In den Jahren 1940 bis 1942 beschlagnahmte die NSDAP zahlreiche Klöster zur Unterbringung deutscher Umsiedler aus Südosteuropa. Im allgemeinen Sprachgebrauch nannte man diese Phase der Beschlagnahme und Enteignung von rund 300 katholische Klöster und kirchliche Einrichtungen „Klostersturm“1. Die Klosterbewohner mussten das Kloster verlassen, der Betrieb wurde eingestellt.
In Bayern waren die betroffenen Klöster 1940 zumeist im Betrieb nur stark eingeschränkt, bis man 1941 versuchte, wegen angeblich „volks- und staatsfeindlicher“ Betätigung der Ordensgeistlichen, mindestens acht Klöster zu schließen. Der Protest der katholischen Bevölkerung konnte dieses letztlich verhindern.
Unter Berufung auf das Reichsleistungsgesetz vom 1. September 1939 wurde die Grundlage für die Beschlagnahme von Gebäuden „für kriegswichtige Zwecke“ geschaffen. Man forderte daher gezielt die kirchlichen Gebäude, um dort Umsiedler unterzubringen und illegal (Rückgabe war nicht geplant), der Grundstücke habhaft zu werden.
Aus Erzählungen der Umsiedler und Eintragungen in Dokumenten kennt man die Lagerstandorte, einige davon:
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Benediktbeuern

1941 Umsiedler aus Neu Elft, Bessarabien, bekannt sind Unterbringungen im Gasthaus zur Post, verantwortlicher Leiter Schrankenmüller; im Kloster verantwortlicher Leiter A. Sillib.
Bad Wiessee

1941 Umsiedler aus Neu Elft, Bessarabien
Fischbachau

1941 Umsiedler aus Neu Elft, Bessarabien
Die Familien waren jeweils in einem oder zwei Zimmern untergebracht, auch die Versorgung war besser als in anderen Lagern, wie die Familien teilweise in Sälen untergebracht waren, nur getrennt von Decken. Die arbeitsfähigen Männer und Jugendlichen waren mit Arbeitseinsätzen im Ort und der Umgebung beschäftigt, währen die Frauen in der Lagerküche halfen oder bei Reinigungsarbeiten.5
Kretinenanstalt Ecksberg

Im Jahre 1852 gründete Pfarrer Joseph Probst in einigen verfallenen Gebäuden die erste Anstalt für geistig Behinderte in Bayern mit 14 Kindern. Bereits 1884 lebten hier 190 Pfleglinge mit 50 Schwestern in einer klosterähnlichen Gemeinschaft. Bis 1902 wurden neue Gebäude für insgesamt 229 Bewohner geschaffen. Zwischen 1921 und 1934 entstanden die Filialen Bachham/ Heldenstein und Berg bei Schnaitsee.7
Die Kretinenanstalt Ecksberg beherbergte vom 8. Oktober 1940 bis 13. September 1941 rund 350 Bessarabiendeutsche, in der Filiale Bachham 100.
Um diesen Platz zu schaffen, wurden von den 342 Pfleglingen in Ecksberg am 26. September 1940 sechzig in die Anstalt Gabersee überstellt, am 30. September weitere 228 in die Anstalt Haar bei München „verbracht“. Von dort aus ging es für 245 in die Gaskammern der Tötungsanstalt Hartheim bei Linz8. Es überlebten nur 45 in Ecksberg, elf in Berg und neun in Bachham, zusammen 65 Pfleglinge9.
In Berg waren in der „Lüderitz-Villa“ (Villa „Alte Eichen“) in Kempfenhausen unter der Leitung von C. Laux Umsiedler aus Alexanderfeld, Balaban, Netusche und Tarutino untergebracht.
Kochel am See

1941 Umsiedler aus Neu Elft und Dennewitz, Bessarabien
Unterbringung der Neu Elfter im Gasthof Prinz Ludwig, verantwortlicher Leiter H. Baur, Gasthof Grauer Bär, verantwortlicher Leiter Lanzl. Da der Graue Bär bereits als Unterkunft für die Kinderlandverschickung diente, resümierten der Kreisleiter und der Bürgermeister bei der Besichtigung vor der Ankunft der Neu Elfter, dass das Haus „einen grauenhaften baulichen Zustand“ besaß, trotzdem wurde einquartiert. Im Erholungsheim Seehof, unter dem Leiter H. Baur, wurden Dennewitzer untergebracht.
Münsterschwarzach

