Zur Erinnerung an unsere Vorfahren, die als Migranten aus Süddeutschland in die Welt zogen

Kategorie: Bessarabien (Seite 1 von 6)

Umsiedlerlager (Niederösterreich)

Reliefkarte Niederösterreich 1

Bezirk Horn

Hier lagen die Umsiedlerlager

  • Altenburg, Lagerleiter Leo Maar, 371 Bewohner aus Kolatschovka
  • Eggenburg, Lagerleiter Franz Schäffer, 110 Bewohner aus Konstanza
  • Gars am Kamp, Lagerleiter Hans Timal ,151 Bewohner aus Horoslar
  • Geras, Lagerleiter Raimund Riedmayer, 170 Bewohner aus Alacap
  • Hafnerluden, Lagerleiter Josef Luksch, 141 Bewohner aus Horoslar

Geras

Blick vom Reblaus-Express auf der Strecke nach Retz auf das Stift Geras 2

Gemeldet wurden durch den Lagerführer Raimund Riedmayer am 8. März 1941 folgende Umsiedler3:

  • Blumhagen, Christoph
  • Fode, David
  • Fetzer, Pauline
  • Grabatin, Karl
  • Hausch, Katharina; Hausch, Heinrich
  • Hopp, Alfred; Hopp, Gotthielf
  • Hilius, Karoline
  • Jasmann, Samuel
  • Kutz, Luise; Kutz, Emil
  • Karle, Christian
  • Kling, Jackob [sic!]
  • Kargel, Amalia
  • Pohl, Christian; Pohl, Jackob
  • Reule, Daniel; Reule Gottlieb; Reule, Johannes, Reule, Jackob
  • Schultes, Eduard; Schultes, Johann
  • Schulz, Eduard; Schulz, Friedericka
  • Salo, Robert
  • Unrath, Friederich; Unrath, Gottlieb; Unrath, Emanuel; Unrath, Jackob, Unrath, Emanuel; Unrath, Friederich; Unrath, Alfred; Unrath, Maria; Unrath, Karoline; Unrath, Eduard
  • Weber, Emanuel

Mistelbach

In Österreich gab es eine große Zahl von Lagern, ein Teil davon in und um Mistelbach (Niederösterreich):

  • Alt Prerau: Lagerleiter Johann Groß, 36 Bewohner aus Josefsdorf
  • Asparn an der Zaya: Lagerleiter Heinrich Eberlein, 166 Bewohner aus Lunga
  • Bernhardsthal: Lagerleiter Leo Reichl, 120 Bewohner aus Tarutino, Josefsdorf
  • SA-Heim, Burg Laa an der Thaya: Lagerleiter Rudolf Gsonek, 116 Neu-Tarutino
  • Gaubitsch: Lagerleiter Johann Lahner, 58 Bewohner aus Neu-Tarutino
  • Kirchstetten: Lagerleiter Georg Ehrenreich, 152 Bewohner aus Konstanta, Karamurat
  • Kronberg: Lagerleiter Franz Haindl, 78 Bewohner aus Neu-Tarutino
  • Ladendorf: Lagerleiter Eduard Riedl, 275 Bewohner aus Mathildendorf, Neu-Mathildendorf, Petrowka, Borodino
  • Mistelbach an der Zaya: Lagerleiter Johann Schuch, 177 Bewohner aus Josefsdorf
  • Pellendorf: Lagerleiter Franz Stelzer, 133 Bewohner aus Josefsdorf
  • Schloß Poysbrunn: Lagerleiter Rudolf Fluchy, 81 Bewohner aus Neu-Tarutino

Walterskirchen

Pfarrhof in Walterskirchen, Gemeinde Poysdorf, Niederösterreich, Österreich 4

Lagerleiter Johann Kaufmann, es gab hier am 1. März 1941 gelistete 81 Bewohner aus Tarutino, Neu Tarutino und Josefsdorf5:

  • Familie Friedrich Göhner und Frau Magdalena geb. Wahl; 10 Kinder; aus der Ehe mit Schneider Adam (†) 4 Kinder (22 Kinder und 18 verstorbene!), Johann Göhner und Magdalena Motz, 2 Kinder (eins verstorben)
  • Familie Wilhelm Trautwein, Frau Anna geb Ertmann, 2 Kinder; Johann Trautwein, Frau Rosina geb. Günter, 9 Kinder (davon 4 †) und Martin Trautwein mit Frau Rosina geb. Knodel, 10 Kinder (davon 4 †)
  • Familie Eduard Bogner mit Frau Elise geb. Fandrich, 1 Kind; Johannes Pohl (†) mit Frau Helene geb. Döhring, 4 Kinder (davon 3 †); Gottfried Bogner mit Helene geb Döhring 12 Kinder (davon 8 †).
  • Familie Reinhold Rath mit Frau Elsa geb. Stoik, 4 Kinder (davon eins verstorben) und Wilhelm Rath mit Frau Christine geb. Wahler, 9 Kinder (davon 3 †)
  • Familie Rudolf Tetzlaff mit Frau Maria Fandrich, 1 Kind und Samuel Tezlaff mit Frau Pauline Milbrat, 12 Kinder (davon 4 †)
  • Familie Alfred Bich mit Frau Adele Wanke, 3 Kinder (davon 2 †); Johann Bich mit Frau Salomena geb. Bunk, 11 Kinder (davon 7 †) und Gottfried Bich mit Frau Magdalena geb. Seize, 4 Kinder (davon 2 †)
  • Familie Michael Böttcher mit Frau Alfine geb. Schöffelmeier, 7 Kinder (davon eins †) und Daniel Böttcher mit Frau Juliane Butau, 11 Kinder (davon 3 †)
  • Familie Johann Pohl und Frau Katharina geb. Pohl, 9 Kinder (davon 3 †) und Christian Pohl mit Frau Anna geb. Ruff, 8 Kinder
  • Familie Johann Schrank mit Frau Karoline geb. Fälscher, 3 Kinder und Toternschke, Jorips (?) (ein Russe) mit Karoline Fälscher 3 Kinder
  • Familie Gottfried Brißke mit Frau Hulda geb. Sept 14 Kinder (davon 3 †), Ferdinand Brißke mit Frau Katharina geb. Frank 6 Kinder (davon 2 †) und Reinhold Kling mit Frau Hulda geb. Sept, 1 Kind


  1. Reliefkarte Niederösterreich Tschubby – Eigenes Werk 7.5.2021 CC BY-SA 3.0 ↩︎
  2. Blick vom Reblaus-Express auf der Strecke nach Retz auf das Stift Geras, Karl Gruber (K@rl), CC BY-SA 3.0 Juli 2014 ↩︎
  3. DAI Microfilm T-81 Roll 320 ↩︎
  4. Pfarrhof in Walterskirchen, Gemeinde Poysdorf, Niederösterreich, Österreich Robert Heilinger – Eigenes Werk 27.6.2019 CC BY-SA 4.0 ↩︎
  5. DAI Microfilm T-81 Roll 320 ↩︎

Umsiedlerlager Sudetengau

Verwaltungskarte des Reichsgaus Sudetenland mit Land- und Stadtkreisen (1944) 1

Dem ehemaligen Landkreis Luditz (Zlutice)untergeordnet:

Bernklau

Ansichtskarte von 1904 2

Das Lager war im März 1941 mit Bessarabiern belegt3:

  • Oskar Schulz, Frau Luise Hettig, 1 Kind
  • Johann Schulz, Frau Anna Maria Bietz, 10 Kinder (davon 3 †)
  • Eduard Schulz, Frau Pauline Hettig, 3 Kinder (davon 1 †)
  • Benjamin Sauter, Frau Emma Witt, 4 Kinder (davon 1 †)
  • David Bietz, Frau Emma Wiedmer, 3 Kinder (davon 1 †)
  • Otto Jans, Frau Lidia Böpple
  • Pauline Thielemann geb. Ziegler, 7 Kinder (davon 1 †)
  • Friedrich Schulz, Frau Elfriede Thielemann
  • Gotthold Quiram, Frau Klara Handel, 1 Kind
  • David Bietz, Frau Maria Weiß, 3 Kinder (davon 1 †)
  • Johann Wirt, Frau Karolina Baumann 4 Kinder (davon 1 †)
  • Johann Thielemann, Frau Maria Baumann, 4 Kinder (davon 1 †)
  • Friedrich Thielemann, Frau Berta Bietz, 1 Kind (davon 1 †)
  • Johann Schelske, Frau Justine Reiser, 9 Kinder (davon 1 †)
  • Rudolf Lemmle, Frau Maria Quiram, 8 Kinder
  • Reinhold Müller, Frau Martha Klein, 5 Kinder (davon 1 †)
  • Wilhelm Fandrich, Frau Pauline Meuer, 1 Kind
  • Rudolf Müller, Frau Friederike Schulz, 4 Kinder (davon 2 †)
  • Magdalena Röchelt geb. Liebelt, 4 Kinder
  • Wilhelm Pfeifer, Frau Christina Müller, 2 Kinder (davon 1 †)
  • Johannes Anklam, Frau Elisabeth Kreis, 5 Kinder (davon 2 †)
  • Jakob Kreis, Frau Pauline Weiß, 2 Kinder
  • Reinhold Schock, Frau Leontina Fandrich, 1 Kind
  • Reinhold Müller, Frau Josepha Furmanek, 4 Kinder
  • Eduard Kallmeier, Frau Natalie Hannemann
  • Robert Hentschel, Frau Alma Kallmeier
  • Daniel Quast, Frau Regina Bohnet, 8 Kinder (davon 2 †)

weitere Lager im Landkreis waren:

  • Rabenstein an der Schnella (Rabštejn nad Střelou)
  • Taschwitz (Tašovice)
  • Waltach (Valeč, Waltsch)

Mährisch Schönberg

Mährisch Schönberg 1913 4

Šumperk (deutsch Mährisch Schönberg) ist eine Stadt in der Region Olmütz in Tschechien.

