Zur Erinnerung an unsere Vorfahren, die als Migranten aus Süddeutschland in die Welt zogen

Schlagwort: Taurien (Seite 3 von 4)

Kronental

Eine der grössten Siedlungen der Krim war das etwa 30 Werst (~25 km) von Simferopol gelegene Kronental (Bulganak/ Bulğanaq/ Koltschuhyne/ Кольчугине/ Kolchugino/ Кольчугино).

Zur Ansiedlung waren 3.300 Deßjatinen Ernte- und Heuland, zwei Steinmühlen und eine Scheune für Schafe des Landgutes des Edelmannes S. Kromida am 1. März 1810  auf beiden Seiten des Flüßchen Bulganak, in der Nähe der Ak-Moschee, durch Samuel Kontenius (1749-1830) für 15.000 Rubel erworben worden. Geplant waren etwa 100 Kolonisten.

Am 27. Juni 1810 informierte der Landvermesser Tschugutow von Simferopol den Woiwodschaftsvermesser Muchin, das er die deutsche Kolonie angelegt hatte: „Das Dorf ist tatsächlich in vier Viertel geteilt, jeder enthält 15 Höfe, 180 Klafter1 Länge, 20 Klafter in der Breite …“ Aber die Häuser mussten erst noch gebaut, das Land bestellt und die Ernte geerntet werden.

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Der einstige Bewohner, Johann Weidner, zeichnete aus seiner Erinnerung einen Ortsplan, der mir dankenswerter Weise durch seinen Enkel R. Masur zur Verfügung gestellt wurde.

Die eine Hälfte der angesetzten Kolonisten waren Lutheraner und Reformierte, die andere Katholiken, vor allem aus dem Elsaß, Bayern, Baden, Württemberg und der Schweiz. Beim Anblick des Tales, in welches sie 1810 ankamen, gaben sie ihm den Namen „Коронованная долина“ – Kronental und gründeten die gleichnamige Siedlung.

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten, die durch Missernten verursacht wurden, war das Klima der Halbinsel ideal für den Anbau von Wein, Obst und Weizen. Bis heute hat sich eine rote Rebsorte erhalten, die den Namen Kronental trägt. Die Kolonie hatten eine günstige Lage zu Sewastopol, Koslow und Simferopol, um Absatz für ihre Erzeugnisse zu finden, jedoch waren die 58 Deßjatinen Land, die jede Familie erhielt, zum Ackerbau teilweise ungeeignet, da mit Felsen und Steinen übersät. Viele bearbeiteten daher nur zwei Drittel und vermieteten ein Drittel ihres Landes an Tataren.

Der steinige Boden war zum Teil mergelartig, es gab etliche Salzquellen, sodass man mit Düngung den Ertrag durchaus verdoppeln konnte, jedoch hatte Kronental großen Weideplätze und hinreichende Mittel zur Schafzucht, daher kauften die Kolonisten bereits 1817 zwei spanische Widder zur Verbesserung der Schafzucht, und 1818 hatte man auf gemeinschaftliche Kosten eine Schäferei gebaut.

Aus Mangel an Holz bauten die Kronentaler ihre Häuser aus Erdbatzen, bedeckt mit Erde, andere aus Stein, alle mit Stroh gedeckt. Die 1818 vorhandenen beiden Wassermühlen der Kolonie, jede mit zwei Rädern, waren verpachtet an Moses Morozov. Es entstanden im Laufe der Jahre neben den zwei Kirchen der lutherischen und katholischen (1868) Gemeinde auch zwei Schulen.

links die katholische, rechts die evangelische Kirche Kronentals um 1907

Im Jahre 1904 besuchte der estnische Schriftsteller Eduard Vilde (1865 – 1933) die Kolonie. Da Kronental für die 1861 errichtete estnische Siedlung Samruk als Vorbild diente, berichtete er ausführlich:

„Die große deutsche Siedlung, die diesen Namen trägt, bietet mit ihren hübschen dickbauchigen Steinhäusern und ihren breiten Straßen vielmehr die Aussicht einer kleinen Stadt oder einer größeren Ortschaft als eines Dorfes. Die Obstgärten um die Häuser und die breiten Weinberge an den Berghängen und Anhöhen um die Siedlung herum verleihen Kronental das Aussehen und den Teint einer schwäbischen oder rheinischen Ortschaft. Hier wohnen wohlhabende Menschen – dies war bald festzustellen, nachdem wir in der Hauptstraße entlang in der Ortschaft angekommen waren. Nicht nur große, oft zweistöckige Steinhäuser mit hübschen Veranden und Treppen, zahlreiche geräumige Geschäfte und massive öffentliche Gebäude gaben das zu verstehen, sondern auch das gepflegte Aussehen der Gebäude sowie die Überall herrschende Sauberkeit und Ordnung. Die deutsche Art und Weise der Ortschaft ist gleich zu spüren – wegen der Bauweise der Häuser und auch der Gestaltung von Türen, Fenstern und wegen des Тorschmucks, der Ladenschilder und der mit Ranken wilden Weines umgebenen Vorplätze und Treppenhäuser. Auch in den Einwohnern kann ein geübtes Auge gleich Deutsche erkennen, Süddeutsche nämlich. Wer in Württemberg, Baden, Bayern gewesen ist, findet den dort angetroffenen Menschenschlag hier wieder vor.“2

Die Einwohnerzahl stieg beträchtlich und soll 1918 bereits mehr als 1.500 Personen betragen haben. Es gab vor der Oktoberrevolution 1918 gab es eine Veterinärstation, Reitplatz, Einkaufsmöglichkeiten, Amtrsgericht und Dorfwachtmeister im Ort. Die russische Landwirtschaftszählung 1917 wies 148 Hausbesitzer auf, zu den Namen gehörten: Ehrreiser, Zeissler, Morast, Beser, Köhler, Hoffmann, Walzer, Fischer, Miller, Reinhard, Weiss und  Schneider.

Die Familie Schneider war die reichste Familie des Ortes, Franz Schneider besaß drei Güter, eine Bäckerei und Hotels in Simferopol, Nicholas Schneider baute Datschen auf seinem eigenen Land am Schwarzen Meer  Ufer, in der Nähe von Eupatoria, und vermietet sie an die Touristen. Die Schneider waren nicht nur Großgrundbesitzer, sondern für ihre soziales Angenement und ihre Nächstenliebe bekannt.

Nachdem im November 1920  das sowjetische Regime den russischen Bürgerkrieg für die Halbinsel Krim durch Machtübernahme endete, wurde die Krim 1921 zur Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (ASSR) innerhalb Sowjetrusslands ausgerufen. Sie blieb vom Festland, der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik, verwaltungstechnisch getrennt. Die Jahre 1921 und 1922 brachten eine schreckliche Hungersnot. Auch die Kronentaler litten unerträglich. In seiner Korrespondenz mit den sowjetischen Behörden erwähnte Ivan S. Schneider: „Im Besitz meines Hauses im Dorf Bulganak … Ich verkaufte es im Februar 1922 an Zeissler …, aber aufgrund der Tatsache, dass der Verkauf des Hauses von mir unter dem Einfluss des Hungers gemacht wurde, wurde diese Abmachung vom Gericht als nicht verbindlich betrachtet …. „3 Auf der Krim starben 51.612 Menschen an Hunger, darunter waren 1.506 Deutsche.

Nun folgte die allgemeine Kollektivierung, 212 Haushalte vereinigten ihr Land in der Kolchose „Deutsche Kameraden“. Im Jahre 1926 verließen 16 der Hausbesitzer von Kronental das Dorf und gründeten in der Nähe ihres Heimatdorfes ein anderes Dorf, das auf Wunsch der Zentralen Wahlkommission der Autonomen Republik Krim den Namen Neufeld erhielt.

Da die Bauern der Krim sehr erfolgreich wirtschafteten, bekamen auch sie die repressiven Maßnahmen gegen die vermeindlichen Kulaken zu spüren. So wird über den 63-jährigen Nikolaus Birn im Jahre 1930 berichtet, ihm wurde sein Wahlrecht wegen „Ausbeutung von Lohnarbeit in den Vorjahren“ als Kulak genommen, sein Hof wurde „individuell besteuert“. Daraufhin versteckte sich N. I. Birn mit seiner Frau und seinen Töchtern, ihr Haus und ihr Eigentum wurden der Kolchose übertragen.4

Im Jahr 1931 war die Bevölkerung von Kronental  bereits gemischt, die Bevölkerung des Dorfes bestand aus  771 Deutschen, 111 Russen, 5 Griechen und 41 andere. Die Kolchose der „Deutschen Kameraden“ vereinigte Landwirte mehrerer Ortschaften und galt als großflächig, daher wurde beschlossen, sie in die Kolchose „Thelmann“ und in die Kolchose „Engels“ zu teilen. Die Bewohner von Kronental gehörten der letzten an.

Im Jahr 1933 wurde der stellvertretende Vorsitzende der Kolchose Nikolai I. Schweiger verhaftet (die neue Welle der Repressionen kam), der ehemalige Grundbesitzer V.M. Schneider ebenfalls, der Lagerhalter und ehemalige Mitarbeiter der Schneiders, A.V. Gordok, der Müller und ehemalige Großgrundbesitzer N.N. Beser, der Kraftfahrer und ehemaliger Grundbesitzer N.M. Schneider, N.M. Neigum, T.T. Hoffmann und S.A. Schneider. Die Anklageschrift lautet: „In einer eng verbundenen Gruppe vereint mit dem Ziel, die Macht der Kolchose zu untergraben, um ihren Zusammenbruch zu erzielen“.  A. V. Gordok wurde zum Tode verurteilt und nach einem Wiederaufnahmeverfahren wurde die Strafe durch 10 Jahre in einem Lager ersetzt. N. M. Schneider wurde für 5 Jahre zur Deportation in den Norden verurteilt, der Rest zu Haftstrafen in einem Konzentrationslager von 5 bis 2 Jahren.5

Im Jahre 1934 beschloß das regionale Parteikomitee, seine Führung in dem deutschen Kollektiv der Kolchose zu verstärken, da die Kontrolle von politischen und pädagogischen Arbeiten ergab, es gab außer einem agrotechnischen Trainingszirkel keine Aktivitäten im Dorf. Der Kolchosenclub wurde kaum besucht, ganz im Gegensatz zum Club im Bethaus, auch tanzten die jungen Leute kaum. Zudem war der sozialistische Wettbewerb während der Winterzeit weder entwickelt noch organisiert. Daher wurde die Absetzung des Vorsitzenden Fust angeraten.

Auf dem 4. Kongress der Krim-Bauern 1937 zeigte jedoch ein anders Bild,  die Kolchose „Engels“ wurde vertreten durch ihren Vorsitzenden A. Morast, den Laborleiter I. Bezel und den Schäfereivorarbeiter S. Nagel. Der Delegierte A. Morast berichtete „Dank der guten Organisation der Arbeit, der rechtzeitigen Bestellung von Feldern, wurde eine erhöhte Ernte erzielt, die Weinberge von 32 Hektar brachten 45 Doppelzentner pro Hektar Ertrag und die Schäferei hatte 711 Tiere.“ 6

Im Frühjahr 1938 traf Pastor Witt, der zu Besuch in der Kolonie war, mit einer Gruppe von Gläubigen zusammen. Daraufhin wurden Aktivisten der Kirche verhaftet, da sie sich der „Beteiligung an anti-sowjetischer Sabotage und in der Nazi-Organisation der ehemaligen Pfarrer Witt und Priester Frison“ schuldig gemacht hätten. M.I. Neigum, A.P. Neigum, P.S. Neigum, S.M. Hoffman, S.I. Müller, A.M. Hoffman, G.A. Weidner, A.N. Hermes, I.G. Wiedrich, I.I. Walzer, V.G. Grunewald, A.I. Zeissler und K.D. Weigum wurden zuerst verhaftet. Der 82-jährige S.M. Hoffmann starb am 12. Mai 1938 im Gefängniskrankenhaus, die übrigen am 28. August 1938 erschossen. Insgesamt gab es 80 fälschlicherweise angeklagte Dorfbewohner aus Bulganak, Temesh und Ulan-Eli, alle wurden nach der Verhaftung und Anklage zur Erschießung am 28. September 1938 verurteilt.

