Zur Erinnerung an unsere Vorfahren, die als Migranten aus Süddeutschland in die Welt zogen

Schlagwort: Bessarabien (Seite 2 von 6)

Karl Schmidt – Kischinew

Da auf dieser Briefmarke 1 der Bürgermeister von Kischinew gewürdigt werden sollte und es mich neugierig machte, wer er war, stellt sich mir inzwischen die Frage, ob es nicht zu einer Verwechslung der Personen auf der Marke kam.


Zunächst jedoch – wer war Karl Schmidt?

Geboren wurde er als Carl Ferdinand Alexander Schmidt am 25. Juni 1846 in Belz (Bel’tsy). Sein Vater war Dr. med. Alexander Christoph von Schmidt (26.8.1805 Riga-7.11.1886 Kischinew) – Arzt I. Klasse, Operateur der Bessarabischen Medicinal-Verwaltung, Hofrat, Stabsarzt und Sohn des Maurermeisters Carl Friedrich Schmidt aus Riga2. Seine Mutter war Teresia Iosifowna Tysskaja, Tochter eines polnischen Arztes.

Das Familienbuch von Kischinew gibt zudem noch eine Bruder Woldemar (Wladimir Iosif) an, der um 1845 geboren wurde und 1870 ertrunken sein soll.

Schmidt´s Vater hatte 1825-1829 in Dorpat studiert und wurde auf Grund seiner späteren Leistungen am 21.9. 1883 in den Adelsstand erhoben.

Carl Ferdinand Alexander Schmidt, Untersuchungsrichter – Kollegiums – Sekretär, ehelichte am 31.12.1874 in Kischinew Maria Iwanowna Kristi, Tochter des Gutsbesitzers Johann Kristi und der Alexandra geb. Nielielow aus Telesheu.

Aus dieser Ehe gingen die Kinder Alexander (1874-1954), Vladimir (1878-1938), Maria (*1880) und Tatiana (1881-1945) hervor.


Nachdem der Kischinewer Bürgermeister und Schwager Schmidt´s, Cliementie Sumanschi, überraschend bei einer Brandkatastrophe ums Leben kam, wurde Karl Schmidt im selben Jahr zum Bürgermeister gewählt und blieb es bis 1903. Sein Einfluss auf die Entwicklung und Ausgestaltung der Stadt durch Förderung einer regen Bautätigkeit ist noch heute unübersehbar.

Zu seine größten Projekten gehörte die öffentliche Wasserversorgung und Kanalisation. Als erstes öffentliches Verkehrsmittel wurde eine Pferdebahn eingerichtet, die an einen privaten Unternehmer vergeben wurde. Die Straßen wurden gepflastert und für die Pflege der öffentlichen Parks  wurde Franz Kühn als Stadtgärtner eingestellt.

Альбома Городских Голов Российской Империи. 1903 г.3
Alexander Bernadazzi

Zusammen mit seinem Freund Alexander Bernadazzi und dem Stadtarchitekten Leopold Scheidewandt wurde eine Bauordnung erlassen, sie regelte die Hausgröße im Verhältnis zur Straßenbreite, den Abstand der Bauten, die Größe der Höfe, die Tiefe der Kellergeschosse, die zu verwendenen Baustoffe und mehr.

Schmidt war stetig unterwegs und überprüfte persönlich jedes neue Gebäude, das sich im Bau befand. Allein 1886 wurden 61 Neubauten geplant.

Natürlich wurde nicht alles, was angedacht wurde, auch umgesetzt.  Die Duma umfasste damals wohlhabende Leute, vor allem Geschäftsleute. Sie hatten ihre eigenen Interessen. Stimmberechtigt waren nur diejenigen, deren Haus mehr als 1000 Rubel kostete. Bürgermeister Schmidt hatte zu diesem Zeitpunkt kein Eigentum, daher stimmte er durch einen Bevollmächtigten ab und wies auf das Eigentum seines Vaters hin. Dessen Haus befand sich in der Mitropolit Varlaam, 84 (colţ str. M. Eminescu).

Zu den heute noch vorhandenen Gebäuden gehört der Wasserturm, einst als Zwillingsturm angelegt, wurde einer im zwanzigsten Jahrhundert gesprengt.

Quelle: oldchisinau.com

Bereits 1877 wurde das neue Rathaus errichtet, das neue Wappen von Chisinau 1878 genehmigt. Es entstanden zwischen 1877 und 1881 Häuser für Behinderte, eine Kirche (1880), die Handwerksschule, die Alexander-Realschule (1881), eine Kapelle zu Ehren der bulgarischen Miliz (1881-1882), ein
Kinderkrankenhaus (1884) und das
Denkmal für Puschkin (1885). Die Stadtduma genehmigte dafür 1000 Rubel. Es entstanden eine Schule und Straßenbeleuchtung (1886), das Museum für Geschichte der Region und die Pferdebahn, es erfolgte der Wechsel der Turmuhr auf dem Triumphbogen (1889). Die Obstbauschule – spätere Weinbauschule – erbaut (1890),  die Kirche des St. Panteleimon (1891) und die Uhr auf dem Narthex der Chuflin Kirche, am Eingang zum Rathaus und Mariä Himmelfahrt, sowie der erste Teil der Stadtwasserversorgung (1892). Eine Wasserversorgungsstation (1893) und die Psychiatrische Klinik (1893-1895). Man sorgte für Zeichenkurse der Studenten und gründete den Musikverein „Harmonia“, erbaute die Städtische Kunstschule (1894), sowie die Kapelle des Gymnasiums und die Kapelle der griechischen Gesellschaft (1895). Eine Handelsschule wurde durch Schmid 1899 gegründet.

Bis 1903 entstand so eine repräsentative Provinzmetropole mit zahlreichen prachtvollen Bauten, obwohl in der Stadtkasse ständiger Geldmangel herrschte. Als Vorsitzender der Stadtbank versuchte Schmidt sogar, die Schuldenlast abzubauen, indem er nach dem Vorbild von Warschau die Neuregelung der Immobiliensteuer und die Besteuerung von auf Straßenland abgestellten Baustoffen regelte.

Besondere Aufmerksamkeit widmete Schmidt dem Gesundheitswesen, der Armenhilfe und der Volksbildung. Das 1891 eröffnete Krankenhaus für Infektionskrankheiten führte Behandlung kostenlos durch und ließ Arzneimittel an Arme gratis ausgegeben. Auf eigene Kosten baute er u.a. ein Haus für die Armenspeisung. 

Auch an der kulturellen Entwicklung der Stadt nahm Karl Schmidt regen Anteil. Eine besondere Vorliebe hegte er für die Musik, sein Traum war die Eröffnung eines Operntheaters wie in Odessa.

1901 wurde Schmidt zum letzten Mal zum Stadtoberhaupt gewählt. Jedoch mehrten sich die Stimmen, das sein Alter bereits bedenklich war.


Pawel Alexandrowitsch Kruschewan (1860-1909)

1897 wurde in der Stadt die russische Tageszeitung Бессарабец (Bessarabetz – der Bessarabier) durch den Journalisten Kruschewan gegründet. Sie hetzte offen mit antisemitische Schlagzeilen und propagierte, welche „Blutsauger, Parasiten, Ausbeuter und Betrüger“ die christliche Einwohnerschaft unter sich hätte. Unmerklich änderte sich die Stimmung in der Stadt. Dazu sollte man wissen, der Anteil der Juden in Chișinău (ca. 110.000 Einwohner) betrug im Jahr 1903 etwa 46%.

Dann begann die „Ritualmord“ Hetze.

Der christliche Junge Mikhail Rybachenko wurde etwa 40 Kilometer nördlich von Kischinew in Dubăsari in einem Brunnen tot aufgefunden. Die Zeitung Бессарабец verbreitete das Gerücht, der Junge wäre zu einem rituellen Zweck getötet worden und anschließend hätte man seine Leiche in den Brunnen geworfen. Sie forderte „Tod allen Juden!“ und „Kreuzzug gegen die verhasste Rasse!“. Das tatsächlich ein Christ diesen Mord begangen hatte, nahm niemand mehr wahr. Auch die durch die Regierung veranlasste Berichtigung in der Бессарабец änderte an der inzwischen aufgeheizten Stimmung nichts mehr.

Kurz darauf verstarb ein christliches Mädchen, welches Dienstmädchen bei einem jüdischen Kaufmann war. Der Kaufmann hatte nachts ihr schmerzvolles Stöhnen gehört und ließ sie, den Ernst der Lage erkennend, umgehende in das am nächsten liegende Krankenhaus bringen. Sie verstarb jedoch in dem jüdischen Krankenhaus, hatte den Ärzten jedoch zuvor erklärt, das ihr Dienstherr unschuldig sei, sie Gift genommen hätte, da sie sich umbringen wollte.Trotzdem machte die Mär vom „Ritual vor Ostern“ die Runde.

Der Staatsrabbiner begab sich zum russisch-orthodoxe Bischof von Kischinew, jedoch war dieser inzwischen von Zweifeln behaftet. Auch der Vize-Gouverneur Ustrugow, Zensor, Projektor und Mitarbeiter des Бессарабец, angeklagt und vom Senat der üblen Hetze für schuldig bekfunden, machte weiter wie bisher: „Für Juden gibt es kein Gesetz, man kann mit ihn tun was man will.“

Zwei Wochen vor Ostern traf man sich im Hotel „Rossia“, der „Wohltätigkeitsverein“, bestehend aus der Intelligenz und Beamtenschaft hatte Gelder gesammelt. Diese wurden nun für den Kauf von Waffen und den Druck von Flugblättern verwendet: „Auf Grund eines Ukas des Zaren ist es den Christen während der drei heiligen Ostertage erlaubt, mit den Juden ein blutiges Gericht („Krowawaja rasprawa“) zu halten“ oder „Gottes Strafe gegen die Bilderfrevler !“, man fand als Unterzeichner „Moskau, im Hause des Klosters zum heil. Macarius, Grosse Lubianka – Strasse. Gedruckt durch das Beichtkomitee des Heiligen Synods zu Petersburg, am 4. Februar 1903. Der Zensor: Alexander Jeremonach.“

Der Kischinewer Polizeimeister äußerte, in einigen Tagen werde man gegen die Juden losgehen. Einige Tage vor Ostern kam der Polizeikommissar Dobrosselski in die Zigarettenhandlung des Juden Bendersky und nahm 5 Rubel aus der Kasse. Der Jude sah verwundert diesem seltsamen Akt zu, da sagte der Kommissar : „So wie so werden wir zu Ostern alle Juden abschlachten“

In der Schenke „Moskwa“ war das Zentral-Agitationslokal. Ein Diener dieser Schenke, der Tausende Zettel verteilte, hatte später erzählt, dass er in einem Brief mit dem Tode bedroht worden sei, wenn er die Zettel nicht verteile.

Bedenken der jüdischen Bewohner wurden zerstreut, man hätte Vorkehrungen getroffen, sie sollen ruhig bleiben, während der Feiertage zu Hause bleiben, die Läden schließen und keinen Streit anfangen.

Die Nacht von Samstag (18. April 1903) auf Sonntag war finster und regnerisch. An jeder Ecke der äußeren Stadtstraßen stand ein Polizist. Sie sollten Fremde nicht in größerer Anzahl in die Stadt lassen, sie ließen natürlich scharenweise Fremde, vor allem Bauern, in die Stadt.

Am Sonntag Morgen dachte sich niemand etwas, man ging ganz normal in die Synagoge. Mittags überfiel plötzlich, ohne jeden Anlass, eine Gruppe Jugendlicher die ersten Juden. Sie liefen danach davon und begannen, die Fensterscheiben von Häusern und Läden einzuschlagen. Weil die Polizei sie nur verscheuchte und niemanden verhaftete, nahm man die Polizei nicht ernst.

Es war etwa 3 Uhr nachmittags, als plötzlich auf dem Platze Nowyi – Bazar ein Haufen von Männern in rote Hemden (Festkleidung der Arbeiter) erschien. Die Leute brüllten wie Besessene: „Tod den Juden ! Schlaget die Juden !“

Von der Schenke „Moskwa“ aus teilte sich dieser Mob von einigen Hundert in 24 Abteilungen zu etwa 10 bis 15 Mann. Nun begannen in 24 Teilen der Stadt systematische Plünderungen der jüdischen Häuser und Läden. Steine wurden in solcher Menge und mit solcher Wucht in die Häuser geworfen, dass man alles zertrümmerte. Türen und Fenster wurden heraus gerissen, alle Einrichtungen zerstört. Damen der „besten Gesellschaft“ nahmen Kleidungsstücke, zogen sich an Ort und Stelle seidene Mäntel an oder wickelten sich in kostbare Stoffe. Selbst die Polizei plünderte das Schuhwarenmagazin in der Gostinaja -Straße und stahl alle Stiefel.