Die deutsche Geschichte reicht viele Jahrhunderte zurück, daher gab es eine Sudetendeutsche Partei (SdP), die offen das „Dritte Reich“ unterstützte und bei den Wahlen 1935 auch 64 % der Stimmen erhielt.

Im Jahre 1938, nach dem Münchner Abkommen wurde die Stadt dem Deutschen Reich zugeschlagen und war bis 1945 Sitz des Landkreises Mährisch Schönberg und gehörte zum Reichsgau Sudetenland. Erst mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, 1945 wurde Mährisch Schönberg an die Tschechoslowakei zurückgegeben und erhielt den tschechischen Stadtnamen Šumperk zurück. In der Folge begannen großflächige Enteignungen und Vertreibungen der verbliebenen deutschmährischen Bevölkerung.

Hier befanden sich die der Stadt unterstellten Umsiedlerlager:

  • Mährisch-Altstadt mit 121 Personen
  • Mährisch-Schönberg Nr. 42 mit 52 Personen
  • Ullersdorf Nr. 43
  • Zöptau mit verantwortlichem Lagerleiter Johann Huft


Im Umsiedlerlager Nr. 42 waren im Februar 1941 folgende Bessarabier gemeldet (Liste liegt mir vor5):

  • Friedrich Alber mit Frau Olga geb. Funk, 3 Kinder
  • Olga Banek geb. Winkler, 2 Kinder
  • Gottfried Funk mit Frau Lilli geb. Lehmann, 2 Kinder
  • Witwe Eleonore Georgiu, geb. Wezlaff, 3 Kinder
  • Johannes Haller, Witwer der Karoline geb. Lehr, 6 Kindern
  • Emil Rall und Emilie geb. Leitz, 4 Kinder
  • Friedrich Riethmüller und Ottilie geb. Bossert, 5 Kinder
  • Eduard Ölke und Magdalena geb. Gabert, 6 Kinder
  • Gotthilf Sawall und Pauline geb. Hermann, 3 Kinder
  • Witwe Mathilda Sawall geb Huber, 8 Kinder
  • Gotthilf Schlauch und Mathilde geb. Buchfink, 6 Kinder
  • Otto Schulz und Marie geb. Beck, 4 Kinder

In der Region Aussig (Ústecký kraj) lag der Bezirk Tetschen (Okres Děčín) mit der Stadt Rumburg (Rumburk) . Untergeordnet waren der Stadt Romburg die Lager:

  • Georgswalde mit 114 Personen
  • Nixdorf, Deutsches Haus mit 129 Personen (Lager 108)
  • Nixdorf, Krankenhaus mit 133 Personen (Lager 109)
  • Philippsdorf, mit 139 Personen
  • Rumburg, verantwortlicher Leiter Franz Schmid, mit 137 Personen
  • Schönlinde, mit 95 Personen
  • Schluckenau, verantwortlicher Leiter Metzner, mit 265 Personen
  • Teichstatt, mit 104 Personen
  • Warnsdorf, mit 182 Personen
  • Wölmsdorf, mit 55 Personen
  • Zeidler, mit 98 Personen

Nixdorf (Mikulášovice)

Vlak tažený lokomotivou 434.2186 u Mikulášovic na trati Rumburk–Sebnitz 6
Tanzsaal „Deutsches Haus“ 7

In Nixdorf (Mikulášovice) stand das Hotel „Deutsches Haus“, in der Nachkriegszeit wurde das Gebäude Nixdorf Nr. 19 umgenutzt und diente ab September 1953 als Kompanie der Grenzschutzabteilung, bevor es 1966 an die zivile Verwaltung übergeben wurde.

Am 3. März 1941 wurden hier gemeldet8:

  • Woldemar Balz mit Frau Lydia Gast, 2 Kinder (davon 1 †)
  • Eduard Brenner mit Frau Adele Kittler, 2 Kinder (davon 1 †)
  • Reinhold Brenner mit Frau Rosine Steudle, 2 Kinder
  • Nikolaus Drusenko mit Frau Viktoria Bodamer, 2 Kinder
  • Emil Degentesch, Frau Emilie Marks, 1 Kind
  • Johann Föhl und Frau Kariline Idler, 2 Kinder (davon 1 †)
  • Christian Geigle und Frau Maria Blum, 8 Kinder (davon 2 †)
  • Adolf Göres und Frau Maria Girnik
  • Karl Gässler und Frau Eleonore Hobbacher
  • Friedrich Isert und Frau Christine Vollmer, 5 Kinder (davon 4 †)
  • Gottlieb Keller, aus der Ehe mit Maria Matt 6 Kinder, aus der 2. Ehe mit Berta Rüb 1 Kind
  • Johann Keller mit Frau Berta Brenner 2 Kinder
  • Artur Kehrer und Frau Helena Marder, 2 Kinder
  • Oskar Keller und Frau Erna Föhl, 1 Kind
  • Arnold Knauer mit Frau Berta Strehle, 2 Kinder
  • Adolf Merz mit erster Frau Lidia Gerstenberger 2 Kinder, mit Katharina Osswald 2 Kinder (davon 1 †)
  • Nathanael Mayer mit Frau Klara Jundt, 2 Kinder
  • Johann Michlenko mit Frau Magdalena Leitz, 1 Kind
  • Christian Müller mit Frau Beata Messerschmidt, 4 Kinder
  • Richard Osswald und Frau Pauline Hommel, 1 Kind
  • Benjamin Reinöhl und Frau Amalia Schumaier, 3 Kinder
  • Friedrich Reinöhl und Frau Ida Winger
  • Rudolf Reinöhl und Frau Erna Eckert, 2 Kinder
  • August Ruck und Frau Berta Matt, 4 Kinder (davon 2 †)
  • Robert Schumaier und Frau Adele Fandrich, 2 Kinder
  • Wilhelm Semmler und Frau Christine Kemmle
  • Johann Steudle und Frau Margarethe Knauer
  • Anton Sobolew und Frau Hedwig Degentesch, 1 Kind
  • Otto Simpfendörfer und Frau Luise Geigle, 2 Kinder (davon 1 †)
  • Immanuel Steudle und Frau Berta Schumaier
  • Reinhold Schumaier und Frau Pauline Brenner, 3 Kinder (davon 1 †)
  • Alexander Schertzinger und Frau Hulda Liebelt
  • Reinhold Wagner und Frau Maria Jergentz, 5 Kinder
  • Harlampie Zurkan und Frau Sophie Bartolomäi, 6 Kinder (davon 2 †)
  • Johannes Zimmer und Frau Johanna Elholm, 8 Kinder
  • Eduard Isert und Frau Emma Gerstenberger, 3 Kinder (davon 1 †)
  • Friedrich Nill und Frau Amalie Zimmer, 2 Kinder
Nixdorf Krankenhaus mit Blick auf die Kirche 9

Neudek

Der Stadt Graslitz unterstanden die Lager:

  • Breitenbach mit 214 Personen
  • Graslitz, Schule mit 210 Personen
  • Neudek (Nejdek) unter Lagerverwalter H. Görgner mit 80 Personen
Neudek: Náměstí Karla IV. v Nejdku (okres Karlovy Vary) 10

Am 2. März 1941 lagen u. a. diese Familien-Meldungen in Neudek11 vor:

  • Karl Deiss mit Frau Christine Renz
  • Friedrich Deiss
  • Ludwig Schäfer
  • Jakob Ennslen und Frau Martha Mock
  • Gotthilf Häfner und Frau Katharina Siegler
  • Albert Hillius und Frau Salomine Hein
  • Friedrich Jauch und Frau Risina [sic!] Föhl
  • Robert Knauer und Frau Else Mayer
  • Michael Martin und Frau Alma Neumann
  • Gotthilf Schöck und Frau Emilie Fink
  • Daniel Siewert und Frau Christinae [sic!] Weidelich
  • Mathäus Iwanow und Frau Ella Bohnet

