Zur Erinnerung an unsere Vorfahren, die als Migranten aus Süddeutschland in die Welt zogen

Kategorie: Transkaukasien (Seite 1 von 3)

Vorbote des Holomodor

Hunger in den deutschen Wolgakolonien

17.9.1921 Tiflis

Kaukasische Post, Nr. 24, 13. Jahrgang

Von zuverlässiger Seite wird uns hierzu geschrieben: „Die Hungersnot, die in diesem Jahre mehrere Gouvernements Rußlands betroffen hat, wütet am rasendsten im deutschen Gebiete an der Wolga. Im Herbst 1920 und im Frühjahr 1921 wurde ganz wenig ausgesät, wegen Mangel an Samen. Dazu gesellte sich in diesem Jahre noch die Dürre. Bis zum 15. Juni d. J. hat die Außerordentliche Kommission für Bekämpfung des Hungers festgestellt, daß 70 % der Aussaat verloren ist. Der andere Theil hätte bei günstiger Witterung noch 349 860 Pud geben können, was – auf eine 450 000 köpfige Bevölkerung verteilt 31 Pfund pro Seele im Jahr ausgemacht haben würde. Jedoch günstige Witterung ist nicht eingetreten, sodaß auch dieses Quantum nicht geerntet wurde. Bis zum 15.6. waren im deutschen Gebiete 30 000 (299 000) Hungernde, die Mehrzahl der Hungernden sind Bauern. Man lebt jetzt direkt vom Gemüse, wo solches vorhanden ist; die Mehrzahl nährt sich von Zieselmäusen, Pfiffern u.s.w. Hungernde Kinder laufen auf den Straßen umher und suchen verschiedene Abfälle auf, womit sie ihren Hunger stillen. In manchen Dörfern kommen täglich bis 20 Todesfälle durch Hunger vor, Zu diesem Uebel haben sich noch Cholera und Typhus eingestellt, die täglich reiche Ernte halten. Man verkauft alles, was sich verkaufen läßt, für Spottpreise, sogar ganze Gebäude mit Hof und allem möglichen werden für 15 Pud Korn verkauft, auch das alles, um nur irgendwie sein Leben zu fristen.



Голодомор „Tötung durch Hunger“

aus: Kaukasische Post, Nr. 24, 13. Jahrgang

Kollektivierung 1930

Bonner Zeitung 22.6.1930

Wie die Bauern in Rußland kollektivisiert werden

Bekanntlich führen die Bolschewisten in Rußland die Zerschlagung der privaten Landwirtschaft und die Ueberführung der Bauern in die Kollektiven mit aller Gewalt durch. Für uns Deutsche ist es von besonderem Interesse, die Zwangskollektivisierung der deutschen Weinbaukolonie in Transkaukasien zu verfolgen. Wir sind in der Lage, den Bericht eines deutschen Weinbergbesitzers auszugsweise zu veröffentlichen.

Die Kollektivisierung der deutschen Kolonien Transkaukasiens wurde in der Zeit zwischen dem 6. und 15. Februar 1930 unter schwerem Druck und unter schweren Drohungen durchgeführt. Der Anfang wurde in den beiden größten Kolonien Helenendorf und Katharinenfeld gemacht.

Helenendorf. Um die Leute gefügig zu machen, wurden in Helenendorf am Vorabend des Beginns der Kollektivisierung sechs Männer verhaftet. Am nächsten Tage wurde die Gemeinde versammelt, und ein georgischer kommunistischer Funktionär drohte während der einberufenen Gemeindeversammlung, daß jeder, der gegen die Kollektivierung stimme, erschossen werde. Auf diese Weise wurde fünf Tage lang auf die deutschen Kolonisten eingewirkt, bis sie so weit zermürbt waren, daß sie sich durch Unterschrift verpflichteten, in die Kollektivwirtschaft einzutreten.

Trotz dieser unerhörten Drohungen telegraphierte der Kommunist Emil Bock an seinen Gesinnungsgenossen Thälmann in Berlin, daß die deutschen Kolonisten Helenendorfs mit Begeisterung die Kollektivwirtschaft aufgenommen hätten.

Am Tage der Kollektivisierung hatte die deutsche Winzergenossenschaft „Konkordia“ für die zwangsweise liquidierte Filiale in Leningrad eine Ueberweisung von 2 Millionen Rubeln erhalten. Diese Ueberweisung wurde von den kommunistischen Funktionären sofort beschlagnahmt.

Gleichzeitig mit der Kollektivisierung wurden sämtliche außerhalb des Gemeindelandes gelegenen Weinberge der Kolonisten Helenendorfs aus dem Kollektiv Thälmann (früher Helenendorf) abgeteilt und an Fremdstämmige übergeben (rund 1000 Morgen).

Katharinenfeld. Nachdem hier die kommunistischen Funktionäre sich zwei Tage lang vergeblich bemüht hatten, die Kolonisten zum Eintritt in die Kollektive zu bewegen, wurde die Gemeinde in vier Gruppen geteilt, von denen nun jede für sich bearbeitet wurde. Schließlich gelang es den kommunistischen Funktionären Fritz Reiser und Gottfried Kimmerle durch Drohungen, aus jeder Gruppe einige Personen zur Unterschrift zu bewegen. Am sechsten Tage waren auch die anderen so weit zermürbt, daß sie sich einverstanden erklärten, in die Kollektive einzutreten. Die einzigen, die nicht in die Kollektive eintraten, waren die in dieser Kolonie ansässigen Reichsdeutschen. Der Eintritt in die Kollektive erfolgte hier mit dem Vorbehalt, daß alle wieder austreten würden, wenn auch nur ein deutscher Ansiedler dieser Kolonie verhaftet würde.

Die Reichsdeutschen dieser Kolonie befinden sich bereits auf dem Wege nach Deutschland. Ihr Vermögen wurde auch hier der Kollektive einverleibt.

Nachdem die deutschen Kolonien kollektivisiert waren, wurde versucht, die Kollektivisierung auch in den tatarischen und georgischen Dörfern durchzuführen. Hier stießen aber die Funktionare auf schärfsten Widerstand. Die gutbewaffneten Tataren sammelten sich und lieferten den roten Truppen bei dem Dorfe Karasachkal eine Schlacht bei dem Uebergang über die Kura. Der Kommandeur der Miliz des Kasacher Kreises Hatschan ging mit einem Teil seiner Leute zu den Aufständischen über und versorgte die auf rund 8000 Mann angewachsene Truppe mit Maschinengewehren, Militärflinten und Munition. Die roten Truppen mußten aus Karajachkal mit bedeutenden Verlusten abziehen.

Auch die tatarischen Dörfer bei dem früher Siemenschen Kupferbergwerk Kedabek verteidigten sich mit den Waffen in der Hand gegen die Kollektivisierung. Hier erreichte den georgischchen Funktionär, der die Kollektivisierung der deutschen Kolonien mit Gewalt durchgedrückt hatte, sein Schicksal: von den wildgewordenen Tataren wurde er gevierteilt und das von ihm Uebriggebliebene seinen Gesinnungsgenossen in Gandscha zugestellt.

