Hiermit berichten wir über die gesuchten Personen von Herrn Dyck1 1. Dietrich Rempel gestorben ano 1939. seine Frau Maria Rempel geb. Pauls nebst Kinder befinden sich in Hochfeld, außer Johann Unger, der im Jahr 1937 Repressiert ist. 2. Franz Unger und Franz Fröse befinden sich ebenfalls in Hochfeld 3. Abran Janzen ist im Jahre 1936 repressiert seine Familie befindet sich in Chortitza. 4. Isaak Dyk und Bernhard Dyk und Anna Dyk befinden sich in Hochfeld. 5. Peter Dyck sein Aufenthalt ist unbekannt. 6. Johann Dyck ist im Jahr 1937 repressiert, 7. Franz Pauls ist im Jahr 1936 repressiert wo er gestorben ist. Von den anderen repressierten ist kein nachricht. 8. Heinrich Unger ist im Jahr 1941 verband seine Frau ist im Jahr 1939 gestorben seine Kinder befinden sich in Hochfeld bei seinen Geschwistern. Heil Hitler“ K. Unger
1 David Jakob Dyck, New Hamburg, Canada Quelle: Deutsche Auslandszentrale, Dr. Karl Stumpp, Steno Kopien Dez 42-Mai 1943 LDS 007938111
Verzeichnis der 1793 in Russland in den Kolonien angesiedelten Mennoniten, aufgefunden und aufgeschrieben von Franz Harder1
1. In Schönhorst
1. Isbrand v. Riesen 2. Willm Tiesen 3. David Giesbrecht 4. Joh. Teichgräff 5. Jac. Tiesen 6. Gerh. Enß 7. Jac. Giesbrecht 8. Isebr. v. Riesen 9. Joh. v. Riesen 10. Peter Rempel 11. Joh. Tiesen 12. Isebr. v. Riesen 13. Dietr. Bruhn 14. David Heide 15. Ww. Rempel 16. Arend Peters 17. Ww. Peters 18. Abr. Epp 19.-32.?
2. In Chortitz
33. Johann Wiebe 34. Peter Penner 35. Jacob Breuel v. Neumünsterberg 36. Mich. Köhler 37. Abr. Koop 38. Pet. Heyner a. Einlage 39. Jak. v. Bergen a. Fürstenw. Gmde. 40. Dav. Dircksen 41. Heinr. Preiß 42. Jacob Barck 43. Isaac Ens 44. Peter Wiebe 45. Peter Dück 46. Peter Martens 47. Jac. Harder 48. Derk Isaak 49. Jac. Bruhn 50. Jac. Dück 51. Jac. v. Kampen 52. Isaac Toews 53. Joh. Siemens 54. Isebr. Wiebe 55. Joh. Ens 56. Joh. Neufeld 57. Joh. Schellenberg 58.-60.?
3. In Neuendorf
61. Abr. v Riesen 62. Mart. Dircksen 63. Herm. Dück 64. Peter Hildebrand 65. Ant. Claaßen 66. Peter Dück 67. Corn. v. Riesen 68. Joh. Wiebe 69. Benjamin de Veer 70. Harm Peters 71. Joh. Sawatzki 72. Isaac Ens 73. Mart. Claaßen 74. Isaac Dircksen 75. Jac. Löwen 76. Abr. Janzen 77. Berend Löwens 78. Jac. Wiebe 79. Corn. Janzen 80. Peter Dück 81. Joh. Schröter 82. Abr. Wiebe 83. Franz Claßen 84. Peter Regehr 85. David Dircksen 86. Wilm Barkmann 87.-96.?