Das Benediktiner-Kloster wurde ab 22. November 1940 mit rund 350 Personen aus Bessarabien und der Dobrudscha belegt. Die Umsiedler aus Ciucurova berichten, ihre Ankunft war am 25. November 1940. Johann Adam (*1913 Ciucurova) berichtet dazu:
„Es folgt nun die Lagerzeit und die ist hart. Die Lagerführer sind dazu
da, die dobrudschadeutschen Bauern umzuerziehen. Es gibt dabei viel
Not und Elend“.in: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 1956 p.46, Otto Klett, Eugenverlag
Das Lagerleben war ihnen ein Gräuel, aber sie mussten auch das zweite Weihnachtsfest dort feiern, ehe man 1942 in einem Lager im Warthegau auf die Ansiedlung wartete.
Percha bei Starnberg

Das St. Josefsheim beherbergte 1941 Umsiedler aus Alexanderfeld, Balaban und Ismail, Bessarabien. Die Leitung hatte C. Laux.
Rottmannshöhe

Heute erinnert sich kaum jemand an ein Umsiedlerlager für Bessarabiendeutsche im Jahre 1941 in Assenhausen, Ortsteil von Berg am Starnberger See.
An diesem Ort befindet sich ein Gebäude mit langer Tradition, das einstige Hotel „Rottmanns-Höhe“, welches 1874 auf dem Berggipfel errichtet wurde und eine wunderbare Sicht auf den Starnberger See bietet. Den Namen erhielt es in Erinnerung an den Landschaftsmaler Carl Rottmann, der vor dem Bau des Hotels von hier aus die Landschaft malte.

Als besondere Attraktion für Ausflügler gab es von 1901 bis 1919 an der Schiffsanlegestelle „Leoni“ eine Standseilbahn, um die 85 Höhenmeter zum Hotel zu überwinden. Seither führt der Seilbahnweg auf der ehemaligen Trasse entlang.
Mit der Einstellung des Hotelbetriebes wurde das Gebäude ab 1908 als Sanatorium genutzt, ehe es 1920 von den Jesuiten angekauft und zum Exerzitien-Gebäude15 wurde. Sie passten es optisch an ihre Klostergebäude an, indem ein Dachstuhl aufgesetzt, der dort vorhandene Aussichtsturm und Teile des Seilbahnmaschinenhauses entfernt wurden.
Nachweislich ab April 1941 waren dort 95 Bessarabiendeutsche untergebracht und Kinder konfirmiert (Denning, Kienzle, Lichtenthal16).
Die im Lager wohnenden Bessarabier17kamen aus
- Alexanderfeld (Schill)
- Alt Elft (Heinrich, Knodel, Reich, Reinke, Schabert)
- Arzis (Kappel, Walther)
- Brienne (Adolf, Traichel, Vogel)
- Dennewitz (Bohnet, Brost, Günther, Hehr, Herberg, Hermann, Hiller, Höfel, Isaak, Matthis, Müller, Otterstätter, Schelske, Schill, Schiewe, Schlauch, Schöttle, Tiede, Vetter)
- Eigenfeld (Klein)
- Eigenheim (Moritz)
- Friedenstal (Laib, Vogt)
- Fürstenfeld (Höfel)
- Gnadenfeld (Müller)
- Hoffnungsfeld (Rath)
- Jakobstal (Labrentz)
- Katleburg (Döhring)
- Katzbach (Eberhardt, Rauschenberg)
- Karlsruhe (Tappert)
- Korntal II (Jüngling)
- Neu Arzis (Grieb)
- Neu Elft (Brenner, Gutsche, Hiller, Jeske, Jörke, Kern, Knodel, Kraft, Lehmann, Müller, Ölke, Radke, Riethmüller, Romppel, Schaible, Schaupp, Schmiedt, Schulz, Tiede, Tobler, Vetter, Walther, Weißpfennig, Wolf)
- Paris (König, Makus)
- Pomasan (Kern)
- Posttal (Scherer)
- Rohrbach (Höfel)
- Sangerowka (Fano)
- Schabo (Logos)
- Teplitz (Müller)
- Wittenberg (Schlenker)
Als Lagerstandort der Dennewitzer wurde die Rottmannshöher SS-Bräuteschule eingetragen, verantwortlicher Leiter Georg Entres. Dieser blieb der Leiter, als Volksdeutsche aus Slowenien nach den Bessarabiern im Lager untergebracht wurden. Endres war dafür dienstverpflichtet und unabkömmlich gestellt (vom Kriegsdienst befreit).18
Schäftlarn

Kloster Schäftlarn bewohnten 1941 Familien aus Neu Elft (Kraft), Lagerleiter H. Wenz.
Schlehdorf am See

1941 Umsiedler aus Neu Elft und Alt Posttal, Bessarabien im Kloster unter der Leitung von A. Keller
Urfeld am Walchensee

1941 Umsiedler aus Neu Elft und Dennewitz, Bessarabien
Die Unterbringung der Dennewitzer erfolgte im Hotel Post, verantwortlicher Leiter M. Recum und im Hotel Einsiedel, verantwortlicher Leiter E. Macco. Die Neu Elfter kamen ins Hotel Fischer am See, verantwortlicher Leiter J. Heiss und ins Hotel Jager am See, verantwortlicher Leiter E. Holthaus.
Wolfratshausen