Nach dem Kreis Baschkeschet, Georgien, wurde ein besonderer Vertrauensmann Stalins entsandt, um die dortigen Tataren zum Eintritt in die Kollektivwirtschaft zu überreden. Doch gelang ihm dies nicht, er konnte sich nur durch rasche Flucht vor dem Schicksal seines Gesinnungsgenossen retten (Kedabek).

In den georgischen Dörfern versuchten die kommunistischen Funktionäre vergeblich, die Kollektivierung zu erzwingen Die Bauern leisteten überall schärfsten Widerstand, und eine Reihe der Funktionäre wurde von den georgischen Bauern ermordet. Daraufhin wurden Hunderte von georgischen Bauern verhaftet, viele flüchteten.

Die bekannte deutsche Winzergenossenschaft „Konkordia“, die noch im vorigen Jahre von allen kommunistischen Zeitungen als mustergültig für die ganze Sowjetunion bezeichnet wurde und die in Wirklichkeit die einzige Genossenschaft Sowjetrußlands war, die sich ohne Staatshilfe aus eigener Kraft lebensfähig erhielt, die sich im Verlauf der letzten zehn Jahre zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor heraufgearbeitet und im Geschäftsjahr 1927/28 einen Umsatz mit ihren eigenen Erzeugnissen von über 20 Millionen Rubeln erzielte, wurde von der Sowjetregierung aufgelöst.

Die Genossenschaft„Konkordia“ wurde im Jahre 1921 auf gesetzlicherlicher Grundlage gegründet und umfaßte die in Aserbeidschan befindlichen acht deutschen Kolonien Helenendorf (Thälmann), Georgsfeld (Leninfeld), Annenfeld (Maifeld), Eigenfeld, Traubenfeld, Alexejewka, Grünfeld und Jelisawetinka (Marxowka), deren sämtliche Ansiedler der Genossenschaft angeschlossen waren.

Die durch den Vertrieb der Erzeugnisse erzielten Gewinne wurden ausschließlich für allgemeinwirtschaftliche und kulturelle Zwecke verwendet. Ein entomologisches=geologisches Institut und ein Versuchsgarten für Weinbau von 40 Hektar wurden von der„Konkordia“ unterhalten. Ihre Mitglieder wurden mit den nötigen Schädlingsbekämpfungsmitteln und allen anderen Bedarfsartikeln versorgt. Genossenschaftskeller und Bewässerungsanlagen für die einzelnen Gruppen wurden gebaut. Außerdem unterhielt die „Konkordia“ eine deutsche Oberrealschule (später in eine Arbeitssschule 2. Stufe umgewandelt), acht zweiklassige Volksschulen, eine Taubstummenanstalt sowie vier Kirchspiele mit vier Pfarrern, Küstern, Organisten usw.

Schon bevor mit der Kollektivisierung der Kolonien begonnen wurde, mußte die Genossenschaft gezwungenermaßen ihre Niederlassungen in Leningrad, Moskau usw. liquidieren. Das Vermögen der Genossenschaft gehört ihren Mitgliedern, das heißt, den deutschen Kolonisten Aserbeidschans.

Das viele 10 Millionen zählende Vermögen der deutschen Winzergenossenschaft „Konkordia“ sowie die Privatweinberge und das Privatvermögen der deutschen Kolonisten von noch bedeutend höherem Werte, das im Verlauf von über 100 Jahren von vielen Generationen durch schwerste Arbeit erworben worden war, ist somit den deutschen Kolonisten durch die Kollektivisierung geraubt worden.


Foto und Textabschrift: Bonner Zeitung 22.6.1930, 40. Jahrgang Nr. 167

Aus Brandenburg in den Kaukasus


Manchmal ist die Welt kleiner, als man glaubt. Während ich alte Aufnahmen sichtete und bei findagrave veröffentliche, stellte ich fest, Lieberose … Trierenberg … da war doch eine Verbindung zu von Kutzschenbach. Zu diesem Sprung aus meinen heimatlichen Gefilden in den fernen Kaukasus möchte ich an dieser Stelle berichten.

Grabstein von Heinrich Christian Bernhard Trierenberg (1747-1849) und dessen Ehefrau Therese Cunigunde geb. Neruda (1787-1851) in Lieberose

Die Familie Trierenberg saß schon 1500 zu Kallies in Pommern und begann ihre Stammlinie mit Mathäus Trierenberg, vornehmer bürgerlicher Einwohner, ganzer Brau-Erbe und Hospital-Vorsteher zu Kallies (ca. 1560-1620).
Wappen: Geteilter Schild. Vorn in Silber unten ein roter Dreiberg (Trierenberg), aus dem eine grüne Palme emporwächst, hinten in Blau ein silbernes Senkblei. Auf dem gekrönten Helm mit blau-silberner Decke ein auf weißem springenden Roß reitender Ungar in blauer Uniform, in der Rechten den Säbel schwingend.1

Carl Gotthold Christian Trierenberg (1748-1808) kam als Kurfürstlich sächsischer Postmeister nach Lieberose. Er erwarb an der durchgegenden Poststrasse in der Vorstadt Lieberoses ein Grundstück. Der „Luisenhof“ war ursprünglich ein Hof mit einem Gasthaus, wurde 1802 zur Poststation ausgebaut, nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude als Krankenhaus genutzt (Landambulatorium). Sohn Heinrich Christian Bernhard (1747-1849) übernahm das väterliche Amt.

Die Familie der Kutzschenbach stammte aus Thüringen und schrieb sich wohl ursprünglich Kutzebach. Zur Namensgebung gab es einige Theorien.

Das Wappen findet sich erstmals auf einem Siegel vom 6. Oktober 1676, im Schilde ein gedeckter Wagen, auf einem alten Wappenschild soll aber ein Rabe vorhanden gewesen sein.1

Dem bewulsteten Helm mit beiderseits herabhängenden Decken dient als Zier ein sitzender natürlicher Rabe. Wappenfarben: blau-gold (P). Das Reichsadelswappen nach der Originalurkunde vom Jahre 1739 ist folgendermaßen blasoniert:
„Geteilt, oben in von Gold und Blau gespaltenem Felde zwei Balken verwechselter Farbe im Sparrenschnitt, unten in Rot ein auf Rasen schreitender silberner Wolfmit ausschlagender Zunge. Auf dem gekrönten Helm mit rechts blau-goldener, links rot-silberner Decke der Wolf wachsend. (Die Wölfe als Wappentiere sind wahrscheinlich dem Freiherrlich von Ende’schen Wappen nachgebildet, da sich der Wappenempfänger mit einer Trägerin dieses Namens in erster Ehe vermählte.) Die Reichsadelsurkunden vom 6. September 1740, 13. April 1743, 19. November 1745 und 6. August 1746 zeigen dasselbe Wappen. Um das alte Wappenbild zu erhalten, führt die Familie auch einen zweiten bewulsteten Helm mit blau-goldener Decke, auf dem ein natürlicher Rabe erscheint, während als erster rechter Helm der gekrönte, mit rot-silberner Decke und nach links gekehrtem wachsenden Wolf erscheint.
Der im Verlauf des 18. Jahrhunderts in der Familie Kutzschenbach gebräuchlich gewordene Wappenspruch lautet: „Justus et tenax – gerecht und fest“.1

Wie nun gehören diese Familien zusammen?