Die Wut der Plünderer steigerte sich bis zur Raserei. Christlichen „Judenfreunden“ zerstörte man ebenfalls einzelne Häuser. Ironischer Weise wurde der Redaktion des Бессарабец und der Verwaltungskanzlei des Gouvernements ebenfalls einige Scheiben eingeschlagen.

Um 5 Uhr nachmittags gab es den ersten Mord an einem Juden. Man stürzte sich auf eine Pferdebahn, in der sich ein Jude befand, und rief: „Werft uns den Juden heraus !“ Der Jude wurde aus der Bahn geworfen und man gab ihm von allen Seiten so furchtbare Schläge auf den Kopf, dass der Schädel zerbrach und das Gehirn aus floss. Da die Polizei tatenlos zusah, riefen sie „Erschlaget die Juden!“. Gab es Versuche der Juden, sich zu wehren, wurden sie von der Polizei gehindert oder verhaftet.

Bis 10 Uhr nachts machten die Plünderer und Schläger in der Innenstadt weiter, es folgten in dieser Zeit sieben weitere Morde. Gegen 11 Uhr nachts waren in den Außenbezirken der Stadt noch einzelne Plünderungen zu vernehmen.

Unter der Leitung der Notare Pissarschewsky, Semigradow, Sinodino, Bolinsky, Popow und des Untersuchungsrichters Dawidowitsch wurde danach bis 3 Uhr nachts die Metzelei, die an den Juden vorgenommen werden sollte, geplant. Alle jüdischen Häuser wurden mit weißer Kreide markiert.

Mit Äxten, eisernen Stangen und Keulen bewaffnet, begannen die Schläger am Montag, den 20. April, von 3 Uhr nachts bis 8 Uhr abends zu plündern, rauben, zerstören, jüdisches Eigentum zu stehlen, zu brandschatzen,  vernichten, die jüdische Bevölkerung zu jagen, zu erschlagen, zu schänden und martern.

Alle Schichten der Bevölkerung waren dabei, auch Frauen, die in Banden von 10-20 Personen, aber auch 80-100, über ihre Opfer herfielen.

Männer wurden niedergeschlagen, schwer verwundet oder getötet. Frauen wurden vor den Augen der Männer und Kinder der Reihe nach von den Mördern vergewaltigt. Kindern wurden Arme und Beine ausgerissen oder gebrochen, einzelne wurden aus unteren Stockwerken in die oberen geschleppt und hinab geworfen. Manchmal ergriff man ein Kind und schlug es mit dem Kopf an die Wand, dass das Gehirn austrat.

Vierzig Juden liefen zum Gouverneur, das er doch etwas unternehmen soll, doch dieser erklärte, er hätte noch keine Befehle aus St. Petersburg hätte. Zugleich untersagte er der Telegrafenstation, private Telegramme aufzunehmen, die womöglich nach St. Petersburg gelangen könnten. Danach ließ er die Schutzsuchenden von seinem Hof jagen, wo sie unter seinen Fenstern auf der Straße erschlagen wurden.

Damit es keine Christen traf, gab die Polizei den Schlägern Anweisungen, welche Häuser die jüdischen waren.

Männern und Frauen schlitzte man den Bauch auf, riss die Eingeweide heraus und stopfte Federn hinein. Man sprang und tanzte auf den Leichen, brüllte und berauschte sich an Getränken, Männer und Frauen der sogenannten „besten Gesellschaft“, Beamte und Polizisten sahen lachend zu oder machten mit. Schwangere Frauen wurden mit Stöcken auf den Bauch geschlagen, bis sie an Verblutung starben. Einer schwangeren Frau schnitt man den Bauch auf, nahm das ungeborene Kind heraus und zertrat es mit den Füßen. Frauen wurden, nachdem sie vergewaltigt wurden, die Brüste abgeschnitten, kleine Mädchen wurden vergewaltigt, bis sie unter der Bestialität der Verrohten starben. Ein kleines neunjähriges Mädchen wurde nach der Vergewaltigung in zwei Teile gerissen. In einem Hause wurde die Mutter der Reihe nach von allen Banditen in Anwesenheit ihrer zwei kleinen Töchter vergewaltigt, worauf die Kinder angesichts der Mutter vergewaltigt wurden. Dann wurden sie in ein Schlachthaus getrieben, dort durch Beilhiebe getötet und dann aufgehängt.

Die Liste der Grausamkeiten war unendlich länger und lässt sich hier nicht aufzählen.

Chaja Sarah Panaschi, David Chariton, Jechiel Selzer, Benzion Galanter, Meyer Weissmann, Hirsch Lys, N. Uschemirsky, Hirsch Bolgar, einige wenige Opfer sind noch immer namentlich bekannt.

Wer glaubte, sich durch das Aufstellen eines christlichen Heiligenbildes im Fenster retten zu können, wurde denunziert, angebunden, Hände, Arme und Füße mit großen Nägeln durchbohrt, danach ermordet.

Unter all dieser Gewalt gab es trotz allem einige Christen, die sich menschlich verhielten. Ein Priester, dessen Sohn unter dem Mob war, dann Herr Nasarow, ein Mitarbeiter der Zeitung „Nowosti“, der beinahe selbst erschlagen worden wäre, Ingenieur Kusch, der Obmann eines Feuerwehrvereins, der mittels Feuerspritze ein paar Straßen säuberte.
Der Arzt Doroschewsky,  der Polizeikommissar des dritten Rayons, der in dem ihm unterstellten Bezirk alle jüdischen Häuser vor den Banditen
geschützt hatte. Hauptmann Michajlow, welcher mit seiner Kompanie aus Bendery nach Kischinew eilte, von seinem Oberkommandanten dafür eine Rüge wegen Disziplinarverstoßes bekam, dann jedoch durch Intervention des Oberkommandierenden des Odessaer Militärbezirkes Mussin-Puschkin in St. Petersburg eine Auszeichnung erhielt.

Aber auch der Bürgermeister von Kischinew, Alexander Schmidt, der Gouverneur und Vize-Gouverneur vergeblich aufforderte, etwas zu unternehmen, sowie der Adelsmarschall des Gouvernements Krupensky, durch dessen Hilfe von Bendery aus Montag früh der jüdische Doktor Mutschnik nach Petersburg die Geschehnisse telegrafieren konnte und der sein Haus als Lazarett für die verwundeten Juden zur Verfügung stellte.

Die „Times“ druckte am 7. April 1903 einen Brief ab:

Ministerium des Innern. Ministerialkanzlei.
N 341, den 25. März 1903.
Absolut geheim.

Dem Gouverneur von Bessarabien. Es ist zu meiner Kenntnis gelangt, dass in dem Ihnen anvertrauten Gebiete Unruhen gegen die Juden vorbereitet werden, die ja hauptsächlich die einheimische Bevölkerung ausbeuten. Angesichts der allgemeinen Unruhe der städtischen Bevölkerung und angesichts dessen, dass es unerwünscht wäre, durch allzustrenge Massregeln gegen die Regierung gerichtete Gefühle in die noch nicht von der revolutionären Propaganda berührte Bevölkerung hineinzutragen, wird Ihre Exzellenz die sofortige Unterdrückung der vielleicht ausbrechenden Unruhen nicht durch Waffengewalt, sondern durch Ueberredungsmittel zu erreichen suchen.
Gezeichnet : Plehwe.

Vyacheslav Konstantinovich von Plehve (1846 – 1904)

Es wurde bewiesen, dass, so oft Plehwe im Ministerium war, Exzesse gegen die Juden, stattfanden, bei denen Plehwe die Hand im Spiel hatte. Kruschewan bekam von ihm für den Бессарабец 25.000 Rubel als Subvention. Durch Plehwe erhielt Kruschewan die sonst in Russland sehr schwer erhältliche Erlaubnis zur Gründung des Blattes „Znamja“ in Odessa. Als Kruschewan nochmals eine Subvention verlangte und Finanzminister Witte erklärte, diesen Posten nicht bewilligen zu können, verschaffte Plehwe ihm bei einer der Regierung unterstellten Bank einen hohen Kredit gegen dessen Solowechsel.

Endlich, Montag um 5 Uhr nachmittags, kam die Antwort des Ministers Plehwe, gegen 6 Uhr abends rückte dann Militär aus, die staatliche Gewalt wurde dem Militärkommandanten übergeben, die Lage in der Stadt beruhigte sich. Anrückende Plünderer des Umlandes wurden am Eindringen in die Stadt gehindert und nach Hause geschickt.

Die Bilanz dieser beiden  Ostertage:

An Ort und Stelle wurden 47 Menschen getötet, 437 verwundet, davon
92 schwer. Von diesen schwer verletzten erlagen viele ihren Verwundungen, unter den leichter verletzten erlitten viele lebenslängliche Verkrüppelungen. Es gab über 100 Waisen, 8.000 Familien, das waren rund 25.000 Menschen, wurden an den Bettelstab gebracht. Die Opfer des überwiegenden Teil der aller ärmsten Schichten der Bevölkerung beklagten zudem rund 10.000 Obdachlose. Der jüdische Mittelstand wurde weniger hart getroffen, fast unberührt blieben die reichen Juden.

Dazu kamen über 700 zerstörte Gebäude und etwa 600 geplünderte Geschäfte mit einem Schaden von umgerechnet 8.000.000 Mark (1903).

Im Ganzen verstarb unter Nichtjuden ein Zigeuner eines natürlichen Todes und ein junger Mann, der zum Ende der Exzesse während einer Rauferei erstochen wurde.

Es gab im Anschluss etwa 800 Verhaftungen, man ließ 150 am nächsten Tag aus „Mangel an Beweisen“ frei. Polizeimeister Chanschenkow verkündete: „Wer die bei den Juden geraubten Sachen und Waren während der nächsten zwei Tage zurückerstattet, wird nicht bestraft werden.“

Mit der Untersuchung wurde unter anderen der an den Ausschreitungen beteiligte Richter Davidowitsch betraut.

Am Tage nach den Exzessen erfolgte die erste „Großtat“ des Gouverneurs von Raaben. Er bewilligte gnädigst, dass dem eben organisierten Hilfskomitee der Damen vom Roten Kreuz 5000 Rubel zur Verfügung gestellt werden. Das Geld entnahm er der Koscherfleischtaxe, die von den Juden zur Deckung der laufenden jüdischen Bedürfnisse gezahlt wurde und ließ es auch für die Familien der verhafteten Exzedenten verwenden.

Der Militärkommandant von Kischinew, dem die jüdische Bevölkerung danken wollte, erklärte:

„Ich habe nur meine Pflicht getan. Ihr Juden aber sollt wissen, dass der Exzess, unter dem ihr jetzt gelitten habt, von Euch herrührt. Davon, dass Ihr die Bevölkerung jahrelang ausgebeutet habt, Schon jetzt nach dem Exzesse habt Ihr alle Preise der Waren in die Höhe getrieben.“

Diese Lüge fand bald ihren Weg in alle antisemitischen Blätter.

Der militärische Oberkommandierende des Odessaer Bezirkes, Graf Mussin – Puschkin schilderte die Geschehnisse in Kischinew als „die Taten von Wilden in den fernsten Teilen Afrikas“.

Gouverneur von Raaben wurde daraufhin seine Amtes enthoben und dem Ministerium des Inneren (Plehwe) zugeteilt.

Der bisherige Vice-Gouverneur Ustrugow, ein Antisemit und verstrickt in die Vorgänge, wurde makaberer Weise zum neuen Gouverneur ernannt.

Gnetschin und Marosjeik, zwei der Rädelsführer, wurden zu fünf bzw. sieben Jahren Zuchthaus verurteilt, 22 Angeklagte erhielten Strafen von ein bis zwei Jahren, zwölf Angeklagte wurden frei gesprochen. 50 Schadensersatzklagen wurden abgewiesen.4


Bustul lui Carol Schmidt din fața Filarmonicii Naționale „Serghei Lunchevici“

Nach dem Juden-Pogrom am 19. April 1903, trat Carl Schmidt von seinem Amt zurück, entsetzt, zu welchen Ausschreitungen die Bürger seiner Stadt fähig waren.

Als Schmidt am 9. April 1928 starb, folgte man seinem Wunsch, kein großes Ehrenmal zu errichten und stellte nur ein einfaches Holzkreuz auf sein Grab.

Der lutherische Friedhof wurde in den 1950er Jahren eingeebnet, dort steht heute  das Kino „Gaudeamus“, jedoch wurde ihm ein Denkmal errichtet.

Soweit zu Karl Schmitd, dem Bürgermeister von Kischinew.


Und nun zurück zur Eingangsfrage – wer ist auf der Briefmarke ? Der Architekt Carl Emil Michael Schmidt ?