Erst in einem weiteren Prozess 1958 wurde festgestellt, dass diese Verurteilungen aufgrund gefälschter Fakten zustande kam.8

Mit der Deportation der Deutschen vom 17. bis 20. August 1941 verfielen die Gebäude und Friedhöfe und nur wenige Spuren erinnern heute an die deutsche Bevölkerung von Kronental. Der Ort wurde 1945 umbenannt in Kolchugino (Кольчугино).

veröffentlicht von RusDeutsch auf youtube am 28.9.2014


The 200th Anniversary of the Founding of the German Colony of Kronental, L. P. Kravtsova, 2011
1 Ott Kurs, Universität Tartu, DEUTSCНE AUF DER КRIM I. 19. JAНRНUNDERT (ТEIL2), S. 69ff
2 1 Klafter (сажень) = 2,13 Meter
3 GAARK, f. P-114, op. 2, d. 217, n. 4.
4 GAARK, f P-1164, op. 1, d. 1234, n. 12.
5 GAARK, f. P-4808, op. 1, d. 16534, pp. 156-159
6 GAARK, there, d. 386, pp. 131-132, 267
7 GAARK, f. P-4808, op. 1, dd. 7466, 7468, 11318
8 GAARK, dort, d. 11639

Lied: Kommt ihr Brüder, wir wollen ziehen → Edition C: Krim 1926

Eugenfeld (Эйгенфельд)

Eugenfeld

auch Eichenfeld, Grafkisseljewo, Kiselewo, Gebiet Saporoshje/Rayon Pestschannyj, Поляновка (Мелитопольский район)

Eugenfeld 19181

Der Ort wurde von 40 Kolonistenfamilien aus Prischib 1848 etwa 20 km südwestlich von Melitopol in der Steppe gegründet.  Bekannt wurde Eugenfeld überregional durch sein Bildungsangebot. Unter Pastor J. Stach wurde 1907 der Eugenfelder Schulverein gegründet. Ein deutscher Gutsbesitzer auf der Krim stiftete 50 Dessjätinen Land, die Gemeinden Kaisertal und Eugenfeld 30 und Marienfeld 10. Das auf der Krim befindliche Land sollte Gelder durch Verkauf in den Schulfond einbringen, weitere Gutsbesitzer und die Mitglieder des Schulvereines stifteten 13.000 Rubel. Direktor wurde ein am Rigaer Polytechnikum ausgebildeter Landwirt.Geplant wurde eine vierjährige Ausbildung in Ackerbau, Tierzucht, Milchwirtschaft, Buchführung, Feldmessen, Gartenbau und Reparatur von Maschinen und Geräten.4

Im gleichen Jahr erfolgte am 27. Mai die Grundsteinlegung für die Ackerbauschule, die später zu einer Mittelschule ausgebaut wurde. 30 Wirte der Gemeinde Olgino spendeten 4.200 Rubel für die Schule. Im Herbst 1907 wurde die Schule mit etwa 80 Schülern eröffnet. Der Schulverein besaß nun 294 Mitglieder, 110 Dessjätinen Land und 20.000 Rubel. Das Gebäude war für 5 Klassen mit Laboratorium, Bibliothek, Lehrerzimmer, Direktorwohnung und Nebenräumen ausgestattet.4

1909 kam es in Eugenfeld zur Gründung einer Haushaltschule für Mädchen, die aber während des Ersten Weltkrieges geschlossen wurde. Während des Bürgerkrieges wurde auch die Ackerbauschule, die inzwischen zu einer sechsklassigen Mittelschule ausgebaut worden war, auf die Krim evakuiert. Im Jahre 1861 wurde das Kirchspiel Eugenfeld gegründet, dem neun Gemeinden angehörten. 1895 wurde mit dem Bau einer Kirche begonnen, die im Juni 1897 eingeweiht. Prediger war Wilhelm Hörschelmann (*1871). Im Ort gab es 1912 einen Arzt, eine Apotheke, einen Konsumverein mit Laden, Post- und Telegrafenamt und eine Druckerei. Hier gab Pastor Stach die Wochenzeitung „Der Landwirt“ mit der Beilage „Die praktische Hausfrau“ und „Jahrbuch des Landwirts“ heraus.


Landwirtschaftsschule Eugenfeld3

Ein Aufruf des Bildungsvereines besagte: „Durch die Abschaffung des Gemeindebesitzes ist die Axt an die Wurzel jenes faulen Baumkes gelegt, auf welchem die verderbliche Frucht der Verarmung, des wirtschaftlichen Rückganges wuchert. Dieser faule Baum heißt Raubwirtschaft. An seine Stelle soll der fruchtbare Baum des wirtschaftlichen Wettbewerbes gepflanzt werden. Wer unter unseren Landwirten ist fähig, in diesem Wettbewerb einzutreten? Vor allen Dingen nicht derjenige, der da glaubt, nach der Väter Weise gemächlich und gedankenlos weiterarbeiten zu können. In der ganzen Welt ist der Ackerbau eine große Kunst geworden, die durch mühsame Studien immer lohnender und erträglicher gestaltet werden kann. Auch bei uns ist das Land sehr teuer geworden, und wenn wir nicht lernen, es für die Zukunft nutzbar zu machen, so wird der Landwirt bald nicht mehr bestehen können.“4


Schüler und Lehrer der Ackerbauschule Eugenfeld5

Lehrer-Kollegium

1910/19113

 NameFunktionFachgebiet
1Gromann, WoldemarLeiter der Landwirtschaftsschule und der ihr verbundenen Anstalten 
  LehrerChemie, Betriebs- und Baulehre, Zeichen
2Iljin, N. N.Lehrer der Pädagogischen KlasseFächer in Russischer Sprache
3Iwanow, B. B.LehrerRussisch, Geschichte, Gefäßkunde
4Jedig, JohannLehrerDeutsch, Arithmetik
5Schitkow, A. ALehrerPhysik, Zoologie, Botanik, Geographie, Mathematik
6Stach, Jakob; PastorLehrerReligion
7Wilinski, W. N.Agronom 
  LehrerLandwirtschaftliche Fächer
8Ott, Kaspar; Dr.1. Erzieher 
  LehrerWahlfächer
9Hecht, Friedrich2. Erzieher 
10Rostowzewa, Olga Nikol.Klassendame 1. Klasse 
11Frl. Taffon, W.Klassendame 2. Klasse 
12BirskalGärtner und Ökonomieverwalter 
13IleppGärtner und Ökonomieverwalter 

Schülerverzeichnis

1910/19113

 Vorbereitungsklasse
OrdinariusSchülerzahl 
Jedig45 
SchülerGeburtWohnort der Eltern
1Artes, Gustav18.02.97  BerestowoBerestowo, Jekat. 
2Bauer, Heinrich03.03.97  BlumenhofRyschowo, Chark.
3Beck, Gustav04.07.97  JohannesruhJohannesruh
4Bischler, Johann 17.10.96  Gutshof Dobraja Balka, Cherson
5Bischler, Friedrich24.11.96  SajaSaja, Taurien
6Bischler, Friedrich05.08.97  JohannesruheOtesch
7Burger, Johann30.12.95  KronsfeldKronsfeld
8Besdo, Walter12.06.95  CharkowCharkow
9Dillmann, Emil17.12.97  AndreburgAndreburg
10Eisele, Friedrich20.03.95  Toi -TebeToi -Tebe
11Eisele, Wilhelm15.02.97  Toi -TebeToi -Tebe
12Föll, Daniel16.05.97   KaisertalKaisertal
13Gaus, Otto16.04.96  KronsfeldKronsfeld
14Haas, Karl28.07.96  MarienfeldSandbrunn
15Klöpfer, Alexander12.11.95  Gut SteinbachGut Steinbach, Dongebiet
16Kälberer, Leopold17.11.97  Adschai-KatGut Taubusar, Ta.
17Kneib, Friedrich28.03.97  LosowoiJohannesruhe
18Leippi, Philipp18.11.95  GrünfeldGrünfeld
19Lebtag, Otto 18.10.97  MarienfeldMarienfeld
20Lörke, Karl03.06.97  JohannesruheJohannesruhe
21Lutscher, Alex18.10.97  HochstädtHochstädt
22Lutz, Christian31.07.95  SchidlowoSchidlowo, Ekater.
23Mähler, Gustav25.10.94  AlexanderfeldMarienfeld
24Mayerle, Albert24.01.96  AbaklyAbakly
25May, Alexander01.10.95  SeragosGut Zöhner, Ta.
26Meister, Jakob15.11.96  SchönbrunnAk Scheich
27Nürnberg, Gustav08.08.96  DarmstadtDarmstadt
28Neiser, Otto13.08.96  Neu-NassauChristianowka, Bachmut
29Popp, Heinrich31.12.97  OteschOtesch, Taurien
30Prinz, Adolf25.02.95  TschutschaTschutscha
31Prieb, Alexander16.04.97  Reichenfeld Reichenfeld
32Rau, Paul 18.02.96  Toi -TebeAk Scheich
33Seitz, Otto03.12.95  KronauKronau, Cherson
34Schill, Otto05.05.96  HochstädtHochstädt
35Schwarz, Leonhard15.04.96  RükowoUdatschnaja, Sibirien
36Tabler, Johann18.07.95  HeubodenHeuboden, Jekat.
37Tiessen, Johann24,07.95  SchönauSchönau, Taur.
38Töfke, Jakob20.04.96  LipowoLipowo, Jekater.
39Ullrich, Otto21.11.96  WanwelowkaAndreburg
40Ullrich, Arnold28.06.94  RosenfeldEugenfeld
41Vetter, Nikolaus09.12.96  KonstantinowkaKonstantinowka, Jekat.
42Weber, Wilhelm10.02.97  Kaisertal Kaisertal  
43Wild, Ludwig 10.06.97  TschutschaTschutscha
44Weker, Paul20.06.96  Schönfeld Schönfeld, Taur.
45Ziebart, Woldemar27.09.97  Kaisertal  Kaisertal 
 Erste 
Klasse
OrdinariusSchülerzahlzum Ende
Schitkow3937
SchülerGeburtWohnort der Eltern
1Bosch, Wilhelm27.08.93  BurtschiNeu-Liebental, Ta.
2Burgardt, Theophil11.01.96  KaisertalKaisertal
3Dreher, David14.09.96  Beschewli-IljakBeschewli-Iljak, Ta.
4Dieter, Reinhold18.06.95  DarmstadtEugenfeld
5Fuhrmann, Nikolaus02.01.95  AndreburgAndreburg
6Fein, Adolf14.02.96  UtluckUtluck
7Fesler, Eduard01.02.96  BachmetowkaKarlsruhe
8Gellert, Theodor103.12.94  KronsfeldKronsfeld
9Guggenheimer, Adolf222.10.95  AlexandropolAlexandropol, Jek.
10Gerbershagen, Jakob16.01.94  AlexandrowkaAlexandrowka, Ta.
11Herbold, Reinhold07.09.95  FürstentalFürstental, Cher.
12Jedig, Friedrich19.01.95  MeschewajaMeschewaja, Jekat.
13Kneisler, Wilhelm26.12.96  KronsfeldKronsfeld
14Kek, Heinrich14.03.95  Kronsfeld Kronsfeld
15Kiebke, Alfred06.10.96  DschiginskojeDschiginskoje, Kubangeb.
16Lohrer, Andreas30.01.94  GrünfeldGrünfeld
17Lehn, Heinrich03.09.95  AlexandrowkaAlexandrowka, Jekat.
18Lutscher, Georg30.01.95  ReichenfeldReichenfeld
19Lorenz, Heinrich22.11.94  ReichenfeldReichenfeld
20Markwardt, Amandus02.04.95  GrüntalGrüntal
21Meinzer, Karl03.11.95  AlexanderfeldAlexanderfeld
22Meinzer, Adolf 27.10.93  AlexanderfeldKirk, Ta.
23Müller, Alexander05.08.95  Nowo-IwanowkaDubowo, Chark.
24Müller, Adolf22.10.96  MarienfeldMarienfeld
25Neiser, Alexander22.10.94  JuriewkaJuriewka, Jekat.
26Neff, Ferdinand15.05.93  AbleschAblesch, Taurien
27Porat, Natanael03.09.95  DschiginskojeDschiginskoje, Kubangeb.
28Rapp, Alexander28.10.96  BerestowoBerestowo, Jekat.
29Schweizer, Woldemar15.11.95  RyschowoRyschowo, Chark.
30Ullmann, Gustav19.03.95  SchlippeLipowo, Jekat.
31Ullmann, Philipp17.11.94  KarlsruheKarlsruhe
32Ullrich, Konstantin14.11.94  ManwillenhofAndreburg
33Ullmer, Eduard 23.01.95  KronsfeldKronsfeld
34Wetzel, Johann30.03.96  BerestowoBerestowo, Jekat.
35Werner, Eugen07.10.94  AndreburgAndreburg
36Wiedmann, Emil16.09.93  Neu-NassauMeschewaja, Jekat.
37Wiedmann, Friedrich09.10.94  HochstädtHochstädt
38Zei, Alexander02.11.96  GustoschdolkajaGustoschdolkaja, Jekat.
39Ziebart, Nikolaus08.05.96  KaisertalKaisertal