  1. Verwaltungskarte des Reichsgaus Sudetenland mit Land- und Stadtkreisen (1944) XrysD – Eigenes Werk 2.03.2014 CC BY-SA 3.0 ↩︎
  2. Postkarte Bernklau versendet 10.11.1904, durch Alter gemeinfrei, gefunden bei aukro ↩︎
  3. DAI Microfilm T-81 Roll 320 ↩︎
  4. Josef Emmer, Mähr. SchönbergImage Zeno.org, ID-Nummer 20000637521 Gemeinfrei ↩︎
  5. DAI Microfilm T-81 Roll 320 ↩︎
  6. Vlak tažený lokomotivou 434.2186 u Mikulášovic na trati Rumburk–Sebnitz Miroslav Volek – https://www.flickr.com/photos/mvolek/52140067574/ CC BY 2.0 17.10.2021 ↩︎
  7. Tanzsaal „Deutsches Haus“ user: Matthias, 18.9.2016 CC BY-NC-SA 3.0 Deutsch-Böhmen Wiki ↩︎
  8. DAI Microfilm T-81 Roll 320 ↩︎
  9. Nixdorf Krankenhaus user: Matthias, 3.02.2024 CC BY-NC-SA 3.0 Deutsch-Böhmen Wiki ↩︎
  10. Náměstí Karla IV. v Nejdku (okres Karlovy Vary) PatrikPaprika eigenes Werk, 1.08.2013 CC BY-SA 3.0 ↩︎
  11. DAI Microfilm T-81 Roll 320 ↩︎

Umsiedlerlager Lauenhain

Blick auf Lauenhain 1

Lauenhain, heute Ortsteil von Mittweida im sächsischen Landkreis Mittelsachsen, hatte das Umsiedlerlager 98b, ursprünglich ein Marinelager, verantwortlicher Leiter W. Welz (oder Welg). In diesem waren am 23. Januar 1940 Bewohner aus Brienne, Bessarabien, untergebracht. Lagerverwaltungsführer war der Brienner August Schell.

Die Namen der Familien liegen mir als Liste2 vor, aus Datenschutzgründen gebe ich diese verkürzt wieder:

  • August Adolf, mit Frau und 2 Kindern
  • Emil Hannemann mit Frau und 3 Kindern
  • Herbert Hannemann mit Frau und zwei Kindern
  • Johann Hannemann mit Frau und 2 Kindern
  • Otto Hannemann mit Frau und einem Kind
  • Reinhold Hannemann mit Frau und einem Kind
  • Ewald Klav mit Frau und 2 Kindern
  • Hulda Klav, Witwe, mit Sohn
  • Peter Lang mit Frau und 5 Kindern
  • Gustav Mattheis mit Frau und 5 Kindern
  • Artur Mattheis mit Frau und einem Kind
  • Bernhard Martsch mit Frau und 4 Kindern
  • Katharina Martsch, Witwe mit 3 Kindern, jüngstes starb im Lager am 30. Januar 1941 um 18.00 Uhr
  • Christoph Mattheis mit Frau und 2 Kindern
  • Adolf Schell mit Frau und einem Kind
  • Robert Schalo mit Frau und 3 Kindern
  • August Wernick mit Frau
  • Edmund Wernick mit Frau


  1. Lauenhain; Blick auf Lauenhain 1922 Brück & Sohn Kunstverlag Meißen – Eigenes Werk CC BY-SA 3.0 ↩︎
  2. DAI Microfilm T-81 Roll 320 ↩︎

Umsiedlerlager in Bayern

In den Jahren 1940 bis 1942 beschlagnahmte die NSDAP zahlreiche Klöster zur Unterbringung deutscher Umsiedler aus Südosteuropa. Im allgemeinen Sprachgebrauch nannte man diese Phase der Beschlagnahme und Enteignung von rund 300 katholische Klöster und kirchliche Einrichtungen „Klostersturm“1. Die Klosterbewohner mussten das Kloster verlassen, der Betrieb wurde eingestellt.

In Bayern waren die betroffenen Klöster 1940 zumeist im Betrieb nur stark eingeschränkt, bis man 1941 versuchte, wegen angeblich „volks- und staatsfeindlicher“ Betätigung der Ordensgeistlichen, mindestens acht Klöster zu schließen. Der Protest der katholischen Bevölkerung konnte dieses letztlich verhindern.

Unter Berufung auf das Reichsleistungsgesetz vom 1. September 1939 wurde die Grundlage für die Beschlagnahme von Gebäuden „für kriegswichtige Zwecke“ geschaffen. Man forderte daher gezielt die kirchlichen Gebäude, um dort Umsiedler unterzubringen und illegal (Rückgabe war nicht geplant), der Grundstücke habhaft zu werden.

Aus Erzählungen der Umsiedler und Eintragungen in Dokumenten kennt man die Lagerstandorte, einige davon:

Benediktbeuern

Sicht von Norden auf das Kloster Benediktbeuern 2

1941 Umsiedler aus Neu Elft, Bessarabien, bekannt sind Unterbringungen im Gasthaus zur Post, verantwortlicher Leiter Schrankenmüller; im Kloster verantwortlicher Leiter A. Sillib.

Bad Wiessee

Bad Wiessee 3

1941 Umsiedler aus Neu Elft, Bessarabien

Fischbachau

Blick vom Breitenstein auf Elbach, Fischbachau 4

1941 Umsiedler aus Neu Elft, Bessarabien

Die Familien waren jeweils in einem oder zwei Zimmern untergebracht, auch die Versorgung war besser als in anderen Lagern, wie die Familien teilweise in Sälen untergebracht waren, nur getrennt von Decken. Die arbeitsfähigen Männer und Jugendlichen waren mit Arbeitseinsätzen im Ort und der Umgebung beschäftigt, währen die Frauen in der Lagerküche halfen oder bei Reinigungsarbeiten.5

Kretinenanstalt Ecksberg

Kretinenanstalt Ecksberg (Mühldorf am Inn) 6

Im Jahre 1852 gründete Pfarrer Joseph Probst in einigen verfallenen Gebäuden die erste Anstalt für geistig Behinderte in Bayern mit 14 Kindern. Bereits 1884 lebten hier 190 Pfleglinge mit 50 Schwestern in einer klosterähnlichen Gemeinschaft. Bis 1902 wurden neue Gebäude für insgesamt 229 Bewohner geschaffen. Zwischen 1921 und 1934 entstanden die Filialen Bachham/ Heldenstein und Berg bei Schnaitsee.7

Die Kretinenanstalt Ecksberg beherbergte vom 8. Oktober 1940 bis 13. September 1941 rund 350 Bessarabiendeutsche, in der Filiale Bachham 100.

Um diesen Platz zu schaffen, wurden von den 342 Pfleglingen in Ecksberg am 26. September 1940 sechzig in die Anstalt Gabersee überstellt, am 30. September weitere 228 in die Anstalt Haar bei München „verbracht“. Von dort aus ging es für 245 in die Gaskammern der Tötungsanstalt Hartheim bei Linz8. Es überlebten nur 45 in Ecksberg, elf in Berg und neun in Bachham, zusammen 65 Pfleglinge9.

In Berg waren in der „Lüderitz-Villa“ (Villa „Alte Eichen“) in Kempfenhausen unter der Leitung von C. Laux Umsiedler aus Alexanderfeld, Balaban, Netusche und Tarutino untergebracht.

Kochel am See

Kochel am See um 190010

1941 Umsiedler aus Neu Elft und Dennewitz, Bessarabien

Unterbringung der Neu Elfter im Gasthof Prinz Ludwig, verantwortlicher Leiter H. Baur, Gasthof Grauer Bär, verantwortlicher Leiter Lanzl. Da der Graue Bär bereits als Unterkunft für die Kinderlandverschickung diente, resümierten der Kreisleiter und der Bürgermeister bei der Besichtigung vor der Ankunft der Neu Elfter, dass das Haus „einen grauenhaften baulichen Zustand“ besaß, trotzdem wurde einquartiert. Im Erholungsheim Seehof, unter dem Leiter H. Baur, wurden Dennewitzer untergebracht.

Münsterschwarzach

Albert-Boßlet-Kirche in Münsterschwarzach11

Das Benediktiner-Kloster wurde ab 22. November 1940 mit rund 350 Personen aus Bessarabien und der Dobrudscha belegt. Die Umsiedler aus Ciucurova berichten, ihre Ankunft war am 25. November 1940. Johann Adam (*1913 Ciucurova) berichtet dazu:

„Es folgt nun die Lagerzeit und die ist hart. Die Lagerführer sind dazu
da, die dobrudschadeutschen Bauern umzuerziehen. Es gibt dabei viel
Not und Elend“.

in: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen 1956 p.46, Otto Klett, Eugenverlag

Das Lagerleben war ihnen ein Gräuel, aber sie mussten auch das zweite Weihnachtsfest dort feiern, ehe man 1942 in einem Lager im Warthegau auf die Ansiedlung wartete.

