Zur Erinnerung an unsere Vorfahren, die als Migranten aus Süddeutschland in die Welt zogen

Schlagwort: Katharinenfeld

Kollektivierung 1930

Bonner Zeitung 22.6.1930

Wie die Bauern in Rußland kollektivisiert werden

Bekanntlich führen die Bolschewisten in Rußland die Zerschlagung der privaten Landwirtschaft und die Ueberführung der Bauern in die Kollektiven mit aller Gewalt durch. Für uns Deutsche ist es von besonderem Interesse, die Zwangskollektivisierung der deutschen Weinbaukolonie in Transkaukasien zu verfolgen. Wir sind in der Lage, den Bericht eines deutschen Weinbergbesitzers auszugsweise zu veröffentlichen.

Die Kollektivisierung der deutschen Kolonien Transkaukasiens wurde in der Zeit zwischen dem 6. und 15. Februar 1930 unter schwerem Druck und unter schweren Drohungen durchgeführt. Der Anfang wurde in den beiden größten Kolonien Helenendorf und Katharinenfeld gemacht.

Helenendorf. Um die Leute gefügig zu machen, wurden in Helenendorf am Vorabend des Beginns der Kollektivisierung sechs Männer verhaftet. Am nächsten Tage wurde die Gemeinde versammelt, und ein georgischer kommunistischer Funktionär drohte während der einberufenen Gemeindeversammlung, daß jeder, der gegen die Kollektivierung stimme, erschossen werde. Auf diese Weise wurde fünf Tage lang auf die deutschen Kolonisten eingewirkt, bis sie so weit zermürbt waren, daß sie sich durch Unterschrift verpflichteten, in die Kollektivwirtschaft einzutreten.

Trotz dieser unerhörten Drohungen telegraphierte der Kommunist Emil Bock an seinen Gesinnungsgenossen Thälmann in Berlin, daß die deutschen Kolonisten Helenendorfs mit Begeisterung die Kollektivwirtschaft aufgenommen hätten.

Am Tage der Kollektivisierung hatte die deutsche Winzergenossenschaft „Konkordia“ für die zwangsweise liquidierte Filiale in Leningrad eine Ueberweisung von 2 Millionen Rubeln erhalten. Diese Ueberweisung wurde von den kommunistischen Funktionären sofort beschlagnahmt.

Gleichzeitig mit der Kollektivisierung wurden sämtliche außerhalb des Gemeindelandes gelegenen Weinberge der Kolonisten Helenendorfs aus dem Kollektiv Thälmann (früher Helenendorf) abgeteilt und an Fremdstämmige übergeben (rund 1000 Morgen).

Katharinenfeld. Nachdem hier die kommunistischen Funktionäre sich zwei Tage lang vergeblich bemüht hatten, die Kolonisten zum Eintritt in die Kollektive zu bewegen, wurde die Gemeinde in vier Gruppen geteilt, von denen nun jede für sich bearbeitet wurde. Schließlich gelang es den kommunistischen Funktionären Fritz Reiser und Gottfried Kimmerle durch Drohungen, aus jeder Gruppe einige Personen zur Unterschrift zu bewegen. Am sechsten Tage waren auch die anderen so weit zermürbt, daß sie sich einverstanden erklärten, in die Kollektive einzutreten. Die einzigen, die nicht in die Kollektive eintraten, waren die in dieser Kolonie ansässigen Reichsdeutschen. Der Eintritt in die Kollektive erfolgte hier mit dem Vorbehalt, daß alle wieder austreten würden, wenn auch nur ein deutscher Ansiedler dieser Kolonie verhaftet würde.

Die Reichsdeutschen dieser Kolonie befinden sich bereits auf dem Wege nach Deutschland. Ihr Vermögen wurde auch hier der Kollektive einverleibt.

Nachdem die deutschen Kolonien kollektivisiert waren, wurde versucht, die Kollektivisierung auch in den tatarischen und georgischen Dörfern durchzuführen. Hier stießen aber die Funktionare auf schärfsten Widerstand. Die gutbewaffneten Tataren sammelten sich und lieferten den roten Truppen bei dem Dorfe Karasachkal eine Schlacht bei dem Uebergang über die Kura. Der Kommandeur der Miliz des Kasacher Kreises Hatschan ging mit einem Teil seiner Leute zu den Aufständischen über und versorgte die auf rund 8000 Mann angewachsene Truppe mit Maschinengewehren, Militärflinten und Munition. Die roten Truppen mußten aus Karajachkal mit bedeutenden Verlusten abziehen.

Auch die tatarischen Dörfer bei dem früher Siemenschen Kupferbergwerk Kedabek verteidigten sich mit den Waffen in der Hand gegen die Kollektivisierung. Hier erreichte den georgischchen Funktionär, der die Kollektivisierung der deutschen Kolonien mit Gewalt durchgedrückt hatte, sein Schicksal: von den wildgewordenen Tataren wurde er gevierteilt und das von ihm Uebriggebliebene seinen Gesinnungsgenossen in Gandscha zugestellt.

Nach dem Kreis Baschkeschet, Georgien, wurde ein besonderer Vertrauensmann Stalins entsandt, um die dortigen Tataren zum Eintritt in die Kollektivwirtschaft zu überreden. Doch gelang ihm dies nicht, er konnte sich nur durch rasche Flucht vor dem Schicksal seines Gesinnungsgenossen retten (Kedabek).

In den georgischen Dörfern versuchten die kommunistischen Funktionäre vergeblich, die Kollektivierung zu erzwingen Die Bauern leisteten überall schärfsten Widerstand, und eine Reihe der Funktionäre wurde von den georgischen Bauern ermordet. Daraufhin wurden Hunderte von georgischen Bauern verhaftet, viele flüchteten.

Die bekannte deutsche Winzergenossenschaft „Konkordia“, die noch im vorigen Jahre von allen kommunistischen Zeitungen als mustergültig für die ganze Sowjetunion bezeichnet wurde und die in Wirklichkeit die einzige Genossenschaft Sowjetrußlands war, die sich ohne Staatshilfe aus eigener Kraft lebensfähig erhielt, die sich im Verlauf der letzten zehn Jahre zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor heraufgearbeitet und im Geschäftsjahr 1927/28 einen Umsatz mit ihren eigenen Erzeugnissen von über 20 Millionen Rubeln erzielte, wurde von der Sowjetregierung aufgelöst.

Die Genossenschaft„Konkordia“ wurde im Jahre 1921 auf gesetzlicherlicher Grundlage gegründet und umfaßte die in Aserbeidschan befindlichen acht deutschen Kolonien Helenendorf (Thälmann), Georgsfeld (Leninfeld), Annenfeld (Maifeld), Eigenfeld, Traubenfeld, Alexejewka, Grünfeld und Jelisawetinka (Marxowka), deren sämtliche Ansiedler der Genossenschaft angeschlossen waren.

Die durch den Vertrieb der Erzeugnisse erzielten Gewinne wurden ausschließlich für allgemeinwirtschaftliche und kulturelle Zwecke verwendet. Ein entomologisches=geologisches Institut und ein Versuchsgarten für Weinbau von 40 Hektar wurden von der„Konkordia“ unterhalten. Ihre Mitglieder wurden mit den nötigen Schädlingsbekämpfungsmitteln und allen anderen Bedarfsartikeln versorgt. Genossenschaftskeller und Bewässerungsanlagen für die einzelnen Gruppen wurden gebaut. Außerdem unterhielt die „Konkordia“ eine deutsche Oberrealschule (später in eine Arbeitssschule 2. Stufe umgewandelt), acht zweiklassige Volksschulen, eine Taubstummenanstalt sowie vier Kirchspiele mit vier Pfarrern, Küstern, Organisten usw.

Schon bevor mit der Kollektivisierung der Kolonien begonnen wurde, mußte die Genossenschaft gezwungenermaßen ihre Niederlassungen in Leningrad, Moskau usw. liquidieren. Das Vermögen der Genossenschaft gehört ihren Mitgliedern, das heißt, den deutschen Kolonisten Aserbeidschans.

Das viele 10 Millionen zählende Vermögen der deutschen Winzergenossenschaft „Konkordia“ sowie die Privatweinberge und das Privatvermögen der deutschen Kolonisten von noch bedeutend höherem Werte, das im Verlauf von über 100 Jahren von vielen Generationen durch schwerste Arbeit erworben worden war, ist somit den deutschen Kolonisten durch die Kollektivisierung geraubt worden.