1 wegen Krankheit beurlaubt

2 dimittiert

 Zweite Klasse
OrdinariusSchülerzahlzum Ende
Iwanow3836
SchülerGeburtWohnort der Eltern
1Braun, Alexander20.01.93  HeubodenRyschowo, Charkow
2Beck, Emil24.05.94  Kaisertal Kaisertal
3Dorn, Otto01.09.94  ArtschedaArtscheda, Dongeb.
4Eva, Jakob19.03.95  AlexandrowkaAlexandrowka, Jekat.
5Föll, August18.09.95  KaisertalKaisertal
6Föll, Karl06.09.95  KaisertalChristianowka, Ekater.
7Fey, Jakob03.11.94  NikolaifeldNikolaifeld
8Fein, Eduard 23.01.95  Kl. UtluckKarlowka, Taur.
9Fein, Karl01.10.95  Kl. UtluckKl. Utluck, Taur.
10Gaus, Johann05.06.94  KronsfeldKronsfeld
11Gellert, Alexander27.04.95  KaisertalRyschowo, Charkow
12Harwardt, Edgar23.08.94  BlumenhofFürstenfeld, Chers.
13Hoffmann, Wilhelm30.08.92  MarienfeldMarienfeld
14Klöpfer, Theodor26.10.93  SteinbachSteinbach, Dongeb.
15Kofink, Eugen27.12.94  NikolaifeldNikolaifeld
16Koch, Rudolf19.09.93  HuttertalAlexandrowka, Jek.
17Kneib, Emil1  
18Lupp, Jakob12.07.93  AlexanderfeldAlexanderfeld
19Lutscher, Alexander17.02.93  ReichenfeldReichenfeld
20Moss, Artur04.10.94   RyschowoRyschowo, Charkow
21Moos, Gustav21.05.93  JohannesruheRyschowo, Charkow
22Meier, Otto20.09.95  KronsfeldKronsfeld
23Meier, Adam07.08.95  KarlsruheKarlsruhe
24Markwart, Jakob11.12.93  GrüntalGrüntal
25Martens, Kornelius08.12.92  HochfeldTatschenak
26Martens, Johann                HochfeldHochfeld
27Ruf, Heinrich22.03.95  KaisertalKaisertal
28Schill, Herbert06.10.93  HochstädtHochstädt
29Schilke, Eugen11.09.93  HuttertalHuttertal
30Schendel, Ferdinand10.04.96  KronsfeldKronsfeld
31Schwartz, Alexander26.03.94  RückenpolOtesch
32Tille, Gustav02.03.94  KronsfeldAgaiman
33Weiß, Karl126.08.94  Huttertal Huttertal
34Weiß, Jakob27.08.94  EugenfeldEugenfeld
35Walter, Friedrich11.02.95  NikolaifeldNikolaifeld
36Weber, Jakob25.07.95  KaisertalKaisertal
37Ziebarth, Gustav04.12.94  EugenfeldEugenfeld
38Ziebarth, Jakob 03.05.95  MarienfeldMarienfeld

1 wegen Krankheit beurlaubt

 Dritte Klasse
OrdinariusSchülerzahl 
Wilinski22 
SchülerGeburtWohnort der Eltern
1Fein, Nikolaus22.02.96  IwanowkaKl. Utluck
2Fey, Otto27.01.93  Nikolaifeld Nikolaifeld
3Gaus, Emil27.01.93  HochstädtHochstädt
4Gellert, Heinrich13.12.94  KronsfeldKronsfeld
5Herbold, Philipp02.05.92  FürstentalFürstental
6Hahn, Eugen20.01.95  NikolaifeldEugenfeld
7Konrat, Friedrich12.12.93  MarienfeldMarienfeld
8Lutscher, Nikolaus18.05.93  WasserauWasserau
9Lutscher, Friedrich08.01.94  SchidlowoTschechowo, Dongeb.
10Lebtag, Johann04.03.93  MarienfeldMarienfeld
11 Lebtag, Adolf18.08.93  MarienfeldMarienfeld
12Meinzer, Adam06.12.91  AlexanderfeldKirk
13Nürnberg, Jakob16.10.94  DarmstadtDarmstadt
14Prinz, Alexander27.11.93  Gutshof PrinzGutshof Prinz bei Ostheim
15Posehn, Adolf22.10.93  AlexanderfeldRosalienfeld, Dongeb.
16Polle, Gottlieb19.09.93  FürstentalFürstental, Chers.
17Rath, Gustav05.01.93  SchidlowoSchidlowo, Jek.
18Schelle, Emil24.05.93  KarlsruheKarlsruhe
19Schlecht, Johann27.11.92  FürstentalFürstental, Chers.
20Seelig, Reinhold01.12.93  BerestowoBerestowo, Jek.
21Ullmann, Jakob22.05.93  KarlsruheKarlsruhe
22Wahnsiedler, Johann05.12.93  MarienfeldMarienfeld
  Pädagogische Klasse
OrdinariusSchülerzahlam Ende
Iljin1411
SchülerGeburtWohnort der Eltern
1Weiß, Theophil109.09.93  EugenfeldEugenfeld
2Birkle, Albert29.06.91  Utscheweli-OrkaUtscheweli-Orka, Ta.
3Dummler, Friedrich30.08.93  MarienfeldMarienfeld
4Fust, Gustav06.09.92  KaisertalKaisertal
5Hördt, Gustav31.03.90  KodymoNowopoltawka, Cher.
6Jedig, Ludwig214.04.92  GutshofNowo-Solonaja
7Kirchmeier, Jakob229.10.93  Kaisertal Kaisertal
8Leinich, Alexander13.12.91  EugenfeldAlexanderfeld
9Maier, Jakob05.04.91  KronsfeldKronsfeld
10Martin, August21.03.93  Idack (Krim)Eugenfeld
11Rapp, Emil06.06.90  KarlsruheBerestowo, Jekat.
12Schlecht, Emil 14.08.93  EigentalFürstental, Jekat.
13Wetzel, Emil30.01.92  Neu-KronEugenfeld
14Weber, Gustav 03.01.94  KaisertalKaisertal

1 wegen Krankheit beurlaubt

2 ausgetreten

Schülerinnenverzeichnis

1910/19113

 Erste Klasse
Klassendame  
Frl. Olga Nikolajewna  Rostowzewa 
SchülerGeburtWohnort der Eltern
1Fein, Amalie22.03.97  Kl. UtluckKl. Utluck
2Fein, Pauline04.05.97  Kl. Utluck Kl. Utluck
3Grab, Karoline24.08.97  NikolaifeldNikolaifeld
4Hagenloch, Lea24.07.96  Neu – BajautNeu – Bajaut
5Hagenloch, Regina30.12.96  Saurtschi Tschokmai
6Hartwig, Lydia07.02.95  MarienfeldMarienfeld
7Hoffmann, Olga04.10.96  DarmstadtEugenfeld
8Martin, Sophie 07.09.96  SandbrunnSandbrunn
9Neff, Regina09.01.97  AbleschAblesch
10Neff, Rosalie04.09.95  TottmannTottmann
11Nuß, Hilda15.12.95  OkretschOkretsch
12Polle, Emma18.08.95  KronsfeldKronsfeld
13Prieb, Irma27.09.97  MurfulatMurfulat
14 Prinz, Julie 08.03.97  PrinzfeldPrinzfeld
15Seel, Amalie13.11.97  EugenfeldEugenfeld
16Stoll, Alice 13.05.96  Borlak Borlak
17Stoll, Elsa24.01.97  BorlakBorlak
18Wiedenmeyer, Magdalena24.04.95  Tali – IlakTali – Ilak
19Abb, Maria16.12.94  EugenfeldEugenfeld
20Hecht, Klara08.08.95  EugenfeldEugenfeld
21Jedig, Klara19.01.93  MeschewojeMeschewoje
22Lutscher, Berta24.11.97  EugenfeldEugenfeld
23Lutscher, Sydonie18.10.96  WasserauWasserau
24Pfeiffer, Ella26.10.93  OkretschOkretsch
25Prieb, Amanda28.12.94  MamutMamut
26Prinz, Marta01.03.97  PrinzfeldPrinzfeld
27Richter, Adina08.06.94  SokolnjaSokolnja
28Stach, Erna03.04.96  NeumannEugenfeld
29Wahnsiedler, Ottilie29.06.97  MarienfeldEugenfeld
30Ziebarth, Christine30.11.96  EugenfeldEugenfeld


Erste Aktivisten 1918

Artikel von Rudof Schmidt in „Freundschaft“ vom 9. Juni 19826

Ein Bericht über Ereignisse der Revolutionszeit 1918 findet sich in der Tageszeitung „Freundschaft“ vom 9. Juni 19826:

Nicht weit vom Rayonstädtchen Melitopol, Gebiet Saporoshje, Ukrainische SSR, liegt das Dorf Poljanowka. Die Einwohner dieses Ortes pflegen ein Brudergrab aus der Zeit des Bürgerkrieges, die Dorfjugend schmückt es an revolutionären Feiertagen liebevoll mit Blumen.

Vor dem Großen Vaterländischen Krieg gegen die deutschfaschistischen Eindringlinge befand sich an dieser Stelle das deutsche Kolonistendorf Eugenfeld, eines der vielen deutschen Dörfer, die hier an dem Flüßchen Molotschnaja lagen. Eugenfeld, mein Geburtsort, war ein großes Dorf mit mehr als 800 Einwohnern, winters in der Lehrzeit kamen noch Schüler aus den Nachbardörfern hinzu (es gab drei Schulen im Ort). Die Hauptbeschäftigung der Einwohner war die Landwirtschaft. Es gab aber auch eine Schlosserwerkstätte, eine große Dampfmühle, verschiedene Handelsunternehmen, in einer Parkanlage am Rande des Dorfes stand das massive Kirchengebäude, und vor der Oktoberrevolution war der Pastor die Hauptperson im Ort, der das geistige Leben der Dorfbewohner nach seinem Belieben lenkte.

Und da entstand auf einmal ohne Genehmigung des Herrn Pastors ein Jugendverein. Dieser hatte einen bescheidenen Wahlspruch: „Wahr und treu, offen und frei”. So etwas hatte es früher aber nicht gegeben, und der Verein zog die Jugendlichen wie ein Magnet an. Allabendlich versammelten sie sich in der ehemaligen Mädchenschule (eine Lehranstalt, die die nötigen Kenntnisse zur Führung des Haushalts gab), wo sich der Verein einquartiert hatte.

Die Lehrer Johann Jedig und Eduard Schelle halfen bei der Gestaltung der Aufklärungstätigkeit. Es gab oft Erholungsabende mit Spiel und Tanz, es wurden regelmäßig Vorträge zu verschiedenen Themen gehalten, wirkten zahlreiche Zirkel, wurde eine Bibliothek mit weltlicher Literatur gegründet. Wenn die Teilnehmer des dramatischen Zirkels ihre Aufführungen darboten, verkaufte man Eintrittskarten und für den Erlös wurden Bücher für die Bibliothek angeschafft.

Eines Tages erschien Pastor Neu zu einer Jugendversammlung und verlangte, man solle diese mit einem Gebet beginnen und sie mit dem Gesang eines Kirchenliedes abschließen. Die Jugendlichen wiesen diese Forderung des Pastors kurzerhand zurück. Ein Versammlungsteilnehmer deklamierte mit Schwung die Worte aus einer Dichtung aus dem deutschen Bauernkrieg: „Bauernvolk, wann wirst du wach? Steh auf für die heilge Sach! Drauf und dran, setz auf das Klosterdach den roten Hahn.” Pastor Neu erblaßte und verließ eilig den Versammlungsraum.

1918. Die Feinde der jungen Sowjetmacht hatten im Lande den Bürgerkrieg entfacht. Durch Eugenfeld zog der General Drosdow mit seinen konterrevolutionären Weißgardisten, um sich mit General Denikin zu vereinen. Pastor Neu lud den General zu einem Mittagsmahl ein. Kurz danach verhafteten die Weißgardisten einige Jugendliche im Dorf, schleppten sie mit und erschossen sie an der Eisenbahnstation Akimowka.

Es waren die Aktivisten des Jugendvereins: Friedrich Jedig, David Dreher, Artur Prieb, Christian Schmidt, die Brüder Friedrich, Jakob, und Eduard Weiß, Adolf Seel, die Brüder Arnhold und Reinhold Ullrich, Christian Mann, Emil Weiß, Gustav Ziebart, Reinhold Lind, Gustav Repp und Emil Burghardt.

Die Leichen der Ermordeten wurden nach Hause gebracht und in einem Brudergrab beigesetzt. Das ganze Dorf und Tausende Menschen aus den Nachbardörfern geleiteten sie auf den letzten Weg. Nur Pastor Neu fehlte. Mit Wut sprach man davon, daß er dem Weißgardistengeneral die Liste des Jugendaktivs übergeben habe.

Das Dorf Eugenfeld gibt es nicht mehr. Es ging während des letzten Krieges zu Grunde. Das Brudergrab steht aber wie ein Fels im Meer – ein Denkmal den 16 jungen Menschen, die ihr Leben für den Sieg des Neuen hingaben.

Rudolf Schmidt, Kirgisien



Friedrich Seel – Kriegsgefangener in Frankfurt/Oder 1914-1917

Fern der Heimat starb am 4. Januar 1917 der Berufsschullehrer Friedrich Seel als russischer Kriegsgefangener, seine letzte Ruhe fand er auf dem Kriegsgefangenenfriedhof in Frankfurt (Oder).7

Geboren wurde Friedrich Seel am 6. September 1878 in Eugenfeld, sein Vater war Friedrich Wilhelmowitsch Seel, seine Mutter Anna Seel geb. Strohm, beide in Eugenfeld, Ukraine.7 Verheiratet war er mit Berta Springer, geboren am 13. September 1881 in Alt Nassau.