Percha bei Starnberg

Altenheim St. Josef mit der integrierten Kirche St. Bonaventura 12

Das St. Josefsheim beherbergte 1941 Umsiedler aus Alexanderfeld, Balaban und Ismail, Bessarabien. Die Leitung hatte C. Laux.

Rottmannshöhe

Standort Rottmannshöhe-Starnberger See 13

Heute erinnert sich kaum jemand an ein Umsiedlerlager für Bessarabiendeutsche im Jahre 1941 in Assenhausen, Ortsteil von Berg am Starnberger See.

An diesem Ort befindet sich ein Gebäude mit langer Tradition, das einstige Hotel „Rottmanns-Höhe“, welches 1874 auf dem Berggipfel errichtet wurde und eine wunderbare Sicht auf den Starnberger See bietet. Den Namen erhielt es in Erinnerung an den Landschaftsmaler Carl Rottmann, der vor dem Bau des Hotels von hier aus die Landschaft malte.

Ansichtskarte von Ferdinand Finsterlin  (1843–1917)14

Als besondere Attraktion für Ausflügler gab es von 1901 bis 1919 an der Schiffsanlegestelle „Leoni“ eine Standseilbahn, um die 85 Höhenmeter zum Hotel zu überwinden. Seither führt der Seilbahnweg auf der ehemaligen Trasse entlang.

Mit der Einstellung des Hotelbetriebes wurde das Gebäude ab 1908 als Sanatorium genutzt, ehe es 1920 von den Jesuiten angekauft und zum Exerzitien-Gebäude15 wurde. Sie passten es optisch an ihre Klostergebäude an, indem ein Dachstuhl aufgesetzt, der dort vorhandene Aussichtsturm und Teile des Seilbahnmaschinenhauses entfernt wurden.

Nachweislich ab April 1941 waren dort 95 Bessarabiendeutsche untergebracht und Kinder konfirmiert (Denning, Kienzle, Lichtenthal16).

Die im Lager wohnenden Bessarabier17kamen aus

  • Alexanderfeld (Schill)
  • Alt Elft (Heinrich, Knodel, Reich, Reinke, Schabert)
  • Arzis (Kappel, Walther)
  • Brienne (Adolf, Traichel, Vogel)
  • Dennewitz (Bohnet, Brost, Günther, Hehr, Herberg, Hermann, Hiller, Höfel, Isaak, Matthis, Müller, Otterstätter, Schelske, Schill, Schiewe, Schlauch, Schöttle, Tiede, Vetter)
  • Eigenfeld (Klein)
  • Eigenheim (Moritz)
  • Friedenstal (Laib, Vogt)
  • Fürstenfeld (Höfel)
  • Gnadenfeld (Müller)
  • Hoffnungsfeld (Rath)
  • Jakobstal (Labrentz)
  • Katleburg (Döhring)
  • Katzbach (Eberhardt, Rauschenberg)
  • Karlsruhe (Tappert)
  • Korntal II (Jüngling)
  • Neu Arzis (Grieb)
  • Neu Elft (Brenner, Gutsche, Hiller, Jeske, Jörke, Kern, Knodel, Kraft, Lehmann, Müller, Ölke, Radke, Riethmüller, Romppel, Schaible, Schaupp, Schmiedt, Schulz, Tiede, Tobler, Vetter, Walther, Weißpfennig, Wolf)
  • Paris (König, Makus)
  • Pomasan (Kern)
  • Posttal (Scherer)
  • Rohrbach (Höfel)
  • Sangerowka (Fano)
  • Schabo (Logos)
  • Teplitz (Müller)
  • Wittenberg (Schlenker)

Als Lagerstandort der Dennewitzer wurde die Rottmannshöher SS-Bräuteschule eingetragen, verantwortlicher Leiter Georg Entres. Dieser blieb der Leiter, als Volksdeutsche aus Slowenien nach den Bessarabiern im Lager untergebracht wurden. Endres war dafür dienstverpflichtet und unabkömmlich gestellt (vom Kriegsdienst befreit).18

Schäftlarn

Benediktinerabtei Schäftlarn von Südosten 19

Kloster Schäftlarn bewohnten 1941 Familien aus Neu Elft (Kraft), Lagerleiter H. Wenz.

Schlehdorf am See

Blick auf Schlehdorf 20

1941 Umsiedler aus Neu Elft und Alt Posttal, Bessarabien im Kloster unter der Leitung von A. Keller

Urfeld am Walchensee

Urfeld um 1900 vom Kesselberg mit Walchensee und Herzogstand 21

1941 Umsiedler aus Neu Elft und Dennewitz, Bessarabien

Die Unterbringung der Dennewitzer erfolgte im Hotel Post, verantwortlicher Leiter M. Recum und im Hotel Einsiedel, verantwortlicher Leiter E. Macco. Die Neu Elfter kamen ins Hotel Fischer am See, verantwortlicher Leiter J. Heiss und ins Hotel Jager am See, verantwortlicher Leiter E. Holthaus.

Wolfratshausen

Wolfratshausen 1905 22

1941 Umsiedler aus Neu Elft, Bessarabien


  1. Klostersturm: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Klostersturm_(1940-1942) ↩︎
  2. Sicht von Norden auf das Kloster Benediktbeuern Dr. Wolfgang PFÄFFL – Eigenes Werk CC BY-SA 4.0 22.9.2017 ↩︎
  3. Bad Wiessee Ventus55 – Eigenes Werk CC BY-SA 4.0 9.4.2016 ↩︎
  4. Blick vom Breitenstein auf Elbach, Fischbachau, Rufus46 – Eigenes Werk CC BY-SA 3.0 9.12.2006 ↩︎
  5. Heimatbuch der Gemeinde Neu Elft Bessarabien A. Zaiser, Stuttgart, Eigenverlag 1975 p.148ff ↩︎
  6. Kretinenanstalt Ecksberg (Mühldorf am Inn) Eugen Felle  (1869–1934), gemeinfrei ↩︎
  7. https://www.ecksberg.de/ueber-uns/geschichte/ ↩︎
  8. Die Behindertenanstalt Ecksberg ↩︎
  9. Das Ende des Zweiten Weltkriegs im Erzbistum München und Freising
    Die Kriegs- und Einmarschberichte im Archiv des Erzbistums München und Freising / Peter Pfister (Hrsg.). (Schriften des Archivs des Erzbistums München und Freising ; Bd. 8)
    ISBN 3-7954-1761-9 Verlag Schnell und Steiner GmbH, Regensburg 2005; p.861f ↩︎
  10. Kochel am See um 1900, Wikipedia, dieses Bild ist unter der digitalen ID ppmsca.00161 in der Abteilung für Drucke und Fotografien der US-amerikanischen Library of Congress abrufbar. ↩︎
  11. 1938 wurde die Klosterkirche von Albert Boßlet als letzter Großbau vor der Aufhebung fertiggestellt Monandowitsch – Eigenes Werk CC BY-SA 3.0 28.07.2013 ↩︎
  12. Altenheim St. Josef mit der integrierten Kirche St. Bonaventura I. Berger selbst fotografiert, 3.11.2022, CC BY-SA 3.0 ↩︎
  13. Öffentlichkeitsarbeit Heckscherklinik – Eigenes Werk CC BY-SA 4.0, 16.1012022 Wikipedia https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Rottmannsh%C3%B6he_(Assenhausen)?uselang=de#/media/File:Standort_Rottmannsh%C3%B6he-Starnberger_See.jpg ↩︎
  14. Ansichtskarte, Fotograf Ferdinand Finsterlin  (1843–1917), gemeinfrei, Wikipedia https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ferdinand_Finsterlin_Hotel_Rottmannsh%C3%B6he_am_Starnberger_See.jpg?uselang=de ↩︎
  15. Exerzitien (von lateinisch: exercere = üben) sind mehrtägige, meist schweigend begangene geistliche Übungen im christlichen Glauben ↩︎
  16. mein Dank an Frau M. Kienzle, welche mir das Dokument dazu zur Verfügung stellte ↩︎
  17. mein Dank gilt Heinz Rothenfußer, Archivar der Gemeinde Berg am Starnberger See, der mit freundlicherweise Material zur Verfügung stellte: „Namentliches Verzeichnis der ausgegebenen Umsiedlerausweise 12.04.1941“ (Staatsarchiv München) ↩︎
  18. Institut für Zeitgeschichet München-Berlin, München 17.5.2013 Gutachten über Max und Maria Wutz p.31 Zitat 243: Bundesarchiv Berlin, ehem. BDC, PK C 66 (Schreiben betr. UK-Stellung des Georg Endres vom 7.1.1941 wegen seiner Dienstverpflichtung als Lagerführer; Staatsarchiv München, SpkA K 3733: Wutz, Max (Vernehmung Kreszenz Endres vom 30.9.1946). ↩︎
  19. Benediktinerabtei Schäftlarn von Südosten Rufus46 – Eigenes Werk CC BY-SA 3.0 9.11.2008 ↩︎
  20. Blick auf Schlehdorf Oliver Spalt Juli 2006 CC BY-SA 2.5 ↩︎
  21. Urfeld um 1900 vom Kesselberg mit Walchensee und Herzogstand Pfarrarchiv Jachenau 31.12.1899 PD-alt-100 ↩︎
  22. Title from the Detroit Publishing Co., catalogue J-foreign section. Detroit, Mich. : Detroit Photographic Company, 1905.; Forms part of: Views of Germany in the Photochrom print collection.; Print no. „17191“. Library of Congress Catalog: http://lccn.loc.gov/2002696313 gemeinfrei ↩︎

Brief der Familie Schlechter

Der Vorfahr unserer Familie Johann Gottfried Schlechter (1748-1823) hatte zwei Söhne, die nach Bessarabien auswanderten, David (1795-1861, unsere Linie) und David Friedrich (1800-1849).