4. Einlage
97. Abr. Fröse aus Neuteicherwald 98. Jac. Wiebe 99. Peter Wiebe 100. Isaac Wölke 101. Jacob Lemke 102. Johann Neufeldt 103. Abr. Warner 104. Joh. Neufstädter 105. Heinr. Willms 106. Jac. Vogt 107. Corn. Janzen 108. Abr. Janzen 109. Gerh. Kehler 110. Heinr. Willems 111. Jac. Janzen 112. Jac. Hiebert 113. Wilh. Rempel 114. Herm. Arend 115. Joh. v. Riesen 116. Joh. Bruhn 117. Joh. Wienß 118. Dietr. Bruhn 119. Heinr. Dück 120. Isbr. Rempel 121. Jac. Sawatzki 122. Heinr. Rempel 123. Heinr. Dück 124. Peter Hübert 125. Peter Wiebe 126. Isaac Penner 127. Abr. Conrad 128. Joh. Tilltke 129. Dietrich Brahm
5. Neuenburg
130. Joh. Dück 131. Franz Barkmann 132. Jac. Löwen 133. Peter Tillitzke 134. Philipp Dück 135. Joh. Wieler 136. Joh. Krahn 137. Abr. Krahn 138. Peter Dell 139. Isaac Kasdorf 140. Joh. Peters 141. Peter Peters 142-156?
6. Rosenthal
157. Joh. Sawatzi 158. Dietr. Neufeldt 159. Nic. Wieler 160. Peter Warkentin 161. David Epp 162. Corn. Sawatzki 163. Peter Neufeldt 164. Jac. Wienß 165. Gerh. Neufeldt 166. Joh. Bartsch 167. Abr. Dirksen 168. Peter Wiebe 169. Heinr. Claaßen 170. Daniel Neufeldt 171. Jac. Claaßen 172. Mart. Wienß 173.?
7. Insel-Einlage
174. Dietrich Neufeldt 175. Isaac Barkmann 176. Jac. Höp(p)ner v. Bohnsack 177. Heinr. Schwartz 178. Antoni Höp(p)ner 179. Heinr. Enß 180. Peter Enß 181. Jac. Reimer 182. Joh. Reimer 183. Gerh. Willems 184. Peter Willems 185. Isaac Redekopp 186. Peter Unger 187. Mich. Kropp 188. Dietrich Wienß 189.-191.?
in: Die Auswanderung aus der Danziger Mennoniten-Gemeinde nach Russland. Von Franz Harder, Danzig. Aus den „Mitteilungen des Sippenverbandes der Danziger Mennoniten Familien Epp-Kauenhowen-Zimmermann.“ Göttingen.1940 Heft 1 ↩︎
Reihenfolge der Auswanderung ist nummeriert, Zusammenstellung von Franz Harder1
Namen Vornamen Nr.
Jantzen Berend 1
Wiebe Maria 1
Entz/Enss/Enz Susanne 2
Neufeld Gerhard 3
von Riesen Jacob 4
Classen Heinrich 4
Kasdorf Esther 5
Regier Gertrud 6
Tinos Elisabeth 6
Classen Dirk 7
Tiessen Anna 7
Wiebe Sara 8
Sawatski Hans 8
Neustädter Jacob 9
Dyck Agathe 9
Bollée Wilhelm 9
Zimmermann Wilhelm 10
von Riesen Maria 10
Penner Maria 11
Reimer Magdalena 12
Epp Anna 12
Rempel 13
Wiebe Peter 14
Classen Marie 14
Neufeld Judith 15
Dirksen Isaac 15
Wiens Susanne 16
Bartsch Catharina 16
Neufeld Johann 17
Peters Peter 18
von Kampen Wilhelm 18
Wieler/Wiehler Catharina 19
Wiens Franz 19
Tinos Hans 20
Kasdorf Isaac 20
Tinos Anna 20
Dell Peter 21
Kasdorf Anna 21
Peters Johann 21
Bruhn Jacob 22
Reimer Maria 22
Entz/Enss/Enz Agatha 22
Tinos Catharina 23
Kröcker Philipp 25
Tinos Magdalena 25
Reimer Claas 26
Barkmann Anna 26
Epp David 26
Tinos Isaac 27
Burmeister Christine 27
