Paris

Paris, Bessarabien, heute Ukraine

Man kann die Menschen aus der Heimat vertreiben, aber nicht die Heimat aus den Menschen.“
(Erich Kästner)


Nach dem Aufruf des russischen Zaren sammelten sich Siedler der Regionen Warschau und Kalisch um Lodz und Warschau, um Trecks nach Bessarabien zu bilden.

Es lockten mit dem Manifest von Alexander dem I. vom 29.11.1813 die Aussicht auf das Erbrecht am Land, zinslose Kredite, Steuerfreiheit auf 10 Jahre, Selbstverwaltung der Gemeinde, Religionsfreiheit , Freiheit vom Militärdienst, Ausstellung eines Passes etc. auf „ewige Zeiten“. Sie erreichten in 3 Trecks, welche 1813 bis 1816 unterwegs waren, ihre neue Heimat.

Der erste Treck machte sich im Herbst 1813 auf den Weg, er sollte erst im Frühjahr 1814 die Gegend um Soroki und Bender /Thigina am Dnjestr erreichen. Kaum angekommen, nahm man ihnen alle Papiere ab, um ihren Weiterzug zu klären. Da unsere Vorfahren ohne Führer aufbrachen, nur mit Reisedokumenten ausgestattet, welche ihnen Unterkunft und Verpflegung garantierten, saßen sie die nächsten zwei Jahre fest und mussten bei den Einheimischen leben und arbeiten. Als sie 1816 endlich die Erlaubnis zum Siedeln bekamen, erhielten sie neue Dokumente, welche mit ihren alten nicht mehr überein stimmten. Viele Daten fehlten, die ihrer Herkunft lauteten oft nur noch Polen oder Preußen, den Orten der letzten Ansiedlung, Namen waren entstellt, mitunter völlig andere.

Die künftigen 141 Kolonistenfamilien der Steppe 10 sollten am Nordufer des Kogälnik siedeln, welcher sich in Form eines Mäanders von der Republik Moldau aus, in vielen Kurven, manchmal näher, manchmal weiter, vorbei an der Kolonie schlängelt. Etwa 90 km von Akkermann und 100 km von Kishinev entfernt.

Zum Zeitpunkt der Siedlung nannte man die Kolonie Alecksuesswerth, was bald geändert wurde in Paris durch den Minister des Innern, zur Erinnerung an die Wende in der entscheidenden Schlacht von Leipzig gegen Napoleon, nach welcher 1814 Paris erobert wurde.

Als sie ihr zugesichertes Land in Empfang nehmen wollten, war die Enttäuschung groß, denn es gab kein Haus weit und breit, das zur Verfügung gestellte Bauholz hatte die Witterung derart schlecht überstanden, das es zum Hausbau nicht mehr geeignet war, Steine gab es keine, so begannen die Siedler vor Einbruch des Winters Erdhütten (G.Walter) (Semljanka) zu bauen, bis dahin lebten sie in Zelten oder Grashütten, aber auch in Erdhöhlen, welche sie in den Hang des Berges gruben. Zur Umsiedlung waren noch einige der „Türken- oder Bulgarenhöhlen“ vorhanden.

Den Bau beschreibt Wilhelm Kludt (1807-1874)1 in seinem Buch „Die deutschen Kolonisten in Bessarabien“ wie folgt:

„Man schlug 4 starke Eckpfosten in die Erde, legte Balken mit Sparren darauf, deckte die Balken mit dünnen Stangen und das Sparrwerk mit Rohr und Gras, füllte die Zwischenwände bis an die Balken mit einem Strauchgeflechte, beklebte das Ganze inwendig und auswendig mit Lehm, – und das Kolonistenhaus war fertig. Allein das Baumaterial reichte bei weitem nicht aus, und viele Familien mußten sich auf ihren Baustellen Erdbuden machen. Man grub eine große, tiefe, viereckige Grube in die Erde, deckte sie mit Stangen, Rohr, Gras und Erde, bestrich das Ganze inwendig mit Lehm, und die Kolonistenwohnung war fertig“

Die Reise hatte auch bis dahin wohlhabende Einwanderer verarmen lassen, so dass sich der Neubeginn in Bessarabien äußerst schwierig gestaltete.