Der Königliche Finanzkommissarius und Postmeister der Stadt Lieberose, Heinrich Christian Bernhard Trierenberg (1747-1849) und dessen Ehefrau Therese Cunigunde geb. Neruda (1787-1851) sind die Eltern der Friederike Rosamunde Trierenberg (1811-1850). Diese ehelichte Ferdinand Anton Moritz von Kutschenbach (1799-1857) am 6. November 1839 in Lieberose.

Eheschließung 1834 in Lieberose

Aus dieser Verbindung ging Sohn Arthur Alexander (1835-1909) hervor.

Geburtseintrag 1835 Groß Breesen

Um die Familienverhältnisse besser verständlich zu machen, ein kleiner Überblick:


Arthur Alexander von Kutzschenbach war eigentlich Jurist, nach dem frühen Tod des Vaters wandte er sich jedoch der Forstwirtschaft zu und in der Schweiz der Milchwirtschaft und Käserei, ehe er 1862 auswanderte.

Die Landwirtschaft war ihm allerdings seit seiner Kindheit vertraut, sein Vater hatte zunächst in Groß Breesen ein Gut besessen, eher er nach Pommern ging.

Im Kaukasus wurde A. von Kutzschenbach der Gründer des Gutes Mahmutly 40 Werst von Katharinenfeld.  Seine Ehefrau, die Schweizerin Anna Barbara Scheidegger (1840-1932) lernte er über ihren Vater kennen, den er als Fachmann für seine Käserei angeworben hatte. Ihr gemeinsamer Sohn, Kurt von Kutzschenbach, wurde 1906 Herausgeber der „Kaukasischen Post“3, der ersten deutschen Zeitung Georgiens.

Mahmutly war eine vorbildliche Viehwirtschaft auf 76 km² Pachtland mit Stallungen, die nach damals modernster Landwirtschaftskenntnis erbaut wurden. Diese beherbergten um 1908 rund 300 Stück Milchvieh, 120 Stück Jungvieh, dazu Zuchtstiere und Ochsen. Innerhalb von 30 Jahren entstand eine neue, mehrheitlich graubraune, stämmige Rinderrasse durch Kreuzung einer importierten Schweizer Herde, tatarischem Vieh, sowie Duchoboren-Rindern, einer russischen Rasse.3 Dazu wurden Zuchtbücher geführt, um die Abstammung der einzelnen Tiere und ihre Eigenschaften nachvollziehen zu können.  Man beachtete wie in der heutigen Landwirtschaft die Milchleistung und ihre Inhaltsstoffe, den richtigen Futteranbau, Einsatz von Kraftfutter und führte Futterberechnungen durch. So entstand eine leistungsfähige Milchproduktion mit vermehrter Widerstandskraft gegen die häufigen Seuchen und das Klima im Kaukasus. Ebenso besaßen man eine ausgedehnte Bienenzucht. Diese wurde nach einigen Rückschlägen von dem extra angeworbenen Schweizer Christian Siegenthaler2, von Beruf eigentlich Käser, aufgebaut. Später baute Siegenthaler eine eigene Käserei auf.

Baron Kutzschenbach zu Besuch in Käserei Karabulach.
Foto: Burgdorfer Jahrbuch 2

Bewirtschaftet wurden von ihm neben seinem Gut Mahmutly das Gut Bogaßkessan, sowie ein Forst (800 Deßj.), bestehend aus Eichen, Weiß- und Rotbuchen, der von in Deutschland ausgebildeten Förstern betreut wurde.

Auf dem Gut Bogaßkessan fand vorrangig Pferde- und Schafzucht statt, sowie Obstanbau. Auf dem Gut Ssouch-Bulach erbauten seine Söhne 1905 eine eigene Käserei.

Neben der Meierei gab es Käsereigebäude, Eiskeller, Pferde- und Schweineställe, separate Krankenställe, eine Hausapotheke mit Ambulanzraum, eine Stellmacherei, eine Schmiede, eine Mühle, eine Brotbäckerei, Gebäude der Gutswache wegen der ständigen Räuberüberfälle, Arbeiterwohnungen, ein Gebäude mit Turm für schulische und kirchliche Zwecke.

Auf den Gütern arbeitetete rund 180-200 Armenier täglich, viele der Tataren waren über Generationen auf dem Gut tätig und heirateten dort auch. Sie lebten kostenfrei in den Wohnungen, erhielten Lohn und Deputat, auch ihre Frauen, die zumeist als Melkerinnen arbeiteten. Alle Arbeitskräfte auf dem Gut wurden ausgebildet, welches etwa 1879 käuflich erworben wurde, kurz vor Ende der Pachtzeit.

Die Produktion an Käse lieferte man bis nach Warschau, Moskau, Kasan und Sibirien, die Butter blieb im Kaukasus. Die Qualität war so gut, auf der Pariser Weltausstellung wurden die Kutzschenbach´schen Käse prämiert, auf einer Ausstellung 1882 in Moskau glaubte man gar einen Betrug, nahm an, es wären Schweizer Käse. So kam eine Kommission nach Mahmutly, um sich selbst von der Echtheit zu überzeugen und vergab anschließend eine Sondermedaille.

In Tiflis gab es mehrere offizielle Verkaufsstellen, in den anderen Städten des Kaukasus Vertreter für den Verkauf der Produkte.

Für seine Verdienste in vorbildlicher wirtschaflicher, sozialer und kultureller Arbeit auf seinem Großgrundbesitz und dessen Bedeutung für die doch sehr unsichere Region nahe der türkischen Grenze wurde Arthur Alexander von Kutzschenbach vom russischen Zaren 1896 in den Adelsstand erhoben und erhielt den Titel „Baron“.

Anzeige der Dampfziegelei in der Kaukasischen Post Nr. 1

Obwohl Landwirt, gab es noch weitere Unternehmungen. So betrieb er rund 80 km von Tiflis  und 15 km von Mahmutly entfernt etwa 24 Jahre lang eine von der russischen Regierung finanziell unterstütze Glashütte. Auch diese bekam ein Umfeld, wie es auf seinen Gütern üblich war, Verwaltungsgebäude, Wohnungen für die Glasmacher und eine deutsche
Schule. In dieser Hütte arbeiteten überwiegend Glasfacharbeiter aus Schlesien.

Neben der Glashütte gab es zwei Ziegeleien, eine für Mauersteine, eine für Dachziegel, die Arbeiter waren Einheimische, aber auch Perser und Griechen. Im Juli 1906 streikten diese sogar einmal.