Neufeld Peter 28
Schellenberg Johann 29
Hamm Anganetha 29
Wiebe 30
Epp Jacob 30
Penner Berend 32
Epp Peter 32
Wiebe Margarethe 33
Penner Anna 33
Epp Heinrich 33
Classen Gillis 34
Heide Claas 35
Dyck Catharina 35
von Riesen Kinder 36
Penner Jacob 37
Isaac Elisabeth 37
Entz/Enss/Enz Gerhard 38
Penner Martin 38
Entz/Enss/Enz Gertrud 38
Lehn Jacob 39
Wölke Hans 39
Barg Cornelius 40
Reimer Peter 40
Hübert Claas 41
Wölke Susanne 41
Epp Cornelius 42
Epp Marie 43
von Riesen Catharina 43
Regier Hans (Johann) 44
Epp Catharina 44
Thielmann Maria 45
Wiens Jacob 46
Classen Catharina 47
Classen Peter 48
Wölke Catharina 48
Classen Peter jun. 49
Regier Angenetha 50
Wölke Cornelius 51
Wieler/Wiehler Margarethe 52
von Bargen Kinder 52
Entz/Enss/Enz Jacob 53
B. Eysen Christine 54
Buller Abraham 54
B. Eysen Joh. Jacob 55
Bollée Catharina 55
Jantzen Gerhard 56
Epp Anna 56
? Mieter Maria 57
Kauenhoven Berend 57
Goertz Jacob 58
Subemann Isaac 59
Loepp Johann 60
Fedrau Maria 60
Lorenz Wilhelm 61
Fedrau Abraham 61
Wiebe Martin 61
Zimmermann Carl Anton 62
Lepp Peter 63
Harder Margarethe 64
Harder Hermann 66
Subermann Barbara 66
Jantzen Gustav Eduard 67
Loevens Johann Herm. 68
Friedrichsen Jacob Hermann 69
Kröcker Angeneta 70
Wieler/Wiehler Johann 70
Kauenhoven Cornelius 71
Kröcker Arend 72
Kauenhoven Abraham 73
Gillis Carl Heinrich 74
Gillis Erdmann Robert 75
Gillis Julius Eduard 76
in: Die Auswanderung aus der Danziger Mennoniten-Gemeinde nach Russland. Von Franz Harder, Danzig. Aus den „Mitteilungen des Sippenverbandes der Danziger Mennoniten Familien Epp-Kauenhowen-Zimmermann.“ Göttingen. 1941 Heft 6 ↩︎
nach: Paul Langhans, Nr. 7. Deutsche Kolonisation im Osten. II. Auf Slavischem Boden.; Justus Perthes Gotha, 1897
Die Einwanderung der Mennoniten nach Russland begann mit der Aufforderung des russischen Abgesandten, Collegien-Assessor George von Trappe, dem Ruf der Zarin Katharina II. Folge zu leisten und die Steppe urbar zu machen.
Die Anhänger der nach ihrem Gründer Menno Simons benannten Glaubensrichtung lehnen die Taufe ihrer Kinder ab, sie sollten sich erst als Erwachsene durch die Taufe bewußt zu ihrer Religion bekennen. Durch ihre Ablehnung jeglicher Gewalt verweigern sie auch jeden Kriegs – oder Militärdienst, Staatsdienst und die Eidesleistung. Bereits im 16. Jahrhundert flüchteten die Mennoniten auf Grund dieser Haltung und religiöser Verfolgung in das Mündungsgebiet der Weichsel. Hier erhielten sie 1780 von Friedrich II. ein Gnadenprivileg, das sie vom Militärdienst befreite. Ihnen wurde Schutz bei der Ausübung ihres Gewerbes zugesagt, vor allem in der Textilherstellung und –verarbeitung, jedoch durften sie nur mit Genehmigung des Königs Land erwerben.
