlung Stuttgart und Tübingen, 1842, S. 34ff
2Friedrich Bodenstedt „Tausend und Ein Tag im Orient“, Verlag der Deckerschen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1852, S. 115ff
3Das Ausland: Ein Tagblatt für Kunde des geistlichen und sittlichen Lebens der Völker, Band 23, 10. Januar 1850 Nr. 9; Cotta´sche Buchhandlung Stuttgart und Tübingen,1850, S. 115ff
4Prof. nat. Dr. med. Dr. phil. Karl Koch: Reise durch Rußland nach dem kaukasischen Isthmus in den Jahren 1836, 1837, 1838, Cotta´sche Buchhandlung Stuttgart und Tübingen, 1843 S.826ff
5Moritz Wagner: Reise nach Kolchis und nach den deutschen Colonien jenseits des Kaukasus, Arnoldische Buchhandlung Leipzig, 1850, S. 133ff
6Foto: АРХИТЕКТОРЫ. АЛЬБЕРТ ФЁДОРОВИЧ ЗАЛЬЦМАН. 17.6.2010
7Neues Fremden-Blatt, 21.5.1874 Nr. 139, Beilage
8Wiener Zeitung, Wiener Tagesbericht, 20.4.1862 Nr. 92, S. 615
9wikimedia: Kennan, George, 1845-1924 – Compiler NYPL Digital Gallery Source: The Caucasus : an album of photographs Digital ID: 50600 public domain , This image is available from the New York Public Library’s Digital Library under the strucID 289390
10The Gurdjieff Legacy Foundation
11 The Internet Archive: Annabeth McCorkle: The Gurdjieff Years 1929-1949, Recollections of Louise Goepfert March; Expanded Edition; Eureka Editions 2012, S. 34
12Sophia Wellbeloved: Gurdjieff, Te Key Concepts; London and New York, Routledge 2003, S. 235.
13 The Internet Archive:Thomas and Olga de Hartmann: Our Life with Mr Gurdjieff; Definitive Edition, Arkana Penguin Books, 1964, S. 114
14 The Internet Archive: Georg Hirth (Hrsg.) Dreitausend Kunstblätter der Münchner „Jugend“, ausgewählt aus den Jahrgängen 1896-1908, Mit biographischem Künstler-Verzeichnis, Neue vermehrte Ausgabe (11.-15. Tausend), München, Verlag der „Jugend“ Lessingstraße 1, 1908, S. 305-311
15 The Internet Archive: Katalog der Farbigen Kunstblätter aus der Münchener „Jugend“; München Verlag der Jugend G.m.b.H Lessingstrasse 1; 1912, S. 223-229
16wikimedia: Public Domain, before 1906: Amateur Photographer Konstantin Zanis. from The Tiflis Society of Amateur Photographers, photomuseum.org.ge (en) or photomuseum.org.ge (ge)
17The G. Chubinashvili National Research Centre for Georgian Art History and Heritage Preservation

weitere Bilder von Alexander v. Salzmann [Basarab Nicolescu, Alexandre de Salzmann, un grand artiste oublié du 20e siècle; Conférence à la Halle Saint Pierre, Paris, 24 octobre 2009. Presentation Power Point.]

Dr. med. Theodor Pacht

Dr. med. Theodor Pacht1 praktizierte in den Jahren 1903 und 1904 als Arzt in Katharinenfeld.

Geboren wurde er am 6. August 1860 zu Kokenhusen-Pastorat im Rigaschen Kreis, verstorben ist er 1937 in Riga.

Sein Bruder war der praktische Arzt Walter Emil August Raimund Pacht, geb. am 28. August 1850 zu Kokenhusen-Pastorat.

Geburtseintrag2
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Ihr Wohnort, das Pastorat von Kokenhusen, lag zwei Werst4 von Kokenhusen selbst entfernt und mit diesem am rechten Ufer der Düna, 14 Meilen5 oberhalb Riga. Ein Flüßchen, die Pehrse oder Perse, geht neben dem Pastorat vorbei und mündet unterhalb Kokenhusens in die Düna.