Im Jahre 1909, in der Nacht vom 8. zum 9. Juli verstarb Baron Arthur Alexander von Kutzschenbach im Alter von 74 Jahren. Karl und Alexander von Kutzschenbach erbten die Güter. Karl starb bereits 1911 in Lugano und wurde nach seiner Einäscherung in Dresden nach Mahmutly überführt. Seine Witwe Anna führte das Gut weiter, bis es in den Wirren der Revolution 1918 von den Boschewiki zerstört wurde. Sie wurde enteignet, ihr Sohn Frank zum Verwalter der Überreste bestellt. Letzlich verließen sie den Kaukasus und kehrten nach Deutschland zurück.

Alexander und seine Frau wurden inhaftiert, wie viele andere Deutsche im Kaukasus, nach der Entlassung starb er mit nur 53 Jahren auf Gut Bogaßkessan 1922, seine Frau folgte ihm ein Jahr später in Tiflis.

1913 war eine Feier zum 50. Jahr des Bestehens der Güter, sieben Jahre später waren von dem einstigen Vorzeigegut nur noch Trümmer übrig.

50 Jahr Feier 1913

Neben seinem Vater war Baron Kurt Ferdinand von Kutzschenbach (1871-1915) vermutlich der bekannteste von Kutzschenbach in Georgien.

Nach seiner Ausbildung wurde er zunächst Akzisebeamter der russischen Spiritus-Monopolverwaltung und später in der russischen Landesgendamerie Distrikts-Hauptmann in Karakly/Erewan.

1899 heiratete er die in Spremberg geborene Marthe Elsbeth Frieda Schwetasch (1879-1902). Die Familie Schwetasch war mit der Familie Trierenberg, seine Vorfahren, verwandt.

Eheschließung in der Spremberger Kreuzkirche 1899

Aus dieser Ehe entstammten zwei Söhne, Herbert Curt Erdmann, wohnhaft in evangelischen Johannesstift und Schüler in Berlin-Spandau, starb bereits am 14. Dezember 1912 im städtischen Krankenhaus Spandau, er wurde nur 11 Jahre alt. Zu diesem Zeitpunkt war sein Vater Kaufmann in Tiflis, die Mutter war bereits am 25. Dezember 1902 in Tiflis verstorben.

Eine erneute Ehe erfolgte 1907 mit Eva Doehn, sie kam aus Preußisch Stagard.

In Tiflis lernte er den Schlesier Artur Leist, (1852-1927) kennen, dieser hielt sich seit 1884 im Kaukasus auf und lebte seit 1892 ebenfalls in Tiflis. Leist beherrschte die georgische und armenische Sprache und arbeitete als Übersetzer ins Deutsche, schrieb auch allerlei Artikel über kaukasische Themen für Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland. So kam Leist die Idee, eine deutschsprachige Zeitung heraus zu geben. Mitstreiter fanden sich schnell, cand. jur. Alexander Fufajew (1866-1936, wurde im Gefängnis erschossen); Erich Bernstein (1865-1932), Berliner Zahnarzt und Lehrer in Tiflis; Alexis Walling (1861-1936), Lehrer in Tiflis; Franz Schulz (1864-1934) Lehrer in Tiflis; Brauereibesitzer Otto Mader aus Tiflis; Kaufmann Hugo Heerde; Kaufmann Theodor Warmbrunn – bereits bei den von Kutzschenbach tätig, übernahm Kasse und Buchhaltung; der Schweizer Albert Kirchhofer Lehrer in Helenendorf und Tiflis; Fräulein Helene Walter, Lehrerin und Korrektorin der Zeitung, sowie Kurt von Kutzschenbach, der Herausgeber und zeitweise verantwortlicher Redakteur wurde.

Am 18. Juni 1906 war es soweit, die erste Ausgabe der „Kaukasischen Post“ erschien. Die Zeitung erschien damals wöchentlich, jeweils am Sonntag und beinhaltete politische Leitartikel, Nachrichten, Annoncen, Leserbriefe, eine Rundschau aus dem In- und Ausland sowie Nachrichten aus den deutschen Kolonien im Kaukasus. 

Da das Interesse unter der deutschsprachigen Bevölkerung groß war, erschien die Zeitung ab 1909 deutlich erweitert als §Kaukasische Post – Einzige Deutsche Zeitung des Kaukasus – Insertionsorgan für Cis- und Transkaukasien“. In der Zeit des ersten Welkrieges wurde „Kaukasische Post“ eingestellt und erschien erst wieder 1918, ehe sie 1922, kurz nach dem Einmarsch der Roten Armee in Georgien, ihr Erscheinen endgültig einstellen musste.

Während der Erste Weltkrieg tobte, wurden Baron Kurt von Kutzschenbach und seine zweite Frau Eva auf ihrem Landgut Tabaruki, etwa 25 km von Tiflis entfernt, ermordet. Nur sein Sohn Walter (1900-1974) aus erster Ehe überlebte diesen Überfall durch Zufall, da er als Schüler im Internat in Tiflis war und kehrte später nach Deutschland zurück.

Quellen:

  1. Stammbuch des thüringischen Geschlechts von Kutzschenbach. Im Auftrage der Familie zusammengestellt
    von Walther von Kutzschenbach und Rolf von Kutzschenbach. 1915. Gedruckt bei C. A. Starke, Hoflieferant Sr. Maj. des Kaisers und Königs, Görlitz.
  2. BURGDORFER JAHRBUCH 1986, LIII. Jahrgang
    Herausgegeben von der Casino-Gesellschaft Burgdorf, der Ortsgruppe Burgdorf der Hernischen Vereinigung für Heimatschutz, dem Rittersaalverein Burgdorf, der Gemeinnützigen Gesellschaft Burgdorf und dem Oekonomischen und gemeinnützigen Verein des Amtes Burgdorf. Kommissionsverlag: Langlois & Cie.
  3. Kaukasische Post diverse Ausgaben
  4. KARL AUGUST FISCHER Die„Kaukasische Post, Verlag von S. Hirzel in Leipzig, 1944
  5. Handbuch der preußischen Adels, herausgegeben unter Förderung des königlichen Herold Amtes, Erster Band, Berlin 1892, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, könihliche Hofbuchhandlung
  6. Kirchenbücher Lieberose, Groß Breesen, Spremberg, Tiflis, Preußisch Stargard, Standesamt Spandau, Krematorienbuch Dresden
  7. Rigasche Rundschau
  8. Fotos der Grablage, Zeitungsartikel, Kirchenbücher, Zusammenstellung der Vorfahren von mir selbst erstellt und recherchiert
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Aus dem deutschen Leben