Foto und Textabschrift: Bonner Zeitung 22.6.1930, 40. Jahrgang Nr. 167

Aus dem deutschen Leben

Katharinenfeld den 16. Januar 1921

Im letzten Spätherbst zog eine Gruppe hiesiger Jünglinge und Jungfrauen nach Württemberg, um dort zu studieren, vor ihrer Abfahrt ließen sich die meisten vom Ortspastor Bescheinigungen darüber ausfertigen, dass sie wirklich württembergische Abstammung sind. – „Ja, ist denn das noch nachweisbar?“, hörte man damals öfter fragen, denn wiewohl man sich dessen hier vollständig bewusst ist, dass unsere Vorfahren aus Württemberg ausgewandert sind, so kennt den eigentlichen Heimatort seiner Voreltern doch nur noch selten jemand. Die Alten sind längst nicht mehr da, die Jungen denen man es wohl oft erzählt hatte, sind auch alt geworden und jene nachgefolgt. Mit ihnen hat auch der Briefwechsel allmählich nachgelassen und endlich aufgehört und so haben sich Verwandte und Freunde von hier und drüben auf ganz natürliche Weise vergessen. Der letze, mir bekannte Brief aus Schwaben an die Verwandten in Katharinenfeld, stammt aus Schorndorf und ist datiert vom 5. Dezember 1877. Es erkundigt sich darin eine geb. Kärcher in recht herzlichem Tone über das Wohlergehen ihrer Verwandten hier und bittet, doch mit dem nächsten Briefe ihre Fotografien mitzuschicken. „um wenigstens einander in so weiter Ferne auf dem Papier kennenzulernen. „ – Erst in letzter Zeit regt sich wieder ein besonderes Interesse für sie. Um nun diesem einigermaßen entgegenzukommen, seien hier in Kürze die Daten angegeben, die sich nach den noch vorhandenen Familienverzeichnissen über den Auswanderungsort und den Beruf unsere Ahnen haben ermitteln lassen. – Zuvor über den Ort. „Kennt ihr das Land in deutschen Gauen, das schönste dort am Neckarstrand?“ … … „Das ist das Land, wo unserer Väter Wiege stand!„ Dieses haben sie, zusammen mit einer größeren Auswanderungsharmonie, im Sommer 1817 verlassen, um sich hier in dem Lande „wo Sonnenglut und ew´ger Schnee sich fest die Hände reichen“, ein neues Heim zu suchen. Sie stammten ursprünglich fast ausschließlich aus der Gegend zwischen Reutlingen, Heilbronn, Pforzheim und Gmünd, von Tübingen, Nürtingen und Eßlingen aber gibt es beinahe keinen Flecken, den nicht irgendwelche Katharinenfelder als ihren alten Heimatort bezeichnen dürften. Ordnet man nun diese Ortschaften in ihre Oberämter und zwar nach der Zahl der Auswanderer, die sie damals Katharinenfeld gegeben haben, so kommen auf Tübingen und Umgegend die meisten, nämlich 26 Familien, auf Esslingen 17, Nürtingen 15, Kirchheim 13, Schorndorf 12, Stuttgart 9, Reutlingen und Preußen je 8, und Göppingen je 7, Baden 6, Backnang, Kannstadt, Waiblingen, Urach und Preußisch-Polen je 5, Nagold, Leonberg, Münsingen und Heidenheim je 4, Balingen, Sulz und Elsaß je 3, von ebenso viel (3) Familien ist der Auswanderungsort gar nicht bekannt, auf Heilbronn. Marbach, Herrenberg und Polen kommen je 2, Freudenstadt, Kalw, Maulbronn, Winnenden und Pfullingen je 1 . – Von Bauern ungefähr die Hälfte, die übrigen aber beinahe ausschließlich Handwerker, genauer war das Verhältnis folgendes: Bauern 72, Weber 22, Weingärtner 20, Bauern und Handwerker (gemischt) 18, Zimmerleute 9, Maurer 8, Kübler und Böttcher 7, von ebensovielen ist die Beschäftigung unbekannt, Schuhmacher 6, Schneider und Bäcker je 5, Schmiede 4, Schreiner 3, Wagner 2, Schulmeister, Bierbrauer, Ziegler, Sattler, Holzhauer und Tagelöhner je 1.  Zusammen 194 Familien, und zwar nicht Arme. Diese Zahl verminderte sich aber im Laufe der zwei ersten Jahre so rasch, daß, bis es zur Gründung der hiesigen Kolonie kam, nur noch die Hälfte davon übrig geblieben war. Zur Orientierung für den Einzelnen seien hier die Angaben von Familien, deren Nachkommen heute noch leben, auch einzeln gemacht.

Die Namen Beck, Brodt, Gaisdörfer, Hottmann, Jägle, Kötzle, Reiser und Wuchrer waren in den Verzeichnissen nicht vermerkt, da diese Familien erst viel später hier eingewandert sind. Desgleichen übersiedelten im Jahre 1831 aus Annenfeld hierher die Familien: Fleig, Häring, Bös, Kurz und G. F. Fischer; aus Elisabettal: Binder (1830) Krohmer (1830) und Eckstein; aus Helenendorf: Reeber, Reiter (1827), Maurer und Caspar Meier (1828); aus Ardaghan im Jahre 1833 M. Chetschik und aus dem Taurischen im Jahre 1834 die Familie Illg.


aus: Kaukasische Post Nr. 8, 13. Jahrgang, Tiflis, 30.1.1921

Dr. med. Theodor Pacht

Dr. med. Theodor Pacht1 praktizierte in den Jahren 1903 und 1904 als Arzt in Katharinenfeld.

Geboren wurde er am 6. August 1860 zu Kokenhusen-Pastorat im Rigaschen Kreis, verstorben ist er 1937 in Riga.

Sein Bruder war der praktische Arzt Walter Emil August Raimund Pacht, geb. am 28. August 1850 zu Kokenhusen-Pastorat.

Geburtseintrag2
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Ihr Wohnort, das Pastorat von Kokenhusen, lag zwei Werst4 von Kokenhusen selbst entfernt und mit diesem am rechten Ufer der Düna, 14 Meilen5 oberhalb Riga. Ein Flüßchen, die Pehrse oder Perse, geht neben dem Pastorat vorbei und mündet unterhalb Kokenhusens in die Düna.


  1. Foto: Rahvusarhiivi, Nationalarchiv Estonia; Studio Th. John, varem Schlater, Aleksandri tn, Tartu, Zeitraum 1880–1888; Archivnummer EAA.1844.1.185.104 ↩︎
  2. Geburtseintrag: Evangelische Lutheraner, Kokenguzen (Koknese), Lettisch, Deutsch, Geburten, Ehen, Tote 1860–1864, S. 4 Nr. 14; Historisches Staatsarchiv Lettlands, Riga ↩︎
  3. Kartenausschnitt aus Kogneses Draudzes Wikimedia, gemeinfrei
    hier ↩︎
  4. 1 Werst = 1,0668 Kilometer ↩︎
  5. 1 Meile = 7.467,6 Meter = 7 Werst ↩︎

Raiser und Prinz aus Katharinenfeld

Privatbesitz Walter Prinz

Mein Dank gilt Walter Prinz, der in fruchtbarer Zusammenarbeit meine Seite mit dieser Zusammenstellung bereichert. Hinweise auf Ergänzungen und weiterführende Informationen werden hier dankend entgegengenommen. Vielleicht kennt jemand die Vorfahren der Familie Prinz, der nach Katharinenfeld einwanderte.

Verzeichnis der in Katharinenfeld lebenden Familien

Verzeichnis der in Katharinenfeld lebende Familien mit Angaben der Orte, aus denen sie im Jahre 1817 auswanderten, sowie der Kolonien, aus denen sie nachträglich nach Katharinenfeld übersiedelten*)


die Nummerierung und Schreibweise der Namen bzw. Orte entspricht dem Original

Nr
1Allmendinger, Jacob, Zimmermann, Geburtsort Ganslosen Oberamt Göppingen
2Allmendinger, Joseph Zimmermann, Geburtsort Ulm, Oberamt Ulm (stammt aus Auendorf)
3Allmendinger, Peter, Wagner, Geburtsort Uegmen Oberamt Göppingen
4Beck, Geburtsort Breitenholz Oberamt Herrenberg (siedelte aus Helenendorf nach Katharinenfeld über, 1828)
5Betz, Friedrich, Bauer Geburtsort Erpfingen Oberamt Reutlingen
6Binder, Johann Jakob, Schneider, Ofterdingen OberamtTübingen
7Biedlingmeier, Christoph, Bauer,Geburtsort Oethlingen Oberamt Kirchheim
8Biedlingmeier, Johannes, Weingärtner, Geburtsort Plochingen Oberamt Eßlingen
9Böß,Karl, Strumpfwirker, Geburtsort Backnang Oberamt Backnang (siedelte im Jahre 1830 aus Annenfeld nach Katharinenfeld über)
10Brodt (schloß sich dem Auswandererzug in Südrußlandan)
11Breuninger, Johannes, Bauer und Weber, Geburtsort Backnang Oberamt Backnang
12Chetschik, Melkom, Geburtsort Ardahan (Chetschik war Armenier. Er wurde als Mitglied der Gemeinde Katharinenfeld zum Dank dafür aufgenommen, daß er einige Mitglieder der Gemeinde, die bei der Zerstörung Katharinenfelds im Jahre 1826 von Kurden und Persern in die Gefangenschaft entführt worden waren, aus der Sklaverei befreite und in ihren Heimatort zurück brachte. Unter diesen war auch seine spätere Frau, mit welcher er sich verheiratete, nachdem er zur evangelischen Kirche übergetreten war. Seitdem heirateten die Chetschiks ausschließlich Katharinenfelderinnen.)
13Daiber, Gottlieb, Rotgerber, Geburtsort Benzwangen Oberamt Göppingen
14Dieterle, Andreas, Ziegler,  Geburtsort Rosenfeld Oberamt Sulz
15Eckstein, Andreas, Bauer, Geburtsort Gaisburg Oberamt Stuttgart (siedelte 1830 aus Elisabethtal nach Katharinenfeld über)
16Eppinger, Konrad, Weingärtner, Geburtsort Zell Oberamt Eßlingen
17Fichtner, Michael,  Bauer, Geburtsort Unterbrüten Oberamt Backnang
18Fischer, Christian, Bauer und Schuhmacher, Geburtsort Worneesch oder Woroschtin, Oberamt Bromberg (Polen)
19Fischer, Georg Friedrich, Schmied, Geburtsort Neckartenzlingen Oberamt Nürtingen (siedelte 1831 aus Annenfeld nach Katharinenfeld über)
20Flaig, Christian, Schneider, Geburtsort Schwenningen Oberamt Tuttlingen (siedelte 1831 nach Katharinenfeld über)
21Frick, Johann Michael, Weingärtner, Geburtsort Zell Oberamt Eßlingen
22Gaisdörfer (wanderte in späteren Jahren ein)
23Haid, Martin, Bauer, Geburtsort Talheim oder Dahlen Oberamt Rottenburg
24Hartter, Jakob (Martin), Weingärtner, Geburtsort Glems Oberamt Urach
25Hering, Johann Georg, Weber, Geburtsort Nährstetten Oberamt Münsingen (siedelte 1831 aus Annenfeld nach Katharinenfeld über)
26Hottmann
27Hörz, Johannes, Schreiner, Geburtsort Walddorf Oberamt Tübingen (schloß sich dem Auswandererzug in Südrußland an)
28Huber, Ulrich (Jakob), Bauer Geburtsort Neckartailfingen Oberamt Nürtingen
29Huttenlocher, Wilhelm, Weber, Geburtsort Deizisau Oberamt Eßlingen
30Jeutter, Johannes, Weingärtner, Geburtsort Altbach Oberamt Eßlingen (siedelte 1830 aus Helenendorf nach Katharinenfeld über)
31Illg, Friedrich, Schneider, Geburtsort Grumbach Oberamt Schorndorf
32Jaegle (schloß sich dem Auswandererzug in Südrußland an)
33Kärcher, Johann Georg, Bauer Geburtsort Oettlingen Oberamt Kirchheim
34Kimmerle, Jakob (Friedrich), Bauer, Geburtsort Walddorf Oberamt Tübingen
35Kindlieb, Michael, Bauer, Geburtsort Barneberg, Preußen
36Kiß, Matthäus (Friedrich), Weingärtner und Bauer, Geburtsort Möhringen Oberamt Stuttgart
37Kötzle, Mühlenbauer  (kam später in Katharinenfeld an – stammt aus Württemberg)
38Krämer, Ludwig (Johann Georg), Maurer, Geburtsort Pliningen Oberamt Stuttgart
39Krohmer, Adam, Töpfer, Geburtsort Neußen Oberamt Urach (siedelte 1827/28 aus Elisabethtal nach Katharinenfeld um)
40Kurtz, Jakob, Zimmermann, Geburtsort Oßweiler Oberamt Ludwigsburg  (siedelte 1827/28 aus Annenfeld nach Katharinenfeld um)
41Mack, Karl, Schuhmacher, Geburtsort Ofterdingen Oberamt Tübingen
42Maser, Matthäus, Schneider, Geburtsort Grötzingen Oberamt Nürtingen
43Mayer, Adam (Johannes), Weber, Geburtsort Dettingen Oberamt Urach
44Mayer, Johannes, Küfer, Geburtsort Walddorf Oberamt Tübingen
45Mayer, Kaspar, Bauer, Geburtsort Diermen Oberamt Baden (siedelte 1830 aus Helenendorf nach Katharinenfeld um)
46Maurer, Johannes Gottfried, Bauer, Geburtsort Entringen Oberamt Herrenberg (siedelte 1827/28 aus Helenendorf nach Katharinenfeld um)
47Medinger, Jakob Friedrich (Kaspar), Geburtsort Beinstein Oberamt Waiblingen (schloß sich dem Auswandererzug in Glückstal, bei Odessa, an)
48Müller, Michael, Schuhmacher, Geburtsort Weiler bei Roßwälden Oberamt Kirchheim
49Palmer, Jakob, Bauer, Geburtsort Winterbach Oberamt Schorndorf
50Reeber, David, Bauer und Metzger, Geburtsort Schwaigheim, Oberamt Waiblingen
51Reeber, Gottlieb und Jakob, Bauer, Geburtsort Steinberg Oberamt Backnang (siedelte 1830 aus Helenendorf nach Katharinenfeld über)
52Raiser
53Ruff, Johannes, Weber, Geburtsort Erpfingen Oberamt Balingen
54Sackmann, Johann Georg, Bauer und Zimmermann, Geburtsort Oberhaugstett Oberamt Calv
55Schmid, Ludwig, Bauer, Geburtsort Dettingen Oberamt Heidenheim
56Schnabel, Andreas, Bauer, Geburtsort Winterbach Oberamt Schorndorf (siedelte 1827/28 aus Elisabethtal nach Katharinenfeld um)
57Speiser, Johannes (Georg), Geburtsort Unterenzingen Oberamt Nürtingen
59Steinwand, Johannes (Georg), Bauer, Geburtsort Dornstett Oberamt Sulz
60Tausch, Johann Friedrich, Kübler, Geburtsort Entringen Oberamt Herrenberg
61Tausch, Johann Martin, Kübler, Geburtsort Entringen Oberamt Herrenberg
62Thumm, Melchior (Johannes), Bauer, Geburtsort Wolfsschlungen Oberamt Nürtingen
63Torno, Johann Friedrich (Karl), Weber, Geburtsort Wriezen Oberamt Preußisch-Polen
64Vöhringer, Jakob, Schuhmacher, Geburtsort Bernloch Oberamt Münsingen
65Walker, Johann Georg, Schneider, Geburtsort Pfrondorf Oberamt Tübingen
66Wallner, Johann Jakob (Erdmann), Bauer, Geburtsort Julobkowa Oberamt Preußisch-Polen
67Wegner, Michael,Bauer, Geburtsort Boroff Oberamt Preußen
68Wiedemeyer, Jakob, Bauer, Geburtsort Gerlingen Oberamt Leonberg
69Wöhr, Jakob (Philipp), Bauer, Geburtsort Eltingen Oberamt Leonberg
70Wucherer, Johann, Bauer, Reutlingen Oberamt Reutlingen (siedelte 1827/28 aus Helenendorf nach Katharinenfeld um)
71Wurster, Johannes, Bauer, Geburtsort Walddorf Oberamt Tübingen
72Zehender, Jakob (Elias), Bauer, Geburtsort Winterbach Oberamt Schorndorf
73Ziegenhagel, Michael, Bauer, Geburtsort Koscheldon, Oberamt Polen