Carl Schmidt (1866-1945) im Jahre 1897

Am 21. Dezember 1866 wurde in St. Petersburg der Architekt Carl Emil Michael Schmidt geboren. Sein Vater, der Schiffsingenieur Karl Friedrich Adolf Ferdinand Schmidt (4.1.1834 Anklam – 27.3.1919 Stralsund) und seine Mutter Olga geb. Wenig (27.1.1844 – 18.11.1911 St. Petersburg) heirateten in St. Petersburg am 5.6.1864.

Carl Schmidt studierte an der St. Petersburger Akademie der Künste. Seine Villen und Häuser im Backsteinstil schmücken die Straßen von St. Petersburg.

Einige Beispiele:

Sterbeurkunde Nr. 236/1945

1897/98. Villa von V. Tiss. Sjezzhinskaya ul, 3
1897/99. Alexandra Asyl für Frauen. Bolshoy Prospekt V. O., 49-51
1899/1900. Gebäude der Firma Faberge. Bolshaya Morskaya ul., 24
1900/01. Villa und das Büro von Paul Forostovski. 4 liniya V. O., 9
1900/04. Eigene Villa in Pawlowsk. 2-ya Krasnoflotskaya ul., 7
1901/02. Mehrfamilienhaus. Chersonskaya ul., 13
1907. Neubau einer Mädchenschule von Emilie Schaffe. 5-ya liniya O. V., 16

Verehelicht war Carl Schmidt mit Erika Sophie Leon. Johannsen (1.2.1875 Tver – 16.6.1953 Potsdam) seit dem 9.11.1897 in Tver. Im Herbst 1918 musste die Familie Schmidt Russland verlassen und nach Deutschland zurückkehren.

Hier starb er am 8. August 1945 in Groß Ottersleben bei Magdeburg.


Entscheiden Sie selbst – wer ist auf der Briefmarke? Karl Schmidt, der Bürgermeister oder Carl Schmidt, der Architekt?



1 Ministére de la technologie de l’information et des communications Republique de Moldova – http://www.moldovastamps.org/catalogue_stamps_issue.asp?issueID=2050&lang=En, public Domain

2 Album der Landsleute der Fraternitas Rigensis 1823-1887; Riga 1888; Ernst Plates Buchdruckerei, Lithographie und Schriftgiesserei bei der Petri-Kirche, im eigenen Hause. S. 17

3Альбом Городских Голов Российской Империи 1903 г.

4Nachrichten Herold, Sioux-Falls, Süd-Dakota, 31.12.1903

Fotos Kischinew aus: Berthold Feiwel: Die Judenmassacres in Kischinew von Told. Mit einem Weiheblatt von E. M. Lilien und Illustrationen. Juedischer Verlag Berlin SW. 47; 1903

E. Vogt, B. M. Kirikov. Architekt Karl Schmidt: Leben und Werk. St. Petersburg, 2011.

Voigt E., Heidebrecht H. Carl Schmidt. Ein Architekt in St. Petersburg. 1866—1945. Augsburg, 2007.

alle weiteren unbezeichneten Fotos: Wikipedia, public domain

Bessarabisch

Mit der Auswanderung kamen natürlich Sprachschwierigkeiten auf die Kolonisten zu. So wurde 1813 ein Wörterbuch mit russischen Redewendungen herausgegeben, um den Ansiedlern eine Hilfestellung im Alltag zu geben.

Die Sprache der Ansiedler mischte sich mit der einheimischen zu einem eigenen Dialekt.