Katharinenfeld den 16. Januar 1921

Im letzten Spätherbst zog eine Gruppe hiesiger Jünglinge und Jungfrauen nach Württemberg, um dort zu studieren, vor ihrer Abfahrt ließen sich die meisten vom Ortspastor Bescheinigungen darüber ausfertigen, dass sie wirklich württembergische Abstammung sind. – „Ja, ist denn das noch nachweisbar?“, hörte man damals öfter fragen, denn wiewohl man sich dessen hier vollständig bewusst ist, dass unsere Vorfahren aus Württemberg ausgewandert sind, so kennt den eigentlichen Heimatort seiner Voreltern doch nur noch selten jemand. Die Alten sind längst nicht mehr da, die Jungen denen man es wohl oft erzählt hatte, sind auch alt geworden und jene nachgefolgt. Mit ihnen hat auch der Briefwechsel allmählich nachgelassen und endlich aufgehört und so haben sich Verwandte und Freunde von hier und drüben auf ganz natürliche Weise vergessen. Der letze, mir bekannte Brief aus Schwaben an die Verwandten in Katharinenfeld, stammt aus Schorndorf und ist datiert vom 5. Dezember 1877. Es erkundigt sich darin eine geb. Kärcher in recht herzlichem Tone über das Wohlergehen ihrer Verwandten hier und bittet, doch mit dem nächsten Briefe ihre Fotografien mitzuschicken. „um wenigstens einander in so weiter Ferne auf dem Papier kennenzulernen. „ – Erst in letzter Zeit regt sich wieder ein besonderes Interesse für sie. Um nun diesem einigermaßen entgegenzukommen, seien hier in Kürze die Daten angegeben, die sich nach den noch vorhandenen Familienverzeichnissen über den Auswanderungsort und den Beruf unsere Ahnen haben ermitteln lassen. – Zuvor über den Ort. „Kennt ihr das Land in deutschen Gauen, das schönste dort am Neckarstrand?“ … … „Das ist das Land, wo unserer Väter Wiege stand!„ Dieses haben sie, zusammen mit einer größeren Auswanderungsharmonie, im Sommer 1817 verlassen, um sich hier in dem Lande „wo Sonnenglut und ew´ger Schnee sich fest die Hände reichen“, ein neues Heim zu suchen. Sie stammten ursprünglich fast ausschließlich aus der Gegend zwischen Reutlingen, Heilbronn, Pforzheim und Gmünd, von Tübingen, Nürtingen und Eßlingen aber gibt es beinahe keinen Flecken, den nicht irgendwelche Katharinenfelder als ihren alten Heimatort bezeichnen dürften. Ordnet man nun diese Ortschaften in ihre Oberämter und zwar nach der Zahl der Auswanderer, die sie damals Katharinenfeld gegeben haben, so kommen auf Tübingen und Umgegend die meisten, nämlich 26 Familien, auf Esslingen 17, Nürtingen 15, Kirchheim 13, Schorndorf 12, Stuttgart 9, Reutlingen und Preußen je 8, und Göppingen je 7, Baden 6, Backnang, Kannstadt, Waiblingen, Urach und Preußisch-Polen je 5, Nagold, Leonberg, Münsingen und Heidenheim je 4, Balingen, Sulz und Elsaß je 3, von ebenso viel (3) Familien ist der Auswanderungsort gar nicht bekannt, auf Heilbronn. Marbach, Herrenberg und Polen kommen je 2, Freudenstadt, Kalw, Maulbronn, Winnenden und Pfullingen je 1 . – Von Bauern ungefähr die Hälfte, die übrigen aber beinahe ausschließlich Handwerker, genauer war das Verhältnis folgendes: Bauern 72, Weber 22, Weingärtner 20, Bauern und Handwerker (gemischt) 18, Zimmerleute 9, Maurer 8, Kübler und Böttcher 7, von ebensovielen ist die Beschäftigung unbekannt, Schuhmacher 6, Schneider und Bäcker je 5, Schmiede 4, Schreiner 3, Wagner 2, Schulmeister, Bierbrauer, Ziegler, Sattler, Holzhauer und Tagelöhner je 1.  Zusammen 194 Familien, und zwar nicht Arme. Diese Zahl verminderte sich aber im Laufe der zwei ersten Jahre so rasch, daß, bis es zur Gründung der hiesigen Kolonie kam, nur noch die Hälfte davon übrig geblieben war. Zur Orientierung für den Einzelnen seien hier die Angaben von Familien, deren Nachkommen heute noch leben, auch einzeln gemacht.

Die Namen Beck, Brodt, Gaisdörfer, Hottmann, Jägle, Kötzle, Reiser und Wuchrer waren in den Verzeichnissen nicht vermerkt, da diese Familien erst viel später hier eingewandert sind. Desgleichen übersiedelten im Jahre 1831 aus Annenfeld hierher die Familien: Fleig, Häring, Bös, Kurz und G. F. Fischer; aus Elisabettal: Binder (1830) Krohmer (1830) und Eckstein; aus Helenendorf: Reeber, Reiter (1827), Maurer und Caspar Meier (1828); aus Ardaghan im Jahre 1833 M. Chetschik und aus dem Taurischen im Jahre 1834 die Familie Illg.