*) Theodor Hummel: „Zur Sippenforschung der Kaukasusdeutschen“, Daten der „Kaukasischen Post“ entnommen und von Lehrer Immanuel Walker auf Grund seiner Auszüge aus dem Familienregister der Kolonie Katharinenfeld ergänzt und richtig gestellt); in: Deutsche Post – Jg. 9/1937, S. 23–24

*

Australien

vom „Terra australis incognita“ – dem „südlichen unbekannten Land“ zur Heimat deutscher Kolonisten


Australien 18541


Leichhardt-Stein Sabrodt

Ein Besuch im Jahre 2012 in Trebatsch rückte Ludwig Leichhardt (1813–1848) in mein Blickfeld. Hier erinnert ein kleines Heimatmuseum an den berühmten Sohn des königlichen Torfmeisters Christian Hieronymus Matthias Leichhardt (1778–1840) aus Sabrodt.

Aus einem kleinen Dorf in Brandenburg brach dieser auf, um einen bis dahin kaum erforschten Kontinent zu entdecken.

Während Claudius Ptolemäus (100–175) nur annahm, es möge einen Terra australis incognita geben, viele Seefahrer von vermutlichen Landsichtungen berichteten, zeichnete der Franzosen Guillaume Le Testu (um 1508–1572) bereits 1555 eine genaue Karte der Küstenlinie, lange vor der tatsächlichen Entdeckung des 5. Kontinents. Dieser wurde zwar von verschiedenen Entdeckern ab 1606 erreicht, jedoch gilt als eigentlicher Entdecker erst James Cook mit seiner Reise 1769/70,  er nahm im Juni 1770 die Ostküste „Neuhollands“ für das Königreich Großbritannien formell als „Kolonie New South Wales“ in Besitz.

Terre australe 15552

Nachdem Johann Reinhold Forster (1729–1798), der Cook auf dessen zweiter Reise 1772 begleitete, um 1780 in England aufforderte, Australien als eigenständigen Erdteil anzuerkennen, wurde die britische Krone auf die Möglichkeit aufmerksam, Sträflinge entsenden zu können. Am 26. Januar 1788 trafen die ersten elf Schiffe der „First Fleet“ mit 788 Verurteilten unter der Führung von Arthur Phillip, frisch ernannter Gouverneur und Oberbefehlshaber von Neusüdwales, im Port Jackson ein. Sie gründeten „Sydney“ zu Ehren des damaligen britischen Innenministers Lord Sydney. Bis 1868 folgten ihnen unfreiwillig etwa 160.000 Verbannte.

Es folgten eine Reihe von Expeditionen, Vermessungen und Koloniegründungen, bis im August 1844 Ludwig Leichhardt eintraf, welcher den gänzlich unbekannten Nordosten des Landes erforschen wollte. Er folgte dem Carpentariagolf, verfolgte dann das ganze Küstenland desselben, durchzog die Mitte der Halbinsel Arnhem-Land und kam am 17. Dezember 1845 in Victoria, am Port-Essington, an der Nordküste an. Seine Reisen führten ihn auf 4800 km über diese Nord-Ost-Route. Als die zweite Reise 1846 von den Darling-Downs aus nach Westaustralien zu gelangen, fehl schlug, bereitete er seine dritte Reise vor. Auf dieser dritten Reise zum Barcoo ist er um den 5. April 1848 verschollen.

Sein Ruhm besteht in der Entdeckung von Australiens größtem Kohlelager, exakten Aufzeichnungen zu Flora und Fauna, zum Klima und über das Leben der die Aborigines.


Bereits vor Leichhardts Reisen waren Brandenburger in ihre neue Heimat Australien gezogen. In der Erinnerung der Menschen in der Region blieben die Auswanderer, welche im Juni 1838 durch den Müllroser Kanal und an Kersdorf vorbei auf 4 Spreekähnen fuhren. 200 kamen aus dem Dorf Klemzig (Klępsk),  weitere 600 waren Bewohner der Nachbardörfer. Unter der Führung ihres Pastors August Ludwig Kavel (1798–1860) bestiegen sie am 8. Juni 1838 ihre Lastkähne bei Tschicherzig an der Oder mit Ziel Australien. In Potsdam hielten sie in der Nähe des Stadtschlosses und sangen Lutherlieder, so wurde berichtet.

Ihr endgültiger Auswanderungsgrund bestand in der „Kabinettsordre“ vom 2.9.1837, welcher die separierte Gemeindebildung untersagte, die Auswanderung nach Russland jedoch erlaubte, Versprechungen des Zaren lagen bereits vor.  Ursprünglich wurde bereits Ende 1835, als sich die Änderungen der Kirchenordnung bereits anbahnten, ein Beschluss zur Auswanderung in den Kaukasus gefasst, der aufgrund der ausgebrochenen polnischen Revolution aufgegeben wurde.

Nachdem sie Hamburg am 6. Juli 1838 erreicht hatten, segelten sie auf der „Bengalee, Zebra“ und „Prinz Georg“ nach Australien, wo die „Bengalee“ am 18. November mit den ersten 21 Deutschen ankam. Die restlichen erreichten am 20. November 1838 Port Adelaide. Unweit von Adelaide gründeten sie eine Siedlung, der sie den Namen ihres Heimatdorfes gaben: Klemzig.

Dirk Hahn, Kapitän der „Zebra“, hatte sich derartig um die Reisenden bemüht, das die Ankömmlinge ihm zu Ehren südöstlich von Adelaide Hahndorf gründeten. 1841/42 entstanden die Gemeinden Bethanien, Lobethal, Langmeil unter Führung des aus Liebenwerda stammenden Pastors Gotthard Fritzsche.

Zwischen 1862 und 1872 wanderte vor allem Kleinbauern und Landarbeiter aus Brandenburg, der Uckermark, Pommern, Schlesien, Bayern, Württemberg, Baden und Hessen nach Queensland aus. In manchen Gebieten lag der Anteil der Deutschen an der Gesamtbevölkerung über 10 Prozent. Zum Ende des 19. Jahrhunderts lebten rund die 50.000 Deutsche in Australien.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden viele Deutsche in Australien interniert bzw. nach Ende des Kriegs deportiert, die meisten kehrten jedoch nach Deutschland zurück, sobald ihnen dies möglich wurde, eine offizielle Einwanderung war jedoch erst ab 1925 wieder zugelassen.