 bessarabischBedeutung
A  
 älldrittständig
 älleweilandauernd
 älritjeden Augenblick, immer wieder
 a Grotteine Kröte
 a rotes Röckle verdienesich hervortun, auf sich aufmerksam machen, Anerkennung finden
 a Wutzeleein Schwein
 a Hehlekleines Huhn
 AauäAugen
 Abgaschtschlechter Mensch
 abgerädabgesprochen
 abgrissabgerissen
 abmarachtgeplagt, angestrengt
 AbnemmerFotograf
 AfogatAnwalt
 agäräpflügen
 Ahna und ÄhneOma und Opa
 ahnsäwehklagen, jammern, stöhnen
 AiroblanFlugzeug
 alle gebottimmer wieder
 annawegtrotzdem
 AplApfel
 ArschienLängenmaß, 1 Arschien = 0,7111 Meter
 ArschkrazelHagebutte
 AtzellElster
 ausgschnipfeltausgeschnitten
 ausnähensticken
 austrucksajmd. hereinlegen, überlisten
 austuckaüberlisten
 awer hordichaber schnell
 awweraber
 awwerhoorAugenbrauen
B  
 BabbrichPaprika
 BabuschaHausschuhe
 Babuschaleichte Lederschuhe
 BachelDummkopf
 BagaschGepäck
 BahmBaum
 Bahmollaextrem empfindliche, verletzliche Person
 BaklaschanAuberginen
 BalldoWinter Mantel
 BallschannäTomaten
 ballwerärasieren
 BalweräRasieren
 Bangelekleines Glas, Honigglas
 Bankäein grössere Glas, Behälter
 Baporololoals Fluch gebraucht, heute etwa: „Mist“
 barbarischschlechtes benehmen
 BarchetInlett
 Barichkastrierter Eber
 barotzaringen, herumalbern
 barotzeringen
 BarwoßLockomotiwe
 BasGroßtante, Urgroßtante
 BaschtanMelonen- und Gemüsefeld
 BasilkiPaket
 Basskä BrotSüßbrot zu Ostern der Ortodoxen
 BatledschanaTomaten und Auberginen
 BatleschannaTomaten
 BattlschanneTomaten
 batlischannegefülltes Maisfladenbrot
 BaträTaschenlampe
 BatzaLehmziegel in der Luft getrocknet
 BawerosseZigaretten
 BärheeTeigtaschen
 BäsleTante
 bedläbetteln
 Beem oder BehmBäume
 BehnäBeine
 BehneBoden
 BeigalaKekse
 BeikeleKeks
 Beis-ZangäKneif-Zamge
 BelzemerdeWeihnachtsmann
 BemBäume
 BendlBand, Schleife
 BensincheFeuerzeug
 BenzinkaFeuerzeug
 Bettziach – ZiachBettbezug
 BibanellaKnoblauch
 BideruschkyPetersilie
 BiederuschkyPetersielie
 BilletFahrkarte
 BirogiTeigtaschen Maultaschen
 blättäbügeln
 Blätt-EisäBügeleisen
 BlachtDecke
 bladraentblättern
 BladschindiKürbis Kicheln
 BlasbolgaZiehharmonika
 BlädcheUntertasse
 BlädleUntertasse
 BlätzWundschorf
 BleetcheUnter-Tasse
 blettabügeln
 BlettnickTrimmer .
 Blieraganeidisch-boshafte Augen
 BlindermausSchmetterling
 BlittHerd
 blo = Bleeblau
 BlodMatsch
 BlooderBlase
 BlosbalgaZiehharmonika
 BlosbalkeZiehharmonika
 BlottLehm
 BluchPflug
 BlutsucklerBlutegel
 BobbelWollknäuel
 BobbeleBaby
 BoblKnäuel
 BobschaiMais
 Bobsche bladaMaiskolben entblättern
 BobschoiMais
 BocksbeidlAuberginen
 BockshörnleJohannisbrot
 BodredleBild
 BohnaschäfaBohnenschalen
 BojasBauchgürtel
 BomBaum
 BonbonBonbon
 BordeBehelfsheim aus Lehm
 BorjanUnkraut
 BorjanputscheBüschel Unkraut
 BoslbalgaZiehharmonika
 BoslettEin Lump
 BosotaGesindel
 BotmaneeGeldbeutel-Brieftasche
 BottaÜberziehschuhe
 bralenangeben
 BralerAngeber
 BranduschaSommersprossen
 BranduscheKrokus
 BraschtLauch
 BrenzeichBrennmaterial
 BreschekterTaschenlampe
 BrijeschtBahn-Übergang
 BrimelsaierAuberginen
 BrimmelBule
 Brimmels AjerAuberginen
 BritschedorSteuereintreiber, Steuerpfänder
 BritschkaKutschwagen
 BritschkeKutsche
 BronnaBrunnen
 bronzaurinieren
 BronzhafaNachttopf
 Brot- DaichBrotteig
 BrothangeRegal fürs Brot
 BrudlerNörgler
 Bruns DepcheNacht Topf
 brunsäurinieren
 BuJunge
 Bu, mei BuMein Sohn
 BuicheKleiner Junge
 BumäransäApfelsinen
 BurgaWintermantel
 BurianbesenReiserbesen
 Burjanhohes Steppengras
 BusijakBasilikum
 ButtGewichtseinheit 16 kg
 Butter BlumäLöwenzahn
 ButterblumäLöwenzahn
 ButzaStrunk
 Buwägrößere Jungs
 BuxhernerJohannesbrot.
 Buzaausgedroschener Maiskolben
C  
 ConducterBahnhofsvorsteher
D  
 dabohrichschwerhörig
 dafätaufen
 DampfnudelHefekloss
 dappichungeschickt
 DateVater, Papa
 DödePatenonkel
 DeihengerLausbub
 deitsch rädädeutsch sprechen
 DeitschlännerDeutschländer
 derhemmdaheim
 desch hen i do da na tahdas habe ich doch da rein getan
 DiddlaBrüste
 die Dodädie Toten
 Ditz gennKind stillen.
 Dobbatein Spiel
 DochetPetroleum
 DochiParfüm
 DodePatentante
 Dombackunechter Schmuck
 DorfbüttelGemeindediener
 dorjennaner rädädurcheinander
 dormlichschwindlig
 DorschaStrunk des Kohlkopfes
 DorschichStrunk vom Weiß- auch vom Rotkraut
 dorschtDurst
 dorsickStrunk des kohlkopfes
 dortichalbern
 DretwencheFahrrad
 drialakleckern
 drielenkleckern
 DrielschirzlaLätzchen
 drollichulkig,lustig
 DromwajStrassenbahn
 drumslichschwindlig
 DruschelcherStachelbeeren
 DruschelcherStachelberen
 DruschnikHase, Kaninchen
 DschamberPullover
 DschammadannKoffer
 Du Abgascht.schlechter Mensch
 DubakTabak gepresst
 DuchiParfüm
 DudderwencheMotorrad
 dummlebeeilen
 DuppelDummkopf
 dupplichdumm
 DuppsHinterteil
 dussadraußen
 DutzeBeule
E  
 E Gauschel voll.zwei Hände voll
 E Tohp vollklein wenig
 ebbesetwas
 eckstoiligkariert
 EdehexEidechse
 EhEgge
 eine Gauschel voll Sand.lockerer Sand (in zwei Händen)
 EleGroßvater
 Elezichledig
 EmerEimer
 Endrich & GänserichErpel & Ganter
 EneGroßvater
 ennschiereeinheizen
 ErdhasZieselmaus
 es ewerschdder oberste
 EselsfürzLebkuchengebäck
 EwertEbert
F  
 FäschdFest
 FederbritschBritsche, Kutsche, Federwagen
 FeierdichFeiertag
 FeierwencheAuto
 FerdrawischGänseflügel – Federwisch
 ferig gemachtAufgebot bestellt
 FiezFüße
 firschevorwärts
 FistatscheErdnüsse
 fladererleicht durchspülen
 flattierenjdm. schmeicheln, zureden
 FleckerplächtleFlickenteppich
 FlederwischGänse-, Entenflügel
 FleitschFlöte, Pfeife
 FletterleSchmetterling
 FlintGewehr
 Fluierleichtes Mädchen
 FontalWasserbrunnen
 forrsuffertrunken
 FrijorFrühling
 FruchtWeizen
 FurzerMotorrad
G  
 GäcksgerSchluckauf
 gabsägähnen
 gabsegähnen
 GabuschnjakKirschlikör mit Früchten
 Gallrei /GallereiSülze
 GaloschenÜberziehschuhe gegen Schmutz
 GaluschkenKrautrouladen
 gambertschwimmen
 GatschaEnten
 GautschSchaukel
 gautschenschaukeln
 Gell-riwäMohrrüben
 Gell-Viechjunge Rinder
 gelle?stimmts?
 GemeindeschulzeBürgermeister
 geschliwert vollrandvoll
 GeschraiRadau
 GeschwisterkinnerEnkelkinder
 gewehngewesen
 Gieft ZuckerSüsstoff
 GiggelchenHähnchen
 gleichlichgelenkig
 GlischtenGelüsten, Appetit
 GlufSicherheitsnadel, Brosche
 GluschdaGelüste
 GlutzkerSchluckauf
 gnähtschichschleckig
 gnatschichKuchen oder Brot ist nicht durchbacken
 GnäppTeig-Spatzen
 GnepflaNudeln
 Gnepfladicke Nudeln
 gnieriggeizig
 GogommraGurken
 GolanGauner
 GolanHalunke
 gompPumpe am Brunnen
 gotzigeseinziges
 GrappaschichtaVogelscheuche
 greilichunansebar
 greischä oder schrajeweinen
 Grend/td>Kopf
 Grichalagelbe Pflaumen, Mirabellen
 GriehrGerühr
 GrilltJuchzen, Jauchzen
 GrischtlaDie braune Kruste an den angebratenen Kartoffeln
 GroßduachWolldecke
 grollichlockig
 GrottaschenkelKrickelkrackel, schlechte Schreibschrift
 grubblaaufkratzen
 GrumbeeräKartoffeln
 GruschkiBirnen
 Gschwistrige KinderNichten und Neffen
 GsälzMarmelade
 GugommerGurke
 GummäräGurken
 Gummer, GummereGurke, Gurken
 gwergeltherumdrehen, wälzen
H  
 HaberHafer
 HabusMelone
 HafaSteintopf
 HafakäsIrrtum
 Haipfelgroßes Kissen
 HallsterichSturköpfig
 HaluschkiKohlrolade in Sauerkraut
 HandlombaHandtuch
 Harbibeladener Getreidewagen
 HarbusaWassermelonen
 HarbusenWassermelone
 Harmaneingezäunte Weide
 HarmoschkaZiehharmonika, auch Mundharmonika
 haufich vollgehäuft voll
 HägeleHäckelnadel
 hälingaheimlich
 HändschichHandschuhe
 HänschkiHandschuhe
 Hebriwelchean Stelle von Hefe
 HefelaibleWeinhefe
 HefelaibleHefestückchen
 HefeleKleiner Ton-oder emailierter Topf
 heideauf geht´s, voran
 Heierles machaeine gemütliche Runde einlegen
 HeilandsvögeleMarienkäfer
 Helf GottTagesgruß
 helingheimlich
 helingeheimlich
 helingerheimlich
 henderscherückwärts
 HenklaGardine
 HenschichHandschuh
 heserheiser
 HetzElster
 hinderschefiirvon hinten nach vorne
 HinglHuhn
 Hinnerholichmildes Schimpfwort
 Hinnerigsrückwärts gehen
 hirchelnbrodeln
 HofluckHofgrundstück
 HolobzieKohlroulade
 HorHaare
 Hornigelplötzlicher Hagelschlag
 hornigla?
 hotschnur
 Hubblkleiner Hügel
 HublKleiner Hügel, Maulwurfhaufen
 HububWiedehopf
 huck dichsetz dich
 HudingVieh-Weide
 hudlaoberflächlich
 HulubzieKohlroulade
 HummetPferdegeschir
 hurglarollen
 HutschPfohlen
 HutscherleFohlen
I  
 iberseit machafertig machen, aufräumen
 ieberwindigwindstill
 IkriRogen (Fischeier)
J  
 jommäräjammern
 jonge Kerlejunge Männer
K  
 KärwäKirchweih Fest
 KabatschkiSpeisekürbis
 KabatschkiZucchini
 KaddräKatharina
 KadleddaFrikadellen
 kafa ei’kafakaufen einkaufen
 KaladetzSülze, Tellersülze
 KalligKrüppel
 Kaluppverkommenes Haus, Hof, Zimmer etc.
 KaluschkeKrautwickel
 KannschugHirten-Peitsche
 Kantschukneunschwänzige Katze
 KapMütze
 KappMütze
 karachoschnelles Tempo
 KarehtZweispänner Kutschwagen
 KarligäSchäfer-Hacken Stock
 karowaKuh
 Karunselcher unn Schnäckeschwänz? und Schneckenschwänze
 KarutseleWägele
 KarutzWagen mit einem Pferd
 KaschdaAussteuertruhe
 Kaschtrollgrößerer Topf
 KatschuppHaarknoten
 Kächelekleiner Kochtopf
 KärwisKürbis
 KärwisplatschindäKürbispalatschinken
 käschtligkariert
 käsknöpflaTeigtaschen mit Quarkfüllung
 KäskrapfenKäsknöpfle
 kemmakämmen
 KemmichDill
 KerbsäKürbis
 Kerna kiefaKörner knacken
 Kerner knabbäSonnenblumenkerne essen
 Kerner knaxsaSonnenblumen Körner mit den Zähnen knacken
 kettgehabt
 kettrichlose gestrickt
 KirbsaKürbis
 KirbsakiachleKürbisküchle
 KlabottSchwierigkeit
 KlapottÄrger
 KlaunschSchaukel
 KlederKleider
 KliefleBrosche,Anstecknadel
 KlingelKnäuel
 KneißleEndstück vom Brotlaib
 KnochahutschaSpielzeug-Pferdegespann
 Knodärämeckern
 KnofelKnoblauch
 KnowlochKnoblauch
 knuschtläinteressenlos arbeiten
 koarichgeizig
 KohrmausFeldhamster
 KolodezAspik oder Sulz
 koltrahusten
 KondukterLockführer
 KoormausFeldhamster
 KopKopf
 KopitzaStroh- und Heuhocken
 KorschtKruste
 kräppslaklettern
 KrabbaKrähen
 KrautstandSauerkrautfass
 KrawallUnruhe- Lärm
 KruschkieBirnen
 KubscheEinschreiben, Kaufvertrag
 KudläGedärme
 kumäkommen
 KumetterPferdegeschir
 KuradellVerhör
 KutterMüll
L  
 „lang Kathre“Durchfall
 LadSarg
 lafälaufen
 LafkeKaufladen
 lagomrichraffgierig
 langmogichlangärmelig
 LatwerchMarmelade
 LebkichlaPlätzchen
 LefzLippe
 LeiflaStreifen in Bezug auf Textilien
 lesälesen
 letzfalsch, verkehrt
 liadrichgemein, schlitzohrig, kaputt
 Liderichfaul
 liderich do leijefaul da liegen
 LiderlichFaul
 LimonäZitronen
 LodgeBoot
 lohlichlauwarm
 lommeligkraft-, saftlos, ohne Energie
 LottkäRuderbot
 lucklocker, leicht, mürbe
 LuderAas oder schlechter Mensch
 LuftschiffFlugzueg
 LumbaLappen
M  
 mädänaner rädämiteinander reden
 MädleMädchen
 MaagMohn
 magämachen
 Maiwechekleine Mauer
 MalajMaiskuchen
 mamälaiKuchen aus Maismehl
 Mamalig mit DungadeMaisbrei mit Soße (Tunke)
 MamalikaMaisbrei
 MamleiMaisbreiauflauf
 MamlikMaisbrei
 Mamme und TaddeMutter und Vater
 MammelickMaisbrei
 MarläMulbinden Verband
 Marodieerschöpft, ausgelaugt
 MaroschnaSpeise Eis
 Maschkedicke, beleibte Frau
 MaslinäOliven
 MasslinnaOliven
 MaulharfMundharmonika
 MärzaveigelaVeilchen
 MemmeleSchnuller
 merläMullbinde (Verband)
 met gebrugmit gebracht
 meuje gehnbesuchen gehen
 MickäStuben-Fliegen
 miedmüde
 MilichMilch
 Mit Dir han i bloß GlabottMit Dir hab ich nur Schererei
 ModcheMädchen
 MoldauwanerMoldawier
 MolltMolle
 MolodetzKönner
 moschderäauftakeln
 MurwolfMaulwurf
 Muschikeinfacher Mann, Bauer
 musslinasschwarze Oliven
N  
 NachtgrappEule
 narchangeberisch
 nasaweisneugierig
 NastüchleTaschentuch
 NawellNabel
 näbanadaneben
 närrichtein bisschen verrückt
 nebadraußairrsinnig
 neemäholen
 NegalaNelken (Blume)
 NehtzNähgarn
 neischierichneugierig
 NemaNamen (Mehrzahl)
 nemmenicht mehr
 newä drandaneben
 niminicht mehr
 noorebeiseite
 nore machensich beeilen
 NuschnickAussentoilette
 NuschnikAbort
 NuschnikToilette, stilles Örtchen
O  
 OderAder
 Okä WeinWein Porzion
 OschträOstern
 owäoben
 OwendAbend
P  
 PaderPfarrer
 PaldoMantel
 PaldoMantel ?
 PaprichPaprika
 PastramRauchfleisch?
 PatlitschanaTomaten
 PatlitschanäTomaten
 PaudrakettePerlenkette
 päbeng, dicht
 PeifPfeife
 PfefferPaprika
 PfefferschotePaprikaschote
 PfeffersoßPaprika-Würzgemüse als Wintervorrat
 PflujerPfeife (Trillerpfeife)
 pfuffernneugierig
 pfuffertneugierig
 PholPfahl
 PirozRegenwurm
 pischpereflüstern
 PlachtDecke, Umhang
 PlatschentaPalatschinken
 Platschentasüßes Kürbisgebäck
 PlattschindiKichel mit Kürbis
 Platzkezu flach gewordenes Brot
 PlazkyHefefladen
 PlättleUntersetzteller, Kuchenteller
 PletcheUntertasse
 PletteiseBügeleisen
 PlettleUntertasse
 PlitteHerd
 PlodderBlase
 plogaplagen
 PlottMatsch
 PodderschnurPerlenkette
 podraPerle
 PopscheMais
 PoschtarKutscher
 PotrettleFotoaufnahme
 Potzunbeholfen, Dummer
 PrietschkiEinspänner Kutsche
 PrijestBahnübergang
 PrimmelBule
 Pripasherrenloser Hund
 prostdumm, einfältig, einfach
 ProtschektorTaschenlampe
 PudelmützeMütze für den Winter
 pudlichzerzauste Haare
 PudlkappPelzmütze
Q  
   