Beide verließen ihre Heimat Murr, um sich in Plotzk anzusiedeln.

28.03.1840 Bürgerrechtsverzicht Friedrich Schlechter

Am 28. März 1840 unterschriebene Bürgerrechtsverzichtsurkunde Friedrich Schlechter und Familie1

Die Reise dauerte 10 Wochen und 3 Tage, dann hatten sie über Warschau und Odessa Plotzk in Bessarabien erreicht. Dort angekommen dauerte es jedoch noch einige Zeit, bis sie einen eigenen Hof kaufen konnten und sich ein Heim schaffen konnten. Um ihre Brüder Johann Caspar (1786-1861), der auch Bürge war für ihren Abzug, Johannes (1797-1852) und alle anderen zu informieren, wie es ihnen ergangen ist, schrieben sie 1841 nach Hause. Diese Briefe wurden am 17. April 1934 in der Beilage Zur Heimat Nr. 4 der Marbacher Zeitung Nr. 88 veröffentlicht.

Colonie Blotzge den 10 Jann. 1841

Liebe Brüder und Schwestern Freunde und Bekannte ich grüsse jetzt euch alle und wenn euch mein schreiben bei guter Gesundheit antrifft so wird es uns herzlich freuen ich grüsse auch meine Schwiegermutter2 und meine 2 Schwäger und meine 2 Schwägerin ich grüsse auch die Jungfer Friederika der Herr Schulmeister hat ihren schönen Dotenbrief gelesen wo wir mitgenommen haben er wunderte sich darüber was das für ein schönes Geschreib sey er hat ihn gefunden in unsere Hofackers predigbuch er sagte so lernen sie bei uns nicht schreiben: Ich will euch jezt schreiben wie es uns auf der Reise gegangen ist da wir nach Sulzbach kamen da trinkte mein Mann ein Glas Bier bei dem Kronenwirth Has ich aber bin nicht hinauf ich dachte mir fällt es zu schwer da rief mir der Kronenwirth da ginng ich hinauf er schenkte mir den besten Schoppen Wein ein und meinen Kindern eine Fleischsup und das kostete alles nichts da musste ich darüber weinen er wünschte uns viel Glück auf die Reise und da wir nach Murret kamen der Hirschwirth gab ihm Bier so viel er trinken mag und noch einen Vierundzwanzger3 und ich bin auch 14 Tage krank gewesen ich habe Hitz und Friehren Kopf- und Zahnweh gehabt und in Sachsen den Tag vor Himmelfahrt Abends da kamen wir in ein Wirthshaus da war ein vornehmer Herr wollte uns unser Kind abnehmen er sagte er kriege es gut besser als bei euch er werde gewiss glücklich ich nehme ihn gleich in meine Schöhse hinein wir a er sagten nein nicht um die ganze Welt wir fragten den Wirth wer er wäre er sagte er war ein Amtmann eine Stund von Bauzen die haben kein Kind der Herr schenkte mir 2 Stückle Geld nach deutschem Geld machts 36 xr4 und den Braunen haben wir verhandelt er ist nicht mehr gangen wir haben einen schönen gelbfalch5 eingehandelt wir haben 8 ƒ aufgeben müßen wir sind noch 2 Tage gefahren da ist uns eine Axs gebrochen mitten auf der Straße da ist weit und breit kein Dorf da hat er selber eine Halbaxs gemacht von der Mücke6 da fahren wir fort da bricht uns ein Rad wir wissen uns nicht zu helfen wir seynd nicht mehr weit von Warschau wir kamen voll hin da kaufte er ein Rad in Warschau wir lagen auch 9 Tage in Warschau bis wir unsere Bäße bekamen da wir von Warschau wegfahren da haben wir durch Ehstreich7 gewollt da hat man uns nicht hineingelassen unsere Bäß8 haben nicht dorthin gelautet wir fahren wieder zurück seitwärts und sind 80 Stunden herumgefahren und da wir schon weit in Russland gefahren da ist unser Schimmel nicht mehr gangen da haben wir einen schönen trachtigen Schimmel um 40 deutschen Gulden da sind wir mit 3 Roß gefahren und wir sind doch beinahe nicht fortgekommen 8 Stunden hinter Odesa haben wir über ein grosses Wasser gemüßt das ist 2 Stunden breit mit einem Dampfschiff seynd wir hinüber gefahren in 3 Viertelstunden und da wir nach Gnadenthal kamen da laufen uns des Drehers entgegen und nahmen unsere Kinder und kochten uns eine Milchsup er sagte ach was thut ihr dahin wann ich nur wieder in Deutschland wäre ihre Kinder seyn gern in Rußland aber sie nicht wir richten ihnen von dem Schwager und von der Schwester einen Gruß aus und sie sagten sie wollten auch kommen der Dreher sagte wenn einer ein wenig sein Auskommen hat so soll er in Deutschland bleiben es ist eben Rußland und kein Würtemberger Land es gebe mehner9 Fehljahren als in Deutschland und es ist schon 2 Jahr nichts gerathen es ist alles theuer da fahren wir voll nach Blotzge vor des Schwagers10 Haus das ist aufgeschlagen aber nur nicht gedeckt da decken sie alles mit Rohr da ist kein Ziegel weit und breit wir seynd gerade im Jakobi11 nach Blotzge kommen da war es 10 Wochen und 3 Tage dass wir auf der Reise gewesen seyn und 8 Wochen waren wir noch auf dem Waagen vor des Schwagers Haus bis wir einen Blatz haben kaufen könen ach da bin ich beinahe vergangen in meinem Elend und ich habe auch immer eine Andung12 nach meine liebe Geschwistrig gehabt und meine Kinder haben wieder immer zu der Baße gewollt ach da mochte mir mein Herz verspringen da hab ich Tag und Nacht immer Thränen vergossen und ich sagte zu meinem Friedrich komm lern du auch was du in Deutschland gelernt hast da nahm er das Buch und lernte da kam er an das Sprüchle : Wenn ich mich zu Bette lege so denke ich an dich wenn ich erwache so rede ich von dir da mußte er weinen da sagte ich warum weinest du er aber sagte gar nichts da vermuthe ich er denke an meine lieben Geschwistrig und an die Heimath ach da mußte ich immer Thränen vergiessen und mußte sagen wenn ich nur zu Hause geblieben wäre Nachts da ich von Schlaf erwache