  1. Foto: Rahvusarhiivi, Nationalarchiv Estonia; Studio Th. John, varem Schlater, Aleksandri tn, Tartu, Zeitraum 1880–1888; Archivnummer EAA.1844.1.185.104 ↩︎
  2. Geburtseintrag: Evangelische Lutheraner, Kokenguzen (Koknese), Lettisch, Deutsch, Geburten, Ehen, Tote 1860–1864, S. 4 Nr. 14; Historisches Staatsarchiv Lettlands, Riga ↩︎
  3. Kartenausschnitt aus Kogneses Draudzes Wikimedia, gemeinfrei
    hier ↩︎
  4. 1 Werst = 1,0668 Kilometer ↩︎
  5. 1 Meile = 7.467,6 Meter = 7 Werst ↩︎

Auswandererlied 1816

Der Esslinger Oberamtmann gab in seinem Schreiben vom 16.12.1816 an das Oberamt Nürtingen als Verfasser einen „…gewissen Buob…“ an, „…dieser möchte dafür verantwortlich seyn, da er darinne zur Auswanderung und zur Annahme seiner schwärmerischen Lehre auffordert…1

Abschieds Lied!


1:

Auf Brüder Schwestern freuet euch,
bald kommt die frohe Zeit.
Folgt weil des Lammes Fahne weht
Folgt gern wohin es immer geht
Wir sind dazu bereit.


2:

Verlaß die Welt gesinten gern
Samt ihrem eutlen Tand
Und Zieht dahin wo Jesus ruft
sey es zum Leben, seys zur Gruft.
Wir sind in seiner Hand.


3:

Er der die Sünden gut getilgt
Mit seinem teuren Blut.
Schüzt auch vor allem was auch droth
den er er überwand den Tod
Und Zwang der Höllen Brut.


4:

Vertrauet seiner Leitung nur
Sein Weg ist eutel Licht
Ihr Zions Kinder freuet euch
Es ist kein Folk wie ihr so reuch
Dem bald nichts mehr gebricht.


5:

Doch wen noch Graun und Wankelmuth
In Sklaven Fessel fült
Der bleibe wn wir andre ziehn
Und fült er wir bedauren ihn
Er ist ein Kind der Welt.


6:

Lebt wohl ihr Freunde die noch Pflicht
Im Vatterlande fült.
Lebt wohl besuchet uns bald dort,
an dem von Gott bestimten Ort.
So bald es ihm Gefält.


7:

Dies Land das uns so lang versorgt,
Mit Pflege Speis und Trank.
Dir sey von jedem Herz das fühlt
So lange bis der Tod es kühlt,
Der allerwärmste Dank.


8:

Auch bütten wir aus Herzensgrund
für unsers Königs Heil
Beschüz ihn vor Gewalt und List
Gott der du Gott der Stärke bist,
Und der Gerechten Pfeil.


9:

Wird unser Schiff vom Sturm gebeitscht
Seyd unverzagt und kühn
Er der zum Meere hat gesagt
„Bis hirher und nicht weiter“ wagt.
Es wohl was gegen ihn


10:

Wen über Wasserberge hoch
Sich der Kaukasus hebt:
So singen wir Haleluja
Nun sind wir ja dem Lande nah.
Daß unser Schiff erbebt.


11:

Und wann nun alles Groß und klein
Gesund das Land erreucht
So danken wir den Herrn der Macht
Dar uns so weit hat hergebracht
und nie von seinen weicht.


12:

Ja wenn wir alle dort vereint,
Die vor uns ginngen sehn,
Dann reichen wir uns treu die Hand
Zu bauen das neue Vaterland
Gott Laß es bald geschehn.



1 Mikrofilm 838515: Auswanderungsakten, 1526–1899; Oberamt Nürtingen (Württemberg). Bd. 33–41 1806–1822

Conrad Buob wurde als Stuttgarter Tuchscherer, welcher ehemals 14 Jahre in dänischem Militärdienst stand und im Sommer 1815 entlassen wurde als Hauptmann, 40 Jahre alt und ledig, beschrieben

Raiser und Prinz aus Katharinenfeld

Privatbesitz Walter Prinz

Mein Dank gilt Walter Prinz, der in fruchtbarer Zusammenarbeit meine Seite mit dieser Zusammenstellung bereichert. Hinweise auf Ergänzungen und weiterführende Informationen werden hier dankend entgegengenommen. Vielleicht kennt jemand die Vorfahren der Familie Prinz, der nach Katharinenfeld einwanderte.