Eine größere Zahl Einwanderer begründete sich in der Internierung von über 25003 Deutsche und Österreicher zu Beginn des zweiten Weltkrieges, die zunächst in England interniert waren und mit der Dunera nach Australien verschifft wurden. Dazu kamen die bei Akko internierten Mitglieder der Tempelgesellschaft aus Palästina, die Deportation von 6654 Internierten erfolgte mit dem Truppenschiff „Queen Elizabeth“ in das Lager Tatura (Camp 3) in Victoria, Australien. Im Jahre 1948 flüchteten zurück gebliebene Deutsche nach Angriffen aus Palästina, sie kamen zunächst nach Zypern in das Lager bei Famagusta, Monate später reisten einige nach Australien aus, da ihre inzwischen heimisch gewordenen Angehörigen die Reisekosten übernahmen.

Unter den Internierten befand sich auch der Katharinenfelder Hermann Thumm (1912–2009), später einer der erfolgreichsten Winzer Australiens, der ein Buch über seinen außergewöhnlichen Lebensweg verfasste.5

In den Nachkriegsjahren waren die Deutschen gern gesehene Einwanderer, eine große Gruppe bestand aus Umsiedlern, auch aus Bessarabien, die durch die Aktion „Heim ins Reich“ entwurzelt eine neue Perspektive in ihrem Leben suchten.

Die australische Gesellschaft zählte 1945 weniger als 15.000 in Deutschland Geborene, bereits 1954 waren es über 65.000, und 1961 war etwas über ein Prozent der Gesamtbevölkerung (~ 110.000) aus Deutschland. Der überwiegende Teil wurde bei ihrer Emigration von der australischen Regierung finanziell unterstützt.


1F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896; 2. Band: Astrachan – Bilk; Tafeln; Seite 0171a „Australien.“
2Cosmographie Universelle selon le Navigateurs tant Ancien que Modernes bei der Bibliothèque nationale de France
3Australian Embassy Germany; Deutschen in Australien
4 Klaus Hillenbrand: Der Ausgetauschte: Die außergewöhnliche Rettung des Israel Sumer Korman, Verlag Fischer 2010
5Thumm, Hermann J.: Vom Kaukasus ins Barossa-Valley: Mein Lebensweg – Chateau Yaldara: Mein Beitrag zur australischen Weinkultur Herausgeber: Deutsche Weinbuchhandlung, 1999

Russland- und Kaukasus-Deutsche

Literatur

Ein Überblick verwendeter Literatur, online verfügbare Bücher sind verlinkt und weitere Empfehlungen werden genannt, die durch Neuerscheinungen nicht vollständig sein können. Ich übernehme ine Haftung für die verlinkten Inhalte, habe sie nicht erstellt und mache sie mir auch nicht zu eigen!

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 Zerr, A.; Einwanderungsgeschichte der Familie Zerr in Russland
Klemensverein, Odessa, 1914
 Prof. Carl von Hahn, Tiflis.: Aus dem Kaukasus. Reisen und Studien. Beiträge zur Kenntnis des Landes; Leipzig, Duncker und Humblot, 1892
 Hummel, Theodor: 100 Jahre Erbhofrecht der deutschen Kolonisten in Russland. Berlin, Reichsnährstand Verlag, 1936
  AUFSTIEG UND NIEDERGANG DER SCHWEIZER KOLONIEN IN DER UKRAINE – Zwicky, Vladimir (2013)
 Das Ahnenbuch von Katharinenfeld in Georgien, Kaukasus: Chronik der Familien [1818 – 1941] – Allmendinger, Ernst (1989) Bockfeld, 2005
 Damals im Kaukasus, Tempelgesellschaft, 2001
hu_ddit Der Deutsche im Auslande Transkaukasien, Verlag Julius Beltz – Langensalza, Berlin-Leipzig; 31. Heft; Der Deutsche in Transkaukasien für die Jugend zusammen gestellt von Oberlehrer Jacob Hummel in Helenendorf (Aserbeidschan), zweite Auflage, 1929
 Walker, Immanuel: Fatma;eine wahre Lebensgeschichte. Hrsg. Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. Stuttgart : Landsmannschaft der Dt. aus Russland, 1996
 

Keiner ist vergessen. Gedenkbuch zum 70. Jahrestag der Deportation der Deutschen in der Sowjetunion. Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. (Hg.) Kohlhammer Stuttgart 2011

  Deutsche Spuren in Aserbaidschan Auch, Eva-Maria: Deutsche Spuren in Aserbaidschan, Forschungsreisende, Kolonisten und Unternehmer zwischen Großem Kaukasus und Kaspischem Meer (18.-20. Jh.), Baku 2014. Hrsg. Aliyev-Stiftung
  Auch, Eva-Maria: Öl und Wein am Kaukasus. Deutsche Forschungsreisende, Kolonisten und Unternehmer im vorrevolutionären Aserbaidschan, Wiesbaden 2001
 Der Wanderweg der Russlanddeutschen. Jahrbuch der Hauptstelle für die Sippenkunde des Deutschtums im Ausland, Deutsches Ausland-Museum und Institut, Kohlhammer Berlin-Stuttgart 1939
  Der Schicksalsweg der Wolhyniendeutschen – H., S. (1939)
 Matthäi, Friedrich; Die deutschen Ansiedlungen in Rußland; Leipzig, Fries, 1866
 Der Schreckenstag von Katharinenfeld, Basel, Verlag des Missionshauses 1866
 Der Schreckenstag von Katharinenfeld, Basel, Verlag des Missionshauses 1866 Neuauflage Franz Roland Ketschik, Zwerenberg 2005
 Der Schreckenstag von Katharinenfeld,Schicksale deutscher Siedler in Transkaukasien, Verlag Grenze und Ausland, Berlin 1934, online in der The National Parliamentary Library of Georgia
 Tatarashvili Nestan. Die Deutschen Siedlungen und das deutsche Architektonische Erbe in Georgien = German Settlements and Architectural Heritage in Georgia. Publishing House CEZANNE. Tbilisi, 2018 Texts in Georgian, German and English. Sprache: deutsch, englisch, georgisch. 240 pages, 23 X 29 cm. ISBN-978-9941-8-0101-3 Kontakt über Facebook
 Jakob Prinz, „Die Kolonien der Brüdergemeinde“ – Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Kolonien Südrußlands«, Pjatigorsk 1898; Verlag von Jakob Prinz in Pjatigorsk, Moskau Buchdruckerei G. Lissner und A. Geschel, Nachfolger von E. Lissner und J. Poman Wodwishenka, Krestowosdwish Gasse, Hans Lissner 1898
 Die Rose vom Kaukasus : dramatisches Gedicht in zwei Aufzügen Text: Gottschall, Rudolf von (Leipzig : Reclam, 1870)
 Deutsche Siedlungen am Rande des Russischen Reiches, der Kaukasus: ein Blick durch die Welt (1818-1917) zum 190. Jahrestag der Gründung
Чернова-Дёке Т.Н.: Немецкие поселения на периферии Российской Империи. Кавказ : взгляд сквозь столетие (1818-1917) : (к 190-летию основания немецких колоний), Москва: МСНК-пресс, 2008
 Martin Friedrich Schrenk: Geschichte der deutschen Kolonien. In: Ders.: Geschichte der deutschen Kolonien in Transkaukasien. Zum Gedächtnis des fünfzigjährigen Bestehens desselben. 2. Aufl. Verlag Pfälzer Kunst, Landau 1997, ISBN 3-922580-65-3  (unveränd. Nachdr. d. Ausg. Tiflis 1869
 Dr. phil. Gerhard Bonwetsch: Geschichte der deutschen Kolonien an der Wolga; Bonwetsch, Gerhard; Stuttgart, Engelhorn 1919
  Hans-Hermann Graf von Schweinitz: Helenendorf, eine deutsche Kolonie im Kaukasus, Vossische Buchhandlung Berlin, 1910
 
Ingeborg Fleischhauer: Die Deutschen im Zarenreich, Deutsche Verlags-Anstalt 1991
  Ekaterine Udsulaschwili: Die deutschen Kolonisten in Georgien (Elisabethtal-Asureti 1818-1941). Polygrah, Tbilisi 2006
 
Konrad Keller: Die deutschen Kolonien in Südrussland. 1.Die katholischen Kolonien : Josephstal, Marienthal und Franzfeld, Odessa : Stadelmeier, 1905
 Konrad Keller: Die deutschen Kolonien in Südrussland. 2. Die Beresaner Kolonien : Landau, Speier, Sulz, Karlsruhe, Katharinental, Rastadt und München historisch, geographisch und statistisch beschrieben und als deutsches Kulturbild aus den südrussischen Steppen, Odessa : Stadelmeier, 1914
 
Jakob Stach: Die deutschen Kolonien in Südrussland. Prischib (1904), Nachdruck Georg Olms Verlag 2009
 
Paul Hoffmann: Die deutschen Kolonien in Transkaukasien; Verlag von Dietrich Reimer (Ernst Vohsen) 1905
  Karl Stumpp: Die Ostwanderung der Württemberger 1816-1822, Verlag S. Hirzel Leipzig 1941 Sammlung Leibbrand Bd. 2
 Alfred Eisfeld: Die Russlanddeutschen; Studienbuchreihe der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat Bd. 2
Langen-Müller, 1999
 Die Russlanddeutschen in Vergangenheit und Gegenwart; Verlag Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Stuttgart
 Eva-Maria Auch (Hrsg.) Gebrüder Vohrer: Deutsche Winzer im multikulturellen Umfeld Aserbaidschans.
Erinnerungsbericht des Julius Vohrer (1887-1979)
 Jakob Stach: Grunau und die Mariupoler Kolonien, Verlag Hirzel, Leipzig 1942
 Jakob Hummel: Heimat-Büchlein der Deutschen in Transkaukasien; Deutscher Staatsverlag „Nemgosisdat“, 1928
 Goltz, Kuno: Merkblatt für den deutschen Soldaten im Kaukasus
 A. Sanders: Kaukasien, Geschichtlicher Umriss: Hoheneichen Verlag München 1942
 Katharinenfeld – Ein deutsches Dorf im Kaukasus 1818-1941, Ernst Allmendinger, 1989 Selbstverlag
 Kulak: Love and Death, a German-Russian Tragedy – Ukraine, 1938; Cleon Ochsner, CreateSpace Independent Publishing Platform 2014
  Missionare und Kolonisten: Die Basler und die Hermannsburger Mission in Georgien am Beispiel der Kolonie Katharinenfeld; 1818–1870. Andreas Groß; Lit Hamburg 1998
  Reiseerinnerungen aus Russland – mit einer linguistischen Beilage aus der russisch-jüdischen Jargon-Literatur – Weber, Ferdinand Leipzig (1873)
 Paul Rohrbach: Vom Kaukasus zum Mittelmeer; Teubner, Leipzig-Berlin 1903
  Nikel, Samuel: Die Deutschen in Wolhynien. – Kiev ; Charkov: 1935
  Gottfried Kratz: Von Katharinenfeld im Kaukasus nach Schwarzenfeld in Bayern. Staatsbibliothekar Dr. Emil Walker – Germanist, Slavist und „Kontinentaleuropaeer“
 Von der Oktoberrevolution zur Perestroika – der westliche Marxismus und die Sowjetunion – Linden, von der, Marcel, Marcel van der Linden Dipa (1992)
PDF: (1/3), (2/3), (3/3)
  Wolhynisches Tagebuch; Karasek, Hertha
   Politischer Terror und das Schicksal der Aserbaidschanischen Deutschen; Dr. phil.Mammad Jafarli; Stuttgart 2012
Heimatbuch der Ostumsiedler Arbeitsgemeinschaft der Ostumsiedler, Stuttgart, Germany [1954-1955]
 Heimatbuch der Deutschen aus Russland Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland, Stuttgart, Germany [1956-]

 


Zeitungen

Unterhaltungsblatt für deutsche Ansiedler im südlichen Rußland


Als Mikrofilm im Centre for MB Studies (CMBS) in Canada vorhanden, zudem in der russischen Staatsbibliothek in Moskau und in St. Petersburg.