da fällt mir der Vers ein, Was helfen uns die schweren Sorgen was hilft uns unser Weh und Ach was hilft es wann wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. Da suche ich da ist es der 2. Vers aus dem Lied: Wer nur den lieben Gott läßt walten und hoffet auf ihn allezeit – da freue ich mich recht darüber und den Kindern werde auch das gute Lernen genommen sie gehen eben im Winter in die Schule und im Sommer gar nicht und sie haben auch kein Mehl wie bei euch sie mahlen auf einer Roßmühl das gefallt mir nicht da laufts einmal runter da ist es eben geschroden da muß mans zu Hause sieben es ist auch alles theuer es ist nichts gerathen keine Kartoffel und kein Hirschen13 und kein Welschkorn14 weder ein wenig Weizen, der Flachs ist auch nicht gerathen es hat nicht geregnet. Der Waizen kostet das Simmri15 2 Rubel das ist ein deutscher ƒ und das Welschkorn kostete 48 xr und die Kartoffel 24 xr wir haben 2 Meß16 gekauft zum stecken die seyn eben wie die Haselnuß und das Meßle Flachs kostet auch 2 Rubel und die Cafeebohnen das Pf.17 kostet 48 xr und der weise Zucker auch eben so und der Zuckerkandel auch eben so und das Rindfleisch 2 xr und das Pf. Butter 10 xr aber das sind keine Pf. wie in Deutschland da fehlt an einem jeden Pf. ein halber Vierling18 und ich grüße auch meine Frau Dote
und ihre Kinder und grüße auch ihre Schwester die Frau Blanken und schreibt mir auch was die Dorothea macht obt sie auch wieder gesund worden ist ich gehe immer mit ihr um und ich grüße auch meine ganze Nachbarschaft und ich wünsche auch dem Herrn Schulmeister Glück und Gesundheit in sein neues Haus und ich grüße auch die Magdalena Zimmermännin und ihren Mann ach wenn ich nur meine liebe Geschwistrig bei mir hätte ich habe eine ganze Andung nach ihnen wenn der Sonntag kommen ist da habe ich mich gefreut da seyn sie alle zu mir kommen und jezt sehe ich sie nicht mehr ach mir werde die Zeit so lange ich höre nicht läuten ich höre nicht schlagen ich sehe keinen Baum ich sehe keinen Weinberg sie haben keine Glocken und keine Uhr man kanns nicht so einrichten als wie bei euch sie bauen wirklich eine Schule und da geht man auch zugleich in die Kirche der Schulmeister haltet auch die Kirche und ich bin auch mit meinem Bruder Michael19 auf der und da wir kamen ist eben noch eine Stelle da gewesen und die hat der Schmied von Almerspach weil er nicht hat kaufen können und wir haben eine Stelle gekauft um 380 ƒ und da ist 4 Morgen20 Platz dabei zu einem Garten und zu einem Weinberg wir haben auch einen großen Platz zu einem Hof es stehet ein kleines Häuslein darauf wir können uns aber gut pelfen bis wir bauen und die Feldung mit 120 Morgen Boden und 2 Roß und das Heu und das Stroh
und den Pflug und die Egen und den Tisch und eine Krautstand in ein Fäßle
mit 6 Jm21 und 3 trachtige Kühe und 2 Räuble22 und den Brennzeug und wir wollen noch 2 Kühe kaufen das Frühjahr und auch Schaaf ein schönes Schaaf kostet 5 Rubel wir haben auch 4 Roß wenn einer eben 2 hat so ist es gerade er hätte in Deutschland eben 1 Kuh da kann man nichts anheben und 10 Hühner die Leute seyen noch mehstentheils 3 Trippel23 im Boden man meine von weitem es seyen Misthaufen der Schwager ist auch den Winter über so in einem Loch gewesen sie heißen es Buden es seyn lauter Leute von Bohlen auf unserer Colonie mir werde die Zeit so lange es sind aber auch Deutsche es ist auch alles 12 Tage später als bei euch der Christtag und das Neujahr alle Feiertage seynd nach der alten Zeit man kann sich beinahe nicht gewöhnen ich habe es wohl besser im Essen die Milch und das Schmalz und ganzen Reise umgegangen weil ich nicht Abschied von ihm genommen hab ich habe es ganz vergessen vor lauter Jammer er wird mir es doch auch verzeihen: die Eier darf man nicht so spahren aber ich bin doch nicht gern in Rußland weil ich meine liebe Geschwistrig nicht bei mir habe meine Kinder sagen immer von euch meine Friederika sagte wenn nur meine Basen und mein Döte und meine Dote kommen thät dann thät ich mich aber freuen die gebt mir doch auch ein Gutle sie war krank sie hatte eine Geschwulst an dem Kiefer ach da möchte mir mein Herz verspringen und mußte es gerade dem Schicksal überlassen wir haben kein Pflaster es ist auch weit und breit keine Abedek24 es ist eben Rußland und kein Würtemberger Land mehr ach wenn ich nur einen Tag krank bin so habe ich keinen Menschen als lauter unerzogene Kinder um mich herum und wo wir gehen wo wir stehen wo wir sitzen wo wir liegen so sind ihr immer da bei uns ach wenn nur auch eines kommen thäte es möchte seyn welches dass wolle aber man kann niemand zureden dem einen gefällts dem Andern nicht die Leute sagen woll es werde mir schon gefallen wenn ich eine Zeitlang in Rußland sey und mein kleiner Gottfried lernte anfangen zu reden das Laufen hat er auf der Reise gelernt auf einmal um Mittagszeit ist er zu uns hergeloffen und im Winter ist es viel kälter als bei euch man kann oft zwei bis 3 Tage kein Vieh trinken laßen vor Wind und Sturm und im Sommer ist es auch viel heißer und mein Schwager der hatte 44 Stück Schaafe 7 Kühe und 5 Räuble. Ach ich gebe meine liebe Geschwistrig noch einmal einen Dank was sie an mir und an meinen Kindern getan haben und mein Friedrich25 sagte schreib von mir auch einen Dank an mein Döte Doten und Baßen ach verzeihet uns daß wir so lange keinen Brief schicken wir haben schon lange einen fortgeschickt dann hat man ihn nicht angenommen es ist so schweres Papier gewesen er hätte 8 Rubel gekostet das war 4 deutsche ƒ dann haben wir wieder lange warten müßen bis wir Bostpapier bekommen haben es ist 6 Stunden weit zu holen und ich bin auch nicht ganz gesund ich habe meinen alten Husten den ich schon Winter gehabt ich mußte Nachts auf dem Bette sizen und mußte nach Odem schnaben schreibt uns auch was noch gewachsen ist bei euch nach dem Wetterschlag auf den traurigen Brief den ihr uns geschickt habet wir haben bitterlich geweint wie wir ihn gelesen haben jezt will ich mein schreiben schließen und euch mit tausend Freuden grüßen.

Ich kann nicht ganz unterlassen an meine liebe und gute Freunde zu schreiben wenn euch unser schreiben bei guter Gesundheit antrift so wird es uns herzlich freuen ich bin so in Verlegenheit wegen meiner Intlassung ich habe doch einen Verzugsbrief eingelegt ich weiß nicht wie es mir gegangen ist es ist ein großer Fehler ich kann nicht eingetragen werden wann ich die Intlassung nicht habe so bitte ich den Herrn Amtmann Pfuderer er wolle mir behilflich dazu seyn ich muß auch noch einige Pungten schreiben den Viehpreis einjahrigs Kalb kostet 7 ƒ ein paar dreijährigen Stier kosten 60 ƒ eine Kuh kauft man zu 18 ƒ ein Pferd zu 20 zu 22 da ist es von dem schönsten Vieh lauter schneeberger Farb mit den Früchten ist es wie die Leute sagen daß oft zwei Jahr berig das Essen geraden thut auch 2, 3 Jahr so viel gerad daß ganze Stieger nicht eingeheimts werden können
fünfzehnhundert Stufen Reben eingelegt der Weinbau sey gewießer man wisse von keinem Frost nichts auch von keinem Wetterschlag nichts aber der Herr
sucht die Rußländer heim durch Dürre wenn der Herr seinen Segen entziehen
entziehen will so kann er auf allerhand Art ein Vatter bringt die Nahrungssorgen nicht vom Hals er mag hinziehen wo er will doch ist es in einem Ort beßer als in dem Andern ich vor mein Theil bin mit meinem Schicksal zufrieden es ist mir auf dem Wege oft etwas überzwereg vorgekommen undmauch dahin aber doch allem ein Häuslein und hoff ich habe über ein Steinwurf weit zu meinem Nachbar ich kann auch mit meinem Pferd und Wagen umdrehen wie ich will ich füll den Hosensack nicht drober wie draußen wann der Herr nicht besonders ein Unglück über mich kommen läßt meinem Weib will es freilich nicht gefallen aber es wird schon anders kommen wann es einmal aufs Feld geht wann nur meine Kinder größer wären dann thäte es mich nicht anfechten die Frucht wird gemehet mit der Sinsen zum Theil nicht gebunden was Haber oder Gersten ist wird auf Haufen gesetzt und dann mit der Heugabel aufgeladen und dann wann es

daheim ist wird es ausgetretten mit den Pferden wann einer nur zwei Pferd hat bringt er nichts in Stand zum Pflügen muß er wieder vier haben sey es baut oder nicht ich kann euch diesen Boden nicht beschreiben es ist ein schwarzer starker Boden er lässt sich doch veregen26 mit ringer Müh ich glaube aber daß zwei rechte deutsche Roß zwingen thäten aber sie halten das Futter nicht aus sie verrecken gleich wann mein Bruder kommen will so kann er es gibt noch feile Stelle aber da ist es wie ich Öfters gesagt habe drei Trappe im Boden die Maurin von Wäsin27 oben rum einen Balken die Sparren sind Stannen daß ganze Stüger auf dem Felde verderben ich habe auch dieß Spätjahr dann Burian28 das ist stinglicht Gras und dann Wasen oben drauf das kostet 200 bis 300 ƒ wann einer nicht 5 bis 6 hundert ƒ auf den Platz b bringt soll er zu Haus bleiben ich kann den Tag nicht vor dem Abend loben und auch nicht verachten jetz will ich mein Schreiben schliessen mit viel tausend Grüßen an meine Mutter an meine Brüder an meine Schwäger an meine Schwägerin an Herrn Amtmann an Herrn Ochsenwirth an Herrn Schullehrer an an mein Herrn Vetter David Knorp und seine Frau und seine Mutter an meine Nachbar an alle gute Freunde und an alle die nach mir fragen diesen Brief wo ich an Herrn Amtmann geschickt habe, soll mein Herr Vetter bezahlen der Burgemeister noch will ich den Herrn Amtmann gebetten haben um meine Entlassung ich bitte auch meine beste Freundin die Regina sie möchte den Herrn Amtmann auch bitten daß er mir behilflich seyn soll wann er meinen Schwager Jakob einige Zeulet an das Oberamt gibt so wird mir geholfen. Die Adres ist zu machen in Besarabien im Ackermännischen Kreisgebüts mit Glehstitz Colonie Blotzge. Schicket mir meine Sachen nach Blotzge nicht nach Odes. Nehmet so verlieb ich hab es nicht beßer gelernt

Ich verbleibe euer getreuer Freund
Friedrich Schlechter.