In den nächsten 2 Jahren jedoch wurden Häusern gebaut, in späteren Jahren Ställe und Scheunen, so dass nun jeder Siedler einen respektablen Bauernhof besaß, die Steine dafür mussten in den Nachbarsiedlungen gekauft und mühsam herangeschafft werden, da es keine Steinbrüche in der Nähe gab. Wer sich keine Steine leisten konnte, nutzte Samanziegel – ein ungebrannter Ziegel, welcher aus Lehm und Stroh gemischt in der Sonne trocknete. Um heizen zu können, vermischte man Kuhmist und Stroh (Kisjak), da es keine Wälder zur Rodung gab, wie sie es aus ihrer alten Heimat kannten.

Die Kolonisten erhielten laut Zusicherung bei ihrer Ankunft je Familie einen ganzen Hof (1 Deßjatinen, das sind 1,0925 ha), 200-220 m lang und 55 m breit, 60 Deßjatinen Land, als Unterstützung für den Bau ihrer Gebäude erhielt jeder bedürftige Siedler 270 Rubel Kredit, für die Kultivierung der Steppe jede Familie einen Wagen, einen Pflug, einen Spaten und eine Hacke und auch andere Geräte wie Sense, Sichel, Axt, Hammer usw., weiterhin sollten 5 Kopeken Nahrungsgeld bis zur ersten Ernte täglich gezahlt werden. Tatsächlich jedoch erwies sich der Wagen als ein „Halber“, zu teilen mit einer anderen Familie, dazu so schlecht, das er zusammenbrach oder die Räder abfielen. Auch die versprochenen Ochsen waren häufig noch Kälber oder es gab nur einen, die Tagesgelder wurden teilweise oder gar nicht gezahlt, gelieferte Nahrungsmittel waren ungenießbar, die ersten errichteten Häuser baufällig, weil sich jeder Lieferant und Beamte an den Baugeldern bereicherte, wo er konnte. Die Folgen waren bald zu spüren, im Jahr 1815 waren in den Lagern etwa 1000 Ansiedler krank.

Der Steppenboden war sehr hart, weshalb die Kultivierung der Äcker nicht so schnell, wie von den Siedlern erwartet, voran kam. Es waren 6-8 Ochsen notwendig, um eine Pflug zu ziehen, da jedoch jede Kolonistenfamilie, welche ein Gehöft übernahm, nur zwei Ochsen als Vorschuss und eine Kuh erhielt (teilten sich mehrere Familien das Gehöft, gab es keine zusätzlichen Tiere), reichten die Tiere nicht aus, um den Acker zu bestellen.

Die Bauern wurden gezwungen, ihre Ochsen zusammenzujochen, so dass sich die Bestellung hinaus zögerte. Auch die Fruchtbarkeit des Bodens nutzte ihnen wenig, da die meisten von ihnen nicht mehr über die nötigen Mittel verfügten, um genug Saatgut zu kaufen.

In den ersten paar Jahren mussten die Siedler keine Abgaben zahlen, um nicht noch mehr Schulden zu machen, da sie aber weder über genügend Setzlinge für Obstbäume noch über ausreichend Rebstöcke verfügten, Wald gab es auch keinen, blieben die Erträge gering und somit auch die Einnahmen. Im Allgemeinen sind die Böden in dieser Kolonie ausgetrocknet und voller Salpeter und Alkali. Die mangelnde Feuchtigkeit in Zeiten der Dürre ist nicht gut für das Wachstum von Pflanzen, schadet vor allem Getreide. Am besten wuchsen Akazien, Ulmen, Apfel-, Birnen- und Kirschbäume, viele andere Arten starben trotz Pflege ab.

Die größten Gewinne machten die Grundbesitzer, welche mit den Siedlern kamen und dort mehrere Jahre blieben, weil sie erhebliche Bestände an Tiere besaßen, welche die Neuankömmlinge nicht hatten.