Es ist zu vermuten, dass er aufgrund seiner Deutschkenntnisse und Bildung in einem anderen Ort tätig war. Die Todesumstände sind nicht ganz geklärt. War es Mord oder Selbstmord durch Strangulation? Über die Beerdigung von Friedrich Seel auf dem Kriegsgefangenenfriedhof Frankfurt/Oder gibt einen dokumentarischen Hinweis: Ein zeitgenössischen Foto von dem Grab mit Inschrift des Namens und der Lebensdaten auf dem Holzkreuz, zu erkennen ist das Umfeld, welches zwei orthodoxe Kreuze zeigt.7



1 Северная Таврия на почтовых открытках XX века. – Киев, издательство „КВИЦ“, 2010 (Severnaja Tavrija na počtovych otkrytkach XX veka), Taurien in alten Ansichtskarten, ausleihbar in der Bayerische Staatsbibliothek, Foto von 1918 wikipedia, public domain

2 HB 1957, S. 234; Kirche, ev. Teil, S. 218

3Jahresbericht der Landwirtschaftsschule zu Eugenfeld für das Schuljahr 1910-1911, Bundesarchiv Berlin, R 57/7304, public domain

4Martin Ludwig Schlesinger: Russland im XX. Jahrhundert; Dietrich Reimer (Ernst Vohsen), Berlin 1908, S. 123ff

5Stumpp, Karl: Die Russlanddeutschen – Zweihundert Jahre unterwegs, Verlag Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Stuttgart 1981, S. 118

6„Freundschaft“, Tageszeitung der sowjetdeutschen Bevölkerung Kasachstans, 9.6.1982, Nr. 113, S. 2, Archiv der DAZ

7Initiativgruppe “Kriegsgefangenenfriedhof Erster Weltkrieg in Frankfurt (Oder)”, Namensliste der verstorbenen Kriegsgefangenen des Ersten Weltkrieges, die auf dem Friedhof für Kriegsgefangene in Frankfurt (Oder) beerdigt wurden


Bild von Schülern und Lehrern bitte öffnen

von links nach rechts, von oben nach unten:

Reihe 1
ein Lehrer, Name nicht lesbar; Lehrer W.F. Brempel; Pastor Jakob Stach (Lehrer für Religion, *23.09.1865 Grunau/Mariupol, + 23.11.1944 Katzenelnbogen/Taunus), Leiter der Landwirtschaftsschule Woldemar Gromann (Lehrer für Chemie, Betriebs- und Baulehre, Zeichen, *15. 07.1874 Kjeltze); Lehrer N. S. Skrinnikow; Gottlieb Ulmer; Wilhelm Leinich

Reihe 2
Albert Birkle, Albert (*29.06.1891 Utscheweli-Orka); Konstantin Maier; der zweite Erzieher Friedrich Hecht; Lehrer und Agronom W. N. Wilinski (landwirtschaftliche Fächer); Lehrer Johann Jedig (Deutsch, Arithmetik); Gärtner und Ökonomieverwalter J. M. Birskal; Lehrerin E. G. Schulz; Philipp Herbold (*02.05.1892 Fürstental); Theophil Weiß (*09.09.1893 Eugenfeld)

Reihe 3
Gustav Fust (*06.09.1892 Kaisertal); Jakob Kirchmeier (*29.10.1893 Kaisertal); G. (unleserlich); Friedrich Dummler, (*30.08.1893 Marienfeld); Reinhold Posehn; Harold Stach, Gustav Lutz; Gustav Hördt (*31.03.1890 Kodymo); G. Schwarz; Emil Schlecht (*14.08.1893 Eigental); Emil Rapp (*06.06.1890 Karlsruhe)

Reihe 4
unleserlich; unleserlich; G. G. Wirt; Emil Wetzel (*30.01.1892 Neu-Kron); G. Bär; Jakob Maier (*05.04.1891 Kronsfeld)

Reihe 5
Ludwig Jedig ( *14.04.92 Gutshof Nowo-Solonaja); Heinrich Mai; Jakob Frey

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Bericht der Beata Kludt 1942


Hochzeitstafel des Paares Kludt/Baumann im Garten des Pastor Lhotzky (x) 1899 in Prischib1

B e r i c h t 2

Das äußre sowie innere Bild der deutschen Kolonien in Süd-Rußland hat sich ab 1929/3o total verändert. Bis dahin waren alle im Besitz von 16 Dessj. Land, Haus, Hof und Garten. Die Kinder konnten endlich alle in guten Schulen in deutscher Sprache lernen, russisch wurde nur von der 5. Klasse als Sprache gelernt. Durch den NOP. waren endlich wieder Waren in die Dörfer gekommen, die Leute konnten sich ankleidern, nachdem man durch den Welt- und Bürgerkrieg ganz abgerissen und verkommen war. 1929 wurde aber die Kollektivisierung “freiwillig” durchgeführt, d.h. alle die sich widersetzten wurden arretiert, die wohlhabenden Bauern sogen. Kulaken verschickt nach Archangelsk, Wologda und Komi ACCP, wo viele noch bis zum heutigen Tage leben. Die übrigen unterschrieben dann schon den “freiwilligen” Eintritt in den Kolchos.

Die ersten Jahre bis 1934 ging die Wirtschaft sehr zurück, die Leute arbeiteten schlecht, die Felder wurden nicht gehackt, das Inventar nicht geschont. Unerbittlich mußte die angesetzten Norm abgeliefert werden, einerlei, ob für Menschen und Vieh noch etwas übrig blieb oder nicht. In jenen Jahren sind viele verhungert aber hauptsächlich unter den Russen. Die Deutschen bekamen ja die Hitler-Pakete noch zur rechten Zeit, die manchen vor dem Hungerstod geretten haben. In den Torginen war überall angeschlagen : Schreibt euren Verwandten, sie sollen euch Anweisungen schicken“. Wenn man es tat, so kam man in die Zeitung, kam vom Dienst, wurde verhaftet, verschickt. Viele mußten sich zum Besten der Kinderbewahranstalten entsagen, obgleich gar keine andere Möglichkeit bestand auch nur 1 Kilo Mehl oder Fett zu bekommen. 1934 war das Land schon besser bearbeitet, es kamen neue Maschinen, Traktoren, vor allem die Schulen lieferten schon Agronomen, Techniker, Traktoristen, Kombainer, Lehrer, Ärzte und Arztgehilfen.

Das Leben fing wieder an sich allmählich zu regeln, es wurde die Losung herausgegeben: Das Leben wird besser und fröhlicher.

Da fingen im Jahr 1937 schon von September die Massenverhaftungen an. Die meisten wurden 15. Dezember verhaftet, und zwar alle deutsche Intellegenz wurde aufgeräumt, in erster Linie alle Pastore (Pastor Willi Heine in Feodosia, Pastor Meier, Eigenfeld, Pastor Luft, Prischib, Pastor Altmann, Hochstadt, Pastor Bird, Charkow)3, von Ärzten Dr. Belz, Charkow (starb beim Verhör, Dr. Hottmann, Chortitza starb im Gefängnis, Dr. Eisenbraun, Dr. Wilms, Dr. Bauer, Halbstadt, Dr. Dick, Berdjansk, 2 Brüder Dr. Dircks, Orloff, waren schon 33 verschickt auf 1o Jahre4. Alle deutschen Lehrer mit Hochschulbildung, Fr. Heckel, Bd. Ruff, O. Baitinger, Dir. des dt . Pädtechnikuims, 4 Brüder Lutz aus Neumontal, 4 Brüder Oberländer aus Eigenfeld, Dir. Fischer in Feodosia und viele andere5. Auch viele Frauen: Helene Fürst in Nakejewka. Hatten die bis 37 Verhafteten noch Korrespondenzfreiheit, durften Pakete erhalten, die Anverwandten sehen, so war das diesen 37/38 Repressierten vollständig untersagt.

Die Beschuldigung war standart: von Deutschland bekauft Brücken zu sprengen, Elektrizitätswerke zu zerstören, gew. Leute zu vergiften. Die Verhöre wurden sehr geheim gehalten. Es gelang uns aber doch einiges zu erfahren, ich erfuhr manches durch Erni Aman, der jetzt am 2o. März 1941 aus dem Konzentrationslager in Sucho-Beswodnaja bei Gorki freikam. Nach dem Bündnis mit Deutschland hörten die Repressierungen auf, man konnte wieder aufatmen, aber die NKWD hatte gut aufgeräumt.

Unsere ganze deutsche Intellegenz war eben weg und wenige von ihnen werden wohl noch am Leben sein, denn Hunger, Kälte, schwere körperliche Arbeit, Schläge und besonders die moralischen Qualen waren unerträglich. Man ließ sie bis 7 Tage lang ohne Essen und Wasser stehen, von großen Hunden bewacht, Tag und Nacht auf demselben Platz, ließ sie systematisch nicht schlafen u. dergl. Erni Aman hatte nur noch 5 % Sehkraft, hört schwer, geschw. Füsse, infolge der Schläge auf den Kopf plötzliches Verlieren des Bewußtseins und doch kam er leichter davon als andere, er kam nach 3 Jahren frei. Es war eine furchtbare Zeit, man konnte keinen Verkehr haben, jeder lebte nur für sich selbst aus Angst, durch einen anderen auch hereingezogen zu werden.

Die deutschen Schulen wurden „freiwillig“ russisch. Da kam im September 1939 das Bündnis. Was hatten wir da für Hoffnungen für unsere Lieben! Leider waren sie umsonst. Die Verhaftungen hörten auf, man durfte nicht mehr „Faschist“ geschimpft werden, darauf stand Strafe, doch wagen wir noch nicht aufzuatmen. Wir trauten dem Frieden nicht nach den gemachten Erfahrungen. Die Frauen der Repressierten durften wieder angestellt werden, die Kinder lernen, man mußte aber immer Fragebogen ausfüllen, angeben, ob man Verwandte in Deutschland hat, wer in der Familie repressiert ist, ob man Briefe bekommt und von wem.

Schon im Mai 1941 war eine Veränderung zu spüren. In öffentlichen Vorträgen über die internationale Lage wurde betont, daß Deutschland und England jetzt durch den Krieg geschwächt seien, Rußland allein steht in niegesehener Kraft da und habe noch ein Gelöbnis an Lenins Grab zu erfüllen, den Bolschewismus auf der ganzen Welt einzuführen. Da wußten wir, was es geschlagen hatten und warteten stündlich auf eine Kriegserklärung. Ich war damals in Feodosia, als es am 22. VI. auf einmal hieß, der Krieg hat angefangen. Einige Deutsche wurden arretiert (die Frau von Fr. Wilms und ihre Schwester, die Frau des Ing. Schulz der aus Berlin geschrieben hatte und ihre Schwägerin, Fr. Föll und andere, die Briefe aus Deutschland bekommen hatten), die übrigen ließ man in Ruhe bis zum 17. August (Einnahme von Dnjepropetrowsk).

Da bekamen wir den Befehl, in 3 Stunden in Sarigol auf dem Bahnhof zu sein. Wir durften Kleider und Betten mitnehmen. In dunkler Nacht wurden wir da verladen zu 5o Mann durchschnittlich in den Waggon, der Zug hatte 7o Waggons. Da kam jetzt alles herein. Frauen und Kinder, ein paar Männer, Parteileute u.a., sogar Dr. Zeichner (Jude), da seine Frau eine Deutsche war. In diesen Zug kam Feodosja – Zürichtal – Stary Krim. Vor uns war schon Kertsch und Simf.-Kurmann durchgegangen, nach uns Frauen noch Scidlar Itschki, Djankoj-Eupatoria, im ganzen glaub ich 9 Züge aus der Krim. In Melitopol merkten wir, daß wir auf der Frotn [sic!] waren, wohin es ging, wußten wir nicht, man sprach von Kasakistan. Wunderbarer Weise bog der Zug nach Osten bei Feodorowka und hielt in Halbstadt, da durften wir zum ersten Mal heraus.

Ich riskierte es und blieb ohne Erlaubnis, ohne Sachen zurück und ging zu meiner Tochter nach Halbstadt, wo ich dieselbe Sache einen Monat später wieder durchmachen mußte. In Halbstadt gelang es aber der HBD nicht den Zug fortzubringen. 6 Tage lang lagen wir neben der Station, streng bewacht von der HKBD. Hier entdeckten uns die deutschen Flieger und am 5. Oktober wurden wir befreit. Die letzte Nacht war die schwerste, man sah sie die Brücke, die große Mühle in Pirischib gesprengt wurden, es hieß, in 15 min. wird die Station neben uns und die Fabrik auf der anderen Seite gesprengt. Unheimliche Stille ringsherum, überall war Stroh verteilt worden “damit wir es bequemer haben”, am Tor standen Feuerspritzen mit Petroleum gefüllt. Das große Haus nebenbei unterminiert.

Auf einmal fing es erst leise an zu singen, was uns über 2o Jahre verboten war, ließ sich nicht mehr halten. Es waren etwa 5000 Menschen, die den Gesang anschweIlen ließen: Näher mein Gott zu Dir, harre meine Seele, So nimm denn meine Hände. Sie singen schon Hitler-Lieder, so sagten die HKB.-disten. Am Morgen war die HKB. verschwunden und wir schafften uns schnell auseinander. Gesprengt wurde in Halbstadt nichts. Wie wir ins Dorf kamen, trafen wir die ersten deutschen Soldaten. Das wer eine Freude, dieses Gefühl, endich zu Haus. – Dank dem Führer, Dank den tapferen deutschen Soldaten, der sein Leben für uns einsetzt!

Die Dörfer Prischib, Hoffental, Nassau, Weinnau, Halbstadt, Mantan, Tiegenhagen, Schönau, die Hälfte des Gnadenfelder Gebietes sind geblieben. Leider sind aber die oberen Dörfer an der Molotschna von Reichenfeld ab, das ganze Hochstädter Kirchspiel, Heidelberger und Kostheimer fortgebracht. Die Krimer sind in den Nordkaukasus gekommen, sollen von dort schon fortgebracht sein. Die Männer aus der Molotschna von 16 – 7o Jahren sind zwischen dem 5. – 26 September verschleppt, sollen teils im Ural, teils in Caukasien sein, wo sie Bahnen und Fabriken bauen müssen. Die Männer aus der Krim wurden am 29. September aus dem Kaukasus nach Kiew und Poltawa geschickt Schaznen [sic!] graben, sind schon in Gefangenschaft bei den Deutschen. Wo aber die Frauen und Kinder geblieben sind, haben wir auch nicht erfahren.