Kaukasische Post

Am 18. Juni 1906 von Kurt von Kutschenbach publiziert, während des Ersten Weltkrieges vorübergehend bis 1918 eingestellt und im Jahre 1922 erneut herausgegeben.

digitalisierte Ausgaben:
9.1914 (5. Januar -16. August)
1906-1914
1906 – 1909
1910 – 1919
1920 – 1922

Gründerfamilien Katharinenfeld

Katharinenfeld, Gründerfamilien 1818*)


NrNameAuswanderungsortRegion
1Aichele, Jakob FriedrichLustnau/Tübingen
2Albrecht, HenrickeEndersbach/Waiblingen
3Allmendinger, JacobAuendorf/Göppingen
4Allmendinger, JohannesUlm
5Allmendinger, JosephUlm
6Allmendinger, LeonhardGöppingen
7Allmendinger, PeterUhingen/Göppingen
8Betz, FriedrichErpfingen/Reutlingen
9Biedlingmeier, JohannesBlochingen/Esslingen
10Binder, Johann JakobOfterdingen/Tübingen
11Böß,KarlBacknang
12Breuninger, JohannesBacknang
13Breuning, Johann GeorgKemnath/Esslingen
14Brod(t), Georg, JohannAdamGroßaspach/Backnang
15Daiber, GottliebBünzwangen/Göppingen
16Dieterle, AndreasRosenfeld/Balingen
17Dolde, Johann AdamKappishäusern/Nürtingen
18Dorno, FriedrichWeissach/Leonberg
19Eckstein, AndreasGaisburg/Stuttgart
20Eppinger, KonradZell/Esslingen
21Faig (Feig), LeonhardNeuffen/Nürtingen
22Faininger, MariaWalddorf/Tübingen
23Fichtner, Michael, Johann
Georg
Unterbrüden/Backnang
24Fischer, ChristianBischofsheim/ElsassEls.
25Fischer, Georg FriedrichNeckartenzlingen/Nürtingen
26Flaig, ChristianSchwenningen/Tuttlingen
27Flaig, Erhard, JohannesSchwenningen/Tuttlingen
28Frick, Johann MichaelZell/Esslingen
29Friesinger, GeorgBurgstall/Backnang
30Geistdörfer, GottliebGroßaspach/Backnang
31Gräs, MichaelPfrondorf/Tübingen
32Haid, Johann MartinTalheim/Tübingen
33Hardter, JakobGlems/Reutlingen
34Hartter, JohannErpfingen/Reutlingen
35Haubensack, Johann, GeorgGönningen/Reutlingen
36Hering, Johann GeorgMehrstetten/Münsingen
37Hering, Johann GeorgMehrstetten/Münsingen
38Hörz, JohannesWalddorf/Tübingen
39Huber, Jakob, UllrichNeckartailfingen/Nürtingen
40Huttenlocher, WilhelmDeizisau/Esslingen
41Jeutter, JohannesAltbach/Esslingen
42Illg, Friedrich, JakobGrunbach/Waiblingen
43Kärcher, Johann GeorgÖtlingen/Nürtingen
44Kern, JakobMössingen/Tübingen
45Kimmerle, Jakob FriedrichWalddorf/Tübingen
46Kimmerle, JakobWalddorf/Tübingen
47Kindlieb, MichaelBromberg
48Kieß, MatthaeusMöhringen/Stuttgart
49Kieß, FriedrichMöhringen/Stuttgart
50Kötzle, JakobHolzheim/Göppingen
51Koser, Jakob,
Kolonnenführer
Ganslosen/Göppingen
52Kramer, Johann GeorgPlieningen/Stuttgart
53Krohmer, AdamNeuffen/Nürtingen
54Künkele, Johann GeorgMünsingen
55Kurz, JakobOßweil/Ludwigsburg
56Kümmerle, FriedrichRosenfeld/Balingen
57Mack, KarlOfterdingen/Tübingen
58Mar, Anna Marta
siehe Wiedmaier und Aichele
  
59Maser, MatthäusGrötzingen/Nürtingen
60Mayer, Georg AdamDettingen/Reutlingen
61Mayer, JohannesWalddorf/Tübingen
62Mayer, KasparDürrmenz/Vaihingen
63Maurer, Johannes GottfriedEntringen/Tübingen
64Medinger, Johann MichaelBeinstein/Waiblingen
65Mohr, JakobGochsheim/BruchsalBa
66Müller, Friedrich,
Johannes
Plattenhardt/Esslingen
67Müller, MichaelWeiler/Göppingen
68Musse, JohannWalddorf/Tübingen
69Oberst, Philipp FriedrichEsslingen
70Palmer, JakobWinterbach/Waiblingen
71Raiser, ChristianKirchentellinsfurt/Tübingen
72Raiser, Johann MichaelMöglingen/Ludwigsburg
73Rapp, JohannesMössingen/Tübingen
74Reeber, ChristophSteinberg/Backnang
75Reeber, DavidSteinberg/Backnang
76Reeber, Gottlieb, JakobSteinberg/Backnang
77Rohrer, PhilippGrafenberg/Nürtingen
78Ruff, JohannesErpfingen/Reutlingen
79Sackmann, Friedrich JohannOberhaugstett/Calw
80Sackmann, Sohn v.
Jakob
Besenfeld/Freudenstadt
81Schmid, Johann Georg,
Christian
Dettingen/Heidenheim
82Schnabel, AndreasWinterbach
83Speiser, JohannesUnterensingen/Nürtingen
84Spindler, AndreasRosswälden/Göppingen
85Steinwand, Johannes GeorgDornstetten/Freudenstadt
86Stark, ChristophSchwaikheim/Waiblingen
87Strohm, Johannes GeorgErbstetten/Backnang
88Tausch, Johann FriedrichEntringen/Tübingen
89Schnabel, AndreasWolfschlugen/Nürtingen
90Torno, GottliebMalta/Sonnenburg/PreußenPr
91Torno, Johann FriedrichWriezen/PreußenPr
92Vöhringer, JakobBernloch/Münsingen
93Walker, Johann GeorgPfrondorf/Tübingen
94Walker, Jakob Johannes,
Martin, Christian +
Pfrondorf/Tübingen
95Wallner, ErdmannPlochingen
96Wallner, Johann JakobJulobkowa/PreußenPr
97Weber, Johann GeorgReichenbach/Göppingen
98Wegner, MichaelBoroff/PosenPr
99Wiedemeyer, JakobGerlingen/Leonberg
100Wöhr, Jakob PhilippEttlingen/Leonberg
101Wöhr, MargarethaMagstadt/Böblingen
102Wucherer, Johann Kolonnenführer der 10.
Kolonne
Reutlingen
103Wurster, JohannesWalddorf/Tübingen
104Zehender, Jakob EliasWinterbach/Waiblingen
105Ziegenhagel, MichaelUnterensingen/Nürtingen
    
 Ausgestorbene Familien :  
106Aichele, Jakob  
107Aichmann, Jakob Friedrich  
108Aimann, Johann Georg  
109Armbruster, Johannes  
110Auch, Andreas  
111Eberle, Johann Jakob  
112Hauser, Georg  
113Eberle, Johann Jakob  
114Mayer Katharina  
115Rohrer, Philipp  
116Scheck, Jakob  
117Schneider, Johann
Gottfried
  
118Weber, Johann Georg  

*) Quellen: Deutsche Post – Jg. 9/1937, S. 23-24; Stummp: Die Auswanderung aus Deutschland nach Russland in den Jahren 1763-1862; Biedlingmeier: Das Ahnenbuch von Katharinenfeld in Georgien; Der Schreckenstag von Katharinenfeld, Basel, Verlag des Missionshauses 1866

Gedicht Katharinenfeld

In Anlehnung an Heinrich Heines „Loreley“ entstand dieses Gedicht von Willy Vöhringer (1913-1992) über die Geschichte des Ortes:


Katharinenfeld!

Ich weiß nicht was es bedeutet,

dass ich so traurig bin.

Ein Märchen aus uralten Zeiten,

das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Doch es ist nicht das Lied vom Rhein,

und nicht von der Jungfrau dort.

Es ist das Lied Tränen und Weinen

von unserem schönen Heimatort.

Es reisten viele Schwaben aus

von ihrem Heim, von ihrem Haus,

von wunderschönem Neckarstrand,

weit fort von deutschem Vaterland.

Im Jahre Tausendachthundertzehn und acht

wurde Dank und Gebet dem Herrgott gebracht,

dass endlich die armen Schwaben

nun wiederum eine Heimat haben.

Im grausigen wilden Asien,

am Georglesberg in Transkaukasien,

weit tausend Meilen fern vom Rhein

wird nun ihre neue Heimat sein.

In schwerer Arbeit, Müh und Schweiß,

begossen von Tränen und deutschem Fleiß,

in dieser traurigen einsamen Welt

entstand die Kolonie Katharinenfeld!

Im Winter und Sommer, bei Regen und Wind

Großvater, Mutter und Kind

mit Hacken und Spalten Jahr aus Jahr ein

erzeugten den edlen schwäbischen Wein.

Viele Jahre sind verflossen,

alles mit Schweiß begossen:

jeder Bauer, groß und klein,

jede Pflanze, jedes Heim.