Gegenüber dem Fluss war ein ziemlich steiler Hang, direkt hinter den Obstgärten, er wurde mit Reben bepflanzt. Nach dem Grat der Hügel von Norden nach Süden, liegt die Kolonie in zwei Reihen in Form eines Straßendorfes und bestand anfangs aus 121 Häusern.

Die Gemeinde errichtete eine Kapelle, ein Bürgermeister-Büro und ein Lagerhaus, sowie eine große Schule. Eine Beschreibung aus dem Jahre 1823 über die einzelnen Kolonien aus der St. Petersburger Zeitung findet sich hier.

Kludt berichtet jedoch, in den ersten Jahren nach der Ansiedlung soll es arg um die Religiosität und Bildung in den Gemeinden bestellt gewesen sein:

…Keinen großen Anstoß erregte es, wenn auch manche Schullehrer in öffentlichen Lastern lebten…

…in Paris, R. ein ähnlicher Trunkenbold, der als Hexenmeister berüchtigt, sich mit Zauberei, Beschwörung und Segensprecherei abgab…

…Da kein Schutzgesetz (Anm.: bis 1839) vorhanden war, so wurde die Schule äußerst schwach und nur in den strengsten Wintermonaten besucht. Die Kinder versammelten sich in der Wohnstube des Schulmeisters, wo sie oft von der Frau Schulmeisterin neben dem Spinnrade und Sauerkohltopf, während sich der Herr Schulmeister Stunden lang in der Kneipe mit seinen Saufgesellen unterhielt und endlich mit einem tüchtigen Strich im Kopfe, nach Hause kam, im Lesen und Katechismus unterrichtet wurden. Schreiben und Rechnen lag schon außer dem Horizont der Schule, und von Choralgesang und Noten wußte Niemand; doch ja, einer der Schulmeister kannte die Noten, – er sagte: „ich kenne die Noten; das Weiße ist Papier und die schwarzen Punkte und Ringe sind die Noten.“ Alle Taufen und Beerdigungen, wenn nicht der Pastor zugegen war, hatten die Schullehrer zu verrichten, worüber sie nur monatliche Verzeichnisse mit den dem Pastor zukommenden Accidentien dem Pfarramte einsenden mußten. Eine vom Schullehrer ertheilte Taufe durch den Pastor bestätigen zu lassen, das fiel weder dem Pastor noch sonst Jemandem ein. „

Dies änderte sich jedoch mit den Predigten Lindl´s in Sarata, ihm strömten die Menschen zu, die Gläubigen, welche sich Brüder und Schwestern nannten, begannen in privaten Versammlungen zu predigen und zu beten. Anfangs versuchte man, gegen die sich Versammelnden vorzugehen und die Versammlungen aufzulösen. Im Jahre 1823 wurde eine vom damaligen Superintendenten Böttcher und dem Fürsorgekommitee in 9 Paragraphen abgefasste „Verordnung, wie Erbauungsstunden in den evangelischen Kolonien Südrusslands sollen gehalten werden,“ durch alle Schulzenämter publiziert.

Weiter bei Kludt:

„…Spöttereien und geringschätzende Worte gegen diese Versammlungen aber sollten von der Obrigkeit durch Strafe geahndet werden. Die Versammlungsfreunde freuten sich über diese Verordnung und benutzten sie. Trotz derselben geschah es doch, daß, als Olf. einmal an einem Sonntage Nachmittags im Vorbeigehen die Pariser Bethausthür halb offen sah, in das Bethaus eintrat, und, als er eine starke Versammlung darin fand, fragte: „Was macht ihr da ?“ Der Vorsteher antwortete: „Wir halten Erbauungsstunde.“ Olf.: „Was liest du ?“ Vorsteher: „Ich lese eben ein Kapitel aus der Offenbarung.“ Olf.:“Ihr Dummköpfe ! Ich bin ein studirter Mann und verstehe nichts davon; was wollt ihr verstehen ?“ Vorsteher: Das Buch heißt aber doch O f f e n barung, und nicht Z u barung.“ Olf.: „Hinaus mit euch ! hinaus !“ – Er jagte alle zum Bethause hinaus. Ich sah einmal, wie er einem halben Dutzend Brüder, die er von Paris nach Tarutino vor sich beschieden hatte, Bruststöße gab und sie rechts und links ohrfeigte…“