1941 Umsiedler aus Neu Elft, Bessarabien
- Klostersturm: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Klostersturm_(1940-1942) ↩︎
- Sicht von Norden auf das Kloster Benediktbeuern Dr. Wolfgang PFÄFFL – Eigenes Werk CC BY-SA 4.0 22.9.2017 ↩︎
- Bad Wiessee Ventus55 – Eigenes Werk CC BY-SA 4.0 9.4.2016 ↩︎
- Blick vom Breitenstein auf Elbach, Fischbachau, Rufus46 – Eigenes Werk CC BY-SA 3.0 9.12.2006 ↩︎
- Heimatbuch der Gemeinde Neu Elft Bessarabien A. Zaiser, Stuttgart, Eigenverlag 1975 p.148ff ↩︎
- Kretinenanstalt Ecksberg (Mühldorf am Inn) Eugen Felle (1869–1934), gemeinfrei ↩︎
- https://www.ecksberg.de/ueber-uns/geschichte/ ↩︎
- Die Behindertenanstalt Ecksberg ↩︎
- Das Ende des Zweiten Weltkriegs im Erzbistum München und Freising
Die Kriegs- und Einmarschberichte im Archiv des Erzbistums München und Freising / Peter Pfister (Hrsg.). (Schriften des Archivs des Erzbistums München und Freising ; Bd. 8)
ISBN 3-7954-1761-9 Verlag Schnell und Steiner GmbH, Regensburg 2005; p.861f ↩︎ - Kochel am See um 1900, Wikipedia, dieses Bild ist unter der digitalen ID ppmsca.00161 in der Abteilung für Drucke und Fotografien der US-amerikanischen Library of Congress abrufbar. ↩︎
- 1938 wurde die Klosterkirche von Albert Boßlet als letzter Großbau vor der Aufhebung fertiggestellt Monandowitsch – Eigenes Werk CC BY-SA 3.0 28.07.2013 ↩︎
- Altenheim St. Josef mit der integrierten Kirche St. Bonaventura I. Berger selbst fotografiert, 3.11.2022, CC BY-SA 3.0 ↩︎
- Öffentlichkeitsarbeit Heckscherklinik – Eigenes Werk CC BY-SA 4.0, 16.1012022 Wikipedia https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Rottmannsh%C3%B6he_(Assenhausen)?uselang=de#/media/File:Standort_Rottmannsh%C3%B6he-Starnberger_See.jpg ↩︎
- Ansichtskarte, Fotograf Ferdinand Finsterlin (1843–1917), gemeinfrei, Wikipedia https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ferdinand_Finsterlin_Hotel_Rottmannsh%C3%B6he_am_Starnberger_See.jpg?uselang=de ↩︎
- Exerzitien (von lateinisch: exercere = üben) sind mehrtägige, meist schweigend begangene geistliche Übungen im christlichen Glauben ↩︎
- mein Dank an Frau M. Kienzle, welche mir das Dokument dazu zur Verfügung stellte ↩︎
- mein Dank gilt Heinz Rothenfußer, Archivar der Gemeinde Berg am Starnberger See, der mit freundlicherweise Material zur Verfügung stellte: „Namentliches Verzeichnis der ausgegebenen Umsiedlerausweise 12.04.1941“ (Staatsarchiv München) ↩︎
- Institut für Zeitgeschichet München-Berlin, München 17.5.2013 Gutachten über Max und Maria Wutz p.31 Zitat 243: Bundesarchiv Berlin, ehem. BDC, PK C 66 (Schreiben betr. UK-Stellung des Georg Endres vom 7.1.1941 wegen seiner Dienstverpflichtung als Lagerführer; Staatsarchiv München, SpkA K 3733: Wutz, Max (Vernehmung Kreszenz Endres vom 30.9.1946). ↩︎
- Benediktinerabtei Schäftlarn von Südosten Rufus46 – Eigenes Werk CC BY-SA 3.0 9.11.2008 ↩︎
- Blick auf Schlehdorf Oliver Spalt Juli 2006 CC BY-SA 2.5 ↩︎
- Urfeld um 1900 vom Kesselberg mit Walchensee und Herzogstand Pfarrarchiv Jachenau 31.12.1899 PD-alt-100 ↩︎
- Title from the Detroit Publishing Co., catalogue J-foreign section. Detroit, Mich. : Detroit Photographic Company, 1905.; Forms part of: Views of Germany in the Photochrom print collection.; Print no. „17191“. Library of Congress Catalog: http://lccn.loc.gov/2002696313 gemeinfrei ↩︎

