dies und das

Genealogische Fundstücke und Links


Taufzeichen aus württembergischen Kirchenbüchern für Wochentage




Kleine Hände im Kirchenbuch

Zu dieser Symbolik tauchen häufig Fragen auf, da man sich wundert, weshalb der Pfarrer das gezeichnet hat. Es gibt unterschiedliche Gründe, die vom Pfarrer abhängen, der sie zeichnete. In manchen Büchern wurde  der Erzeuger des unehelichen Kindes unter Eid benannt, die Hand symbolisiert die Schwurhand. Ebenso konnte die unzeitige Geburt markiert werden, weil sich beide nicht an das Gebot des Beischlafverzichts vor der Ehe gehalten hatten. Mitunter zeichnete der Pfarrer diese Hand als Markierung für verstorbene Kinder ein, oder auch, weil eine Besonderheit der Geburt vermerkt werden sollte, wie Mehrlinge, ungewöhnliche körperliche Merkmale usw.

Kirchenbuch Murrhardt, Mischbuch 1559-1617 Band 1, 1604

 

 

 

 

 

Kirchenbuch Murrhardt, Mischbuch 1559-1617 Band 1, 1604

 

 

 

 

 

 


Lesehilfe für die alte Schrift


Hilfe, ich kann die Zahl nicht lesen!

 

 

In den Kirchenbüchern finden sich häufig römische Zahlen.

Verwendet wurden  I=1, V=5, X=10, L=50, C=100, D=500, M=1.00,

es gibt zudem die Werte ↁ= 5.000, ↂ= 10.000

Diese wurden einfach aneinandergereiht und zusammengezählt. Steht einer dieser Buchstaben vor einem mit einem höheren Wert, so wurde dieser Buchstabe vom Wert der Zahl abgezogen.

In meinem Beispiel steht

1 × 1000 + 1 × 500 + 2 × 100 + 3 × 10 + 1 × 5 + 2 × 1 = 1737
M + D + CC + XXX + V + II = MDCCXXXVII

Hier ein Umrechner für die römischen (roman) Zahlen in „normale“ (decimal) bzw. eine Korrektur bei falsch geschriebenen römischen Zahlen, wenn man selbst welche schreiben möchte.

 

Im Mittelalter traten auch j = I, ij = II, iij = III auf, also eine Kleinbuchstaben Schreibweise. Selten findet sich auch eine Schreibweise von Jahreszahlen, bei der am Ende statt II ein verlängerter Strich I steht. Dieser ersetzt den zweiten Strich.

Natürlich gib es in anderen Ländern auch weitere Schreibweisen, so verwendet man im kyrillischen möglichst ähnliche Zeichen, also Ziffer 1 (maschinengeschrieben I) = I,  П = II, Ш = III und У = V.

 


Warum sind Punkte über dem Y?

       Freÿer

Ÿ in alten Kirchenbüchern ist die Lautwiedergabe „ij“, wenn man i und j schreibt, sehen beide praktisch wie Ÿ aus und daher schrieb man das auch.

So schrieb man nicht Meijer sondern Meÿer. Daraus wurde später Meyer oder Meier. Natürlich auch bei Maijer -> Maÿer zu Maier oder auch Mayer. Vielfach ersetzte das ÿ auch das „ie“. So kamen die Pünktchen über den Buchstaben y.


Die  Nottaufe im Mutterleib

Niederwölz, Taufbuch 3 1889-1937, S. 3 Ein im Mutterleib nothgetaufter, vollkommen lebensfähiger, totgeborener Knabe + am 22. November 1889

Hebammen unterlagen seit dem Mittelalter einer Berufsausbildung, in Österreich bereits im 14. Jahrhundert belegt. Ihr Leumund war zweifelsfrei, so daß sie das so wichtige Amt einer Taufe durchführen konnte, Kinder zur Taufe trugen und als Zeuge vor Ämtern und Behören auftraten.

Die Taufformel musste in der katholischen Kirche unbedingt wie folgt ausgesprochen werden:

„Ich taufe dich im Namen Gott des Vaters und des Sohns und des heiligen Geistes Amen.“

Das Begießen hatte außerhalb des Mutterleibes dreimal in Gestalt und Form eines Kreuzes zu geschehen, bei der Nottaufe war ein einfaches Begießen erlaubt. Vorrangig waren der Kopf, dann Brust und Schultern als zu taufende Körperteile anzusehen.

Im Falle der Lebensgefahr unter der Geburt konnte ein ungeborenes Kind getauft werden, sofern es gelang, einen Körperteil des Kindes zu erreichen, was auch für die Nabelschnur galt. Befand sich das Kind noch in den Eihäuten, hatte die Hebamme dessen Entwicklung einzuschätzen, wenn diese zerrissen waren, erfolgte deren Taufen ebenfalls unter der Bedingung der Formel:

„Wenn du nicht getaufet bist, so taufe ich dich im Namen Gott des Vaters  und des Sohns und heiligen Geistes. Amen.“

War der Kopf oder ein Körperteil des Kindes nicht aus dem Mutterleib ausgetreten, so wurde eine Taufspritze verwendet, die mit abgekochtem Weihwasser gefüllt war. Die Hebamme versuchte so, das Kind zu erreichen.

Im Mutterleib war die Bedingung der Taufe:  „Wenn du fähig bist , so taufe ich dich im Namen Gott des Vaters  und des Sohns  und des heiligen Geistes, Amen.“

Ungetauft verstorbene Kinder kamen, so die gängige Vorstellung, weder in die Hölle, noch in den Himmel. Sie gelangten auf ewig in eine Zwischenwelt, dem „Limbus puerorum„, wo sie in alle Ewigkeit in der Finsternis verharren und der beseligenden Gottesschau beraubt sein würden. Mancherorts glaubte man, sie wären dem Zugriff von Hexen oder demTeufel ausgesetzt, kämen als ruhelose Seele zurück, in Form von Wiedergängern, Spukgeister, Irrlichter, oder im „Wilden Heer„, all das sollte die Taufe verhindern.