Ende 1841 sagten sich die separatistischen Brüder von der evangelisch-lutherischen Kirche los und gründeten eine eigene Kirche. Natürlich versuchten die Pastoren dagegen anzugehen, die Separatisten klagten beim Fürsorgekommitee, welches sie für Mennoniten hielt und in Schutz nahm. Ihr Widerstand, Abgaben an die Gemeinde zu zahlen, um den Unterhalt von Lehrern, Pastoren etc zu ermöglich, brachte ihnen viel Ärger mit den Behörden ein, trotzdem wuchs ihre Anhängerschar, welche auf die Ankunft des „Sonnenweibes“ – das „Reich Gottes“ – 1847 wartete. Das führte dazu, das viele ihre Äcker verwahrlosen ließen und nicht mehr bestellten, als dann die Prophezeiung nicht eintraf, zerfiel die Anhängerschar, ein Teil kehrte zum alten Glauben zurück, einige blieben beim neuen und viele gehörten keinem Glauben mehr an, lebten „in Sünde“ und gaben sich der Trunksucht hin.

Niemand hätte damals geglaubt, das 1910 und 1934 die großen Brüderkonferenzen und 1938 ein Jugendtreffen in Paris abgehalten werden würden. Nach den Dürren von 1892 -1894 führte man den „Gelobten Bußtag“ ein, welcher am 8. Mai (zu rumänischer Zeit am 19.5.) unter Anteilnahme vieler Brüder und Schwestern der Nachbargemeinden bis zur Umsiedlung beibehalten wurde.

Als wären Glaubensfragen und ihre Folgen nicht Problem genug, gab es für die Pariser auch seitens der Natur viele Rückschläge, Viehseuchen und Krankheiten, Dürren und Ungezieferplagen waren an der Tagesordnung.

In den ersten Jahren ihrer Ansiedlung gab es in der Region um Arzis Epidemien unter den Rindern (1823, 1824,1827, 1829, 1832, 1833, 1837, 1839, 1842, 1844 und 1845), Heuschrecken 1823, 1824, 1825, 1826, 1827, 1836, 1847, 1858, 1859 und 1860, Hagel 1838 und 1839, Raupen, Käfer (1840 – 1847), die Pest im Jahre Herbst 1829, als 1831 die Cholera nach Russland kam (aus Persien über den Kaukasus), starben 49 Pariser Einwohner, es raffte ganze Familien dahin, welche so erloschen. 1853 und 1855 schlug die Cholera wieder zu.

1821, 1822, 1823, 1827,1832, 1833, 1834 und 1839 gab es Missernten, 1828 und 1829 wegen des Durchzugs von russischen Truppen, welche die Ernte erheblich behinderten, 1840 und 1841 wegen eines sehr kalten Winters und 1846 und 1847 wegen einer schreckliche Dürre.

Dazu kamen Erdbeben, das erste Erdbeben, das sich am14. November 1829 nachts, ereignete, war so stark, dass die schlafende Bevölkerung erwachte, aus dem Bett sprang und aus ihren Häusern lief, ein zweites 1830 war dagegen deutlich schwächer, aber das dritte Erdbeben am 11. Januar 1838 abends, übertraf die beide anderen um Größenordnungen.

Eine Beschreibung der Kolonien durch den Offizier der königlich sächsischen Armee, Friedrich Matthäi, aus dem Jahre 1865 finden Sie hier.