Wo einstens Felsen und Steine lagen,

wo Georg den Lindwurm hat geschlagen,

reift nun der alte Rebensaft

von deutschen Müh´ und Streben erschafft.

Lieder schallen überall:

auf den Bergen, in dem Tal,

auf der Heide, auf dem Feld,

wo liegt ganz Katharinenfeld!

Doch die Freude war nicht lang,

es verstimmte Lied und Klang.

Eine Horde kam gefahren:

Kurden, Türken und Tataren.

Es war der 27. August.

Da brach vor Leid manch Herz und Brust

im 1826. Jahr.

Da drohte den Deutschen die Todesgefahr.

Mit Feuer und Schwert sind sie gekommen,

und haben so manchem das Leben genommen.

Lieber Gott! Welche schwerer Schlag,

der schreckliche Verstörungstag!

Die Mörder lärmen, töten und schlagen.

Sie kamen um Frauen und Kinder zu plagen.

Der Himmel war vom Feuer rot.

Die Sonne verstimmte ihre Strahlen des Lichts.

Man meinte, es wäre das letzte Gericht!

Die Grausamkeit vom Heidenfeld

musste leiden das arme Katharinenfeld!

Ja. Das waren schwere Zeiten.

Die Schwaben mussten viel erleiden.

Traurigkeit war rings herum.

Niemand sang kein Liedchen mehr.

Doch die Lebensjahre fliehen.

Die Wolken am Himmel ziehen.

Schwester und Bruder, Frau und Mann

fingen alles von Neuem an.

Das Leben bringt oft Kummer und Schmerz,

doch öfters bringt es Freude und Scherz.

Auf Heide und Feld erschallen wieder

wunderschöne deutsche Lieder!

Obwohl wir so manche Geschichte kennen,

wo sie uns dumme Schwaben nennen,

reinen schöneren Ort gibt es nicht auf der Welt,

als unser lustiges Katharinenfeld!

Grünes Blatt, mein lieber Ort

am Georglesberg, wie schön ist`s dort!

Oh, roter Felsen, wie schön bist du – edler Stein,

wie gerne möchte ich bei dir sein!

Am friedlichen Sonntagsmorgen

mit frischem Mut, ohne Sorgen,

hell übers Tal ein Lied erklang.

Der schöne Jünglingschor dort sang!

Hell leuchten die Sterne vom Himmelsrand.

Christkindlein zieht vom Land zu Land,

in tiefer Nacht bei Schnee und Wind

schenkt Freude und Segen der Mutter und dem Kind.

Wie friedlich tönte der Glockenklang,

bekleidet von Orgel, Gebet und Gesang.

Oh stille Nacht! Oh heilige Nacht!

Du hast uns immer viel Freude gemacht!

Die Sterne leuchten silber klar.

Prosit, ein glückliches Neues Jahr!

Es krachte der Büchse dumpfen Schuss,

belohnt von des Mädchens heißem Kuss.

So wünschen die Buben Neujahrsmorgen

ihren Mädchen Freude, Glück ohne Sorgen!

Neues Neujahr schreitet auf seinen Wegen,

und immer viel Hoffnung, Freude und Segen!

An Ostern gab es große Freude,

wenn alt und jung auf grüner Heide

den Tag mit Spiel und Scherz verbrachten,

manch lustigen Schwabenstreich machten.

Die Sonne geht alle Tage auf und unter,

doch die Schwaben sind immer lustig und munter.

In tiefer Nacht bei Mondesschein

klingen Lieder von Liebe, Lust und Wein!

Am Sonntagsmorgen mit glänzendem Helm

marschierte so mancher Schelm.

Am Sonntagsabend war Lust und Glück,

wann Hugo Böss mit seiner Musik

im Lustgarten draußen musizierte,

und nach müder Arbeit Tag und Nacht

die ganze Jugend sich dort amüsierte.

Hat man das Erntefest gemacht,

beschaut die Geschenke,

welch herrliche Pracht

hat man dem Schöpfer zum Danke gebracht.

Doch nach über hundert Jahren,

welche die Schwaben recht glücklich waren,

kamen wieder schwere Zeiten,

viele mussten unschuldig leiden.

Für deutschen Fleiß, Mut und Last

haben ja manche auf uns bitter geschaut.

Bei Mitternacht sind sie gekommen,

und haben so viele Männer fort genommen.

Morgenrot. Oh Morgenrot!

Du brachtest uns viel Kreuz und Not.

Kummer, Tränen, Leid und Sorgen

brachte uns jeder Morgen.

Unsere Aussiedlung nach Kasachstan.

Vergangen sind Fried, Freude und Glück.

Der zweite Verstörungstag kehrte zurück

im Jahre 1941,

wenn alles erzeugt und geerntet war.

Am 15. Oktober

traf Luxemburg der schwere Schlag:

Scheiden von ihrem Heimatland.

Vom eigenen Herd, vom eigenen Haus

jagten sie Mutter und Kinder heraus.

Nichts schlimmer konnte jemand hoffen,

so hat das Schicksal die Deutschen getroffen.

Groß war das Elend, groß war die Not.

In der Fremde fanden viele den Tod.

Nun ade, du, mein liebes Heimatland.

Liebes Heimatland, ade!

Und schaukeln die Wellen von Strand

zu Strand, liebes Heimatland, ade!

Wir fahren durch’ s Kaspische Meer.

Liebes Heimatland, ade!

Fahren fort zum fremden Strand.

Du, mein Heimatland, ade!

Das traurige Lied ist noch nicht zu Ende,

aber die Deutschen haben fleißige Hände.


Bild aus: Arkadij A. German 1948, Aleksandr N. Kurockin: Nemcy SSSR v “Trudovoj armii”: (1941–1945); Moskau Gotika 1998

Katharinenfeld – Luxemburg – Bolnissi – ბოლნისი

Kaukasien, Grusien, heute Georgien

Mein herzlicher Dank gehört hier Herrn Prinz, seiner Familie und seinen Freunden, die mir helfen, den Namen der einstigen Bewohnern ein Gesicht zu geben und mit Fotos, Geschichten und Daten tatkräftige Unterstützung leisten, die Erinnerung an sie wach zu halten.



Johann Albrecht Bengel

Wie ich bereits zur Auswanderung der Württemberger berichtete, zogen vor allem religiös motivierte Auswanderer nach Grusien.

Nachdem Prälat Bengel (1687-1752) die Offenbarung des Johannis neu deutete und daraus für den 18. Juni 1836 den Beginn des ersten eschatologischen Millenniums berechnete, leiteten weitere Theologen aus dieser Berechnung die persönlichen Wiederkunft Christi ab.

Die Württemberger hatten harte und entbehrungsreiche Zeiten hinter sich, die sie der Religion näher brachten, aber vor allem zahlreichen Schwärmern und Phantasten den Weg bahnten. Während die Pietisten in der Landeskirche verblieben, traten die Separatisten aus. Sie vermuteten hinter den Reformen der Kirche, diese würde dem Katholizismus erneut den Weg bereiten und strebe eine Vereinigung der beiden Konfessionen an. Die Separatistengemeinde weigerte sich daher, ihre Kinder taufen zu lassen und lehnte den Militärdienst ab, einige von ihnen wurden deshalb auf dem Hohenasperg in Arrest genommen.

Da das Weltende mit Umstürzen, Not und Kriegen angekündigt wurde, schienen die die Ereignisse der Jahre vor der Auswanderung darauf hinzudeuten, das Weltende sei nahe. Einige sahen ihre Rettung darin, nach Palästina auszuwandern.

Das Heiligen Land war wegen der osmanischen Herrschaft jedoch nicht zugänglich, so bot sich der Kaukasus als Ort des Wartens an, um dem wiederkommenden Christus möglichst nahe zu sein.

Bereits 1812 gründete der Weingärtner und Armenpfleger Georg Friedrich Fuchs die Stundengemeinschaft Schwaikheimer Harmonie der Kinder Gottes. Fuchs blieb der Kirche fern, nahm seine Tochter bereits vor der Konfirmation aus dem Religionsunterricht und predigte bei sich und anderen so mitreißend, das sich die Anhängerschar schnell vergrößerte. Der Kirche ging das zu weit und man orderte ihn vor den Konvent, da er diesem fern blieb, untersagte man ihm seine Versammlungen.

Die Behörden stellten eine Listen von Separatisten von Schwaikheim, Zillhardtshof und Neustadt auf und zählte 1815 bereits 56 Sektenmitglieder, u. a. die Schwaikheimer Kaspar Dautel und Frau, Kaspar Ott, Johann Klenk, Heinrich Wild, Christina Magdalena Schäfer, Anna Maria Müller, Regina Schwarz, Barbara Schäfer, Gottlieb Johann Koch und Barbara Bauer.

Da einige Sektenmitglieder gemeinsam mit dem „Separatisten-Fuchs“ in Haft genommen wurden, und sich daraufhin vom ihm abwandten, ließ er sich von seinen Anhängern die schriftliche Bestätigung geben, dass sie bei ihm blieben. Nach seiner Haftentlassung begann er die Auswanderung zu organisieren.

Zar Alexander I hatte nach dem Sieg über Napoléon Bonaparte die erneute Einwanderung ermöglicht und Württemberg sein bestehendes strenges Auswanderungsverbot aufgehoben. Als sich die adlige Juliane von Krüdener, selbst religiös bekehrt, anbot, ihren Einfluss beim Zaren geltend zu machen1, kam es erneut zum Schwabenzug, von April 1815 bis März 1817 verließen 53% der Handwerker, 20% der Bauern, 15% der Weinbauern, sowie 13% der Tagelöhner und Hirten das Land.2

Die Familien der Schwaikheimer Harmonie mussten auf ihre Bürgerrechte verzichten und Bürgen stellen, die für alle eventuell hinterlassenen Schulden aufzukommen hatten.

Am 23. September 1816 brachen die ersten 10 Familien mit zusammen 53 Personen aus Schwaikheim und Umgebung auf, um ihren Weg die Donau hinab nach Ismail zu nehmen.

Königlich-Württembergisches Staats- und Regierungsblatt 1816

Von hier aus zogen sie auf dem Landweg nach Großliebenthal bei Odessa. Sie erreichten Großliebenthal am 31. Dezember 1816 und lagerten bis zum Juli des Folgejahres.

Alexei Petrowitsch Jermolow, Generalgouverneur der transkaukasischen Provinzen Russlands hatte den Plan, dreißig Familien zur „Hebung“ der Landwirtschaft anzusiedeln, so öffnete er 31 Familien unter der Führung von Gottlieb Löffler den Weg nach Grusien. Sie zogen über Taganrog, Stavropol´, Mozdok, überquerten den 2000 Meter hohen Pass an der Südflanke des Kasbek und kamen am 20. September des selben Jahres in Tiflis an. Diese erste Gruppe von 148 Personen gründete die Kolonie Marienfeld (Sartitchala)3.