So sind alle Familien auseinandergerissen und uns hält jetzt nur der feste Glaube an den Führer und seine deutsche Wehrmacht aufrecht, die uns vielleicht doch noch jemand unserer Lieben zurückholt.

gez.

Beata Kludt

Frau des gest. Reinhold KIudt in Prischib, Tochter des 1909 ermordeten Pastors Baumann in Prischib.

Lied eines deutschen Gefangenen!

Wir sind weit im fremden Lande
weit von Weib und Kind getrennt,
Ach, voll Jammer, Leid und Heimweh
schmerzvoll unser Herze brennt.

Ach, wir haben viel gelitten
Auf dem schweren, langen Weg.
Niemand hat für uns gestritten,
Keine Hilfe uns gewährt.

Als wir wurden transportieret
wie Verbrecher allzumal,
Keiner konnte protestieren
das vermehrte unsre Qual.

Im Gefängnis hinter Gittern,
saßen wir so manches mal,
Brot und Wasser war uns bitter
doch wir hatten keine Wahl.

Vierzig Werst zu Fuß ohn Essen
gingen wir von Astrachon
Brot und Wasser war vergessen,
mancher kam halbtot hier an.

180 Mann zusammen
waren wir auf dieser Reis.
Bis nach Krasnojarsk wir kamen
Todesmatt durch Schnee und Eis.

Hier sind wir jetzt einquartieret
Heimlich überall bewacht,
überall wird nachgespüret,
überall hat man Verdacht.

Ach wie sind wir verloren,
hier in diesem fremden Ort.
Traurig gehn wir durch die Straßen,
hören manches bittre Wort.

Schreiben wir an unsre Lieben,
die Zensur den Brief erbricht.
Ist ein Wort zuviel geschrieben,
geht er in die Heimat nicht.

Unsre Sprache ist verboten
Unser Leben in Gefahr,
Mancher wird von wilden Rotten
oft geschlagen blutig gar.

Jedermann kann mit uns machen
alles was ihm nur beliebt.
Kann uns spotten, kann uns schlagen
Niemand Schutz und Recht uns gibt.

Und so leben wir in Sorgen
Und in Ängsten alle Tag.
Müssen alles duldend tragen,
wer weiß, was noch kommen mag.

Durch das Elend, Sorg und Jammer
Und die Krankheit aller Art,
Wird so mancher deutsche Dulder
Auf dem Kirchhof hier verscharrt.

Mancher fern von seinen Lieben,
ruht hier in der Erde weit,
wenn er wär zu Haus geblieben,
lebt wer wohl noch lange Zeit.

Wer ist schuld an diesen Plagen?
Der mit Deutschland ist verwandt
Welche deutsche Namen tragen
Werden hier verfolgt, verbannt.

Drum wir alle hier mit Sehnen
warten auf die schöne Zeit,
wenn von allem Leid und Elend
endlich werden wir befreit.

Unsre Frauen, Kinder weinen,
Goßer Gott, erhöhr ihr Schrein!
Und laß bald den Tag erscheinen,
wo wir endlich ziehen heim!

O, welch große Freud und Wonne
wird bei der Begrüßung sein,
wenn einst sie, die Gottessonne
uns mit Freuden bringet heim!

Da wird unser Herze springen
Weib und Kind wird mit uns singen
Dem, der unser Leid gewandt!

Beata Kludt


1Foto der Hochzeitstafel S. 111 in: Heimatkalender der Russlanddeutschen 1959

Der Planet und ich Lebenserinnerungen und Zukunftsgedanken
Heinrich Lhotzky, ‎ Selbstverlag 1925:

Ein kleines Erlebnis darf ich wohl anführen, weil es unsere Krimmer Bauern kennzeichnet. Ich hatte kurz vor meinem Weggang einmal an einer Hochzeitstafel eine etwas freiere Bemerkung gemacht, als sie sonst im heiligen Rußland üblich war. Da stand der reichste Bauer auf und sagte: Wäre ich der Kaiser von Rußland, so würde ich bestimmen, daß Sie auf der Stelle Rußland zu verlassen hätten. Ich antwortete, das werde auch ohne das geschehen, und die Sache schien erledigt zu sein. Zehn Jahre nach diesem Worte stand der Bauer in meinem Hause am Bodensee. Er sei in Karlsbad gewesen zur Kur und habe die Gelegenheit benützen wollen, seinen alten Pfarrer wieder zu sehen. Er war also mein sehr willkommener Gast. Da sagte er: Eigentlich führt mich etwas anderes her. Sie erinnern sich vielleicht meiner Aeußerung bei unserem letzten Beisammensein. Ich mußte herkommen, Sie deshalb um Verzeihung zu bitten, daß wir ganz einig sind, ehe ich sterbe. Er wird wohl den schweren Krieg nicht überlebt haben. Gott segne ihn und alle unsere armen Volksgenossen in der Ferne.

2Abschrift aus: Deutsches Ausland-Institut, Stuttgart ; Teil I und Teil II (GS Buchnummer 943 B4na Nr. 16 und Nr. 21). Mikrofilm Nr. 007953035 Rolle 606 Frame 5396804, datiert 1.5.1942

 3Anmerkung: Pastor „Willi“ Wilhelm Heine, (13.11.1866-2.1.1938), verhaftet 1930 in Georgien, verbannt nach Sibirien 1930-1934. Lebte 1934-1937 in Feodosia, verhaftet am 4.07.1937, erschossen am 2.01.1938.
Pastor Albert Maier (16.4.1892 – nach 1937), Verhaftung 1936, Verbannung 1937 nach Birobidschan.
Pastor Eduard Luft (1890-1938), führende Persönlichkeit der separatistischen, sogenannten „Freien bzw. lebendigen Kirche“ in der Ukraine, war am 12. März 1926 aus disziplinarischen Gründen vom Moskauer Oberkirchenrat suspendiert, alle Amtshandlungen, die nach dem 12. März 1926 vollzogen wurden, verloren ihre Gültigkeit. Luft wurde zum ersten Mal 1934 verhaftet. Die zweite Verhaftung erfolgte am 9. Juni 1938 wegen angeblicher nationalistischer konterrevolutionärer Propaganda. Am 28 Oktober 1938 erschossen.
Pastor Gustav Birth, (2.3.1887-3.12.1937), lutherischer Pfarrer und Propst, verhaftet am 15. Januar 1934 in Charkow, zu 10 Jahren Haft verurteilt und in ein Arbeitslager in Karelien verbannt. Dort wurde er am 18. November 1937 verhaftet, am 20. November erschossen.

Quellen: Dr. Viktor Krieger Verzeichnis der deutschen Siedler-Kolonisten, die an der Universität Dorpat 1802-1918 studiert haben

Wilhelm Kahle, Geschichte der evangelisch-lutherischen Gemeinden in der Sovetunion 1917-1938; E.J.Brill, Leiden, Netherlands, 1974

4Prof. Dr. med. Adam Adamowitsch Belz (1871-12.5.1946), Chirurg, Professor an der Universität Charkow.
Verhaftet am 05.03.1938 in Charkow. Angeklagt nach § 54-1а des Strafgesetzes der Ukrainischen SSR. Verurteilt am 28.10.1938 von einem Militärtribunal des NKWD des Kiewer Wehrkreises zu 8 Jahren Besserungs-/Arbeitslager und 5 Jahren Entzug der politischen Rechte. Traf am 21.12.1939 aus dem Wladimirsker Gefängnis um KrasLag, Ingaschsker Lagerabteilung, ein. Ab dem 28.12.1939 in der Kansker Lagerabteilung, wo er am 12.05.1946 verstarb.
Dr. med. Hottmann, Theodor (Fedor Jwanowitsch) (2.12.1871-11.9.1938), Gynäkologe, seit 1902 Chefarzt des Chortiza-Krankenhauses. Verhaftung 1937. Offizielle Version: Selbstmord im Gefängnis in Saporoschje, nach Familieninformation Erschießung. Sein Leichnam wurde 1942 von Saporozhje nach Chortiza überführt.
Dr. med. Emil Wilhelmowitsch Eisenbraun (11.4.1897-28.9.1968), Chefarzt des Krankenhauses in Molotschansk, 1933 verhaftet, 1934 zu drei Jahren Ausweisung in die Komi ASSR verurteilt, nach drei Monaten entlassen..

Quellen: Karl Lindeman: Von den deutschen Kolonisten in Russland: Ergebnisse einer Studienreise 1919-1921.Ausland und Heimat Verlags-Aktiengesellschaft, 1924

„Memorial“-Gesellschaft, Krasnojarsk

Enzyklopädie der Russlanddeutschen

5Nikolai Lutz (3.3.1908-1937?), Mathematik- und Physiklehrer, Leiter eines Bau Technikums in Feodosia/Krim, Ehemann von Else Kludt, der jüngsten Tochter von Beata. 1937 wurde er mit 30 Lehrern und Studenten festgenommen und verurteilt.

Auswanderer Bonstetten 1803

Verzeichnis der Krim-Auswanderer aus der Gemeinde Bonstetten, zusammengestellt von Pfarrer Kaspar Escher1


Personen(b. d. =baptizatus/baptizata [lateinisch
für getauft] den).
I. Rudolf Huber, genannt Wagner Rudib. d. 10. Dec. 1734
Elisabetha Huber, Tochterb. d. 22. Oct. 1772
Ihr unehliches Kind von Heinrich Schmid zu Hedingen: Verenab. d. 12. Dec. 1797
Verena Huber, Tochterb. d. 8. Oct. 1775
  
II. Caspar Huber, Schumacherb. d. 27. Mart. 1763
Susanna Gilg, s[ein] Weibb. d. 13. Mart. 1763
Kinder: Felixb. d. 9. Mart. 1788
Elisabethab. d. 7. Aug. 1791
H[an]s Rudolfb. d. 1. Febr. 1795
Catharinab. d. 11. Jun. 1799
H[an]s Jakobb. d. 30. Jan. 1803
H[an]s Conrad Huber, ältester Sohn, obbenannten Caspar
Hubers, soll hier im Land bleiben
b. d. 7. Aprilis 1785
  
III. Rudolf Dupsb. d. 5. Mart. 1755
Susanna Huber, Weibb. d. 27. Aprilis 1766
Kinder: Elisabethab. d. 1. Febr. 1786
H[an]s Heinrichb. d. 17. Jan. 1790
H[an]s Jakobb. d. 1. Jul. 1792
Verenab. d. 2. Apr. 1797
Johannesb. d. 23. Juni 1799
Susannab. d. 28. Aug. 1803
Heimatloß! 
  
IV. Josobe Gilgb. d. 9. Octobr. 1758
Barbara Meili, Weibb. d. 4. Mart. 1754
Kinder: Hans Heinrichb. d. 6. May 1788
Hans Casparb. d. 27. Septbr. 1789
Verenab. d. 28. Febr. 1792
Regulab. d. 11. May 1794
H[an]s Jakobb. d. 4. Febr. 1799
Lisabethab. d. 21. Febr. 1802
Sehr arme, heimatlose Haußhaltung! 

NB. 1. Diese Haußhaltungen sind meistens von Schulden gedrukt auf den Gedanken der Auswanderung gefallen.
NB. 2. ward bey der Untersuchung nach ihrer Abreise von dem Gemeinds-Praesident nichts mehr vorgefunden, als bey Caspar Huber etwas an Fruchten noch nicht in ihrer Reiffe, dieaber schon verschrieben sind dem Heinrich Huber v[on] Wetschweil.
3. wird Vorstehendes als Extract aus dem Kirchenprotocoll bescheiniget von Pfarrer Caspar Escher


Personen(* geboren)
Hans Rudolf Aeberli2 1774
seine Ehe Frau Elisabetha Binder von Maschwanden1774
mit 2 Knaben: Johannes1796
Hans Jakob8. VIII. 1802

1 Transkription: Verzeichnis der ausgewanderten Haußhaltungen der Gemeinde Bonstetten des Zunftgerichts Ottenbach im District Horgen. Signatur: K III 338.1, Beilage zu Nr. 23.
2Briefe des Statthalters Fricks von Maschwanden vom 25. September 1803 nach Zürich in:
Marion Weisbrod-Bühler: Zürichtal, Eine Bauernkolonie in der Krim, Die Tragödie der Aemtler Auswanderer von 1803, Buchdruckerei W. Weiss, Affoltern am Albis