König Friedrich Wilhelm II. war nicht bereit, dieses Gnadenprivileg nach dem Tod seines Onkels 1786 anzuerkennen und verschärfte das Verbot des Landerwerbs. So wurde die Landnot enorm, dazu kamen nun Zwangsabgaben für protestantische Schulen und Kirchen, die ihre Kinder nicht besuchten und für die Befreiung vom Militärdienst, die mangels Wehrdienst erfolgen musste. Die ständigen Überflutungen der Deiche brachten Ernteausfälle mit sich, die der ständig wachsenden Mennonitengemeinschaft zusätzliche Probleme bereiteten. So war die Verlockung, weites Siedlungsland zu erhalten, gross.
Die Danziger Mennoniten entsandten zwei Deputierte, Jakob Höppner und Johann Bartsch, Ende September des Jahres 1786 nach Russland, um geeignetes Siedlungsland zu finden. Ihr Reiseweg führte sie zunächst per Schiff nach Riga, von dort aus nach Dubrowna/Weissrussland. Dem Generaladjutanten von Taurien, Generalleutnant Baron von Stahl empfohlen, brachen sie nach Krementschug auf und von dort nach Cherson.
Hier war nicht nur ihr Winterlager, sie bereisten den Cherson, ehe sie am 13. Mai 1787 der Zarin in Krementschug vorgestellt wurden. Diese sicherte ihnen folgende Privilegien zu:
Religionsfreiheit
als Reisekosten in das Siedlungsgebiet erhält jeder Erwachsene 25, jedes Kind unter 14 Jahren 12 Kopeken und freies Quartier
bei Ankunft für jede Kolonistenfamilie 65 Desjatinen Land
die russische Regierung verpflichtete sich, Holz für den Hausbau und Baumaterial für zwei Mühlen zu Verfügung zu stellen
bis zu ersten Ernte soll eine Unterstützung von 10 Kopeken pro Person und Tag gezahlt werden
für den Kauf landwirtschaftlicher Geräte und Saatgut erhält jede Familie ein Darlehen von 500 Kopeken, welches nach 10 Jahren in drei Raten zurückzuzahlen wäre
in den ersten 10 Jahre nach der Ansiedlung erhalten die Kolonisten eine Steuerbefreiung, danach wären pro Desjatine und Jahr 15 Kopeken zu zahlen
Befreiung von Militärdiensten, Fuhrdiensten, öffentlichen Arbeiten und Einquartierungen, im Gegenzug sind die Kolonisten verpflichtet, Brücken und Wege in ihrem Siedlungsgebiet zu pflegen und instand zu halten
Die Abgesandten begleiteten nach dieser Unterredung die Zarin auf die Krim. Im September des Jahres wurden auf ihr Bitten hin diese Zusicherungen durch Fürst Potjomkin fixiert. Höppner und Bartsch kehrten danach über Krementschug, Sankt Petersburg, Riga und Warschau zurück in die Heimat. Noch in Riga trafen sie auf die Familien des Hans Hamm, Kornelius Willins, Peter Rogese, Jakob Harder und Dietrich Isaak. Bei ihnen war auch der ledige Abram Krahn, Schwager des Isaak. Sie hatten sich bereits auf den Weg nach Russland machen wollen, als ihnen das Geld aus ging. Nun konnten sie Reisekosten im Hauptbüro beantragen zur Weiterreise.
Reiseweg der Danziger Mennoniten
In Warschau mussten Hoppner und Bartsch den König von Polen, Stanislaus II. August, über den Wunsch zur Auswanderung der Danziger Mennoniten und ihr Abkommen mit der russischen Zarin unterrichten. Mit ihrem Eintreffen in Danzig wurde am 19. Januar 1788 eine Versammlung der Auswanderungswilligen einberufen. Wer auswandern wollte, musste nun einen Pass beantragen und zehn Prozent seines Vermögens als Abzugsgeld an den preußischen Staat zahlen.