Plieninger

Privatbesitz Artur Rolloff

Mein Dank gilt Artur Rolloff, der in fruchtbarer Zusammenarbeit meine Seite mit dieser Zusammenstellung bereichert. Hinweise auf Ergänzungen und weiterführende Informationen werden hier dankend entgegengenommen. Vielleicht kennt jemand die Vorfahren des Friedrich Rolloff, der nach Tiflis einwanderte.

Fotos im Deutschen Museum Helenendorf

Nach dem Tod des Viktor Klein 2007 sollte sein Wohnhaus in Helenendorf zu einem Museum umgestaltet werden. Er war der Nachkomme des Josua Klein (1811–1882) aus Reutlingen und entging der Deportation nur, da seine Mutter mit dem polnischen Chefarzt des Helenendorfer Krankenhauses verheiratet war. Im Haus waren so die über 100 Jahre alten Biedermeier-Möbel, der Hausrat, Bilder, Bücher und ein Klavier erhalten geblieben.

Das Interesse an den Deutschen ist heute wieder vorhanden, man restauriert die einstigen Wohngebäude, da der Tourismus davon deutlich profitiert. So ist der Träger des Museums das aserbaidschanische Ministerium für Kultur und Tourismus.

Durch Dr. E. Ohngemach initiiert, wurden eine Reihe Fotos zur Verfügung gestellt, die im Museum der Deutschen in Kaukasien in Helenendorf gezeigt werden sollen.

Liebenswerter Weise restaurierte er auch einige von ihnen, da ihr Zustand nicht immer so gut war, dass man sie zufriedenstellend erkennen konnte. Die Umstände der Ereignisse der Geschichte von Deportation und Umsiedlung waren naturgemäß nicht geeignet, Rücksicht auf ihren Erhalt nehmen zu können. Um so wertvoller ist ihre Existenz als Zeugnis der Vergangenheit.

Die Idee, sie hier der Öffentlichkeit zu präsentieren, stammte von Artur Rolloff, da nicht jeder die Möglichkeit hat, nach Helenendorf zu reisen. Gern erfülle ich diesen Wunsch und bedanke mich bei allen Familien, die ihre Familienalben der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die Ladezeiten können aufgrund der Bildmenge allerdings verzögert sein.

Album Familie Rolloff

Album Familie Plieninger

Album Raiser-Prinz


Alle Fotos aus Privatarchiv, die Rechte zur Nutzung dieser Bilder sind ausschließlich an die Veröffentlichung  bei deutsche-kolonisten.de und im Museum Helenendorf gebunden, liegen ansonsten bei den Familien, in deren Besitz sie sich befinden!

Stammbaum Rolloff und Nebenlinien

Mein Dank gilt Artur Rolloff, der in fruchtbarer Zusammenarbeit meine Seite mit dieser Zusammenstellung bereichert. Hinweise auf Ergänzungen und weiterführende Informationen werden hier dankend entgegengenommen. Vielleicht kennt jemand die Vorfahren des Friedrich Rolloff, der nach Tiflis einwanderte.

Verzeichnis der in Katharinenfeld lebenden Familien

Verzeichnis der in Katharinenfeld lebende Familien mit Angaben der Orte, aus denen sie im Jahre 1817 auswanderten, sowie der Kolonien, aus denen sie nachträglich nach Katharinenfeld übersiedelten*)