aus: Kaukasische Post Nr. 8, 13. Jahrgang, Tiflis, 30.1.1921

Elisabetthal – Erstansiedler

Elisabethal gegründet 1818 

Liste der Gründer der Kolonie mit Angabe ihrer Ursprungsheimat1

  1. Aberle. Johann Philipp, aus Dettenhausen/Tübingen (Fr.: Anna Maria Pfeiffer)
  2. Aichholz, Margarete, * 1784, aus Wolfsolden (Backnang; K.: Katharina* 18.3.1808. Jakob 3.2.1811)
  3. Anselm, Abraham, aus Wurmlingen/Tübingen2
  4. Bäuerle, Adam, aus Pfrondorf/Tübingen
  5. Baitinger, Johann Georg, aus Rohrdorf/Nagold
  6. Bauder, aus Pfullingen/Reutlingen
  7. Bauer, Johannes, aus Merklingen/Leonberg
  8. Baumeister, Jakob Friedrich, Zimmermann, +13.7.1833, aus Waldhausen/Tübingen (Fr.: Anna Marg. Maier; K.: Eva Marg., verh. Jakob Schall aus Bonlanden/ Esslingen, Cath. Magd., verh. mit Joh. Georg Koch, Dorothea Berthold (Berchdoidt), Christian, Illingen/ Maulbronn)
  9. Boppl, Adam, aus Plattenhardt/Esslingen
  10. Böpple, Jakob, aus Bonlanden/Esslingen
  11. Böpple, S. v. Adam, Geistlicher Lehrer, aus Bonlanden/Esslingen
  12. Bogner. Caspar, aus Dettenhausen/Tübingen
  13. Brauning, Christoph, aus Kemnat/Esslingen
  14. Briem, Johann, aus Bonlanden/Esslingen (Fr.: Christina Dorothea Sick)
  15. Buhl, Jakob, Schuster, aus Musberg/Stuttgart
  16. Dast, Johannes, aus Plattenhardt/Esslingen
  17. Dengler, Maria, s. Kalkreuter
  18. Denner, Auguste, aus Schwäbisch Hall, 1863
  19. Eckert, Katharina, geb. Oswald, aus Dettenhausen/ Tübingen
  20. Eckstein, Andreas, aus Gaisburg/Stuttgart
  21. Eichholz, s. Aichhofz
  22. Feldmaier, Joh. Georg aus Bonlanden/ Esslingen
  23. Frank, Gottfried, aus Weinsberg/ Heilbronn
  24. Frey, Christian, Friedr., aus Marbach/N.
  25. Frick, Schmied, aus Plattenhardt/Essl.
  26. Fritz, Jakob, Friedr., Johannes, aus Dettingen/ Reutlingen
  27. Grub, Christian, aus Tübingen
  28. Grotzinger, Andreas, aus Reutlingen
  29. Gutbrod, Johann-Martin *22.04.1777 Bernloch/Münsingen – Anna-Maria Weiler *04.12.1780 Bernloch/ Münsingen, 1817, s. Marienfeld Hilz
  30. Höh, Johann Georg, aus Musberg/ Stuttgart
  31. Holoch, Joh. Jakob, aus Reutlingen
  32. Honecker, Mathias, aus Schopfloch Freudenstadt
  33. Hübner, Georg, Christian, aus Göppingen, 1831
  34. Illg, Thomas, Weing, aus Hebsack/ Waiblingen
  35. Kaiser, aus Bonlanden/Esslingen
  36. Kalkreuther, Thomas Friedr., aus Neubulach/ Calw (Fr.: Maria Barbara Dengler)
  37. Kauter, aus Zaisersweiler/ Vaihingen
  38. Koch, Jakob Friedr, * 17.3.1804, aus Oberhaugstett/ Calw (Fr.: Sophia Doroth.)
  39. Koch, Joh. Peter; Fr.: Katharina Doroth. Schneider
  40. Koch, Georg, aus Waldhausen/ Schw. Gmünd
  41. Koch, Friedrich, aus Dettenhausen/ Tübingen König, aus Bonlanden/ Esslingen
  42. Kopp, aus Dürmenz/ Vaihingen
  43. Krohmer, Adam, aus Neuffen/ Nurtingen
  44. Kugel, aus Sommenhardt/Calw
  45. Lamparter, Johannes, aus Neuffen/ Nürtingen
  46. Kurz, Jakob, aus Großgartach/ Heilbronn
  47. Lohrer, Andreas, aus Backnag                                                            
  48. Laugenstein aus Gochsheim/ Bruchsal-Ba.
  49. Luithle, Jakob, aus Oberiflingen/Freudenstadt (wegen Pest nach Bessarabien weitergewandert)
  50. Merz, Friedr. David, aus Geradstetten/ Waiblingen Maier, Daniel (Fr.: Sibille Seybold)
  51. Müller, Joh. Josef, aus Asperg/ Ludwigsburg (Fr.: Katharina Widmann)
  52. Osswald, Johann, aus Dettenhausen/ Tübingen
  53. Pfau, Georg Peter, aus Bonlanden/ Esslingen (Fr.: Anna Bauer)
  54. Pfeiffer, Jakob Johann, aus Dettenhausen/ Tübingen (Fr.: Anna Bauer)
  55. Rösch, Johann, aus Dettingen/ Heidenheim (K.: Johannes, dessen Kinder: Anna Barb., Jakob, Anna-Kath., Abraham, Leonhard, Barbara)
  56. Resch, Abraham, aus Dettingen/ Heidenheim (Fr.: Ursula Bauer, aus Dettenhausen/ Tübingen)
  57. Rommel, Melchior, aus Denkendorf/ Esslingen
  58. Rommel, David, aus Winnenden/ Waiblingen
  59. Rotfuß, Andreas, aus Simmersfeld/ Nagold
  60. Schall, Johann Georg, aus Bonlanden/ Esslingen (Fr: Eva Magd), Baumeister
  61. Schilling (Schelling), aus Dusslingen/ Tübingen
  62. Schlech, Matthaus, aus Neuweiler/ Böblingen
  63. Schlecht, Christian, aus Bonlanden/ Esslingen
  64. Schlogel, Anna Maria, geb. Lorenz, aus Korb/ Waiblingen
  65. Schmid, Stephan, aus Plattenhardt/ Esslingen
  66. Schmid, Johann, Fr. Barbara Gross, aus Plattenhardt/ Esslingen (S.: Christian, seine Kinder: 1. Barbara verheiratet mit Johann Frick, 2. Anna Maria / Gottlieb Frick, 3. Katharina / Georg Schall, 4. Jakob / Marg. Schall, 5. Joh. Georg / Regina Lamparter, 6. Johannes / mit Wilhelmine Schleit, 7. Margarethe / mit Johannes Bay)
  67. Schmidt, aus Dettenhausen/ Tübingen
  68. Schmidt, Maria, aus Plattenhardt/ Esslingen
  69. Schnabel, Andreas, aus Winterbach/Waiblingen
  70. Schneider aus Winterbach/ Waiblingen
  71. Schottle, aus Rohrdorf/ Calw
  72. Schopf, Johannes, Weber, Johann Christoph, ledig, aus Zaisersweiler/ Maulbronn
  73. Spitz, Johannes Ludwig, aus Buttenhausen/ Münsingen
  74. Wasserbech, Johann Georg, aus Horrheim/ Vaihingen (K.: Jakob Heinrich)
  75. Widmann, Jakob Friedr. aus Asperg/ Ludwigsburg
  76. Zeeb, Johann Martin, aus Degerschlacht/ Reutlingen
  77. Zoller, Johann Georg, aus Effringen/ Nagold

Ein nach der Gründung von Elisabetthal zugezogener Kolonist aus Helenendorf, der etwa 1832 verstarb, wurde in Deutschland für tot erklärt 1857:

Herrenberg (Vorladung eines Verschollenen) Johann Friedrich Entenmann von Hildrizhausen, geboren den 5.4.1787, welcher im Jahre 1817 mit Familie nach Kaukasien ausgewandert ist, ohne daß seither von seinem Leben oder Tod etwas bekannt geworden wäre, ist somit als verschollen anzusehen und hat nunmehr das 70. Lebensjahr zurück gelegt. Derselbe oder seine etwaigen Leibeserben werden daher aufgefordert, binnen neunzig Tgaen sich dahier zu melden und das in pflegschaftlicher Verwaltung stehende kleine Vermögen in Empfang zu nehmen, widrigenfalls nach Ablauf dieser Frist der Verschollene als todt und ohne Leibeserben verstorben angenommen und sein Vermögen unter seine bekannten Intestaterben würde vertheilt werden. So beschlossen im K. Oberamtsgericht Herrenberg den 9. Mai 1857 Fetzer.