Der preußische Staat hatte bereits Maßnahmen wegen der Werbung durch Trappe ergriffen, es gab einen regen Briefechsel der königlichen Ämter:
Allerduchlauchtigster, Großmächigster König, Allergnädigster König und Herr!
Auf Ew. Königl. Majestät Allerhöchste Ordre vom 6.11. den Rußischen Assessor Trappe und seine Debauchierungsgeschäfte betreffend melde ich alleruntertänigst, daß solcher den 10. November mit beyde Mennonisten in Danzig einpassieret mit einer Adresse an den Banquier Eliott, welcher angewiesen und versichert ist, ihm eine so ansehnliche Summe Geldes auf verlangen auszuzahlen, daß der Banquier mühe haben dürfte, solches aufzutreiben und daß, wenn die angewiesene und versicherte Summe Geldes erschöpft wäre, er auf erste Nachricht neue Creditbriefe erhalten solle.
Der Zweck des Trappe besteht, so wie er es überall laut saget, darin, daß er für vom Fürst Potemkin in Neu Servien bei Chaterinoslaw angelegte Colonie in Danzig allerley brauchbare Leute, nur nicht preußische Unterthanen, anwerben und dahin schicken soll. Um diese seine Absicht zu befördern und zu erleichtern sind die zwey mitgebrachten Mennonisten instruiret, durch gute und vortheilhafte Beschreibung der Collonie die Anzuwerbenden aufzumuntern. Auf diese Art sind die Absichten des Trappe, Leute anzuwerben sehr ernsthaft. Von Seiten des Raths zu Danzig wird er alle Schwierigkeiten haben und ihm allenfalls blos unnützes, ungesundes Gesindel verstattet werden, es sey denn daß der Fürst Potemkin (so wie immer geschehen) durch schmeichelhafte Hoffnungen täuschte. Ich werde in der gantzen Gegend alle Vorkehrungen machen um Ew. Königl. Majestät allerhöchste Intention in genauste Erfüllung bringen und ich will hoffen, daß Ew. Königl. Resident bey der Stadt Danzig mit Ertheilung der Pässe sehr behuthsam verfahren wird, als worüber ich ihn requieret habe. Hiernächst habe ich in Danzig deren Gebieth und auch im Preußischen durch allerley Umwege verbreiten lassen, daß des Trappe Auftrag zum wirklichen Endzweck hätte, bey jetzigem Kriege mit den Türken fremde nach Rußland zu locken und daß solche gegen die Türken gebraucht werden, keineswegs aber die Absicht sey, reiche Collonien anzulegen.
ich ersterbe in tieffster Devotion ew. Königl. Majestät
Die ersten vier Familien (Neufeld, Claassen, Sawatzki und Reimer) brachen am 23. Februar auf.
Am Ostersonntag, den 22. März 1788, reisten 7 Familien mit 50 Personen unter Höppners Führung von Bohnsack aus nach Stutthoff. Am nächsten Tag setzten sie sich mit Schlitten über das tauende Eis in Richtung Riga in Bewegung. Um ihren Pferden Schonung zu geben, blieben sie vier Wochen, ehe sie sich nach Dubrowna aufmachten, das sie am 24. Juni 1788 erreichten.
Eine Weiterreise war zunächst nicht möglich, da sich Russland im Krieg mit der Türkei befand. Bis zum Frühjahr 1789 lagerten sie, während nach und nach weitere 228 Familien eintrafen. In der ersten Maiwoche 1789 brachen 6 Familien mit Höppner auf, um eine Vorhut zu bilden. Über Orscha und Krementschug reisten sie nach Jekaterinoslaw, wenig später weiter in das Tal der Chotitza, welches sie im Juli 1789 erreichten.