die Nummerierung und Schreibweise der Namen bzw. Orte entspricht dem Original

Nr
1Allmendinger, Jacob, Zimmermann, Geburtsort Ganslosen Oberamt Göppingen
2Allmendinger, Joseph Zimmermann, Geburtsort Ulm, Oberamt Ulm (stammt aus Auendorf)
3Allmendinger, Peter, Wagner, Geburtsort Uegmen Oberamt Göppingen
4Beck, Geburtsort Breitenholz Oberamt Herrenberg (siedelte aus Helenendorf nach Katharinenfeld über, 1828)
5Betz, Friedrich, Bauer Geburtsort Erpfingen Oberamt Reutlingen
6Binder, Johann Jakob, Schneider, Ofterdingen OberamtTübingen
7Biedlingmeier, Christoph, Bauer,Geburtsort Oethlingen Oberamt Kirchheim
8Biedlingmeier, Johannes, Weingärtner, Geburtsort Plochingen Oberamt Eßlingen
9Böß,Karl, Strumpfwirker, Geburtsort Backnang Oberamt Backnang (siedelte im Jahre 1830 aus Annenfeld nach Katharinenfeld über)
10Brodt (schloß sich dem Auswandererzug in Südrußlandan)
11Breuninger, Johannes, Bauer und Weber, Geburtsort Backnang Oberamt Backnang
12Chetschik, Melkom, Geburtsort Ardahan (Chetschik war Armenier. Er wurde als Mitglied der Gemeinde Katharinenfeld zum Dank dafür aufgenommen, daß er einige Mitglieder der Gemeinde, die bei der Zerstörung Katharinenfelds im Jahre 1826 von Kurden und Persern in die Gefangenschaft entführt worden waren, aus der Sklaverei befreite und in ihren Heimatort zurück brachte. Unter diesen war auch seine spätere Frau, mit welcher er sich verheiratete, nachdem er zur evangelischen Kirche übergetreten war. Seitdem heirateten die Chetschiks ausschließlich Katharinenfelderinnen.)
13Daiber, Gottlieb, Rotgerber, Geburtsort Benzwangen Oberamt Göppingen
14Dieterle, Andreas, Ziegler,  Geburtsort Rosenfeld Oberamt Sulz
15Eckstein, Andreas, Bauer, Geburtsort Gaisburg Oberamt Stuttgart (siedelte 1830 aus Elisabethtal nach Katharinenfeld über)
16Eppinger, Konrad, Weingärtner, Geburtsort Zell Oberamt Eßlingen
17Fichtner, Michael,  Bauer, Geburtsort Unterbrüten Oberamt Backnang
18Fischer, Christian, Bauer und Schuhmacher, Geburtsort Worneesch oder Woroschtin, Oberamt Bromberg (Polen)
19Fischer, Georg Friedrich, Schmied, Geburtsort Neckartenzlingen Oberamt Nürtingen (siedelte 1831 aus Annenfeld nach Katharinenfeld über)
20Flaig, Christian, Schneider, Geburtsort Schwenningen Oberamt Tuttlingen (siedelte 1831 nach Katharinenfeld über)
21Frick, Johann Michael, Weingärtner, Geburtsort Zell Oberamt Eßlingen
22Gaisdörfer (wanderte in späteren Jahren ein)
23Haid, Martin, Bauer, Geburtsort Talheim oder Dahlen Oberamt Rottenburg
24Hartter, Jakob (Martin), Weingärtner, Geburtsort Glems Oberamt Urach
25Hering, Johann Georg, Weber, Geburtsort Nährstetten Oberamt Münsingen (siedelte 1831 aus Annenfeld nach Katharinenfeld über)
26Hottmann
27Hörz, Johannes, Schreiner, Geburtsort Walddorf Oberamt Tübingen (schloß sich dem Auswandererzug in Südrußland an)
28Huber, Ulrich (Jakob), Bauer Geburtsort Neckartailfingen Oberamt Nürtingen
29Huttenlocher, Wilhelm, Weber, Geburtsort Deizisau Oberamt Eßlingen
30Jeutter, Johannes, Weingärtner, Geburtsort Altbach Oberamt Eßlingen (siedelte 1830 aus Helenendorf nach Katharinenfeld über)
31Illg, Friedrich, Schneider, Geburtsort Grumbach Oberamt Schorndorf
32Jaegle (schloß sich dem Auswandererzug in Südrußland an)
33Kärcher, Johann Georg, Bauer Geburtsort Oettlingen Oberamt Kirchheim
34Kimmerle, Jakob (Friedrich), Bauer, Geburtsort Walddorf Oberamt Tübingen
35Kindlieb, Michael, Bauer, Geburtsort Barneberg, Preußen