R  
 rädäreden
 raicheräräuchern
 RaskaskaWitz, spaßige Erzählung
 RawäRaben
 RechaRechen, Harke
 ReefReifen
 ReffRaufe, Heuraufe
 ReffGarderobe
 RegglchäRöckchen
 RehnRegen auch rein & sauber
 reidäreiten
 Retsch WeibKlatsch Weib
 RewulwerPistole
 RiaselRüssel
 RiebalaStreusel
 RohrSchilf
 RotzlereiSchnupfen
 rum gelschternrumgeistern
 RuseinäRosinen
 Russische Zeitung lesaSonnenblumen Kerne knaksen
 Rutscherlekleiner flacher Handwagen
S  
 schneetschneit
 sachtelangsam
 SaguskiUntersetzteller, Kuchenteller
 SaichUrin
 saichaurinieren
 SamschdichSamstag
 SandhasPerlziesel
 SaublaodrSchweinsblase
 SauerrammelSauerampfer
 Saukerleschmutziger Junge
 sälljenes
 schänäschimpfen
 SchäsloChaiselongue, spezifische Variante eines Sofas
 SchabalaBohnen
 SchabbelschichterVogelscheuche (Bohnenscheuche)
 SchankSchrank
 SchapfSchöpflöffel
 ScharfHalstuch
 scharwenzlasich in der Nähe von jdn. aufhalten, um jdn.sein
 schäbsnicht gerade
 schbanische (spanisch)FefferleChilischote, scharf
 SchdoinStein
 SchechtstiefelSchaftstiefel
 scheelblind
 ScheineScheune
 SchelkiHosenträger
 schempfaschimpfen
 schieraschüren
 schiiraheizen
 SchippSchaufel
 SchlägeleHähnchenschenkel
 Schleifä gehnSchlittschuh laufen.
 SchleifschuheSchlittschuhe
 SchlempkeDrücker zum Öffnen einer Stalltür
 SchliaßkluvSicherheitsnadel
 schlichtigsämig
 SchlieferSplitter
 Schlieferledünne Scheibe
 SchliesspingelSicherheits Nadel
 SchlohsäHagel
 SchloppKrawatte
 schlorbsäschlürfen
 schlotzaschlürfen
 SchlotzerArt Schnuller
 SchlupfKrawatte
 SchmagatzPfefferminzplanze
 schmalitzichdünn, mager
 SchmandSahne
 Schmeckertzlariechender Blumenstrauß
 schmeisäwerfen
 schmotzigschmierig, fettig
 SchmutzKuss
 schnägichschleckich
 schnägigzickig, mäkelig
 schnägischbeim Essen wählerisch, schmeckt nicht alles
 schnarksäschnarchen
 schnaufäatmen
 schnäkenim Essen herumstochern, appetitlos, wie ein Spatz essen
 schnänzaNase putzen/ausschnauben
 SchnänztichleTaschentuch
 schnensaNase schneuzen
 schnikravom Kuchenteig heimlich kleine Stückchen entnehmen
 SchnogäSchnacke
 SchommadanKoffer
 schooraumgraben
 SchopfaSchuppen
 SchopfaHütte
 SchopfaStall
 SchpitzatiachleSpitzentüchlein
 SchpreisaSplitter
 schrälakämmen
 Schronna, schronnichtrockene, schuppige Haut
 SchtaffelTreppe
 SchteppAckerland
 Schtierumzerpflückter Pfannkuchen, ähnl.Kaiserschmarrn
 SchtiewertSchnee Treiben
 SchtoiStein
 schtoilichkariert
 SchtondGebetsversammlung, die Stunde
 schträlakämmen
 schtrialigwählerisch
 Schtromf, SchtremfStrumpf, Strümpfe
 schtupflanach Getreidernte liegen gebliebene Ähre einsammeln
 SchuburupSchmetterling
 schuckenwerfen
 schuckenwiegen, hin und her schaukeln
 Schuckstoilaein besonderes Spiel
 schwämmä geenschwimmen gehen
 SchwalmcherSchwalben
 SchwäbaleStreichhölzer
 SchwäfalaStreichhölzer, Zündhölzer
 schwätzenreden
 SchwebalaZündhölzer
 SchwewälcherStreichhölzer
 SchwewellcherZündhölzer, Streichhölzer
 SchwitzSchweiß
 schwuchddaeinen trinken
 SeierSieb
 sellamolsdamals wars
 sellemolsdamals
 siirflaschlürfen
 SillscheitSchwengel
 SonndigshäsSonntagskleider
 SonnrosaSonnenblume
 SpingelcheStecknadel
 SpingelcherStecknageln
 SpinnhudäleSpinnweben
 StaatsstubStaatsstube
 Stacheta /StachetazaunLatte /Lattenzaun
 StacksäStottern
 staffel fega, zibeba, peterling, dampf ketTreppe abfegen, Rosinen, Petersilie, betrunken
 StampferKartoffelpüree
 StaniolpapierZinnfolie die Pralinen etc. ummantelte, für Aluminiumfolie später ebenfalls verwendet
 SteckaStock
 StehnStein
 StierBulle
 StieramSchmarrn
 StollfusBeinprotese
 StoppertFlaschenkorken
 StoreschHausmeister
 storköpichsturköpfig
 strablastrampeln, zucken
 Strembäläabgeerntete Maisstengel
 Stremmbelläabgeertete Maisstengelen
 stripfenabblättern/abziehen
 Stroh NischerErdnüsse
 StrohnisslaErdnüsse
 strubblichzerzauste Kopfhaare
 StuckiBruchsteine (Kalk Muschel)
 Stupflastoppeln, Feldfrüchte Nachlese nach der Ernte
 SuchareZwieback
 SudGericht
 suddavor Gericht gehen
 SuggaleLämmchen
 SunäscheinSonnenschein
T  
 tappichtollpatschig
 tappohrig, tappohrich ausgesprochenschwerhörig, nicht hören wollen
 Tawunneine Herde Pferde
 Terkischer PefferGewürz Paprika
 termlichschwindlich (benommen)
 TiachleTüchlein
 TindäzieherFüllfederhalter
 torkelt wie besuffläuft wie besoffen
 TorwäGepäck im Beutel
 TraubazeddelWeintraube
 TrettwägeleFahrrad
 Trialär/ TrüllerSchlafmütze / langsamer Mensch
 Troikä PferdDrittes Pferd im Gespann
 Trupkascherzhaft für große Nase
 TschainigTeekessel, Wasserkessel kannenförmig
 Tschainik – TschainikleTeekanne – Teekännchen
 TschamadamKoffer
 Tschapkagebundenes Kopftuch
 TschochotkaSchwindsucht
 TschoinikTeekessel
 TschorbaSauerkrautsuppe
 TschubannSchafhirt
 TschugasterElster
 TuchieParfüm
 TulipanaTulpen
 TurakKartenspiel, Dummer
 TurmelDummkopf
 turmlichschwindlig, düselig
U  
 überzwerchnicht giebelständig
 überzwerchnicht in der richigen Richtung
 überzwerchverdreht
 ÜberhirntIrres tun oder machen
 uffmagäaufmachen
 ufmagäOperation
 unäunten
 UtschnikTrinker
V  
 vergelschterteingeschüchtert, erschrocken
 vergelsterterschrocken
 vergrutztverschnitten
 verscherblahergeben/ verkaufen
 versportschimmelig
 versprochaverlobt
 verzwazlaungeduldig auf etwas warten
 VetterOnkel
 VetterGroßonkel, Urgroßonkel, etc.
 VidaschgeErdnüsse
 vorgellstertiritiert
 vorgroztverschimmelt
 vorkafäverkaufen
 vorknotschtzerknittert
 vorretschttratschen
 vorrstoppeltversteckt.
 vorsuffertrunken
W  
 WagsallBahnhof
 WagulebronnaBrunnen in Lichtental
 Walachkastriertes Pferd
 WareneglaQuarktaschen
 WeesTante
 weißlätünchen, anstreichen
 weifeltsehr krank sein
 WelschkornMais (Zuckermais)
 WelschkornMais
 wennsäläunruhig schlafen
 Wergeleein kleines Häufchen
 WerschtLängenmaß Werst = 1,0668 km
 WicksSchuhcreme
 Wie hescht Du?Wie heißt Du?
 Wie schreibscht Du Dich?Wie heißt Du?
 wiedich wäräaufgeregt oder zornig werden .
 wirschtfrech
 wischthäßlich
 Wonderfitz und kloine FrägalaNeurgieriger und kleiner Fragensteller – Wenn gefragt wurde was es zu Essen gibt
 Wonderfiz ond KigaleNeugieriger und Kügelchen
 wonderfizigneugierig
 WorschtWurst
 wunderfitzigneugierig
X  
   
Y  
   
Z  
 Zah, ZehZahn, Zähne
 ZeckabohnaRizinuspflanze
 ZeischdigDienstag
 ZekäbohnäRizinus Bohnen
 ZembalaRispen
 ZibebaRosinen
 ZiderringäFlieder
 ZirenkaFlieder
 Zodelldekgewebte Decke aus Stoffresten
 ZuckHündin
 ZuckerleBonbon
 ZuckerstencherBonbons
 Zurkalaein bestimmtes Stockspiel
 ZuwerWaschzuber
 zwirblaan einer Sache herummachen, nörgeln
 ZwiwäläZwiebeln
 Z`liachtgangaAbendbesuche
 Z`schtubagangaBesuch bei Tag

Zeitzeugenberichte online

Um Ihnen, werter Leser, die Gelegenheit zu geben, sich mittels weniger beispielhafter Zeitzeugenberichte selbst ein Verständnis der Geschehnisse zu verschaffen, hier einige Verweise, diese Links stehen weder in meiner Verantwortung, noch geben sie meine Ansichten wieder:



Da für viele unbegreiflich ist, weshalb sich die Umsiedler zur Waffen-SS haben einziehen lassen, sind diese Berichte vielleicht ein Ansatz zum Verständnis:


Die Gefahr im Alltag der Umsiedler zeigt sich auch in Dokumenten :


Weiterführend wäre das Buch Die „Rückführung“ der Volksdeutschen am Beispiel der Bessarabiendeutschen von Heinz Fieß, dazu eine Rezension der „Revista BUNĂ – Zeitschrift für Befreiung & Emanzipation – nicht nur in Rumänien“ mit zahlreichen Quellbelegen.



1Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Zeitzeugenprojekt
2LeMO – Lebendiges Museum Online
3Systhema in der United Soft Media Verlag GmbH, online
4Projekt Zeitzeugenportal
5Das Zeitzeugenportal
6Homepage des Ortsheimatpflegers der Gemeinde Lunestedt
7Internet Edition des Buches „Quellen zur nationalsozialistischen Entnationalisierungspolitik in Slowenien 1941 bis 1945“, Autor: Tone Ferenc, Maribor 1980
8Grundsätze für das Verhalten der Deutschen in Polen, in: Herder-Institut (Hrsg.): Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte. Themenmodul „Deutsche Besatzungspolitik in Polen 1939-1945“, bearb. von Markus Roth
9Homepage LudwigsbürgerInnen erzählen

Alexander-Asyl Sarata

Haus der Barmherzigkeit

Becker-Hoffnungstal, Busch Klöstitz, Walter Alt-Elft, Behning-Sarata, Faltin-Kischinew, Bienemann-Arzis.1

Nach vielen Vorgesprächen fassten am 14. August 1864 die Pastoren Becker aus Hoffnungstal, Busch aus Klöstitz, Walter aus Alt-Elft, Behning aus Sarata, Faltin aus Kischinew, und Bienemann aus Arzis den Beschluss, ein „Haus der Barmherzigkeit“ in Sarata zu gründen. Hier sollten auf Diakoniebasis die hilflosen, behinderten, dahinsiechenden und verlassenen Mitglieder der deutschen Gemeinden Pflege und Seelsorge erfahren.

Durch den Kontakt zu Pfarrer Löhe in Neuendettelsau /Bayern wurden die beiden ersten Schwestern entsandt, zusätzlich gewährte man finanzielle Unterstützung. Zunächst mietete man eine private Unterkunft für die Schwestern und die ersten Pfleglinge, welche aus Alt-Elft am 1. November 1864 eintrafen.

Ihre Zahl stieg auf sieben an, so daß ein eigenes Haus notwendig wurde. Am Himmelfahrtstag, dem 5. Mai 1866 wurde der Grundstein gelegt.

Alexander-Asyl2

Die erste bessarabische Diakonissenschülerin war Rosine Tröster, sie leitete in späterer Zeit als Oberin das Haus, bis zu ihrem Tod im Jahre 1918. Ihr folgten in dieses Amt die Schwestern Magdalena Kowalsky von 1918-1927, Lina Farr 1927-1928, Elisabeth Süßmilch 1928-1931 und ihre Verwandte Cäcilie Tröster ab1932.

Die Einweihung des Neubaues war am 5. Mai 1867, der Name „Alexander-Asyl“ erinnert an die Errettung des Zaren Alexander II. aus Todesgefahr am 4. April 1866, als der Revolutionär Dimitri Karakosow vor dem Sommergarten einen Attentatsversuch auf den Kaiser unternahm, das durch den Bauern Kommissarow verhindert wurde

Durch erheblichen Zuspruch wurde 1868 eine Hospitalabteilung für Kranke errichtet, die Schwestern wurden in Krankenpflege ausgebildet. Ab 1874 wurden feste Gelder des Kreises auf je 10 Kranke gezahlt, es gab Arzneien und Wäsche, ein Arzt und ein Feldscher4 wurden angestellt.

Unter Pastor Katterfeld, welcher die Nachfolge von Probst Behning zwischen 1875 und 1880 antrat, gab es die erste Felddiakonie im russisch-türkischen Krieg 1877-1878 gemeinsam mit dem Roten Kreuz. Pastor Alfons Mayer wurde nun Rektor der Anstalt von 1880 bis 1918. Er ließ ein Hospitalgebäude bauen, welches 1883 eingeweiht wurde. Bis Ende 1935 wurden hier etwa 27.000 Patienten behandelt.

Da Männer und Frauen seit 1872 getrennt untergebracht wurden, entstand das „Haus Bethel“. Zunächst gemietet, ab 1886 in Arzis im eigenen Haus, da die Gemeinde Arzis einen Bauplatz zur Verfügung gestellt hatte.

Der Ankauf eines Grundstückes 1903 in Sarata ermöglichte den Bau des Siechenhauses für alte und leidende Frauen, hier entstand 1908 ein zweistöckiges Gebäude, das Haus „Elim“. Der Bau war durch das Vermächtnis des kinderlosen Kaufmanns Leopold Hasenjäger aus Kiew und der Unterstützung des Kaiserswerter Verbandes ermöglicht worden. Im Jahre 1906 kam ein Ambulatorium dazu.

Die Grundsteinlegung zu einem neuen Hospitalsgebäude erfolgte unter Rektor Pastor Winger am 12. Mai 1935. Zu diesem Zeitpunkt lebten einige Pfleglinge bereits mehrere Jahrzehnte hier.

Durch die Umsiedlung der Bessarabiendeutschen im Jahre 1940 fand die Arbeit des „Alexander-Asyls“ in Bessarabien ein jähes Ende, wurde jedoch in Großerlach-Neufürstenhütteim Dezember 1953 unter Pfarrer Albert Kern in Großerlach-Neufürstenhütte wieder aufgenommen. Seit 1979 unter dem Namen „Alexander-Stift

Ein weiterer Aspekt der Pflege wurden die Waisenkinder. Da immer wieder Kinder aus dem Waisenhaus Odessa zur Erholung nach Sarata geschickt wurden, jedoch keine eigenen Räumlichkeiten hatten, auch eigene Waisen aufgenommen werden sollten, benötigte man eine Unterkunft. Diese kam in Form eines Tausches. Fräulein Emilie Kurz stellte vermachte der Einrichtung ihr Eigentum, Haus und Hof gegen lebenslange Versorgung im Haus „Elim“. So wurde eine Unterkunft für die Waisenkinder geschaffen, 1935 waren es 20.