Schwäbischer Merkur 1857


1Ekaterine Udsulaschwili: Die deutschen Kolonisten in Georgien (Elisabethtal–Asureti 1818–1941). Tiflis 2006 p.32-33

2 es muss sich um eine Verwechslung handeln, Abraham war Maurer und Handwerker in Odessa, Bruder Friederich war nachweislich in Elisabetthal

Tatarashvili – Architektonisches Erbe in Georgien

Gern möchte ich auf ein besonderes Buch aufmerksam machen

Foto: Nestan Tatarashvili

Die Deutschen Siedlungen und das deutsche Architektonische Erbe in Georgien = German Settlements and architectural Heritage in Georgia 

Die Architektin und Autorin Nestan Tatarashvili veröffentlicht hier Inventarisierungs- und Forschungsergebnisse aus ganz Georgien.

Sie besuchte in den Jahren 2015 bis 2018 mehrere Industriedörfer und 23 deutsche Siedlungen, um 1200 wertvollen Gebäude zu identifizieren und wissenschaftliche Forschungen durchzuführen.

Aufgrund dieses sehr umfangreichen Materials veröffentlichte sie die Ergebnisse 2018 in diesem Buch, welches die Geschichte von Migration, Religion, Wirtschaft, Kultur, Bildung und Architektur der deutschen Siedler enthält. Aufgezeigt wird die Entwicklung ihrer Siedlungen und Industriezentrum. Es gibt alte und neue Namen deutscher Siedlungen, ihre historischen und gegenwärtigen Standorte, alte und neue Karten, Zeichnungen der wertvollsten deutschen Häuser usw.

Das Buch enthält:
• wissenschaftlicher Text und Bibliographie
• Archivmaterial – Dokumente, Fotos, Karten, Projekte, Zeitung Kaukasische Post, Musik etc.
• alte und neue Fotos, Karten, Zeichnungen usw.


Tatarashvili Nestan. Die Deutschen Siedlungen und das deutsche Architektonische Erbe in Georgien = German Settlements and Architectural Heritage in Georgia. Publishing House CEZANNE. Tbilisi, 2018 Texts in Georgian, German and English. Sprache: deutsch, englisch, georgisch. 240 pages, 23 X 29 cm. ISBN-978-9941-8-0101-3

Kontakt über Nestan Tatarashvili Facebook


Tamara Chernova-Dioke rezensierte:

Das in drei Sprachen – Georgisch, Deutsch und Englisch – in Tiflis veröffentlichte Buch des Architekten Nestan Tarashvili ist ein besonderes Phänomen bei der Erforschung des Themas „Deutsche Siedlungen im Südkaukasus“. Die Veröffentlichung unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten, des Ministeriums für Kultur und Sport Georgiens, der Nationalen Agentur für den Schutz des Kulturerbes Georgiens, der Gesellschaft zur Erhaltung des deutschen Kulturerbes in Georgien und der Europäischen Union im Südkaukasus zeugt von dem großen Interesse an einer solchen Veröffentlichung. Die Besonderheit und Bedeutung des Buches besteht darin, dass zum ersten Mal das Merkmal des architektonischen Erbes der Deutschen, der Arten und Stile von Gebäuden in all ihren Siedlungen in Georgien gegeben ist. Dies wird seit 2015 durch die Erhebung, Identifizierung und Bestandsaufnahme des über 200 Jahre erhaltenen deutschen Erbes ermöglicht. Es wurde von dem Verein zur Bewahrung des deutschen Kulturerbes im Südkaukasus, dessen aktives Mitglied die Autorin ist, durchgeführt und umfasst mehr als die Hälfte des Buchbandes einzigartige Illustrationen: Karten, Pläne und Arten von Kolonien; alte Postkarten über die Straßen und wirtschaftlichen Aktivitäten der Siedler; Kopien von Archivdokumenten (S. 102–138). Als nächstes folgen Illustrationen der deutschsprachigen Kaukasischen Post, die jeden Sonntag ab dem 18. Juni 1906 erscheint und das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Kolonisten widerspiegeln (S. 142–147). Auf einer Karte von Georgien sind 7 Kolonien und Zeichnungen einzelner Häuser eingezeichnet. Straßenansichten, erhaltene Gebäude und deren architektonische Elemente, das Innere von Häusern und Kellern, Fotos von Kirchen und Grabsteinen usw. werden in einzelnen Kolonien festgehalten. (S. 150–240). Insgesamt sind 23 Siedlungen in der Liste erfasst. Einige von ihnen haben heute Hinweistafeln mit den Anfangsnamen der schwäbischen Kolonien in georgischer und deutscher Sprache. Die Autorin gibt eine historische Skizze über die Umsiedlung von Schwaben und die Bildung separater, insbesondere subsidiärer Kolonien oder die Bildung deutscher Siedlungen in Fabriken. Basierend auf den untersuchten archivarischen Primärquellen, der wissenschaftlichen Literatur, Presseveröffentlichungen und den Erinnerungen von Wissenschaftlern und Reisenden, die die Kolonie im letzten Jahrhundert besucht haben, bietet sie ihren Standpunkt zu diesem Thema sorgfältig, geschickt und korrekt im Vergleich der Positionen einzelner Autoren an. Ein besonderes Verdienst der Autorin bei der Aufdeckung der aktuellen Situation, Lage und Namen ehemaliger deutscher Dörfer / Städte / in Georgien. Das Buch verdient Beachtung und war ein wichtiger Beitrag zum 200-jährigen Jubiläum (1818–2018) der Gründung deutscher Siedlungen in Georgien, das damals Teil des russischen Reiches war.

Немецкие поселения и немецкое архитектурное наследие в Грузии

Вышедшая в Тбилиси на трех языках – грузинском, не-мецком и английском – книга архитектора Нестан Та-тарашвили представляет собой своеобразное явление в исследовании темы «Немецкие поселения на Южном Кавказе». Издание под патронажем МИДа Германии, Министерства культуры и спорта Грузии, Националь-ного агентства по охране культурного наследия Грузии, Обществ по сохранению немецкого культурного насле-дия в Грузии и европейского – на Южном Кавказе сви-детельствует о глубокой заинтересованности в подоб-ной публикации. Особенность и значимость книги в том, что, во-пер-вых, впервые дана характеристика архитектурного на-следия немцев, типов и стилей построек по всем их поселениям в Грузии. Этому способствовала работа с 2015 г. по обследованию, идентификации и инвента-ризации сохранившегося за 200 лет немецкого наследия. Ее провело «Общество по со-хранению немецкого культурного наследия на Южном Кавказе» (Verein zur Bewahrung deutschen Kulturguts im Südkaukasus), активным членом которого является автор.Во-вторых, более половины объема книги занимают уникальные иллюстрации: карты, планы и виды колоний; старинные открытки с изображением улиц и хозяй-ственной деятельности поселенцев; копии архивных документов (с. 102–138). Далее – иллюстрации из немецкоязычной газеты Kaukasische Post («Кавказская почта» выхо-дила каждое воскресенье с 18 июня 1906 г.), отражающие хозяйственную и культурную жизнь колонистов (с. 142–147). Даны планы 7 колоний на карте Грузии и чертежи ин-дивидуальных домов. По отдельным колониям запечатлены виды улиц, сохранившие-ся здания и их архитектурные элементы, внутренний интерьер домов и подвалов, фото церквей и надгробных плит и т.д. (с. 150–240). Всего охвачены 23 поселения, представ-ленные по списку. На сегодня в некоторых из них установлены плакаты-щиты с указа-нием первоначальных названий швабских колоний на грузинском и немецком языках. Автор дает исторический очерк о переселении швабов и становлении отдельных, в частности дочерних, колоний или образовании немецких поселений при фабри-ках. На основе изученных архивных первоисточников, научной литературы, публи-каций прессы и воспоминаний посетивших колонии в прошлом веке ученых и пу-тешественников она скрупулезно, умело и корректно, в сопоставлении позиций от-дельных авторов, предлагает свою точку зрения по данному вопросу. Особая заслуга автора в выявлении современного положения, местонахождения и имен бывших не-мецких селений /городов/ в Грузии. Книга заслуживает внимания и явилась существенным вкладом к 200-летнему юби-лею (1818–2018) основания немецких поселений в Грузии, входившей тогда в состав Российской империи.