Das Entsetzen der Kolonisten bei Ankunft war groß, ein verlassenes zerstörtes Dorf lag vor ihnen, kein Baum, kein Strauch, kein Tier war in der Umgebung zu finden. Das ihnen versprochene Land war nicht hier, doch nun mussten sie sich allen widrigen Umständen zu trotz einrichten.
Während Höppner, Bartsch und einige andere auf die Dneprinsel Chortyzja zogen, wo ein verlassenes Wohnhaus ihr Quartier wurde, begannen die anderen Familien mit der Errichtung von Unterkünften, zumeist Erdhütten, um sich auf den herannahenden Winter vorzubereiten.
aus: Paul Langhans, Nr. 7. Deutsche Kolonisation im Osten. II. Auf Slavischem Boden.; Justus Perthes Gotha, 1897
So wurde die Kolonie Chortitza ( Chortyzja, Хортиця, Хортица), nordwestlich der Insel Chortyzja, durch Flamen gegründet. Die Friesen ließen sich im von ihnen gegründeten Dorf Kronsweide nieder. Zwischen 1793 und 1796 kamen weitere 118 Familien, welche auf die bereits bestehenden Kolonien Chortiza verteilt wurden. Ingesamt entstanden zwischen 1789 und 1797 elf mennonitische Kolonien. Dank des Deichrentmeisters Schulz aus Fürstenwerder ist eine Liste von 145 Ansiedlerfamilien von 1793 erhalten geblieben.
Eine erneute Bestätigung ihrer Privilegien erhielten die Mennoniten 1800 durch einen Gnadenbrief des russischen Zaren Paul I.
Ab 1803 erfolgte eine erneute Auswanderungswelle, die nun ankommenden 342 Familien aus dem Elbinger und Marienburger Gebiet lagerten bei ihren Brüdern und Schwestern der Chortitzer Kolonien, ehe sie in die Molotschna weiter zogen.
Die Namen wurden später von Franz Harder erfasst, werden nicht vollständig sein.
In der alten Heimat führte man sie in den Listen der Kirchenbücher auch in späteren Jahren noch.
Die Aufhebung aller Privilegien der Russlanddeutschen durch den russischen Zaren Alexander III. im Jahr 1871 zwang auch die Mennoniten zum Militärdienst, trotzdes von ihnen durchgesetzten Ersatzdienstes entschlossen sich tausende nach Übersee auszuwandern. Vor allem zwischen 1874 und 1879 zog es sie vor allem nach Nordamerika, etwa 18.000 ließen sich in Canada nieder.
Ab 1899 verließen viele Familien die Kolonien auch in Richtung Sibirien, ab 1907 sogar planmäßig. So entstanden bis 1914 rund 100 Siedlungen durch 200 Chortitzer und 1000 Familien aus der Molotschna um Omsk, Slawgorod, Pawlodar und Minussinsk.
Die russische Regierung unterband diese Auswanderungswelle ab 1929 radikal. Die Entkulakisierung seit 1928 betraf auch die Mennoniten, deren Geistliche und Lehrer, sowie viele weitere Menschen verschleppt, verbannt oder erschossen wurden. Die Kirchen wurden, wie überall, geschlossen. Insgesamt wurden zwischen 1929 und 1941 aus den Chortitzer Kolonien 1144 Männer, 162 Frauen und 150 Jugendliche verschleppt. Der Verbleib von 973 Personen ist ungewiss, 332 kamen in den Ural , 66 in den hohen Norden, 50 in den Süden, 18 nach Sibirien, jeweils sechs in die Zentralgebiete und den Fernen Osten, vier nach Kasachstan und eine Person in den Kaukasus.
Am 28. August 1941 wurde die Umsiedlung aller Russlanddeutschen durch Stalin befohlen, nun wurden die meisten verbliebenen Einwohner deportiert, das betraf 1438 Männer, 367 Frauen und 482 Jugendliche.