Schwesternheim Bad Burnas3

Mit der Entstehung von Bad Burnas erhielt das „Alexander-Asyl“ ein Grundstück für die erholungssuchenden Pfleglinge und Schwestern. Unter Oberin Lina Farr wurden Spenden gesammelt und 1929 wurde ein Ferienheim geschaffen. Die Gebrüder Roduner-Gassert schenkten einen Bauplatz in Budaki für ein weiteres Haus.

Auch über die Versorgung der Schwesternschaft im Alter musste nachgedacht werden. zunächst verließen gut ausgebildete Schwestern die Anstalt, da eine Heirat ihr Alter sichern sollte. Oberin Rosine Tröster versuchte diesen Mißstand zu beenden, indem die Schwestern monatlich einen kleinen Teil ihres Taschengeldes in einen Baufond einzahlten. 1926 war es soweit, sie konnten ihren Altersruhesitz „Abendfrieden“ beziehen.

Neben ihrer Arbeit in den Außenstellen in Odessa, Kiew, Worms und Saratow, in Winterhilfswerken, der Armenpflege, häuslicher Pflege, Kindererziehung und bei Gottesdiensten, schufen sie den ersten Frauenverein in Sarata im Jahre 1886. Ein Jahr später entstanden nach diesem Vorbild Frauenvereine in Klöstitz und Alt-Elft, bis 1935 waren es 30.

Magdalena Kowalsky (1853-1929)5

Schwester Magdalena Kowalsky

Fast 55 Jahre lang hat die verstorbene Oberschwester Magdalena Kowalsky Freude und Leid in der Anstalt zu Sarata miterlebt.
Nicht nur im „Alexander-Asyl“, sondern in ganz Sarata und weit darüber hinaus war sie bekannt. Sie hat ein ganzes Menschenleben selbstlos dem Diakonissenberuf gewidmet.

Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte wurde sie eine gern gesehene Freundin in vielen Häusern.In Erinnerung werden in Sarata die vielen, vielen Krankenbesuche, die sie machte, bleiben. Bei diesen Besuchen erteilte sie praktische Ratschläge bezüglich der Pflege des Kranken und übte Seelsorge. In den fünf Jahrzehnten, die Schwester Magdalena im Alexander-Asyl ins steter Tätigkeit verbrachte, hat sie verschiedene Erfahrungen gemacht. In früheren Jahren, als noch kein Arzt im Dorfe war, musste die Schwester im Notfalle, bis der Arzt geholt werden konnte, selbst Arzt sein. Sie konnte daher manchen praktischen Rat erteilen. Wenn Schwester Magdalena über das Anstaltsleben erzählte, war ihr Stoffvorrat unerschöpflich. Mit den verschiedensten Menschen führte sie ihr Beruf zusammen. Mannigfaltige Pfleglinge hat sie gepflegt. Allerhand Erlebnisse aus der alten Zeit waren in ihrer Erinnerung. Gerade die Erlebnisse aus älterer Zeit hafteten am schärfsten in ihrem Gedächtnis. Oft erzählte sie von der Arbeit der Sarataer Schwestern im Militärhospital zu Bendery während des russische-türkischen Krieges 1877-78. Ueber die Einzelheiten aus der Geschichte des Diakonissenhauses konnte man von ihr Aufschluß bekommen. Wohltuend war für sie die letzten Jahre der Ruhe im „Abendfrieden“ Es war ihr eine Ruhezeit vom 26. März 1927 bis zum Todestage, dem 14. Februar 1929, vergönnt. Noch kurz vor ihrem Tode hat sie uns interessante Episoden aus dem Anstaltsleben der früheren Zeit erzählt. Am Abend des 13. Februar saß Schwester Magdalena noch gemütlich im Kreise der älteren Schwestern im „Abendfrieden“. An demselben Abend bekam sie noch Gehirnschlag und ist schon am nächsten Tage den 14. Februar, sanft entschlafen.

Schwester Magdalena Kowalsky wurde am 24. November 1853 in Schlangendorf am Dnjepr, Kirchspiel Alt-Schwedendorf, Gouvernement Cherson, geboren. Sie entstammt einer kinderreichen Bauernfamilie. Im Kreise zahlreicher Geschwister verbrachte sie ihre Kindheits- und Jugendjahre. Alle ihre Verwandten sind in Rußland geblieben. Sie litt bis an ihr Lebensende an dem Elend, das über ihre Verwandten in Rußland infolge des Bolschewismus hereingebrochen war. In ihrem Heimatdorfe besuchte und beendete sie die Dorfschule und wurde im 15. Lebensjahre vom dortigen Kirchspielspastor A. Nordgreen konfirmiert. Mit 21 Jahren trat sie am 13. Juni 1874 als Diakonissenschülerin in das Diakonissenhaus „Alexander-Asyl“ ein. Der Wunsch, Diakonissin zu werden, veranlaßte sie, die Heimat zu verlassen. Bereits im August folgenden Jahres wurde sie Probeschwester. Es wurde ihr als erste größere Aufgabe die Aufsicht und der Unterricht von fünf Waisenmädchen im Mutterhaus übertragen. Dessen ungeachtet nahm sie doch noch am weiteren Unterricht im Diakonissenhause teil, der zu jener Zeit vom damaligen Rektor, Pastor
Katterfeld, und dessen Frau Gemahlin erteilt wurde. Diese Stunden waren bis ins hohe Alter in guter Erinnerung. Nachdem sie nicht ganz zwei Jahre als Probeschwester gearbeitet hatte, ist sie am 5. Mai 1877, am Tage des Jahresfestes der Anstalt, in der Kirche zu Sarata feierlich eingesegnet worden. Noch in demselben Jahre sollte sie den Ernst und bald daraus auch die Gefahr des Dienstes kennen lernen, galt es doch, Verwundete des russisch-türkischen Krieges zu pflegen. Zunächst wurde sie mit drei anderen Schwestern nach Kubej entsandt, um in dem dort eingerichteten Militärlazarett Verwundete zu pflegen.

Nach etwa drei Monaten kam sie in das Hospital zu Bendery, woselbst sie Typhuskranke pflegte. Dabei erkrankte aber sie selbst am Flecktyphus. Nachdem die Krankheit ziemlich überstanden war, kam ein heftiger Rückfall, wobei sie sich noch eine schwere Kniegelenkentzündung zuzog. Nun kam über sie eine längere Lebenszeit. Erst im September 1879 war sie so weit hergestellt, daß sie ihre Arbeit wieder aufnehmen konnte. Jedoch ihr Knie blieb stets. Trotz solch trauriger Erfahrungen zu jener Zeit, vielleicht gerade weil diese Zeit mit ihrer Not für Schwester Magdalena eine Prüfungs- und Bewährungszeit war, erinnerte sich die Verstorbene immer wieder bei Gelegenheit an diese Arbeit der Sarataer Schwestern im Hospital zu Bendery, zumal einige Photographien, welche die in Bendery pflegenden Schwestern mit den von ihnen verpflegten Verwundeten darstellen, im Diakonissenhaus aufbewahrt sind.

Madalena Kowalsky (1853-1929), Grabstein 2018 wieder entdeckt durch die internationale und kulturelle Gesellschaft „Zlagoda“ von Sarata.7

Nach dieser Zeit war Schwester Magdalena mit wenigen Unterbrechungen Jahr für Jahr bald im Mutterhause, bald aus einer Außenstation, bald in Privatpflege tätig. Im Jahre 1880 hat sie im Mutterhause vorübergehend die Diakonissenschülerinnen unterrichtet. Von 1882-1884 vertrat sie die damals abwesende Oberschwester. Zweimal reiste die Verstorbene nach Deutschland. Auf ihrer ersten Reise begleitete sie 1894 Pastor Alfons Meyer, den damaligen Rektor des Diakonissenhauses, der krankheitshalber die Reise unternehmen mußte. Im Jahre 1898 fuhr sie zum zweitenmal nach Deutschland und besuchte dort die Diakonissenhäuser: Bethel bei Bielefeld, Kaiserswerth, Neuendettelsau, Stuttgart und das Elisabeth-Kranken- und Diakonissenhaus zu Berlin. Dieser Aufenthalt in deutschen Diakonissenhäusern wurde zum Segen für ihr ganzes weiteres Berufsleben.

Sie hat bis ins Alter an den dort gewonnenen Eindrücken gezehrt und erinnerte sich stets mit Freudigkeit an jene glückliche Zeit. Nach ihrer Rückkehr aus Deutschland nahm sie mit neuem Eifer wieder ihre Arbeit aus. Diese bestand in folgendem: sie unterrichtete die Diakonissenschülerinnen und besorgte nebenbei die Nähstube und Garderobe. Durch eine Reihe von Jahren stand sie der Oberschwester helfend zur Seite.

Nach dem Tode der Oberschwester Rosine Tröster übernahm Schwester Magdalena im Jahre 1918 den Posten einer Oberschwester des Diakonissen-Mutterhauses. In ihrer Bescheidenheit quälte sie sich oft ab mit dem Gedanken, ob sie diesem Posten gewachsen sei und bedurfte immer wieder der Aufmunterung des Rektors. Schon als Schwester, noch mehr als Oberschwester ging sie ganz in der Sorge um das Diakonissenhaus auf. Über der Sorge um das Wohl der Anstalt und der Schwesternschaft vergaß sie sich selbst. Oft hatte man den Eindruck, daß sie sich zu sehr absorgte. In den letzten Jahren ihrer Tätigkeit sehnte sich Schwester Magdalena nach Ruhe. Im Jahre 1924 durften wir mit ihr zusammen ihr 50-jähriges Berufsjubiläum feiern. Am liebsten hätte sie an jenem Tage schon ihren verantwortungsvollen Posten niedergelegt, mußte aber, weil kein Ersatz vorhanden war, noch 2 Jahre auf ihrem Posten verharren. Am 26. März 1927 konnte sie endlich entlastet werden. An diesem Tage zog sie in den stillen „Abendfrieden“ ein. Sie war sehr glücklich, daß sie noch einige Zeit sorgenlos leben durfte. Fast 2 Ruhejahre waren ihr vergönnt. Auch in dieser Zeit besuchte sie aber rastlos die Alten im Elim, die Kranken im Dorfe, schrieb Briefe an die auf Außenstationen arbeitenden Schwestern. Insbesondere lagen ihr die ohne Verbindung mit dem Mutterhause in Rußland zurückgebliebenen Schwestern unseres Hauses am Herzen. Diese Ärmsten, die gerne hierhergekommen wären, wenn sie gekonnt hätten, versuchte sie durch Briefe aus ihrer alten Heimat zu trösten. Auch wurden die alten Freunde mit Briefchen bedacht. Sie konnte nicht ohne Tätigkeit sein. Der Herr über Leben und Tod hat sie nun zu sich genommen.