  1. Auswanderungsgesuche Marbach Bd. 11, 1840-1843 ↩︎
  2. hier scheint Friederika geschrieben zu haben, sie konnte nicht wissen, das Anna Christina, die Mutter ihres Mannes am 8.9.1840, also ein halbes Jahr nach ihrer Abreise, starb. Ihre eigene Mutter war schon 1819 verstorben. ↩︎
  3. 24er Kreuzer von Wilhelm I. von Württemberg ↩︎
  4. Süddeutschland nutzte Münzen der Werte 3 ½ Gulden, 2 Gulden, 1 Gulden, ½ Gulden, 24 Kreuzer (xr), 20 Kreuzer, 12 Kreuzer,10 Kreuzer, 6 Kreuzer, 3 Kreuzer, 1 Kreuzer, ½ Kreuzer, ¼ Kreuzer.
    1 Gulden = 60 Kreuzer = 60 Heller (Pfennige).
    Basisgewicht eines Guldens (= Florin ƒ) waren eine Kölnische Mark aus 233,855 g Feinsilber, in Süddeutschland geteilt zu sieben 3/4 Guldenstücken.

    1 sächsischer Neugroschen = 3 1/2 Kreuzer süddeutscher Währung; 1 sächsischer Pfennig = 7/20 Kreuzer oder 1 3/5 Pfennig süddeutscher Währung.

    Entsprechend rechnete man 1 süddeutscher Gulden = 17 sächsische Neugroschen und 1 3/7 Pfennig, 1 süddeutscher Kreuzer = 2 6/7 sächsische Pfennige, 1 süddeutscher Pfennig = 5/7 sächsischer Pfennig

    siehe: Vollständiger Münzumrechner L. van Lünen · Metz 1873 Verlag der Deutschen Buchhandlung 45 rue Serpenoise ↩︎
  5. gelbfalch = Gelbfalbe = Farbe des Pferdes ↩︎
  6. Mücke – verballhornt das französische Wort mecanique, auch als meck/mick oder Heckemeck/Hickemeck bekannt, gemeint ist die Bremse des Pferdewagens (Heckemeck = Hinterradbremse) ↩︎
  7. Österreich ↩︎
  8. Pässe ↩︎
  9. mehr ↩︎
  10. David Schlechter (1795-1861) ↩︎
  11. Jakobustag (25. Juli) ↩︎
  12. Andung = altes Wort für Omen, Vorahnung, aber auch Klage, Sehnsucht, Heimweh, Erinnerung ↩︎
  13. Hirse ↩︎
  14. Mais ↩︎
  15. Simri = Hohlmaß für Getreide in Württemberg,
    1 Simri (Sri.) = 1116,8014 Pariser Kubikzoll = 22,153 Liter, später festgelegt auf 22,1533291062 Liter.
    1 Pariser Kubikzoll = 1728 Pariser Kubiklinien = 52.734.3752.658.468.401.477 Kubikmeter ≈ 19,8364 Kubikzentimeter
    1 Scheffel = 8 Simri oder 12 Simri (bis ins 16. Jahrhundert)
    1 Simri = 4 Vierling oder Invel = 16 Meßlein = 32 Ecklein = 128 Viertelein
    In Karlsruhe galt für Raukorn wie Dinkel, Hafer und Gerste wegen der Granne 16,04 Liter und bei glattem Getreide (ohne Granne = Weizen, Roggen) 13,885 Liter. ↩︎
  16. württembergisches Hohlmaß: 1 Meß = 5 Liter ↩︎
  17. Pfund = 500 Gramm ↩︎
  18. Vierling = hier in der Bedeutung ein Viertel eines Pfunds (500g), der halbe Vierling also 62,5 g, die am Pfund fehlten ↩︎
  19. Bruder Michael Koch (1777-1845) aus der ersten Ehe ihres Vaters ↩︎
  20. 1 württembergischer Morgen entsprach bis 1871 einem Tagwerk = 3.152 m² ↩︎
  21. altes Fassmaß: 1 Jmi = = 1/16 Eimer = 10 Maß = 19,17 Liter. ↩︎
  22. Räubele = Jungvieh = Jungrinder ↩︎
  23. Trippel = Träppel =Treppenstufe ↩︎
  24. Apotheke ↩︎
  25. auch hier schrieb wieder Friederike, nicht Friedrich Schlechter ↩︎
  26. vereggen, mit der Egge bearbeiten ↩︎
  27. wäsin = Wasen = Rasensode, Rasenstück ↩︎
  28. Burian = russisches Schilf ↩︎

Pastor Johannes Heinrich Lhotzky

Heinrich Lhotzky als junger Mann (ca. 1880)1

Pastor Dr. phil. Johannes Heinrich Lhotzky2 wurde am 21. April 1859 in Claußnitz bei Burgstädt (Sachsen) geboren und starb am 24. November 1930 in Ludwigshafen am Bodensee.

Sein Vater Eduard Heinrich Julius (1.7.1816 Waldenburg –27.11.1862 Claußnitz)3 war ebenfalls Pfarrer und Sohn eines Kupferschmiedes aus Böhmen, seine Mutter Hephzibah Winkles aus London, hatte mit ihm fünf Kinder.

Leipziger Zeitung : Amtsblatt des Königlichen Landgerichts und des Königlichen Amtsgerichts Leipzig sowie der Königlichen Amtshauptmannschaft Leipzig. 1856,7/9 p.4400

Seine Ausbildung genoss er 1858 in der Herrnhuter Erziehungsanstalt Niesky, wechselte 1860 an die Gymnasien in Bautzen und Dresden, eher er 1878 ein Studium der klassischen Philologie, dann der Theologie und Assyriologie an der Universität Leipzig aufnahm. In dieser Zeit verstarb sein Vater und seine Mutter heiratete erneut, ebenfalls einen Pfarrer (in Lausa), welcher acht Kinder hatte.

Im Jahre 1881 wurde er Lehrer auf einem Gut bei Dorpat, nach seiner Beschreibung ein einsames Gut von zwei Quadratmeilen Größe, die einzigen deutsch sprechenden Menschen waren die Hauseltern und ihre Kinder. Alle andern sprachen estnisch.4 Bereits 1882 nahm er sein Studium in Leipzig wieder auf, ehe er nach Berlin wechselte.

In den Jahren 1883 und 1884 folgte der Militärdienst im Leipziger Infanterieregiment Nr. 107, seine Promotion zum Dr. phil. bei Friedrich Delitzsch in Leipzig (Die Annalen Asurnazirpals, 884–860 vor Christus, nach der Ausgabe des Londoner Inschriftenwerkes umschrieben, übersetzt und erklärt) folgte 1885.

Zunächst als Lehrer und Prediger nach Bessarabien berufen (1886), wirkte er in Strembeni, Oneschti und Kischinew, ehe er 1890 Lehrer und Prediger auf der Krim wurde. Seinen Wechsel begründete er mit dem Eindruck, seine Freundschaft zu dem jüdisch-christlichen Missionar Joseph Rabinowitsch mißfiel der Gemeinde.

Joseph Rabinowitz/Rabinowitsch (Bild gemeinfrei)

Ich hätte gern länger dort gearbeitet unter unseren Aermsten und Verlassensten und wußte, daß nach mir sich niemand ihrer so annehmen würde, daß er unter ihnen wohnte und ihre Arbeit und Armut teilte. Allein eine peinliche Naturanlage verhinderte ein längeres Verweilen. Ich war zwar weit draußen in der Steppe, war aber doch der Angestellte meines Seniors. Die Natur hat mir aber leider versagt, Untergebener und Angestellter zu sein, und solche Leute können Vorgesetzte, namentlich wenn sie von ihrer Würde tief durchdrungen sind, schwer vertragen. Ich glaube, meine Freundschaft zu Rabinowitsch mißfiel auch auf die Dauer. Es gab allerhand heimliche christliche Nadelstiche in der bekannten herzlichen christlichen Liebe. So wurde mein Bleiben nach etlichen Jahren abgekürzt, und ich war froh, daß ich in der Krim ein ganz unabhängiges Amt überkam. Ich schied von meinen Kolonisten ungern, ging aber gern in ein neues, überaus freies und schönes Arbeitsfeld.