Etwa 35.000 Mennoniten gelang es, nach der Kapitulation in Stalingrad am 2. Februar 1943 mit auf den deutschen Tuppen in Richtung Westen zu ziehen, da die deutsche Armee aufgefordert wurde, die restliche deutsche Bevölkerung mitzunehmen, etwa 350.000 Deutsche, die in der Sowjetunion lebten.
Der geordnete Abzug betraf zunächst die Mennonitenkolonie Molotschna am 12. September 1943, danach folgte die Mennoniten-Siedlung Chortitza und Ende Oktober die Mennoniten-Siedlung Zagradovka. Anfänglich mit Zügen in den Warthegau unterwegs, setzte man nun auf Pferdewagenkolonnen, um die Steppe zu verlassen.Im März 1944 trafen die Evakuierten ein und blieben ebenso, wie die Bessarabier, die nach der Umsiedlung zur Ansiedlung auf dortige Bauernhöfe verteilt wurden. Auch die Mennoniten durchliefen den Einbürgerungsprozess der Einwanderungszentrale (EWZ), um die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen.
Teil des Melderegisters von Plattkow Kreis Beeskow, Nr. 222-255 sind Angehörige des Trecks2
Der Aufenthalt im Wartheland sollte nicht einmal ein Jahr dauern, da erreichte die Front am 17. und 18. Januar 1945 Polen und Ostpreußen. Auf der Flucht in Richtung Westen schlossen sich auch polnischen und Danziger Mennoniten an, einige versuchten über die Ostsee nach Norden zu fliehen.Am 2. Februar 1945 erreichte ein Teil von ihnen den kleinen Ort Plattkow (Błotko), ein Dorf rund 40 km westlich der Oder im Spreewald, heute Ortsteil der Gemeinde Märkische Heide im Landkreis Dahme-Spreewald (Brandenburg). Sie blieben, wie aus den Melderegistern1 ersichtlich, bis zum 24. Februar, dann hatte die Front sie erneut eingeholt.
Es folgten erbitterte Kämpfe beiderseits der Oder auf dem Vormarsch nach Berlin. Vielen Flüchtlingen war nicht bewußt, das sie auf der westlichen Seite der Oder nicht in Sicherheit waren. Die Elbe war die Trennungslinie zwischen Ost und West, die in Jalta vereinbart wurde, so wurden viele von ihnen gefangen genommen und in die Sowjetunion deportiert. Doch auch in der westlichen Zone wurden viele gefangen und gewaltsam zurück geschickt (repatriiert).
Nach Schätzungen sind von den ~ 35.000 mennonitischen Flüchtlingen, etwa 23.000 auf diese Weise zurück geschafft worden und überwiegend nach Sibirien in Lager gekommen. Die verbliebenen 12.000 wanderten nach Aufenthalten in deutschen Flüchtlingslagern zur Hälfte nach Kanada und zur Hälfte nach Südamerika aus (Paraguay , Uruguay, Argentinien). Dort trafen viele von ihnen auf Angehörige der Auswanderungswellen nach den Erlassen von 1871, die sich inzwischen in ihren Kolonien ein neues Leben geschaffen hatten.