Im Laufe das Jahres 1817 folgten sechs weitere Schwaikheimer Familien mit 32 Personen und erreichten ebenfalls am 20. September 1817 Tiflis, den Ort, von welchem aus die Siedler in ihre zu gründenden Kolonien ziehen sollten.


Schwaikheim (A) – Ulm (B) – Regensburg (C) – Wien (D) – Budapest (E) – Belgrad (F) – Bukarest (G) – Orșova (H) – Galați (I) – Ismail (J) – Odessa (K) – Ovidiopol‘ (L) – Akkerman (M) – Großliebenthal (N) – Taganrog (O)- Rostow (P) – Stavropol´(Q)- Mozdok (R/S) -Tiblisi (T) – Katharinenfeld (U)

Dem Aufruf der Brüder Koch aus Marbach und Schluchtern zur Gründung einer „brüderlichen Auswanderungsharmonie der Kinder Gottes“ folgten in der Zeit von April bis August 1817 noch etwa 1400 Familien. In 14 Harmonie zogen sie auf dem rund 5800 km weiten Weg3.

Oppositionsblatt oder Weimarische Zeitung 1817

Zeitungen berichteten über diese Auswanderungswelle und sahen einen Zusammenhang mit dem am 8. Februar 1817 zu beobachtenden Nordlicht, welches als vermutlicher Auslöser betrachtet wurde.

Königlich-Württembergisches Staats- und Regierungsblatt 1817

1818 verließen sechs Personen und 1819 noch einmal eine Familie mit fünf Personen Schwaikheim. Aus dem ganzen Oberamtsgebiet wanderten 107 Familien mit insgesamt 635 Personen aus, davon allein 151 Schwaikheimer. Wie die Reise an Bord verlief, beschrieb Christoph Bidlingmaier in seinem Brief in die Heimat.

Die Flussfahrt brachte neben zahlreichen Entbehrungen auch Krankheiten mit sich, so dass bereits an Bord, aber noch mehr in der 42-tägigen Quarantäne in Ismail ihr Leben ließen. Von den 1400 Familien starben ca. 1000 Personen im Quarantänelager, nur etwa 300 Familien erreichten ihr fernes Ziel.1

Der Traum Grusien war zum Albtraum geworden. Viele verließen die Gruppen und wanderten nach Ungarn weiter oder ließen sich in der Moldau nieder, 300 Familie gründeten 1819 Hoffnungstal (Zebrykowe), andere ließen sich in bereits bestehenden Kolonien nieder.

Der Kaukasus galt 1817/18 als unsicher für Kolonisten, so versuchten die Behörden in Tiflis, den weiteren Zuzug zu verhindern. 500 Familien wollten jedoch unbedingt weiterziehen und erwirkten durch die Vermittlung von Karl Robert Graf von Nesselrode (1780–1862), Außenminister und Kanzler des russischen Zarenreichs, in Moskau die Erlaubnis, ihr Lager in den Kolonien um Odessa verlassen zu dürfen.

Zu den Abgeordneten der Kolonisten gehörten der Altbacher Weingärtner Johann Georg Frick (*1776), Vorsteher der Eßlinger „Harmonie der Gläubigen“, der Schluchtener Müller Johann Jakob Koch, Vorsteher der Marbacher Harmonie und Johannes Meyer, Vorsteher der Walddorfer Harmonie, die ein Bittschreiben an den Zaren am 20.2.1818 verfassten. Der Zar stellte die ausgesetzten Kolonistenprivilegien wieder her und richtete eine Regierungskommission für Sicherheit und Überwachung der Ansiedlung ein.2

Insgesamt brachen 10 Gruppen vom Mai bis August 1818 auf, die durch ihre Ansiedlung im November 1818 die Orte Neu-Tiflis (eine Koloniegründung von 60 Handwerkerfamilien), Elisabethtal (Asureti) und Alexanderdorf (Liebknechtsdorf, Didube) gründeten. Unter ihnen einige Kolonisten aus Polen und Ungarn, sowie bereits angesiedelte Kolonisten der Region Odessa, zusammen etwa 100 Personen. Die vorgesehenen Ländereien waren zuvor von Johann Georg Frick, Jakob Barth, Vorsteher der Nagold-Freudenstädter Harmonie und Kindlieb besichtigt worden.3

Allein zwischen 1818 und 1819 kamen insgesamt 2.6294 deutsche Siedler nach Transkaukasien, die in der Anfangszeit, wie auch in Bessarabien, in Erdhütten hausten, von Kronsgeldern lebten und teilweise in ihrer Not in Tiflis bettelten. Der Ehrgeiz, etwas aufzubauen, bestand zunächst nicht, da auf das vermeintliche Weltende gewartet werden sollte. Zudem hielten sich die Ansiedler für privilegiert durch ihren Glauben und grenzten sich von anderen ab, diese Vorstellungen wurden von der harten Wirklichkeit jedoch schnell eingeholt.

Die Auswandererharmonien zwei und fünf ließen sich etwa 180 Kilometer südöstlich von Tiflis nahe der Festungsruine Schamkor (Alt-Katharinenfeld) nieder. Dieser Platz erwies sich bald als klimatisch völlig ungeeignet für die 135 Siedlerfamilien und so starben im Sommer 1819 vor allem durch Malaria 256 von ihnen.

Die Kolonialverwaltung gab daraufhin ihrem Gesuch statt, an einem anderen Ort zu siedeln, diesen erreichten sie im Winter 1819 etwa 60 km südwestlich von Tiflis nahe des Fußes des Georgsberges, hier entstand Neu-Katharinenfeld (Luxemburg, Bolnissi). Der Name Katharinenfeld sollte Großfürstin Katharina Pawlowna, Tochter des russischen Kaiser Paul I. (1754–1801) ehren.3

In Neu-Katharinenfeld begannen die ersten Ansiedler mit dem Bau von Fachwerkhäusern, die sie mit Lehm, später mit Steinen ausfachten, wie sie das von zu Hause kannten. So entstanden 95 Häuser für die etwa 500 Einwohner des Ortes, jeder hatte bei Ankunft kostenfrei 27,90 Deßjatinen Land erhalten. Der Ort begann zu blühen, die Weinstöcke fruchteten und alles schien so, wie es sich die Auswanderer erträumt hatten.

Im Jahre 1826 überschritten die Perser die Grenze und forderten die dort lebenden Tataren auf „in Muhammeds Namen gegen die Christen die Waffen zu ergreifen“ 5. Durch die Überfälle aufgebracht und zerstreut zogen sich die russischen Abteilungen und Grenzposten in die Bergstadt Schuscha zurück. Die Tatarenüberfälle auf die Kolonien Annenfeld (Shamkir) und Helenendorf (Xanlar, Göygöl) am 9. und 10. Mai 1826 erschütterten die Ruhe im Kaukasus. Die Katharinenfelder flüchteten sich gewarnt nach Elisabetthal, wurden jedoch in ihre Kolonie zurück geschickt, da die Behörden die Warnungen vor einem Überfall für übertrieben hielten.


Fraundorfer Bauernzeitung 1829

In der Nacht vom 14./26. August 1826 ereignete sich der Überfall auf Katharinenfeld, der als „Schreckenstag von Katharinenfeld“ in die Erinnerung der nachkommenden Generationen einzog. Über tausend Tataren und Kurden umzingelten das Dorf. Sie fanden keinen Widerstand unter den Schlafenden und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Wer Widerstand leistete, wurde von Säbeln zerhackt, von Lanzen durchbohrt oder erschossen. Von den 431 Bewohnern starben 15 noch im Dorf, 99 Frauen, 52 Männer und zahllose Kinder kamen in Gefangenschaft6 , dort starben 14, nur von 66 ist das Datum der Rückkehr bekannt, der Rest blieb verschollen.7

Einige von ihnen sollten literarischen Ruhm erlangen, so Jakob Noah Epp (22.5.1808, Reutlingen – 8. Nov. 1884 Stuttgart), nach dem Überfall Haussklave bei König Mohammed Ali in Kairo, losgekauft durch König Wilhelm I., kehrte er in seine deutsche Heimat zurück.8 oder „Fatma“ Anna Maria Frick (1802-1883), die von ihrem Schwager freigekauft wurde, nachdem ihr Mann bei dem Überfall getötet und sie selbst in die Sklaverei verschleppt wurde.

Zur Erinnerung an diese Ereignisse und den anschließenden Wiederaufbau des zerstörten Dorfes wurde alljährlich ein „Aufbaufest“ gefeiert. Pfingsten 18549 weihten die Katharinenfelder ihre neue Kirche ein. Die letzte Konfirmation fand hier 1928 statt, danach wurde der Religionsunterricht in der Schule vom Staat verboten und nur noch heimlich in Privaträumen durchgeführt.9

Bereits mit dem Ende des Krimkrieges 1856 änderten sich die Verhältnisse in Russland, die Privilegien der Kolonisten und ihre Selbstverwaltung wurden nach und nach aufgehoben, als Amts- und Unterrichtssprache wurde Russisch eingesetzt und ab 1874 wurde die allgemeine Wehrpflicht für die Deutschen eingeführt. Auch das Recht von Ausländern auf den Erwerb von Land und den Besitz von Immobilien wurde stark eingeschränkt.

Katharinenfeld war inzwischen auf 175 Häuser und 786 Einwohner angewachsen (1870), die Fläche von Katharinenfeld betrug 2794 Deßjatinen (1880). Im Jahre 1912 lebten ca. 2700 Einwohner in 250 Häusern. Durch den enormen wirtschaftlichen Erfolg entstanden u. a. eine deutsche Zeitung, ein Konsumverein, die Winzergenossenschaft „Union“, eine Grundschule, ein Kirchenchor und ein Streichorchester, ein Jägerverein, eine Theatergruppe, fünf Fußballmannschaften, ein Fahrradclub und es gab sogar einen „Lustgarten“. Hier fanden Kino- und Theaterveranstaltungen statt, es gab einen Musikpavillon und eine Tanzfläche sowie Springbrunnenanlagen.