Aber ihr Leben möchte ich den 6. Vers des 16. Psalms setzen: „Das Los ist mir gefallen aufs Liebliche: mir ist ein schön Erbteil worden.“ Sie wird wohl noch lange in unserem Gedächtnis sowie im Gedächtnis manches Lesers als treue Arbeiterin im Weinberge des Herrn bleiben. Möge ihre Saat Frucht bringen. Wir gönnen ihr von Herzen das liebliche Los in der Ewigkeit.
Pastor G. Winger.6


Lina Farr (1890-1928), Grabstein 2018 wieder entdeckt durch die internationale und kulturelle Gesellschaft „Zlagoda“ von Sarata.7

1 Deutscher Volkskalender für Bessarabien 1937 S. 88; Deutsche Nationalbibliothek Leipzig ZA 2111 J. Fiechtner: Das Alexander-Asyl zu Sarata, Ein Gedenkblatt zu seinem 70-jährigen Bestehen (1866-1936), Sarata, S. 88-92
2 Deutscher Volkskalender für Bessarabien 1937 S. 88; Deutsche Nationalbibliothek Leipzig ZA 2111 J. Fiechtner: Das Alexander-Asyl zu Sarata, Ein Gedenkblatt zu seinem 70-jährigen Bestehen (1866-1936), Sarata, S. 88-92
3Deutscher Volkskalender für Bessarabien 1937 S. 93; Deutsche Nationalbibliothek Leipzig ZA 2111 J. Fiechtner: Das Alexander-Asyl zu Sarata, Ein Gedenkblatt zu seinem 70-jährigen Bestehen (1866-1936), Sarata, S. 88-92
4 In der russischen Armee gibt es den Feldscher als unterste Stufe des Militärarztes noch heute, sie waren als Wundärzte oder Militärchirurgen auch in Deutschland bekannt. In der Sowjetunion und im heutigen Russland war und ist der Feldscher auch im zivilen Bereich als medizinische Hilfskraft tätig (oberhalb einer Krankenschwester, unterhalb eines Assistenzarztes angesiedelt) – vorzugsweise in ländlichen Gebieten. Er hält selbständig Sprechstunden ab. Auch in Deutschland gab es bis 1950 medizinisches Personal, das in seiner Ausbildung unterhalb des approbierten Arztes angesiedelt war und im Alltag selbständig Behandlungen durchführte: Arzthelfer (nicht mit dem heutigen Beruf vergleichbar) und Dentisten. Ein Haupteinsatzgebiet ist die Medizinische Prophylaxe (Hygiene) und die Medizinische Grundversorgung. Schwerere Fälle überweisen sie an die nächst höhere Stufe der medizinischen Versorgung, vorzugsweise Krankenhäuser. Die Feldscher wurden und werden in Russland in dreijährigen Fachschulen ausgebildet, sie besitzen eine vorausgehende Schulbildung, die dem deutschen Abitur vergleichbar ist. Nach einer 2-3 jährige Praxisphase schließt sich für künftige approbierte Mediziner ein 5-6 jähriges Hochschulstudium an, ehe sie als Ärzte (Assistenzärzte) in Kliniken wechseln. Dort erfolgt wie in Deutschland die Weiterqualifikation zum Facharzt (Oberarzt, Chefarzt). Approbierte Ärzte arbeiten auch als niedergelassene Ärzte.
5Deutscher Volkskalender für Bessarabien 1930 S. 61; Deutsche Nationalbibliothek Leipzig ZA 2111
6 Abschrift Nachruf: Deutscher Volkskalender für Bessarabien 1930 S. 61-63; Deutsche Nationalbibliothek Leipzig ZA 2111 Pastor G. Winger Oberschwester Magdalena Kowalsky
7 Grabsteinfotos: Die internationale und kulturelle Gesellschaft „Zlagoda“ von Sarata (ЗЛАГОДА САРАТА) entdeckte die Grabsteine wieder und legte den deutschen Friedhof Sarata  neu an: Pressemeldung vom 28. September 2018 В Одесской области восстанавливают старинное лютеранское кладбище

Kanada – Siedler kamen mit der Eisenbahn

Fast 400 Jahre nach dem der Italiener Giovanni Caboto am 14. Juni 1497 unter englischer Flagge auf einer kanadischen Insel landete, und gut 325 Jahre nach der Ankunft der ersten französischen Siedler, begann eine neue Art der Erschließung des Landes: Eisenbahnunternehmen brachten Siedler ins Land, viele von ihnen hatten Vorfahren, die einst per Schiff, Fuhrwerk und zu Fuß ans Schwarze Meer auswanderten.

Population 1871 – Canada Railways Canada Eras of Constructions 1837-19271

Die Canadian Pacific Railway (CPR) ist noch heute eines der größten Eisenbahnunternehmen des Landes und war seit 1871 federführend bei der Erschließung des Landes als Transportmittel vom Pazifik bis zu den östlichen Provinzen. Für die Industrieunternehmen in Québec und Ontario sollte ein erleichterter Zugang zu den Rohstoffen des kanadischen Westens geschaffen, und neue Märkte erschlossen werden, politisch erhofften man sich die Schaffung einer geeinten kanadische Nation. Dieser Schritt erschien nach mehreren Kriegen und dem nun tobenden amerikanischen Bürgerkrieg dringend notwendig, da die Briten in großer Sorge waren, er könnte auf Kanada übergreifen. Deshalb gründeten sie 1867 einen Zusammenschluss aller kanadischer Provinzen, die Kanadische Konföderation, die eine gewisse Eigenständigkeit besaß. Um das Nationalbewußtsein der konförderierten Kanadier zu stärken, sollte das Projekt binnen 10 Jahren umgesetzt werden.

Nach einem beschwerlichen Start und politischen Skandalen wurden die ersten Teilstücke fertiggestellt. Um die Verzögerungen und Rückschläge aufzuholen, unterschrieb die Regierung unter Premierminister John Macdonald mit der nach den Skandalen erneuerten Canadian Pacific Railway Company am 21. Oktober 1880 einen Vertrag, der die CPR verpflichtete, den Bau der restlichen Strecke zu übernehmen. Als Gegenleistung erhielt die CPR einen staatlichen Kredit von 25 Millionen Kanadischen Dollar (kan$), das entspricht heute etwa 385 Millionen Euro, sowie eine Landfläche von 25 Millionen acres (rund 101.000 km²) entlang der Bahnstrecke, Prärieland, welches man irrtümlich für sehr fruchtbar und siedlungsgeeignet hielt.

Die Regierung übertrug die bereits unter staatlicher Aufsicht entstandenen Bahnstrecken an die CPR, übernahm die Kosten für die Landvermessung und erließ die Vermögenssteuern für die nächsten zwanzig Jahre. Der Vertrag erlangte am 15. Februar 1881 Gesetzeskraft und die Gesellschaft wurde am 16. Februar 1881 formell gegründet.

Canadian Pacific Railway advertisement 18832

Um diese ehrgeizigen Pläne umzusetzen, benötigte man Arbeitskräfte, die im dünn besiedelten Land nicht zu finden waren. So warb man vor allem Chinesen an, die für niedrigste Löhne und unter schlechtesten Bedingungen arbeiten mussten. Eine Entscheidung, für die sich die kanadische Regierung viele Jahre später offiziell bei den chinesischen Familien entschuldigte.

Als aufgrund verschiedener Umstände die Planungen zu teilweise veränderter Streckenführung führten, der Konkurrenzdruck durch andere Unternehmen zu hoch wurde und die finanzielle Lage wie stets angespannt blieb, stieg die CPR ab 1888 ins Tourismusgeschäft ein. Um finanzkräftige Touristen aus dem Osten Kanadas in die malerische Bergwelt der Rocky Mountains zu locken, ließ sie entlang der transkontinentalen Bahnstrecke eine Reihe exklusiver Luxushotels bauen, später folgten weitere Hotels in den großen Städten des Ostens. Eines dieser Hotels ist das heute noch in Québec existierende Château Frontenac.

Um 1889 erstreckte sich die Eisenbahnlinie von Küste zu Küste bis Saint John, New Brunswick Railway (NBR) und die CPR expandierte in andere Unternehmen. Damit die Bahn profitabel war, brauchte sie Passagiere und Fracht, jedoch lebten nicht viele Menschen im Westen Kanadas.

Um Zuwanderer dazu zu ermutigen, sich in den Prärien niederzulassen und endlich Geld aus deren Ansiedlung einzunehmen, beschloss die CPR, einen Teil des von der kanadischen Regierung erhaltenen Landes zu verkaufen. Sie warb nun aktiv Immigranten und Siedler für den Westen. Die erhofften Siedler an der Bahnlinie blieben jedoch zunächst aus, da sich das Land als sehr trocken erwies und eher weniger für die Landwirtschaft geeignet. Neu errichtete experimentelle Prärie-Farmen entlang der Strecke und ein Ausstellungswagen voll von auf diesen Farmen gezüchteten Ernten tourte deshalb durch das östliche Kanada, um potenziellen Siedlern aus Ontario und Quebec anzulocken.

Die CPR schaltete zudem Anzeigen in europäischen Zeitungen, um den Menschen über das fruchtbare Ackerland der kanadischen Prärien zu berichten. Im Jahr 1909 gab CPR mehr Geld für die Förderung der Einwanderung aus als die kanadische Regierung.

Die bisherigen Erfahrungen mit den neuen Siedlern zeigten jedoch, sie wussten nicht, wie man in der Prärie Landwirtschaft betreibt. Seit 1909 löste die CPR dieses Problem, indem sie fertige Farmen verkaufte. Jeder Bauernhof war mit einem Haus, einer Scheune, einem Toilettenhäuschen, Brunnen und Pumpe ausgestattet. Die 65 bis 130 Hektar großen Farmen waren eingezäunt, ein Drittel des Landes gepflügt und für die Aussaat vorbereitet. Es gab unterschiedliche Gebäudetypen, die sich individuell auswählen ließen. Die Kosten wurden auf zehn gleiche jährliche Zahlungen von 1.300 kan$ für kleinere Betriebe und 2.500 kan$ für größere Betriebe festgelegt.

Canadian Pacific Railway advertisement 189323

Für die geplanten Farmen gab es in der Nähe Schulen, Kirchen und die Eisenbahnlinie. In den Farmkolonien wurden durch die CPR weitere öffentliche Gebäude errichtet, zunächst im Süden von Alberta, später entlang der CPR-Linie von Wetaskiwin, Alberta nach Saskatoon, Saskatchewan. Zwischen 1909 und 1919 entwickelte die CPR 762 fertige Farmen in 24 Kolonien von fünf bis 122 Farmen.

Zudem betrieben Canadian Pacific Agenten in Übersee nun intensive Kampagnen. Man verkaufte den Immigranten ein Gesamtpaket von Leistungen, welches ihnen ermöglichen sollte, möglichst einfach eine neue Existenz zu gründen. Dazu gehörte bereits die Passage auf einem Canadian Pacific Schiff, die Weiterreise im Low-Budget-Schlafwagen (colonist car) mit einem Canadian Pacific Zug und die Betreuung bei Ankunft.

Der Erste Weltkrieg brachte der Eisenbahn ganz neue Möglichkeiten außerhalb der Siedlerwerbung im Dienste der Militärs, doch mit Kriegsende mussten erneut weitere Geschäftsfelder erschlossen werden, um Gewinne einzufahren.

Die CPR lieh jedem kanadischen Soldaten und denen der Alliierten, die aus dem Krieg zurückkehrten und bereit waren, eine Farm auszubauen, 2.000 kan$, um die zu erwartenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten nach dem Kriegsende für die Heimkehrer zu mildern. Von der Regierung gab es Unterstützung durch kostenfreie Ausbildung, dazu Bezahlung und Tagegeld während der Ausbildung, Land, Vieh und weitere Unterstützung, alles auf der Basis eines reinen Versprechens, innerhalb von fünfundzwanzig Jahren alles zurückzuzahlen. Wer in Großbritannien lebte, bekam eine freie Schiffspassage.4

Das Ontario Department of Education beauftragte die CPR, die Canadian National Railway und die Ontario Northland Railway mit rollenden Klassenzimmern. So entstanden für die Kinder im Norden Ontarios ab 1926 Schulwaggons, jeder in zwei Teile geteilt. Eine Hälfte war ein Klassenzimmer, komplett mit Tafel, Karten, Bänken und anderen Schulutensilien ausgerüstet, dazu eine Bibliothek. Die andere Hälfte war eine komfortable Unterkunft für den Lehrer.

Diese Waggons standen fünf Tage im Ort. Freitags nach Schulschluss fuhr der Waggon zu einem anderen Ort, die Kinder bekamen Hausaufgaben bis zum nächsten Eintreffen. Es gab einen speziell ausgerüsteten Zahnarztwaggon mit kostenloser Zahnpflege, Baumpflanzwaggons, um die Anpflanzung von Bäumen in der Prärie zu fördern und so das Land vor der Austrocknung im Sommer zu bewahren.

Mit dem Zweiten Weltkrieg wurde die Eisenbahn wieder zum Truppen – und Materialtransporter, ehe sie zu ihren eigentlichen Aufgaben nach 1945 zurückkehrte.

Population 1921 – Canada Railway Systems 19271

Farmbau nach Plan, hier Haus Typ 4 mit Scheune Typ 1:

M-2381-1 Ready-Made farm building plans. — 1911-1913. — 1 volume. — Consists of standard plans and photographs of immigrants‘ houses, barns, fences, and outhouses, designed by the Canadian Pacific Railway for use on their „Ready-Made Farms“.5

Zu den Siedlern, denen ein Farmpaket in Kanada ein neues Zuhause geben sollte, gehörten die Familien des Adolf Naffin (1873–1939) aus Klöstitz und die Familie des Friedrich Pahl (1896–1973) aus Leipzig, Bessarabien.