1911 konnten sich die Kinder über eine umgebaute und erweiterte Schule freuen und der Lehrer bekam eine neue Wohnung errichtet, der Küster hatte 1924 eine eigene Wohnung. Zur Umsiedlung besuchten rund 400 Kinder die Schule. Um 1920 wurde ein neuer Friedhof eingeweiht, 1926 entstand auf dem Kirchhof ein 5 m hoher Obelisk für die Gefallenen und Vermissten des ersten Weltkrieges, im selben Jahr erhielt die Kirche eine Turmuhr, leider ist heute vieles zerstört und nicht mehr auffindbar.

Die Pariser trotzten der „Stepp“ ab, was ihnen die Natur in guten Jahren im Überfluss gab und mehrten ihren Wohlstand bis zur Umsiedelung 1940. Die Strauch- und Lehmhäuser wichen mit Steinmauern umfriedigten und mit Bäumen umpflanzten großen Steinhäusern, welche mit Möbeln und Gardinen ausgestatten waren und wer auf sich hielt, leistete sich ein Paradezimmer, die „gute Stube“, in welcher die Gäste empfangen wurden.

Einfach hatte sie es nicht, der Boden aus Lehm machte die Arbeit schwer, bei Regen nahm er das Wasser nicht auf, was immer wieder zu Überschwemmungen führte, man nahm bis zu 15 km Weg auf sich, um zu seinem Acker zu kommen, es gab nur wenige Trinkwasserquellen, die reichlich und vor allem gutes Wasser enthielten, die eigenen Brunnen auf dem Hof waren nach einigen Jahren verseucht, was immer wieder zu Seuchen führte. Erst in den 1930ern änderte sich das, als vier Brunnen gebohrt wurden, 2 im Ober- und 2 im Unterdorf.

Man hatte eine Dampfmühle, welche bis 1920 sehr gutes Mehl produzierte, eine Schrot- und Ölmühle. In späteren Jahre wurde eine neue Ölmühle erbaut, welche Mitte der 30er Jahre mit einem Dieselmotor ausgestattet, mittels Lichtmaschine zwei Höfe mit Strom versorgte. Es gab in früheren Zeiten 3 Roß- und 2 Windmühlen, eine Roßmühle wurde 1911 abgerissen, eine Windmühle wurde bei einem Sturm zerstört, die andere jedoch wieder repariert und war bis 1940 in Betrieb. Das Gabelmacherhandwerk der Pariser war bekannt für besonders gute, haltbare Ware, weit über Bessarabien hinaus, eine moderne Schreinerei mit durch Transmissionswellen betriebenen Maschinen besaß die Familie Bader. Sie betrieben mit den Wellen auch eine Zuckerrohrpresse. Ziegel stellten die Pariser ebenfalls selbst her, es gab Zementziegel und bis zur Umsiedlung eine Tonziegelei. Die Imkerei Heer besaß zeitweilig auch die Vertretung des Landmaschinenherstellers Mc Cormick. Man hatte nach 1870 als Gebietsverwaltung eine Freiwillige Feuerwehr, eine Brandkasse, eine Bank, eine Kanzlei und zwei Bahnhöfe, als 1913 die Eisenbahnstrecke Akkerman – Leipzig gebaut wurde. Die Eisenbahn brachte den Parisern die Regierungsgenehmigung, den Paketverkehr an alle Fronten durchzuführen. Um 1935 entstand ein neuer, mehrgleisiger Bahnhof mit diversen Gebäuden.3

1859 lebten in Paris 1349 Einwohner, im Oktober 1940 gab es 312 Höfe und 1657 deutsche Einwohner.

Paris um 1935 & Hofplan Quelle: Wikipedia
© Jesper Zedlitz (Zeichnung Axel Hindemith) Quelle: Wikipedia

Zu einer weiteren Ansicht eines Hofplanes der deutschen Häuser gelangen Sie hier. (G.Walter)

Weitere Fotos aus Paris Ortsansicht Paris & Ausschnitt der Ortsansicht finden sich auf der Homepage von Herrn Gerhard Walter, auch die Bilder der anderen Orte sind sehr schön und zeichnen ein Bild dessen, was unsere Ahnen geschaffen haben. Sie stammen aus einem Kalender von 1910.