Liste Hessen nach Askania Nova

  1. Drach, Adam, Herkunft: Eich / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 42 Jahre. Beruf: Metzger. Ehepartner: Katharine, geb. Kemmeter, 38 Jahre. Anzahl Kinder: 4. – Quelle: Auszugsblatt 245
  2. Dubs, Georg, Herkunft: Hamm. – Auswanderungsdatum: 1841 / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 31 Jahre. Beruf: Ackersmann. Ehepartner: Elisabeth geb. Frey 26 Jahre alt. Anzahl Kinder: 2. – Quelle: Auszugsblatt 247
  3. Dubs, Jakob, Herkunft: Hamm. – Auswanderungsdatum: 1841 / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 42 Jahre alt. Beruf: Ackersmann. Ehepartner: Elisabeth geb. Ernst, 41 Jahre alt. Anzahl Kinder: 4. – Quelle: Auszugsblatt 245
  4. Frei, Katharina, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 18 Jahre. Beruf: Magd. Bemerkungen: Mit Familie Georg Köhler. Auswanderungsdatum: 1841 – Quelle: Auszugsblatt 246
  5. Frey, Jakob, Herkunft: Hamm. – Auswanderungsdatum: 1841 / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 44 Jahre. Beruf: Handarbeiter. Ehepartner: Elisabeth, geb. Hofmann. Anzahl Kinder: 6. – Quelle: Auszugsblatt 247
  6. Frey, Johann II, Herkunft: Hamm. – Auswanderungsdatum: 1841 / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 48 Jahre. Beruf: Ackersmann. Ehepartner: Christine, geb. Schmittel, 26 Jahre. Anzahl Kinder: 2. – Quelle: Auszugsblatt 246
  7. Frey, Jakob II, Herkunft: Hamm. – Auswanderungsdatum: 1841 / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 54 Jahre. Beruf: Ackersmann. Ehepartner: Klara, geb. Keimb, 43 Jahre. Anzahl Kinder: 5. Bemerkungen: 5 Töchter. – Quelle: Auszugsblatt 247
  8. Günther, Georg, Herkunft: Eich / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 49 Jahre. Beruf: Handarbeiter. Ehepartner: Magdalene G., geb. Kematen. Anzahl Kinder: 4. – Quelle: Auszugsblatt 245
  9. Grinsheimer, Christian, Herkunft: Hamm. – Auswanderungsdatum: 1841 / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 21 Jahre Eltern: Jakob G., 65 Jahre, Elisabeth G., geb. Zollinger, 62 Jahre. – Quelle: Auszugsblatt 246
  10. Grinsheimer, Elisabeth, Herkunft: Hamm. – Auswanderungsdatum: 1841 / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 62 Jahre Eltern: NN. Zollinger. Ehepartner: Jakob G., 65 Jahre. Anzahl Kinder: 1. – Quelle: Auszugsblatt 246
  11. Grinsheimer, Jakob, Herkunft: Hamm. – Auswanderungsdatum: 1841 / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 65 Jahre. Ehepartner: Elisabeth G., geb. Zollinger. Anzahl Kinder: 1. – Quelle: Auszugsblatt 246
  12. Günther, Magdalene, Herkunft: (?) / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. Ehepartner: Georg G., Handarbeiter, 49 Jahre. Anzahl Kinder: 4. – Quelle: Auszugsblatt 245
  13. Heß, Ludwig, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 45 Jahre. Beruf: Küfer. Ehepartner: Marie H., geb. Frey, 48 Jahre. Anzahl Kinder: 5. – Quelle: Auszugsblatt 247
  14. Heß, Marie, Herkunft: (?) / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 48 Jahre Eltern: NN. Frey. Ehepartner: Ludwig H., 45 Jahre. Anzahl Kinder: 5. – Quelle: Auszugsblatt 247
  15. Hofmann, Elisabeth, Herkunft: (?) / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 38 Jahre Eltern: NN. Schütthelm. Ehepartner: Jakob H., Handarbeiter. Anzahl Kinder: 6. – Quelle: Auszugsblatt 247
  16. Hofmann, Heinrich, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 21 Jahre. Beruf: Soldat, Eltern: Katharine H., geb. Wallhäuser. Bemerkungen: Mit Mutter und Schwester Magdalene. – Quelle: Auszugsblatt 247
  17. Hofmann, Jakob, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 48 Jahre. Beruf: Handarbeiter. Ehepartner: Elisabeth H., geb. Schütthelm. Anzahl Kinder: 6. – Quelle: Auszugsblatt 247
  18. Jutzi, Katharina, Herkunft: Ibersheim (?) / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. Ehepartner: Peter J. Anzahl Kinder: 5. – Quelle: Auszugsblatt 245
  19. Jutzi, Peter, Herkunft: Ibersheim / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 35 Jahre. Beruf: Handarbeiter. Ehepartner: Katharina J., 35 Jahre. Anzahl Kinder: 5. – Quelle: Auszugsblatt 245
  20. Jutzi, Peter, Herkunft: (?) / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. Bemerkungen: Mit Gottfried Ritscher. – Quelle: Auszugsblatt 245
  21. Kappes, Elisabeth, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 51 Jahre Eltern: NN. Andres. Bemerkungen: Mit Sohn Matthäus K. – Quelle: Auszugsblatt 247
  22. Knippenberger, Rudolf, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 34 Jahre. Beruf: Ackersmann. Ehepartner: Elise K., geb. Maier. Anzahl Kinder: 3. – Quelle: Auszugsblatt 247
  23. Krist, Jakob, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 21 Jahre. Bemerkungen: Mit Georg Krist II. – Quelle: Auszugsblatt 246
  24. Krist, Magdalene, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 34 JahreEltern: NN. Köhler. Ehepartner: Georg K. II, Leinweber, 28 Jahre. Anzahl Kinder: 1. – Quelle: Auszugsblatt 246
  25. Köhler, Georg, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 31 Jahre. Beruf: Ackersmann. Ehepartner: Elisabeth K., geb. Orth. Anzahl Kinder: 3. Bemerkungen: Mit Frau, Kindern und Magd Katharina Frei. – Quelle: Auszugsblatt 246
  26. Köhler, Maria, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. Bemerkungen: Mit Ehepaar Georg Krist. – Quelle: Auszugsblatt 246
  27. Köhler, Maria, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 18 Jahre. Beruf: Magd. Bemerkungen: Mit Georg Krist II. – Quelle: Auszugsblatt 246
  28. Krehbiel, Anna Maria, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 51 Jahre. Ehepartner: Georg K., Korbmacher. Anzahl Kinder: 4. Bemerkungen: Mit Mann und Kindern. – Quelle: Auszugsblatt 246
  29. Krehbiel, Marie, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. Beruf: Magd. Ehepartner: Georg K. Anzahl Kinder: 2. Bemerkungen: Mit ihren Töchtern Elisabeth und Margarethe. Magd bei Konrad Seibel II. – Quelle: Auszugsblatt 247
  30. Krehbiel, Elisabeth, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 19 Jahre. Beruf: Magd Eltern: Georg K. Bemerkungen: Magd des Valentin Orth III. – Quelle: Auszugsblatt 247
  31. Krehbiel, Georg, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 51 Jahre. Beruf: Knecht. Bemerkungen: Als Knecht und mit seiner ganzen Familie als Dienstboten bei Konrad Hinkel. – Quelle: Auszugsblatt 247
  32. Krehbiel, Georg, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 15 Jahre. Beruf: Dienstbote Eltern: Georg K. Bemerkungen: Dienstbote bei Johannes George. – Quelle: Auszugsblatt 247
  33. Krehbiel, Georg, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 50 Jahre. Beruf: Korbmacher. Ehepartner: Anna Maria K. Anzahl Kinder: 4. Bemerkungen: Mit Frau und Kindern. – Quelle: Auszugsblatt 246
  34. Krehbiel, Jakob, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 28 Jahre. Beruf: Knecht Eltern: Georg K. Bemerkungen: Knecht bei Konrad Seibel II. – Quelle: Auszugsblatt 247
  35. Krehbiel, Margarete, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 17 Jahre. Beruf: Magd Eltern: Georg K. Bemerkungen: Magd bei Matthäus Kappes. – Quelle: Auszugsblatt 247
  36. Kuhn, Elisabeth, Herkunft: Guntersblum / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 41 Jahre Eltern: NN. Becher. Ehepartner: Wilhelm K. Anzahl Kinder: 4. – Quelle: Auszugsblatt 245
  37. Kuhn, Wilhelm, Herkunft: Guntersblum / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 41 Jahre. Beruf: Schneidermeister. Ehepartner: Elisabeth K., geb. Becher. Anzahl Kinder: 4. – Quelle: Auszugsblatt 245
  38. Luft, Jakob II, Herkunft: Eich / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 35 Jahre. Ehepartner: Barbara L., geb. Stauffer. Anzahl Kinder: 6. – Quelle: Auszugsblatt 245
  39. Mahlerwein, Katharina, Herkunft: Eich / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 42 Jahre Eltern: NN. Eberhard. Ehepartner: Konrad M. Anzahl Kinder: 5. – Quelle: Auszugsblatt 245
  40. Mahlerwein, Konrad, Herkunft: Eich / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 52 Jahre. Beruf: Ackersmann. Ehepartner: Katharina M., geb. Eberhard. Anzahl Kinder: 5. – Quelle: Auszugsblatt 245
  41. Mahlerwein, Konrad, Herkunft: Eich / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. Bemerkungen: Vater und Sohn. – Quelle: Auszugsblatt 245
  42. Mahlerwein, Konrad IV, Herkunft: Eich / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 21 Jahre. Beruf: Ackersmann. – Quelle: Auszugsblatt 245
  43. Maier, Konrad M. Witwe, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Quelle: Auszugsblatt 247
  44. Neb, Heinrich, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 43 Jahre. Beruf: Taglöhner. Ehepartner: Christine N., geb. Dörr, 42 Jahre. Anzahl Kinder: 3. – Quelle: Auszugsblatt 246
  45. Orth, Magdalene, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 27 Jahre Eltern: NN. Sommer. Ehepartner: Valentin O. Anzahl Kinder: 2. – Quelle: Auszugsblatt 246
  46. Orth, Valentin, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. Bemerkungen: Mit Schwager Philipp Sommer. – Quelle: Auszugsblatt 246
  47. Orth, Valentin, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 37 Jahre. Ehepartner: Magdalene O., geb. Sommer. Anzahl Kinder: 2. Bemerkungen: Mit Frau, Kindern und Schwager Philipp Sommer. – Quelle: Auszugsblatt 246
  48. Orth, Valentin III, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. Bemerkungen: Mit Magd Elisabeth Krehbiel. – Quelle: Auszugsblatt 247
  49. Ritscher, Gottfried, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. Beruf: Knecht. Bemerkungen: Mit Peter Jutzi. – Quelle: Auszugsblatt 245
  50. Scherer, Anna Maria, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 75 Jahre. Bemerkungen: Mutter von Georg Rhist. – Quelle: Auszugsblatt 246
  51. Schumacher, Heinrich, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. Ehepartner: Marie Seibert. Bemerkungen: Mit Schwiegervater Johannes Seibert. – Quelle: Auszugsblatt 246
  52. Seib, Peter, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 37 Jahre. Beruf: Fuhrmann. Ehepartner: Elisabeth S., geb. Hofmann. Anzahl Kinder: 5. – Quelle: Auszugsblatt 247
  53. Seibel, Konrad II, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 51 Jahre. Ehepartner: Luise S., geb. Gebhard. Anzahl Kinder: 3. – Quelle: Auszugsblatt 246
  54. Seibert, Johannes, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. Anzahl Kinder: 1. Bemerkungen: Mit Tochter und Schwiegersohn Heinrich Schuhmacher. – Quelle: Auszugsblatt 246
  55. Seibert, Johannes I., Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. Bemerkungen: Mit Kindern. – Quelle: Auszugsblatt 247
  56. Seibert, Johannes II, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 44 Jahre. Ehepartner: Marie S., geb. Krist. Anzahl Kinder: 4. – Quelle: Auszugsblatt 247
  57. Seibert, Marie, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 38 JahreEltern: NN. Krist. Ehepartner: Johannes S. II. Anzahl Kinder: 4. – Quelle: Auszugsblatt 247
  58. Sommer, Philipp, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 20 Jahre. Bemerkungen: Mit Schwager Valentin Orth. – Quelle: Auszugsblatt 246
  59. Seibert, Marie, Herkunft: Hamm / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 18 JahreEltern: Johannes S. Ehepartner: Heinrich Schuhmacher. – Quelle: Auszugsblatt 246
  60. Wicklaus, Heinrich, Herkunft: Eich. – Auswanderungsdatum: 1841 / Ziel: Rußland, Taurien, Nowoascania. – Alter/geb.: 35 Jahre. Beruf: Knecht. Bemerkungen: Knecht des Johannes Ernst. – Quelle: Auszugsblatt 245

Hessisches Staatsarchiv Darmstadt HStAD, R 21 B

Suchbilder

Auf den Spuren der Ahnen – ehe die Erinnerung verblasst!

Wer weiß etwas Genaueres zum Inhalt dieser Fotos? Wer erkennt die abgebildeten Personen? Wer kennt Aufnahmezeit und -ort?

Wer Hinweise hat oder selbst zu den Nachkommen gehört, wird gebeten, sich vertraulich an mich zu wenden, er würde der Familie sehr helfen. Danke.


Krim unbekannte Personen

Gesucht werden die Angehörigen der Familien Rau, Storz, Schwamm, Frasch, Mühlbach, Müller und Schwarzmann, die auf die Krim auswanderten. Auf den Abbildungen sind unbekannte Kinder, das sitzende Mädchen mit Puppe könnte Caroline heißen. Das junge Brautpaar ist die Hochzeit des Johannes Storz 1910, das Ehejubiläum des älteren Paares zeigt Johannes Storz und Frau Caroline geborene Mühlbach. Auf dem Bild unten rechts ist die Familie Schwamm, bekannt sind die Söhne Gottlieb und Willi. Gottlieb war mit Martha Schwarzmann verheiratet. Er ist etwa 1900 geboren.