36Kiß, Matthäus (Friedrich), Weingärtner und Bauer, Geburtsort Möhringen Oberamt Stuttgart
37Kötzle, Mühlenbauer  (kam später in Katharinenfeld an – stammt aus Württemberg)
38Krämer, Ludwig (Johann Georg), Maurer, Geburtsort Pliningen Oberamt Stuttgart
39Krohmer, Adam, Töpfer, Geburtsort Neußen Oberamt Urach (siedelte 1827/28 aus Elisabethtal nach Katharinenfeld um)
40Kurtz, Jakob, Zimmermann, Geburtsort Oßweiler Oberamt Ludwigsburg  (siedelte 1827/28 aus Annenfeld nach Katharinenfeld um)
41Mack, Karl, Schuhmacher, Geburtsort Ofterdingen Oberamt Tübingen
42Maser, Matthäus, Schneider, Geburtsort Grötzingen Oberamt Nürtingen
43Mayer, Adam (Johannes), Weber, Geburtsort Dettingen Oberamt Urach
44Mayer, Johannes, Küfer, Geburtsort Walddorf Oberamt Tübingen
45Mayer, Kaspar, Bauer, Geburtsort Diermen Oberamt Baden (siedelte 1830 aus Helenendorf nach Katharinenfeld um)
46Maurer, Johannes Gottfried, Bauer, Geburtsort Entringen Oberamt Herrenberg (siedelte 1827/28 aus Helenendorf nach Katharinenfeld um)
47Medinger, Jakob Friedrich (Kaspar), Geburtsort Beinstein Oberamt Waiblingen (schloß sich dem Auswandererzug in Glückstal, bei Odessa, an)
48Müller, Michael, Schuhmacher, Geburtsort Weiler bei Roßwälden Oberamt Kirchheim
49Palmer, Jakob, Bauer, Geburtsort Winterbach Oberamt Schorndorf
50Reeber, David, Bauer und Metzger, Geburtsort Schwaigheim, Oberamt Waiblingen
51Reeber, Gottlieb und Jakob, Bauer, Geburtsort Steinberg Oberamt Backnang (siedelte 1830 aus Helenendorf nach Katharinenfeld über)
52Raiser
53Ruff, Johannes, Weber, Geburtsort Erpfingen Oberamt Balingen
54Sackmann, Johann Georg, Bauer und Zimmermann, Geburtsort Oberhaugstett Oberamt Calv
55Schmid, Ludwig, Bauer, Geburtsort Dettingen Oberamt Heidenheim
56Schnabel, Andreas, Bauer, Geburtsort Winterbach Oberamt Schorndorf (siedelte 1827/28 aus Elisabethtal nach Katharinenfeld um)
57Speiser, Johannes (Georg), Geburtsort Unterenzingen Oberamt Nürtingen
59Steinwand, Johannes (Georg), Bauer, Geburtsort Dornstett Oberamt Sulz
60Tausch, Johann Friedrich, Kübler, Geburtsort Entringen Oberamt Herrenberg
61Tausch, Johann Martin, Kübler, Geburtsort Entringen Oberamt Herrenberg
62Thumm, Melchior (Johannes), Bauer, Geburtsort Wolfsschlungen Oberamt Nürtingen
63Torno, Johann Friedrich (Karl), Weber, Geburtsort Wriezen Oberamt Preußisch-Polen
64Vöhringer, Jakob, Schuhmacher, Geburtsort Bernloch Oberamt Münsingen
65Walker, Johann Georg, Schneider, Geburtsort Pfrondorf Oberamt Tübingen
66Wallner, Johann Jakob (Erdmann), Bauer, Geburtsort Julobkowa Oberamt Preußisch-Polen
67Wegner, Michael,Bauer, Geburtsort Boroff Oberamt Preußen
68Wiedemeyer, Jakob, Bauer, Geburtsort Gerlingen Oberamt Leonberg
69Wöhr, Jakob (Philipp), Bauer, Geburtsort Eltingen Oberamt Leonberg
70Wucherer, Johann, Bauer, Reutlingen Oberamt Reutlingen (siedelte 1827/28 aus Helenendorf nach Katharinenfeld um)
71Wurster, Johannes, Bauer, Geburtsort Walddorf Oberamt Tübingen
72Zehender, Jakob (Elias), Bauer, Geburtsort Winterbach Oberamt Schorndorf
73Ziegenhagel, Michael, Bauer, Geburtsort Koscheldon, Oberamt Polen

*) Theodor Hummel: „Zur Sippenforschung der Kaukasusdeutschen“, Daten der „Kaukasischen Post“ entnommen und von Lehrer Immanuel Walker auf Grund seiner Auszüge aus dem Familienregister der Kolonie Katharinenfeld ergänzt und richtig gestellt); in: Deutsche Post – Jg. 9/1937, S. 23–24

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