Seit 1812 zu Russland gehörend, erklärte sich Bessarabien am 15. Dezember 1917 als Moldauische Demokratische Republik unabhängig, am 9. April 1918 erklärte Bessarabien unter Beibehalt einer Teilautonomie, den Anschluss an Rumänien für ewige Zeiten, im November 1918 war der Anschluss vollzogen. Völkerrechtlich nie anerkannt wurde Bessarabien von der Sowjetunion als durch Rumänien besetzt angesehen.

1920 führte der rumänische Staat ein Agrarreformgesetz durch, das in Bessarabien Grundbesitz über 100 ha enteignete und an Landlose aufteilte, auch der Kauf von Ackerland wurde weitgehend unterbunden, in der Folgezeit verkauften jedoch viele der neuen Besitzer ihr Land wieder und die alten Eigentümer versuchten, es zurück zu kaufen. Einige Landbesitzer hatten jedoch noch vor der Enteignung Land an Familienmitglieder oder ihre Ehefrauen übertragen, so dass sie die Agrarreform in der Familie unbeschadet überstanden und ihr Land zusammen hielten.

Wie bereits unter russischen Herrschaft, gab es auch unter rumänischer den Druck, die Amtssprache zu übernehmen und sich immer mehr der zentralistischen Regierung zu unterwerfen.

Der Unterricht in Rumänisch war Pflicht, so wie der Unterricht in Russisch, als Bessarabien noch nicht Rumänien zugehörig war. Der erste Lehrer war entsprechend ein Russe oder Rumäne, aus einigen Berichten kann man entnehmen, das sie versuchten, mit Gewalt im wahrsten Sinne des Wortes die Kinder zu unterrichten, ihnen das Deutsche herauszubläuen, was jedoch nicht gelang, das hätte eine Verleugnung des Deutschtums bedeutet und war undenkbar. Selbstverständlich war es möglich, höhere Schulbildung zu erlangen, es gab drei höhere Lehranstalten, die weit über die Grenzen Bessarabiens hinaus bekannte Lehrerbildungsanstalt, die älteste dieser Art in ganz Südrussland, die „Wernerschule“ in Sarata und zwei höhere Schulen in Tarutino, ein Knaben- und ein Mädchengymnasium. Auch nach Angliederung Bessarabiens an Rumänien blieb die „Wernerschule“ die einzige ihrer Art weit und breit, wer studieren wollte, tat dies in der Regel in Deutschland, aber auch z. B. in Riga.

Die aufstrebende Entwicklung der Region nahm ein jähes Ende mit dem Einmarsch der sowjetischen Truppen am 28. Juni 1940, unseren Angehörigen blieben 3 Monate, Anfang Oktober nahmen sie für immer Abschied von ihrer Heimat und wurden umgesiedelt.

Im Jahre 1993 unternahm der Amerikaner Herb Poppke eine Reise in die Heimat seiner Vorfahren, er stellte die Fotos freundlicher Weise ins Internet, weitere Informationen dazu finden Sie hier. Leider fand er keine Gräber mit den Inschriften der deutschen Kolonisten

Kurt Koller besuchte am 23.5.2009 Paris und fand einige Gräber, die Reste der Kirche, und Kolonistenhäuser. There is a Creative Commons license attached to this image. NamensnennungKeine kommerzielle NutzungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Kurt Koller

Größere Kartenansicht © google 2009

Ansicht des Ortes Paris (Wesselyj Kut Веселий Кут)



1) Wilhelm Kludt: Die deutschen Kolonisten in Bessarabien in ihrem sittlichen und religiösen Zustande bis zum Jahre 1861, Samuel Kludt (Hrsg.), Odessa 1900
2) Bilder aus: Die Deutsche Wochenschau 1940-1945, Open Source Movies, publiziert auf: www.archive.org, Nr. 528 vom 16.10.1940, Nr. 534 vom 28.11.1940, Nr. 552 vom 2.4.1941
3) Heimatkalender der Bessarabiendeutschen