Familien Konrad und Bader

Wer erkennt auf den Fotos die Personen?

Im Hochzeitsfoto könnte ganz rechts sitzend Emma Konrad geb. Bader zu sehen sein (*1901 Paris), hinter ihr, rechts stehend, vielleicht ihr Ehemann David Konrad (*1899 Friedensfeld).

Wessen Beerdigung ist das, wann war sie? Der Zeitraum könnte 1920–1930 in Bessarabien sein.


Familie Richardt

Diese Familie ist aus Taurien ausgewandert, laut Erzählungen vermutlich Saskatchewan, Canada. Die Schreibweise kann variieren, Richart, Richert etc. Ihre Angehörigen waren die Familien Bühler, Leippi, Kirchmaier und viele andere. Außer diesen Fotos ist nichts geblieben. Wer erinnert sich und kann die Personen einordnen? Die Nachkommen der Verwandten aus Taurien würden sich freuen, zu erfahren, was aus den Auswanderern geworden ist.


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Warnung.


Liste 1828 nach Askania Nova

Verzeichnis sämtlicher welche im Dienste der Taurischen Besitzungen mit dahin wandern und allda verbleiben.
1. Erdmann Hofmann aus Qualendorf alt 46 Jahr
dessen Frau Maria Hofmann // 45 —-
dessen 1. Tochter Maria // 15 —-
dessen 2. Tochter Florentine // 4 —-
2. Gottlieb Schmidt aus Löberitz // 39 —-
dessen Frau Christiane Schmidt // 26 —-
dessen 1. Tochter Emilie // 5 —-
dessen 2. Tochter Sophie // 4 —-
dessen Sohn Gottlieb // 2 —-
3. Andreas Wurzler aus Qualendorf // 36 —-
dessen Frau Christiane Wurzler // 37 —-
dessen Andreas Sohn // 6 —-
4. Christian Sturm aus Qualendorf // 32 —-
dessen Frau Maria Sturm // 30 —-
5. Christian Meinstedt aus Cöthen // 38 —-
6. Christian Feitze aus Gültzau // 28 —-
7. Gottfried Schönemann aus Cöthen // 20 —-
8. Gottlieb Soldmann aus Gröbzig // 24 —-
9. Gottfried Ahte aus Greppin // 25 —-
10. Friedrich Koch aus Hermsamern // 55 —-
11. Lebrecht Rolle aus Cöthen // 57 —- (durchgestrichen)
2. derjenigen, welche zwar hier an den Bestimmungs – Ort mit – jedoch künftig ab Frühjahr wieder zurück gehen.
12. August Koschke aus Cöthen alt 32 Jahr
13. Andreas Ludwig daher // 33 —-
3. derjenigen, deren Rückweg erst nach den Umständen entschieden werden soll.
14. August Fehse aus Cöthen alt 29 Jahr
15. Christian Fehse daher // 21 —-
16. Friedrich Schönemann daher // 50 —-
17. Gottfr. Gottschalk daher // 36 —-
18. Christian Schulze daher // 35 —-
19. August Luke aus Geutz // 48 —-
20. der Tischler Andr. Gottfr. Bandel aus Lebendorf // 25 —-
Vorgenannte Personen nahmen an Wäsche, Latten und Kleidungsstücke und sonsten mit.
1. Hofmann, 1 Kasten mit Wäsche od Kleidungsstücke 2 Pakete mit Latten od dergl
2. Wurzler 1 Kasten mit Wäsche od Kleidungsstücke 1 Paket mit Latten od dergl
3. Schmidt 1 Kasten mit Kleidungsstücke od Wäsche 1 Pack. Mit Latten
4. Sturm 1 Kasten mit Wäsche od Kleidungsstücke und einiges Handwerkszeug 1 Pack Latten und Kleidungsstücke
5. Meinstedt 1 Koffer mit Kleidungsstücken
Außerdem haben die übrigen Mitgehenden jeder 1 reich 2 Packete mit wäsche und kleidungsstücke; somit Tischler Handel neun Käster mit Kleidungs-Stücke od Handwerkszeug
 
Die Schafe v. den Domainen ausgezeichnet
No. Stück
1 208 Mutterschaafe v. dhl. Amt. Salmuth v. Grimschleben
2 210 dergl. v. dhl. Ob. Amt. Balm v. Wulfen
3 132 dergl. v. dhl. Amt. Klos v. Brosigck
4 105 dergl. v. dhl. Ob. Amt. Linstadt v. Gnetsch
5 210 dergl. v. dhl. Amt. Bartels v. Glautschig
6 210 dergl. v. dhl. Amt. Diener v. Werbzig
7 63 dergl. v. dhl. Amt. Sander v. Trinum
8 22 dergl. v. dhl. Amt. Friedrich v. Lebehne
9 74 dergl. v. dhl. Amt. Holzmann v. Klepzig
0 158 dergl. v. dhl. Ob. Amt. Bieler v. Merzin
0 105 dergl. v. dhl. Amt. Reinicke v. kl. Wilchnitz
0 105 dergl. v. dhl. Amt. Reinicke v. Reinsdorf
4 158 dergl. v. dhl. Türeh v. Jaerzig
1 105 dergl. v. dhl. Amt. Braumann v. Libbesdorf
1 18 dergl. v. dem Knecht des hl. Amt. Braumann wie oben
—- 120 dergl. v. dhl. Kammerdirektor Poetsch v. Zehringen
—- 53 dergl. v. dhl. Amt. Paetsch v. Schansdorf
—- 55 dergl. v. dhl. Amt Braun v. Laeberitz
2111 Summa gekaufte Schaafe
150 Mutterschaafe v. der Biendorfer Administration
150 dergl. v. der Geutzer Administration
2411 Summa Summarum Mutterrieg.
50 v. Steutz
52 v. Welfen?
30 nach v. Ganz
50 v. Löckr.
2593
49 ?? v. Zehring
2642

Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt LHASA, DE, Abt. Köthen, A 15b Nr. 15 Bd. I
Thomas Severin M. A. Stellvertretender Vorstandsvorsitzender Studium Hallense e. V.

Liste 1829 nach Askania Nova

Vollständige Liste der Personen des Viehs und der Sachen,  welche nach Podolien und Taurien gehen, und die königliche polnische Grenze bei Slupze, zwischen Posen und Warschau, und die kaiserl. Russische bei Bresk-Litowsky passieren.
 1. An Leuten 
 a. Führer des Zuges  
1.  der Oeconomiecommissarius Wilhelm Picht  
2. der Transportcommissarius Gottlieb Schlesener  
3. der Oeconom Friedrich Braumann  
4. der Oeconom Ferdinand Krellwitz  
 b. Schäfer und Schaafknechte  
5. Christian Schönemann16. Christoph Keinstedt 27. Christian Wagner
6. Christian Linke 17. Gottlieb Keinstedt28. Christian Berghoff
7. Wilhelm Schönemann18. Christian Fehse29. Martin Graumann
8. Gottfried Müller 19. Johann Gottschalg30. Christian Giese
9. Christian Keinstedt20. Gottfried Stolze31. August Buroff
10. Andreas Keinstedt21. Andreas Füllig32. Gottfried Kitzing
11. Gottfried Böhme22. Andreas Schulze 
12. Christian Hesse23. Andreas Fährmann 
13. Gottlieb Schuhmann24. Andreas Schönemann  
14. Andreas Gieseler25. Christian Wolle 
15. Daniel Hellmuth26. Gottfried Dennert 
c. Namen der Knechte bei den Wagen  
33. Franz Fasshauer  
34. Johann Schäfer  
35. Carl Fischmann  
36. Andreas Forthe  
d. Weiber und Kinder  
37. Maria Elisabeth Schulmeister, Frau des Maurermeisters Schulmeister, welcher schon in Taurien ist

38. Johanne Christiane Müller Ehefrau des Tischlermeisters Müller darhselbst

39.-41. Deren 3 Kinder            

a. Johanne Christiane

b. Wilhelm und

c. Johann Carl

42.Christiane Schönemann, Frau des mitgereisten Schäfers Schönemann

43.-44. Deren 2 Töchter         

a. Marie erwachsen und

b. Henriette

45.Helene Hesse, Ehefrau des Schaafknechts Hesse

46.-48. Deren 3 Kinder            

a. August

b. Christian und

c. Henriette

e. Handwerker  
49. der Zimmermeister August Braune  
50. der Zimmergeselle Friedrich Matthes  
51. der Zimmergeselle Gottfried Herzog  
   
In Summa: 51 Personen, worunter  
39 Männer  
4 Frauen  
1 erwachsenes
Mädchen
  
7 Kinder  

Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt LHASA , DE, Abt. Köthen, A 15b Nr. 43 Bl. 67
Thomas Severin M. A. Stellvertretender Vorstandsvorsitzender Studium Hallense e. V.

Askania Nova

„Ohne den Hirten wird aus Schafen nie eine Herde.“  – in Erinnerung an die Schäfer


In Sachsen wurde aus dem spanischen Merino und einheimischen Rassen eine besonders fein-wollige Schafrasse gezüchtet, deren Wolle die Engländer als Elektoralwolle (kurfürstliche Wolle) bezeichneten, daraus abgeleitet wurde die neue Rasse als Elektoral-Schaf (kurfürstliches Schaf) bekannt.

Die Wolle erzielte überragende Preise, weshalb zahlreiche kurfürstliche Schäfereien eingerichtet wurden.

Durch die Zucht auf Feinwolle war das Schaf klein und wies Schwächen in der Konstitution auf, daher bemühte man sich, durch Einkreuzung und Auslese, die Schafe und ihre  Hautoberfläche durch Faltenbildung zu vergrößern, dass daraus resultierende Schaf wurde in Europa, Amerika, Russland und Australien sehr begehrt bei Wollproduzenten und erhielt den Namen Saxon Merino.

Während der napoleonischen Kriege litt die sächsische Schafzucht sehr stark, nach der Aufhebung der von Napoléon erzwungenen Kontinentalsperre bezog die englische Tuchindustrie jedoch wieder Schafwolle aus Sachsen und Anhalt.

Dem Herzog Ferdinand von Anhalt-Köthen fehlten zur Erweiterung seiner eigenen Zucht bei Nienburg (Saale) die Weideflächen, daher bekundete er im Herbst 1826 in einem Schreiben an den russischen Geschäftsträger in Leipzig sein Interesse, in Russland eine Kolonie für Schafzucht einzurichten, in der Hoffnung, bessere Geschäfte zu machen.

Russland bemühte sich zu diesem Zeitpunkt sehr um die Einfuhr veredelter Schafrassen aus Deutschland, so genehmigte man im Herbst 1827 einer Delegation, die nach geeignetem Land suchen sollte. Die Wahl fiel auf Steppe 71, einem Gebiet an der alten Salzstrasse, welches rund 50.000 Desjatinen (ca. 550 km²) umfasste. Da der Boden sehr arm war, erhielt Ferdinand von Anhalt-Köthen 48.000 Desjatinen geschenkt, sowie weitere 6.000 Desjatinen am Schwarzen Meer.

Die Bedingungen im russischen Reich waren denkbar günstig seit 1797. Nach der Einrichtung von Landwirtschaftsakademien und landwirtschaftlichen Märkten, dem Import von Zuchttieren und der Gründung verschiedener Sozietäten und Kompanien, wurde mit Ukas vom 22. Mai 1826 eine weitere Verordnung zu Gunsten der Schafzucht erlassenen. Dem Adel der Ostsee-Provinzen wurden  109.000 Silber-Rubel auf 18 Jahre ohne Zinsen vorgestreckt, um fünf veredele Schäfereien, jede verbunden mit einer praktischen Schule der Schafzucht, unter Leitung sachkundiger, aus dem Auslande berufener Männer, einzurichten. Zur Erleichterung des Absatzes wurden in Riga, Reval und Libau Jahrmärkte angeordnet und die Wolle bei der Ausfuhr von allen Zöllen befreit. Fremden Schäfern und Hirten, die sich in Russland niederließen, wurde Abgaben-Freiheit und weitere Privilegien zugesichert.1 

So wurde dem Herzog Ferdinand durch Ukas des Zaren vom 3. März 1827 das Land übereignet und im Jahre 1828 das Gut Askania-Nova (Neu-Aschersleben, in Russland auch als Anhalt-Köthen oder Neu-Köthen bekannt) als Kolonie des Herzogtums Anhalt-Köthen gegründet. Der Name bezieht sich wohl auf das anhaltische Herzogsgeschlecht der Askanier in Erinnerung an die jahrhundertealte Schmach des Verlustes der Lehensrechte an Aschersleben.

Am 11. August 1828 verließen die ersten Siedler mit 2.642 Schafen, zwei Stieren, acht Kühen und acht Pferden ihre Heimat. Die logistische Leistung war gewaltig, da nur 35 Schafe verloren gingen. Ihnen folgten 1829 weitere Kolonisten.

Für die Tiere wurden Ställe nach Bandhauers Vorbild in Grimschleben erstellt, am 22. Juli 1830 stand in Askania Nova eine Herde „von 3000 Merinos vorzüglich schöner Art mit 250 Böcken erster Qualität aus seinem Herzogtum Köthen“ .2 

1835 kam in Odessa die neurussische Schafzuchts Gesellschaft mit einem Capital von 800.000 Rubeln zustande, die es sich zur besonderen Aufgabe machte, das Sortieren und Waschen der Wolle im größerem Massstabe zu betreiben. Die alte Siedlung Tschapli, die 1822 erstmals urkundlich erwähnt wurde, wurde im gleichen Jahr ebenfalls in Askania Nova umbenannt.