Mr. and Mrs. Adolf [sic?] Nafin and their 13 year old daughter in the harvest field. The Nafins are Romanian immigrants who arrived in Canada June 25, 1927, aboard the S.S. ESTONIA, Baltic-America Steamship Line. (MIKAN 3516850)6
Mr. and Mrs. Friedrich Pahl on their farm, Romanian immigrants who arrived May 13, 1927, aboard the S.S. Estonia, Baltic-America Steamship Line (MIKAN 3516853)6

 


1 An historical atlas of Canada by Burpee, Lawrence J. (Lawrence Johnstone), 1873-1946; John Bartholomew and Son; Nelson, New York, 1927
2 wikipedia, public domain
3 wikimedia, public domain
4 Stokes, Charles W. „Canada’s Attitude Toward Immigration.“ in the Current History Magazine, Volume XIV, NEW YORK TIMES COMPANY, NEW YORK, 1921
5 Glenbow Mueseum 130 9th Ave S.E. Calgary, AB T2G 0P3
6 Library and Archives Canada

Gründerfamilien Sarata 1821

Liste der Gründer von Sarata nach erster Hofvergabe, Kleinhäusler ohne eigenen Hof
Hof Nr.NachnameNameHerkunft
1ScherzingerAloisiusGütenbach/ Furtwangen (Baden)
1 Kleinhäusler
SchöchChristianLandsberg/ Lech (Bayern)
2SchäferHeinrichFurtwangen (Baden)
2 Kleinhäusler
HohenleitnerRosinaBürgen/ Landsberg (Bayern)
3SchaufelbergerJohann JakobBächingen/ Dillingen (Bayern)
4OffenwangerLeonhardGundremmingen/ Dillingen (Bayern)
5NilleLeopoldWeißenstein (Göppingen)
7EckertChristoph FriedrichStetten/ Waiblingen (Württemberg)
8MackSalomonBrenz/ Heidenheim (Württemberg)
9SeyfriedJohannesGundelfingen (Günzburg)
10SessleJohannesBächingen/ Dillingen (Bayern)
11KeckHeinrich AlbertHermaringen/ Heidenheim (Württemberg)
12WaldenmajerJakobSontheim a.d. Brenz (Heidenheim)
13HobbacherJosefph Antonius
Bühl (Günzburg)
14BaumgärtnerGeorg BalthasarOberkochen (Aalen)
15SessleJohann PeterBächingen/ Dillingen (Bayern)
16HäusslerJohann GeorgKittental/ Wertingen (Bayern)
17HäusslerJohann MichaelKittental/ Wertingen (Bayern)
18KastlerJohannesBächingen/ Lauingen (Bayern)
19SchaufelbergerMargarethaBächingen/ Lauingen (Bayern)
20StäudleVitusHerbrechtlingen (Heidenheim)
21BlatterJohann BalthasarGundelfingen (Günzburg)
22MattJohann GeorgGundremmingen (Dillingen) 
23BandelJohann MelchiorHaunsheim (Dillingen)
24MautzPhilipp HeinrichHerbrechtingen/ Heidenheim (Württemberg)
25BrennerJohannes BaptistaLauingen/ Dillingen (Bayern)
26IllgErasmusGundelfingen (Günzburg)
27MüllerThomasGundelfingen (Günzburg)
28OsswaldKasparGundelfingen (Günzburg)
29GeigleFriedrichHermaringen (Heidenheim)
30BachmannJohannesMindeltalheim/ Burgau (Bayern)
31UnterscherAlbertusLauingen/ Dillingen (Bayern)
32RossmannJohannesHerbrechtingen/ Heidenheim (Württemberg)
33PaulinJohannGundelfingen/ Günzburg (Bayern)
34MichelGeorgNeustätten/ Ulm (Württemberg)
35SchmuckerAntonOffingen Günzburg (Bayern)
36WiedmannJosephGundelfingen/ Günzburg (Bayern)
37KellerJohannesBächingen/ Lauingen (Bayern)
38KellerPhilippBächingen/ Lauingen (Bayern)
39SchönherrJohann GeorgGundelfingen/ Günzburg (Bayern)
40WölfleJosefGundelfingen/ Dillingen (Bayern)
41KellerJohann MartinSontheim/ Heidenheim (Württemberg)
42BoschGeorgAsselfingen (Ulm)
43SchmuckerJohann GeorgOffingen/ Günzburg (Bayern)
44BoeckJohann GeorgGundremmingen/ Günzburg (Bayern)
45GeßlerChristianSontheim a.d. Brenz (Heidenheim)
46WagnerJohann MichaelBächingen Lauingen
47DeisingerJohann MartinGiengen (Heidenheim)
48BiedenbachAndreasSontheim (Heilbronn)
49BücheleJohann PaulusBrenz (Heidenheim)
50MeyerJohann GeorgHaunsheim/ Lauingen (Bayern)
51StrehleJohannesSchnuttenbach/ Burgau (Bayern)
52HommelGeorgBrenz (Heidenheim)
53BraunChristianusAsselfingen (Ulm)
54KellerJohann GeorgBächingen/ Lauingen (Bayern)
55RosenwirtXaverBachhügelburg/ Lauingen (Bayern)
56SessleJakob FriedrichBächingen/ Lauingen (Bayern)
57SchwarzmannJosephusGundremmingen (Dillingen)
58SchmidtMatthäusGundelfingen/ Günzburg (Bayern)
60KnöpfleKarl Baiershofen/ Dillingen (Bayern) 
61BairMichaelGundremmingen/ Dillingen (Bayern)
62BendeleJakob FriedrichBächingen (Dillingen)
63BenderPhilippMariental/ Rockenheim (Pfalz)

Quelle:

Gau Bessarabien 1939

Politisch waren auch die Bessarabiendeutschen zu einem Gau zusammen geschlossen, um ihr Volkstum zu stärken und ihre Kinder und Jugendlichen im Sinne des Nationalsozialismus zu erziehen. Entsprechend entstanden neue Jugend- und Kulturvereine, die bestehenden wurden in das System einer straffen Jugenderziehung eingegliedert.

Banater Deutsche Zeitung ; Timişoara; 29. 11. 1936, Nr. 18, S. 3

Sitz der Volksgemeinschaft der Deutschen in Rumänien war Tarutino. Das Gebiet wurde in sieben Kreise unterteilt, an der Spitze jeweils ein Kreisobmann.

Abbildung aus: Das Deutschtum in Bessarabien, Dr. K. Stumpp S. 9
Dr. Otto Broneske, Gauleiter1

Die Gauleitung Bessarabiens (Stand 1.12.1939):

  • Gauleiter: Dr. Otto Broneske, Tarutino
  • Stellvertreter des Gauleiters: Prof. Johannes Wagner, Sarata
  • Gaugeschäftsführer: Rechtsanwalt Viktor Mauch, Tarutino

Die Gauwalter:

  • Gau-NAF-Leiter: Rechtsanwalt Viktor Mauch, Tarutino
  • Gauleiterin des Mutterdienstes: Dr. Alma Bierwag, Tarutino
  • Gaubauernführer: Dr. Artur Reimann, Arzis
  • Leiterin des Gaufrauenamts: Dr. Alma Bierwag, Tarutino
  • Gaujugendführer: Lehrer Christian Fieß, Tarutino
  • Leiter des Gauamts für Kirchen- und Schulfragen: Prof. Johannes Wagner, Sarata
  • Leiter des Gaukulturamts: Prof. Herbert Koch, Tarutino
  • Leiter des Gauamts für Leibesübungen: Dipl. Sportlehrer Fr. Busse, Tarutino
  • Leiter des Gauamts für Nachbarschaftswesen: Gauhann Otto Keck, Tarutino
  • Leiter des Gauamts für Presse und Propaganda: Dr. Ing. Hugo Erdmann, Tarutino
  • Leiter des Gauschatzamts: Herbert Küst, Tarutino
  • Leiter des Gauamts für Schiedsgerichtswesen: Rechtsanwalt Gerling, Tarutino-Akkerman
  • Leiter des Gauamts für Statistik und Sippenwesen: Prof. Artur Fiechtner, Tarutino
  • Leiter des Gauamts für die Vertretung bei den Behörden: Rechtsanwalt Viktor Mauch, Tarutino
  • Leiter des Gauamts für Volksgesundheit: Dr. med. Albert Necker, Tarutino
  • Leiter des Gauamts fürWirtschaft und berufsständige Fragen: Dr. Otto Broneske, Tarutino

Die Kreiswalter:

  • Mannsburg: Lehrer a. D. Friedrich Herberg, Basyrjamka
  • Sarata: Fabrikbesitzer Emanuel Heer, Sarata
  • Arzis: Versicherungsdirektor Christian Flaig, Arzis
  • Tarutino: Rechtsanwalt Otto Kehrer, Tarutino
  • Neu-Sarata: Artur Keck, Fürstenfeld II
  • Albota: Ing. Karl Wilske, Basyrjamka
  • Tighina: Lehrer a. D. Emanuel Strohschein, Lunga

Quelle: Sonderdruck des Rassepolitischen Amtes der NSDAP, Reichsleitung Berlin W 15, Sächsische Straße 69; Das Deutschtum in Bessarabien, Dr. K. Stumpp, S. 8f
1 Jahrbuch (Kalender) der Deutschen Bessarabiens 1940, im Auftrag der Gauleitung – herausgegeben vom Presseamt, Druckerei „Union“ Samuel Heier Tarutino; Druckerei und Verlagsanstalt Karl Liebram Tarutino; S. 50

Pastor Hastig 1810-1841

Am 21.Decbr. Sarata 1840 verstarb der auf der Reise zu Sarata in Bessarabien, der Pastor zu Arcis, Johann Gottfried Heinrich Hastig. Geboren in unserer Stadt am 7.Septbr. 1810, Sohn unbemittelter Aeltern, mußte er schon früh, als Knabe, durch Unterricht so viel zu erwerben suchen, daß er seinen eigenen Unterricht in den Schulen fortsetzen konnte. Auf der Domschule und dem Gymnasium vorbereitet, bezog er die Universität Dorpat, wo er, von 1831-38, Philologie, Mathematik, Philosophie, und besonders Theologie, studirte. Wegen Mittellosigkeit> sah er sich genöthigt, um Aufnahme unter die Kron-Stipendiaten des theologischen Seminars anzusuchen, wodurch er verpflichtet ward, eine Prediger-Stelle im Innern Rußlands anzunehmen. - Nach beendigten Studien und bestandenem Examen wurde der Verstorbene Candidat für eine Pfarr-Stelle im südlichen Rußland in Vorschlag gebracht, und nach dem bei dem St. Petersburger Consistorium bestandenen Prediger-Examen, daselbst am 17. Januar 1837 für die Kolonial-Gemeinde zu Arcis ordiniert. Da jedoch die ihm bestimmte Pfarre von dem benachbarten Prediger in Tarutino bedient ward, Großliebenthal durch den Abgang des bisherigen Predigers erledigt war, so übertrug der dortige Propst Granbaum das Vikariat dem Pastor Hastig. Die Glieder der Gemeinde gewannen ihn so lieb, daß sie um seine feste Anstellung ansuchten, dabei seinen Gehalt zu verdoppeln versprachen. Doch über dieser festen Anstellung vergingen Jahre, und da der Verewigte unerdessen kränklich geworden war, wünschte die Gemeinde einen gesunden Mann als Seelsorger zu haben. Ungeachtet nun das Consistorium auf Vollziehung dieser seiner Vokation nach Großliebenthal drang, wollte der Redliche doch lieber zu der ihm Anfangs bestimmten Gemeinde nach Arcis gehen. Auf den Wege dahin aber wurde er von heftigen Brustschmerzen befallen, und starb in dem Pastorate zu Sarata am 21. Decbr. 1840. (Aus den gedruckten Protokollen der St. Petersburger Synode vom Jahre 1841.)

Geboren wurde Pastor Hastig in Riga am 7. September 1810, Vater war der Maurergeselle Heinrich Hastig, Mutter Charlotte Gottliebe Hastig, geborene Leitschik.

Taufeintrag aus dem Kirchenbuch Riga, St. Gertrud, I und II Gemeinde (Rīgas sv. Ģertrūdes Vecās un Jaunās) 1801-1828 Lettische, Deutsche, Geborene, S. 373

Pastor Hastig starb laut Kirchenbuch ledig am 2. Januar 1841 um 11 Uhr vormittags an Auszehrung, die Beisetzung fand am 5. Januar vormittags um 10 Uhr auf dem Gottesacker von Sarata durch Pastor Breitenbach statt.

Auschnitt aus dem Kirchenbuch Sarata 1841; Россия, Смерти и Погребения, 1815-1917 LDS 004265434 img 342

Allgemeine Kirchenzeitung, Band 20, 11. Februar 1841 Nr. 24, S. 195

Groß-Liebenthal im Gouvernement Cherson. - (Pastor Hastig.) In Ermanglung einer Kirche wird der Gottesdienst im Schulhause gehalten, das aber viel zu klein ist. Die Fortschritte in den Religionskenntnissen sind ziemlich gut. Die Entheiligung des Sonntages wird durch den allgemeinen Handel von Odessa gefördert. Confirmirte: 22 M. 27 W.

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Deutsche Kolonisten

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