Т. Чернова-Дёке

«Ежегодник» (Международный ассоциации исследователей истории и культуры поссийских немцев. N4.)

Dr. med. Theodor Pacht

Dr. med. Theodor Pacht1 praktizierte in den Jahren 1903 und 1904 als Arzt in Katharinenfeld.

Geboren wurde er am 6. August 1860 zu Kokenhusen-Pastorat im Rigaschen Kreis, verstorben ist er 1937 in Riga.

Sein Bruder war der praktische Arzt Walter Emil August Raimund Pacht, geb. am 28. August 1850 zu Kokenhusen-Pastorat.

Geburtseintrag2
zur Umgebungskarte von 17913 bitte klicken

Ihr Wohnort, das Pastorat von Kokenhusen, lag zwei Werst4 von Kokenhusen selbst entfernt und mit diesem am rechten Ufer der Düna, 14 Meilen5 oberhalb Riga. Ein Flüßchen, die Pehrse oder Perse, geht neben dem Pastorat vorbei und mündet unterhalb Kokenhusens in die Düna.


  1. Foto: Rahvusarhiivi, Nationalarchiv Estonia; Studio Th. John, varem Schlater, Aleksandri tn, Tartu, Zeitraum 1880–1888; Archivnummer EAA.1844.1.185.104 ↩︎
  2. Geburtseintrag: Evangelische Lutheraner, Kokenguzen (Koknese), Lettisch, Deutsch, Geburten, Ehen, Tote 1860–1864, S. 4 Nr. 14; Historisches Staatsarchiv Lettlands, Riga ↩︎
  3. Kartenausschnitt aus Kogneses Draudzes Wikimedia, gemeinfrei
    hier ↩︎
  4. 1 Werst = 1,0668 Kilometer ↩︎
  5. 1 Meile = 7.467,6 Meter = 7 Werst ↩︎

Auswandererlied 1816

Der Esslinger Oberamtmann gab in seinem Schreiben vom 16.12.1816 an das Oberamt Nürtingen als Verfasser einen „…gewissen Buob…“ an, „…dieser möchte dafür verantwortlich seyn, da er darinne zur Auswanderung und zur Annahme seiner schwärmerischen Lehre auffordert…1

Abschieds Lied!


1:

Auf Brüder Schwestern freuet euch,
bald kommt die frohe Zeit.
Folgt weil des Lammes Fahne weht
Folgt gern wohin es immer geht
Wir sind dazu bereit.


2:

Verlaß die Welt gesinten gern
Samt ihrem eutlen Tand
Und Zieht dahin wo Jesus ruft
sey es zum Leben, seys zur Gruft.
Wir sind in seiner Hand.


3:

Er der die Sünden gut getilgt
Mit seinem teuren Blut.
Schüzt auch vor allem was auch droth
den er er überwand den Tod
Und Zwang der Höllen Brut.


4:

Vertrauet seiner Leitung nur
Sein Weg ist eutel Licht
Ihr Zions Kinder freuet euch
Es ist kein Folk wie ihr so reuch
Dem bald nichts mehr gebricht.


5:

Doch wen noch Graun und Wankelmuth
In Sklaven Fessel fült
Der bleibe wn wir andre ziehn
Und fült er wir bedauren ihn
Er ist ein Kind der Welt.


6:

Lebt wohl ihr Freunde die noch Pflicht
Im Vatterlande fült.
Lebt wohl besuchet uns bald dort,
an dem von Gott bestimten Ort.
So bald es ihm Gefält.


7:

Dies Land das uns so lang versorgt,
Mit Pflege Speis und Trank.
Dir sey von jedem Herz das fühlt
So lange bis der Tod es kühlt,
Der allerwärmste Dank.


8:

Auch bütten wir aus Herzensgrund
für unsers Königs Heil
Beschüz ihn vor Gewalt und List
Gott der du Gott der Stärke bist,
Und der Gerechten Pfeil.


9:

Wird unser Schiff vom Sturm gebeitscht
Seyd unverzagt und kühn
Er der zum Meere hat gesagt
„Bis hirher und nicht weiter“ wagt.
Es wohl was gegen ihn


10:

Wen über Wasserberge hoch
Sich der Kaukasus hebt:
So singen wir Haleluja
Nun sind wir ja dem Lande nah.
Daß unser Schiff erbebt.


11:

Und wann nun alles Groß und klein
Gesund das Land erreucht
So danken wir den Herrn der Macht
Dar uns so weit hat hergebracht
und nie von seinen weicht.


12:

Ja wenn wir alle dort vereint,
Die vor uns ginngen sehn,
Dann reichen wir uns treu die Hand
Zu bauen das neue Vaterland
Gott Laß es bald geschehn.



1 Mikrofilm 838515: Auswanderungsakten, 1526–1899; Oberamt Nürtingen (Württemberg). Bd. 33–41 1806–1822

Conrad Buob wurde als Stuttgarter Tuchscherer, welcher ehemals 14 Jahre in dänischem Militärdienst stand und im Sommer 1815 entlassen wurde als Hauptmann, 40 Jahre alt und ledig, beschrieben

Raiser und Prinz aus Katharinenfeld

Privatbesitz Walter Prinz

Mein Dank gilt Walter Prinz, der in fruchtbarer Zusammenarbeit meine Seite mit dieser Zusammenstellung bereichert. Hinweise auf Ergänzungen und weiterführende Informationen werden hier dankend entgegengenommen. Vielleicht kennt jemand die Vorfahren der Familie Prinz, der nach Katharinenfeld einwanderte.

Plieninger

Privatbesitz Artur Rolloff

Mein Dank gilt Artur Rolloff, der in fruchtbarer Zusammenarbeit meine Seite mit dieser Zusammenstellung bereichert. Hinweise auf Ergänzungen und weiterführende Informationen werden hier dankend entgegengenommen. Vielleicht kennt jemand die Vorfahren des Friedrich Rolloff, der nach Tiflis einwanderte.

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Deutsche Kolonisten

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