Askania Nova um 1840

Trotz der zehnjährigen Steuerfreiheit war die Schafzucht von wenig Erfolg gekrönt und musste wiederholt durch das Herzogtum finanziell unterstützt werden. Das Steppenklima war ungewohnt, man maß 19 1/2 Zoll Regen im Durchschnitt in Berlin, in Askania-Nova 6 Zoll, die Jahre 1832 und 1833 waren Dürrejahre ohne Regen oder Schnee, 1838-1842 hatten im Schnitt 47 Tage mit Regen oder Schnee. Der Regen 1838 und 1839 verwandelte den Steppenboden wochenlang in einen Brei, der die Wagen bis zu den Achsen einsinken ließ. Die Schafe- und Rinderherde versanken im Morast und bekamen die „Klauenseuche“, so wurde vermutet, der Maul-und-Klauenseuchenzug durch Europa (1838-1842) nahm hier seinen Anfang. Das im Sommer überschwemmte Heu wurde unbrauchbar, das Wintergetreide verfaulte und der Teil des Roggens, der den Winter überstand enthielt zu einem Viertel Mutterkorn. Zwischen 1832 und 1841 traten Nachtfröste teilweise bis Mitte Mai auf und setzten bereits Ende August ein. Der Boden bat Bäumen keine Nahrung, sie kümmerten trotz Pflege in den Gärten. Da Düngung der Böden nicht möglich war, benötigten sie lange Phasen der Ruhe zur Erholung. Die Bauern hatten Brachen von 8-10 Jahren, bei kürzerer Nutzung lohnte die Ernte den Aufwand nicht. Kartoffeln und Rüben wuchsen kaum, Weißkohl gar nicht. Das Neuland wurde mit Hirse und Leinsamen bestellt, dann folgten Sommerweizen und Gerste, zuletzt Roggen, der sich mitunter durch Ausfall selbst vermehrte. So waren 1834/1835 beste Roggenjahre, 1835/1837/1838/1839 waren Hirsejahre, Sommerweizen gedieh 1837 und 1839 besonders gut, brauchbare Gerstenernten gab es 1837-1840.3

Zu den Kolonisten, die versuchten, dem Boden eine Existenz abzuringen, gehörte auch der Friedentaler (Kantakuzovka) Johann Georg Müller mit seiner Frau Catharina Barbara. Im Jahre 1841 wurde seine Tochter Elisabeth in der „Anhalt Gotheischen Collonie“ geboren, weitere Kinder in Askania Nova getauft. Johann Georg war zu dieser Zeit Schäfer in der Kolonie. Vermutlich kam er nach 1837 nach Askania Nova, da die beiden ersten Kinder noch in Friedental geboren wurden. Ihr letztes Kind, Margaretha Friederika, heiratete Jakob Frasch, ihre gemeinsame Tochter Emilie verband sich 1896 mit Jakob Schwarzmann, Sohn des Johann Michael, Nachkomme von Einwanderern Sarata´s in Bessarabien und der Elisabeth Ehnis, deren Vorfahren nach Zürichtal eingewandert waren. Die Familien Müller und Frasch waren eng verbandelt mit den Geckle, meiner Verwandtschaft aus Bernbach im Schwarzwald.

Doch zurück zum weiteren Schicksal der Kolonie Askania Nova:

Nach dem Tod des kinderlosen Herzog Heinrich von Anhalt-Köthen ging Askania-Nova1847 zunächst an Anhalt-Bernburg und 1853 an Anhalt-Dessau. Herzog Leopold IV. verkaufte das unrentable Unternehmen mit Erlaubnis des Zaren Nikolaus I. laut Kaufvertrag vom 16. August 1856 an den Großgrundbesitzer Friedrich Fein (1794–1864)4 .

Nach dem Tod des kinderlosen Herzog Heinrich von Anhalt-Köthen ging Askania-Nova1847 zunächst an Anhalt-Bernburg und 1853 an Anhalt-Dessau. Herzog Leopold IV. verkaufte das unrentable Unternehmen mit Erlaubnis des Zaren Nikolaus I. laut Kaufvertrag vom 16. August 1856 an den Großgrundbesitzer Friedrich Fein (1794–1864)4. Er erwarb die Kolonie inklusive der rund 49.000 Schafen, 640 Pferden und 549 Rindern und bewirtschaftete das Gut als Pferdelieferant für die russische Armee.

Sein wichtigster Mitarbeiter und ab 1836 auch Schwiegersohn, wurde der 1808 in Sohland/Spree geborene Schafzüchter und Wollsachverständige Johann Gottlieb Pfalz.

falz-fein_1836
Eintrag der Eheschließung im Kirchenbuch Molotschna S. 320 vom 18. Januar 1836

Das später auf 25.000 Hektar verkleinerte Familiengut Askania-Nova wurde in der Familie  an Friedrich Falz-Fein (1863-1920)4 weiter vererbt, sein Stiefvater Gustav von Falz-Fein, Bruder seines bereits 1883 verstorbenen Vaters Eduard, vermachte ihm zusätzlich das Gut Elisabethfeld und Friedrich selbst kaufte noch das Gut Naliboki hinzu, so  dass sein Landbesitz schließlich 65.000 Hektar umfasste.

Friedrich interessierte sich bereits in seiner Jugend für die einheimische Flora und Fauna, daher errichtete man im Jahre 1874 erste Gehege und 1887 einen Botanischen Garten, ab 1898 als dendrologischer Park geführt. Zudem bestanden in Askania-Nova die rund 10.000 Hektar umfassende Musterwirtschaft Dorenburg.

1896 erwarb  Friedrich von Falz-Fein eine Herde wilder Elenantilopen, um sie zu domestizieren. Diese Herde existiert heute noch und wird von berittenen Hirten betreut.

Dieser Przewalski-Wildpferdehengst wurde Friedrich von Falz-Fein vom russischen Zaren geschenkt.5

Friedrich von Falz-Fein ließ mehrere Fangexpeditionen von wilden Przewalski-Pferden im Bereich der Wüste Gobi durchführen. 1899 kamen die ersten fünf Fohlen nach Askania-Nova. 1901 wurden 52 weitere gefangen, von denen allerdings nur 28 die Fang- und Reisestrapazen überlebten. Sie wurden an den deutschen Tierhändler Carl Hagenbeck in Hamburg verkauft. Einige der sechzehn ersten in der Mongolei wieder ausgewilderten Tachis im Jahr 1992 stammen aus Askania-Nova.

Auf der Pariser Weltausstellung 1899 erhielt Falz-Fein für seine Verdienste um den Erhalt der Steppe und die Veredlung der Tiere eine Goldmedaille.

Am 23. April 1914 wurde das Gut Askania-Nova vom russischen Zaren besucht. Damals verfügte das Gut über fast eine Million Schafe und 100.000 Hütehunde.

„Таврида. Заповедник Аскания-Нова. 1914 год. Визит Николая II в заповедник в апреле 1914 г.“; youtube video von Путешествие во времени veröffentlicht hier: ogy.de/r2pi

Die Schutzzone für die Erhaltung der Steppennatur, die zoologischen Gehege und der Park beeindruckten den Zar dergestalt, das er Falz-Fein in den Adelsstand erhob (Baron) und seiner Mutter schrieb: “ Dort leben verschiedene Hirsche, Ziegen, Antilopen, Gnus, Känguruhs und die Sträuße ein ganzes Jahr unter freiem Himmel an der freien Luft und auch zusammen. Der merkwürdige Eindruck, wie ein Bild aus der Bibel, als ob die Tiere aus der Arche Noah hinausgegangen sind.“.

Am 14. Mai 1914 wurden Sophie Falz-Fein und ihre Söhne in den erblichen Adelsstand erhoben in Anerkennung der hundertjährigen Kulturarbeit des Geschlechts in Rußland.

Kaukasische Post 24/1914

 Plan von Askania Nova 1920

Während der Oktoberrevolution wurde das Gut zwischen April 1918 und März 1919 stark verwüstet, die Familie Falz-Fein floh am 1. April 1919 von Sewastopol aus mit dem bulgarischen Schiff „König Ferdinand“ nach Deutschland, nur Friedrichs Mutter Sophie geb. Knauff (1835-1919) verblieb auf eigenen Wunsch auf Grund ihres Alters zurück und wurde von den Rotarmisten ermordet.

Auf Befehl Lenins mit Dekret vom 1. April 1919 der Volkskommissare der Ukrainischen SSR wurden das Gut und der Tierpark Askania-Nova enteignet, kollektiviert und  zum staatlichen Tierzuchtinstitut erklärt.6

Die Falz-Feins emigrierten nach Luxemburg, Friedrich von Falz-Fein war auf Anraten seines Arztes im Juli 1920 zur Erholung nach einem Schwächeanfall aus Berlin nach Bad Kissingen gekommen und starb während des Kuraufenthalts aus Kummer über sein „verlorenes Paradies“. Sein Herz versagte während einer Droschkenfahrt zum Sanatorium von Dapper. Zur Beisetzung wurde sein Leichnam nach Berlin auf dem „Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof“ überführt.

1921 wurde die Gegend um Askania-Nova zum Naturschutzgebiet.

1940 wurde der Freilandpark auf dem Territorium des ehemaligen Landguts wieder eingerichtet.

1943 reiste der Berliner Zoodirektor Prof. Dr. Lutz Heck (1892-1983) den Wehrmachttruppen in die Südukraine hinterher, um Askania-Nova zu inspizieren und es als Reichsnaturschutzgebiet zu sichern. Vor Ort wurde er von Alfred Rosenberg, der ein eigens gebildetes Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete leitete, und führenden Mitgliedern der SS mit der Oberleitung des Reservats betraut, das von nun an der Obersten Naturschutzbehörde unterstellt war. 70 Prozent des Tierbestandes Askania-Novas, darunter die seltenen Przewalski – Pferde, wurden durch ihren mit „naturschützerischen Erwägungen“ begründeten Abtransport nach Deutschland und ihre Verteilung auf dortige Zoos vernichtet.8

1956 wurde Askania-Nova unter die Verwaltung der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften gestellt, die ein Forschungsinstitut für Steppentiere unterhält.

1984 zum Biosphärenreservat erklärt und in das Internationale System der Naturschutzgebiete der UNESCO eingetragen

Der Ort Askania Nova (Tschapli) hatte mit rund 3.000 Einwohnern seit 1938 den Status einer Siedlung städtischen Typs.


Artikel in der Weltwacht der Deutschen, Hellerau bei Dresden, 20.11.1941 p.5


  1. Archiv für Wissenschaftliche Kunde von Russland, Band 3, G. Reimer, Berlin 1843, p.40ff
  2. Johannes Heyne: Grosses Handbuch der Schafzucht auf neuzeitlicher Grundlage, Reichenbach 1916, p.17
  3. Bericht über die Leistungen in der medicinischen Geographie von geh. Med. Rath Prof. Dr. Heusinger in: Jahresbericht über die Fortschritte der Biologie im Jahre 1848; Hrsg. Dr. Canstadt und Dr. Eisenmann; Verlag Ferdinand Enke, Erlangen 1849; p.173f
  4. Фридрих Фейн (1794-1864), Йоханн Пфальц (1808-1872), Фридрих Эдуардович Фальц-Фейн (1863-1920) : Данилевич Н. В. Барон Фальц-Фейн. Жизнь русского аристократа.- М.; Изобраз. искусство, 2000.- 232 с., 88 с. ил.
  5. Woldemar von Falz-Fein; Askania Nova: Das Tierparadies. Ein Buch des Gedenkens und der Gedanken; Neudamm: J. Neumann, 1930
  6. Декретом Совнаркома УССР от 1 апреля 1919 г. «Об объявлении бывшего имения «Аскания-Нова» и «Елисаветфельд» народным заповедным парком» акклиматизационный парк и участок целинной степи при имении Аскания-Нова был объявлен народным заповедным парком, что явилось началом организации здесь общебиологических и сельскохозяйственных научно-исследовательских учреждений. Декрет и неотложные меры по охране имения Аскании-Нова были приняты по указанию В. И. Ленина, проявившего большую заботу об охране природы, ее ресурсов и достопримечательных мест в нашей стране [1293, с. 11]
  7. Grabsteinfoto: User:Lienhard Schulz , Kiezviertel Rote Insel, Berlin-Schöneberg. Friedhof „Zwöf Apostel“, Grabstein für „Friedrich von Falz-Fein“ (1863-1920), Gründer des heute noch bestehenden Naturreservats Askania-Nowa in der Ukraine; August 2005,fotografiert in Berlin-Schöneberg; Lizenz: GFDL/CC-BY-SA-2.5,2.0,1.0
  8. Kai Artinger: Der Bär von Berlin, Jahrbuch 1994, S.125-S.139; Verein für die Geschichte Berlins e.V.
  9. Friedrich von Falz-Fein: Das letzte Auftreten des Wildpferdes in Südrußland in: Sitzungsberichte der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin, R. Friedler und Sohn Berlin 1919
  10. alte Ansichten der Landwirtschaft um 1930

Buchtipp: Lisa Heiss: Plötzlich jagt ein Sturm daher, Die Schicksale eines Geschlechts; Robert Bardtenschlager Verlag, Reutlingen 1961

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Deutsche Kolonisten

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