Wie erfolgreich die ausgewanderten Winzer den Weinanbau auf den fruchtbaren Hängen um Tiflis betrieben, belegt die Tatsache, das sie nicht nur viermal so hohe Hektarerträge als in Deutschland erzielten, sondern in den schwachen Jahren 1925 bis 1927, als im Kaukasus nur 18 Hektoliter je Hektar erreicht wurden, einen Ertrag von 60 Hektolitern je Hektar erwirtschafteten. Der Anteil der Weinernte der Kaukasusdeutschen an der gesamten Weinerzeugung Russlands betrug zu diesem Zeitpunkt 8,6 Prozent. Die Winzergenossenschaft „Konkordia“ Helendorf beispielsweise unterhielt eine Weinkellerei, die alle großen Städte Russlands versorgte.

Die antideutschen Stimmungen erreichten im Ersten Weltkrieg ihren ersten Höhepunkt. Mit der Oktoberrevolution von 1917 begannen die ersten Kollektivierungen in Russland. Georgien erklärte dagegen seine Unabhängigkeit am 26. Mai 1918.

Am 16. Februar 1921 besetzte die Rote Armee Georgien, der Name Katharinenfeld wurde in Luxemburg geändert.

Der Zensus von 1926 zählte 25.237 Deutsche in Transkaukasien (ZSFSR).

Es begannen Gerüchte zu kursieren, auch in Georgien würden die Kollektivierungen erfolgen, 1929 wurde dies zur Gewissheit. Damit es nicht zum Aufruhr kommt, wurden Versammlungen und Gruppenbildungen behördlich untersagt. Die Vorstellung, auf dem eigenen Land wie ein Tagelöhner zu arbeiten, sorgte dafür, das einige der Bewohner, die noch die deutsche Staatsbürgerschaft hatten, ihren Besitz verkauften und nach Deutschland übersiedelten.

Im Frühjahr 1931 sollte jeder Landbesitzer Mitglied der Kolchose sein, die Organisation war so desolat, das die Katharinenfelder zunächst weiter wirtschafteten wie bisher, jedoch im Frühjahr 1932 war endgültig Schluss, alle außer Kulaken und Ausländer mussten sich zusammen schließen.

Im Rahmen der so genannten Entkulakisierung zwischen 1929 und 1932 wurden in der ehemaligen Sowjetunion nicht nur Großgrundbesitzer, sondern vor allem unbequeme Personen als „Klassenfeinde“ verhaftet, enteignet, in Arbeitslager deportiert oder erschossen. Zu ihnen gehörten auch die Pfarrer der Kolonien, die im August 1931 alle verhaftet wurden. Die Folgen der Enteignungen und der Verfolgungen führten spätestens 1932/33 zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Kolonien zu einer schweren Hungersnot (Holomodor).

Eine weitere Welle der Verhaftungen folgte 1934 in Katharinenfeld, ein Jahr später begannen erste Zwangsumsiedlungen der einstigen Bewohner, 1938, auf dem Höhepunkt der Grossen Säuberung befanden sich über zwei Millionen „Klassenfeinde“ in Arbeitslagern, den so genannten „Sondersiedlungen“ Kareliens, Kasachstans und Sibiriens. Im selben Jahr wurden die deutschen Kirchen in Kaukasien geschlossen, wer zu Hause predigte, wurde verhaftet. Nach vorhandenen Archivunterlagen wurden ungefähr 800.000 Gefangene unter Stalin exekutiert, 1,7 Millionen sind im Gulag gestorben und außerdem 389.000 Kulaken während der Umsiedlung umgekommen – insgesamt ungefähr drei Millionen Menschen.

Die Dunkelziffer dieser „Säuberungsaktion“ ist ungleich höher, die Angaben schwanken daher in der Literatur erheblich.4 Bis zu Stalins Tod 1953 wurden schätzungsweise 15 Millionen Menschen im Gulag interniert, von denen jeder fünfte umgekommen ist. Unter den Opfern befanden sich mindestens 3 bis 4 Millionen Frauen. Weitere 5 Millionen Personen sind in Verbannungsgebiete deportiert worden.

Am 28. August 1941 wurde die Umsiedlung aller Russlanddeutschen durch Stalin befohlen, alle Kaukasiendeutschen, die nicht mit Georgiern verheiratet waren, wurden zwischen Oktober und November 1941 nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Zu diesem Zeitpunkt lebten in Katharinenfeld 6500 Einwohner, fast 6.000 Menschen mussten die Stadt verlassen. An der Verladestation Sandar traten 4193 namentlich bekannte Katharinenfelder die Deportation an.

der über 7000 km lange Deportationsweg, Sochotin ist nicht identifiziert

Aus Berichten in den Briefen von Verbannten konnte man den Weg der Verschickung rekonstruieren: Er führte über Sal’sk (A), Baku (B), Krasnovodsk (Türkmenbaşy, C), das Kaspische Meer (Überfahrt von ca. 26 Tagen unter winterlichen Härtebedingungen; so starben auf einem dieser Schiffe etwa 775 Menschen durch Erfrieren), Aselabad (Aşgabat, D), Taskent (E), Alma-Ata (F), Semipalatinsk (G), Novosibirsk (H), Tatarsk (I), Omsk (J), Petropavlovsk (Petropawl, K) nach Sochotin in Sibirien. Der gesamte Transport dauerte unter den erschwerten Bedingungen eines frühen und harten Winters ca.3 Monate. In einem Zug starben während des Transports in den Viehwagen allein 400 Kinder. Bei der Ankunft in Sibirien wurden die Männer zwischen 17 und 50 Jahren in die Arbeitsarmee eingezogen (die trudovaja armija,kurz: trudarmija genannt, war vor allem in Bergwerken und unter haftähnlichen Bedingungen eingesetzt). Die übrigen Verschickten, Frauen, Kinder und Greise, wurden in der Regel nicht in die Kolchoswirtschaften aufgenommen, sondern in sog. Sondersiedlungen auf nacktem, gefrorenem Boden angesiedelt (special’nye poselenija, kurz: specposelenija genannt, waren Siedlungen in Drahtverhauen und mit Wachtürmen, in denen die Verschickten unter der unmittelbaren Beobachtung des NKWD lebten). Viele starben nach Verkauf oder Tausch ihrer letzten Kleidungsstücke an Hunger und Kälte.11

Für die Deutschen im Gulag wurde Anfang des Jahres 1942 eine eigene Kategorie gefunden: trudmobilisowanny nemez (arbeitsmobilisierter Deutscher); dies wurde zur offiziellen Bezeichnung für die Deutschen in der Arbeitsarmee, man begann nun auch in großem Umfang Frauen im Alter von 16 bis 50 Jahren einzuziehen. Bis 1948 wurden schätzungsweise 600 000 Männer und 250 000 Frauen in die Trudarmee gezwungen. 35 Prozent davon starben bereits in den ersten vier Jahren.


Stellvertretend für die Katharinenfelder, die diesem Terror zu Opfer fielen:

Der Lehrer und Musiker Rudolf Prinz, geboren 1886, gestorben 1943 im Gulag Dolinka, Qaraghandy, Kazakhstan.


und seine Söhne:

Gerhard Prinz, geboren 1921, seit 1941 vermißt


Artur Prinz, geboren 1923, vermißt seit 1944 im Arbeitslager Vorkuta, Komi, Russia


Bereits 1944 erhielt die Stadt den neuen Namen Bolnissi, der Turm der evangelischen Kirche wurde nach dem 2. Weltkrieg von deutschen Kriegsgefangenen abgerissen, die Kirche selbst wurde in eine Sporthalle verwandelt.

Bis 1956 standen alle Deutschen in der Sowjetunion unter Bewachung von Kommandanturen. Wer ohne Erlaubnis seinen Zuweisungsort verließ, musste bis zu 20 Jahre ins Straflager.

Erst 1964 wurde der Erlass vom 28. August 1941 für teilweise nichtig erklärt. Die Zahl der Toten und Vermissten ist hoch, viele Schicksale blieben bis in die Gegenwart ungeklärt.

Heute sind 85 Prozent der Einwohner Georgier. An das Schicksal der einstigen deutschen Einwohner erinnert im Zentrum der Stadt eine zweisprachige Gedenktafel. Derzeit bestehen Pläne zum Bau einer neuen Sporthalle und zum Wiederaufbau des Kirchturms.*)

Am 07. Mai 2013 wurde der Verein zur Bewahrung deutschen Kulturguts im Südkaukasus სამხრეთ კავკასიაში გერმანული კულტურული მემკვიდრეობის დაცვის კავშირი ( Deutscher Kulturverein), gegründet. Er unterstützt unter anderem die georgischen Anstrengungen zur Restaurierung des Stadtkerns von Bolnissi und begleit die Vorbereitungen zum 200-jährige Jubiläum der deutschen Siedlung im Südkaukasus vorbereiten wird. Die Gründung des Deutschen Kulturvereins ging auf eine Initiative der Deutschen Botschaft Tiflis zurück.



1) Schröder, Bernd (Hg) : Georgien – Gesellschaft und Religion an der Schwelle Europas, Eine gemeinsame Vortragsreihe der Fachrichtung Evangelische Theologie der Universität des Saarlandes und der Landeshauptstadt Saarbrücke, Röhrig Universitätsverlag (2005)
2) Leibbrandt, Georg (Hg.): Die deutschen Kolonien in Cherson und Bessarabien. Berichte der Gemeindeämter über Entstehung und Entwicklung der lutherischen Kolonien in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Stuttgart (1926)
3) Mathias Beer, Dittmar Dahlman: Migration nach Ost- und Südosteuropa vom 18. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Ursachen, Formen, Verlauf, Ergebnis p 252ff
4) wikipedia
5) „Der Schreckenstag von Katharinenfeld“. Grausame Erlebnisse einer deutschen Kolonie im Tartarengebiet. Verlag Missionsbuchhauses Basel (1866)
6) Originalliste Saltet, Journal Nr. 5, Archiv der Basler Mission (FC-10.3,8)
7) Emil Biedlingmeier: Das Ahnenbuch von Katharinenfeld in Georgien, Kaukasus: Chronik der Familien. Eigenverlag (2005)
8) Kurtz: Der Muselmann aus Schwaben. Merkwürdige Geschichte des durch die Gnade Sr. Maj. Des Königs aus der türkischen Sclaverei befreiten Jakob Noa Epp. Reutlingen (1831)
9) Immanuel Walker: Fatma. Eine wahre Lebensgeschichte. Stuttgart (1953)
10) Ernst Allmendinger: Katharinenfeld, ein deutsches Dorf im Kaukasus, Selbstverlag, Neustadt (1989)
11) Fleischhauer, Ingeborg: „Unternehmen Barbarossa“ und die Zwangsumsiedlung der Deutschen in der UdSSR. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 2 (1982)

Deutsche Kolonisten

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