Gründungsjahr
Name
ukrainischer Name
russischer Name
1789
Chortitza
Chortyzja/ Хортиця (ehemaliger Stadtteil von Saporischschja)
Chortitza/ Хортица
1789
Insel Chortitza
zerstört 1917, heute Ostriw Chortyzja/ Острів Хортиця (im Stadtgebiet von Saporischschja)
Ostrow Chortitza/ Остров Хортица
1789
Alt-Kronsweide
auch Bethania, Welykyj Luh/ Великий Луг (Stadtteil von Saporischschja)
Weliki Lug/ Великий Луг
1789
Einlage
Kitschkas/ Кічкас (im Norden von Saporischschja, Rajon Lenin)
Kitschkas/ Кичкас
1789
Neuenburg
Malyschiwka/ Малишівка
Malyschewka/ Малышевка
1789
Neuendorf
Schyroke/ Широке
Schirokoje/ Широкое
1789
Rosental
Kanzeriwka/ Канцерівка (teilweise im Stadtgebiet von Saporischschja)
Kanzerowka/ Канцеровка
1789
Schönhorst
Rutschajiwka/ Ручаївка
Rutschajewka/ Ручаевка
1797
Schönwiese
(südlicher Stadtteil von Saporischschja)
Schenwise
1803
Burwalde
Baburka/ Бабурка
Baburka/ Бабурка
1809
Kronsthal
Kronstal/ Кронсталь, Dolynsk/Долинск
Dolinsk/ Долинск
1812
Osterwick
Pawliwka/ Павлівка (Teil von Dolynske)
Pawlowka/ Павловка
1816
Schöneberg
Smoljane/ Смоляне
Smoljanoje/ Смоляное
1823
Alt Rosengart
Nowoslobidka/ Новослобідка
Nowoslobodka/ Новослободка
1824
Blumengart
Kapustjane/ Капустяне (auch Kapustjanka/ Капустянка; existiert nicht mehr als Ort)
Kapustjanka/ Капустянка
1824
Neuhorst
Selenyj Haj/ Зелений Гай (früher Ternuwate/ Тернувате)
Selenyj Gaj/ Зеленый Гай (Ternuwatoje/ Тернуватое)
1833
Neu-Kronsweide
Wolodymyriwske/ Володимирівське
Wladimirowkskoje/ Владимировское
1860
Gerhardstal
nach Überfall 1919 flöhen die Bewohner, existiert nicht mehr als Ort, nahe Tscherwonyj Jar
Tschernoglasowka/ Черноглазовка
1867
Petersdorf
nach Überfall zerstört
1869
Adelsheim
Tochterkolonie von Chortiza
1869
Eichenfeld
Tochterkolonie von Chortiza, nach Überfall 1919 zerstört
1869
Franzfeld
Tochterkolonie von Chortiza
1869
Hochfeld
Tochterkolonie von Chortiza
1869
Nikolaifeld
Tochterkolonie von Chortiza
1878/1880
Neu Rosengart
Schmeryne/ Жмерине
Schmerino/ Жмерино
1880
Kronsfeld
Udilenske/ Уділенське
Udelenskoje/ Уделенское (auch Chutor Udelnenskij)
1889
Paulheim
1919 nach Überfall zerstört
1889
Reinfeld
1919 nach Überfall flohen alle Bewohner
Mariental
Landgut, auch Lutschinowo/ Strahlendorf, nach 1918 untergegangen
Quellen:
Dr. Karl Stumpp: Zusammenfassender Bericht über die 19 deutschen Siedlungen des Chortitza Gebietes auf der Westseite des Dnjepr, Gen. Bez. Dnjepropetrowsk, vom 5. November 1942
Verschwundene deutsche Dörfer im Rayon Chortitza, Kreisgebiet Sapososhje, Generalbezirk Dnjepropetrowsk; Der Reichsminister für die besetzten Ostengebiete. Kommando Dr. Stumpp. Kreisbeauftragter Gerhard Fast; Chrortitza den 5. Oktober 1942
Dialektologie. 2. Halbband; herausgegeben von Werner Besch,Ulrich Knoop,Wolfgang Putschke,Herbert E. Wiegand; Walter de Gruyter, 2008
Huebert, Helmut T. and Susan Huebert. „Great Trek, 1943-1945.“ Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online
wikipedia
Aktenstück Geh. Staatsarchiv Berlin, N 7 B n 25 a Fasc 16/Arta in: Die Auswanderung aus der Danziger Mennoniten-Gemeinde nach Russland. Von Franz Harder, Danzig. Aus den „Mitteilungen des Sippenverbandes der Danziger Mennoniten Familien Epp-Kauenhowen-Zimmermann.“ Göttingen.1937, Heft 4, 6, 1939 Heft 2 und 1941 Heft 6. ↩︎