Der Planet und ich Lebenserinnerungen und Zukunftsgedanken
Heinrich Lhotzky, ‎ Selbstverlag 1925

Lhotzky heiratete am 3. Januar 1888 in Kischinew Berta Emilie Bauer (24.09.1866 St. Petersburg 5– 20.05.1950 Überlingen6), Tochter des russischen Staatsrats Albert Heinrich Bauer und seiner Ehefrau Natalie Catharina geborene Siebert.

Trauung Kirchenbuch Kischinew 1888

Seine bessarabischen Erlebnisse verarbeitete er in dem Roman Immanuel Müller, ein Roman aus der bessarabischen Steppe. Haus Lhotzky Verlag Ludwigshafen am Bodensee. 1912

Ich hatte langst die eigentliche Not des Kischinewer Kirchspiels durchschaut. Das umfaßte alle deutschen Kolonisten ganz Beßarabiens mit Ausnahme des Akkermaner Kreises. Dieses ungeheure Gebiet, zu dem im letzten Türkenkriege noch alles Land bis zum Pruth gekommen war, mußte auf Deutsche abgesucht und bereist werden. Also hatte ich den Vorschlag gemacht, selbst weit draußen mit zu siedeln und von einem größeren Pachtgute aus, das ich selbst betrieb, als Bauer und Pastor, die deutschen Siedler zu betreuen.

Der Planet und ich Lebenserinnerungen und Zukunftsgedanken
Heinrich Lhotzky, ‎ Selbstverlag 1925

Eintragungen im Kirchenbuch Kischinew 1887 zu Trauungen des Pastors Dr. H. Lhotzky in Kischinew und Strembeni

Ich hatte in der Krim ein Gebiet zu verwalten so groß wie das halbe Königreich Sachsen – möge die Heimat mir verzeihen, ich wollte natürlich sagen, wie der halbe Volksstaat Sachsen. Auf diesem Gebiete hatte ich mehr als 30 Predigtorte zu bedienen, was mit Wagen oder Dampfer geschah. Mein Konsistorium lebte 2000 Kilometer entfernt in Petersburg, und es war eine Freiheit, wie sie selten Menschen zuteil wird.

Der Planet und ich Lebenserinnerungen und Zukunftsgedanken
Heinrich Lhotzky, ‎ Selbstverlag 1925
Hochzeitstafel des Paares Kludt/Baumann im Garten des Pastor Lhotzky (x) 1899 in Prischib7

In der Krim herrschte ein prachtvolles Verhältnis zwischen den Gemeinden und ihren Pfarrern. Es gab natürlich zuweilen Zusammenstöße, wie sie in jeder Ehe vorkommen und überall zwischen Hirt und Herde, aber schließlich gewann doch immer das Ansehen des Heilswahrers den befriedigenden Ausgleich.
Ich führte mich damals ein mit den Worten des Apostels: »Gott hat uns nicht zu Herren über euer» Glauben gesetzt, sondern zu Genossen eurer Freude.«
Dieses Wort des Paulus schwebte mir seit Jahren vor als kennzeichnend für die Stellung eines geistlichen Hirten. So haben wir auch gelebt. Nur habe ich unausgesetzt versucht, ihre höchste Freude, den Weizen, auf eine etwas höhere Stufe zu heben. Auf die Höhe, von der der Apostel redet. Es gelang nicht immer, aber doch zuweilen. Wo es nicht gelungen ist, hat der Weltkrieg seine bitterböse Predigt gehalten, und der ist durchgedrungen.
Ein kleines Erlebnis darf ich wohl anführen, weil es unsere Krimmer Bauern kennzeichnet. Ich hatte kurz vor meinem Weggang einmal an einer Hochzeitstafel eine etwas freiere Bemerkung gemacht, als sie sonst im heiligen Rußland üblich war. Da stand der reichste Bauer auf und sagte: Wäre ich der Kaiser von Rußland, so würde ich bestimmen, daß Sie auf der Stelle Rußland zu verlassen hätten. Ich antwortete, das werde auch ohne das geschehen, und die Sache schien erledigt zu sein. Zehn Jahre nach diesem Worte stand der Bauer in meinem Hause am Bodensee. Er sei in Karlsbad gewesen zur Kur und habe die Gelegenheit benützen wollen, seinen alten Pfarrer wieder zu sehen. Er war also mein sehr willkommener Gast. Da sagte er: Eigentlich führt mich etwas anderes her. Sie erinnern sich vielleicht meiner Aeußerung bei unserem letzten Beisammensein. Ich mußte herkommen, Sie deshalb um Verzeihung zu bitten, daß wir ganz einig sind, ehe ich sterbe. Er wird wohl den schweren Krieg nicht überlebt haben. Gott segne ihn und alle
unsere armen Volksgenossen in der Ferne.
In Beßarabien war’s ja anders. Dort regierte der Sekteneigensinn mehr als der Weizen. Aber das schadet auch nichts. Unter allem Sektierertum schlummert und pulst ein ehrliches ernstes Wollen. Wenn das nicht immer die rechten Formen findet, muß man damit Geduld haben. Dazu ist gerade der Pfarrer in seiner priesterlichen Stellung da, die Güte des Vaters über Gerechte und Ungerechte und Sonnenschein und Regen über Böse und Gute gleichmäßig walten zu lassen. Er wird auch niemals gefragt werden nach seinen Erfolgen, sondern nur nach seiner Haltung, ob man des Vaters Geist an diesem geistlichen Vater gespürt habe.
Nein, wer ein Pfarramt ohne ganz zwingende Gründe aufgibt, den verstehe ich nicht. Ich mußte es tun ohne irgend welche äußere Nötigung. Die Leute haben sich zwar den Kopf darüber zerbrochen und mir allerlei heimliche Schande und Laster nachgesagt, besonders die lieben Amtsbrüder, es war auch damals eine Denunziation im Gange, aber sie war längst im Sande verlaufen, als ich meinen Entschluß ausführen mußte. Eines wußte ich freilich dumpf und lastend, es würde ein sehr schweres Unglück über Rußland kommen. Ich wäre dem aber nicht ausgewichen. Ich glaubte später, es sei der japanische Krieg.
Aber der berührte unsere Siedlungen ja gar nicht. Daß es dieses maßlose Entsetzen des Weltkrieges war, ist mir erst später deutlich geworden. Ja unsere Feinde haben mehr gelitten als wir und denen, die heute über ihren Lügensieg frohlocken, ist auch schon die Axt an die Wurzel gelegt. Deutschland hat ja den Krieg verloren, aber die anderen werden den Sieg verlieren, soweit es nicht schon geschehen ist

Der Planet und ich Lebenserinnerungen und Zukunftsgedanken
Heinrich Lhotzky, ‎ Selbstverlag 1925
Monatsschrift für Gottesdienst und kirchliche Kunst, Band 4 Nr. 3 März 1899

Dem Paar waren acht Kinder beschieden, Robert *1888, Bruno Johannes (1890–1917), Friedrich Christoph (1891–1916), Martha *1892, Josef *1894, Annamarie *1900, Eva Georgine *1902 und Heinrich *1904.8

Robert Lhotzky, geb. 21.12.1888 Oneschti9

Bruno Johannes Lhotzky, geb. 2. August 1890 in Oneschti. Gefallen am 30.11.1917 bei Frasnoy, Frankreich10

Friedrich Christoph Lhotzky, geb. 24. Oktober 1891 in Zürichtal, gefallen am 19. oder 20. Juli 1916 bei Aubers, Frankreich.11

Josef Lhotzky, geb. 8. Juli 1894 in Zürichtal12

Eva Georgine Lhotzky, geb. am 21. Juni 1902 in Berlin-Grunewald13

Ab 1902 wieder in Deutschland, nahm er eine Tätigkeit als Mitarbeiter Johannes Müllers (1846–1949) für die Blätter zur Pflege des persönlichen Lebens auf Schloss Mainburg an und arbeitete 1904 bis 1911 als freier Schriftsteller in Pasing. Zudem war er Herausgeber der Zeitschrift „Leben“. In dieser Zeit siedelte er nach Ludwigshafen am Bodensee über (1910), wo er bis zu seinem Lebensende 1930 blieb.

Er schrieb neben seinen Predigten eine Reihe von Aufsätzen, Zeitungsartikeln und eine größere Anzahl Bücher, wie Die Seele deines Kindes 1908 und Das Buch der Ehe, 1911, beides im Verlag Langewiesche veröffentlicht, später im Eigenverlag Haus Lhotzky.

Stockacher Tagblatt, Jg. 1922 (62)

Haus Lhotzky auf einer alten Ansichtskarte, heute ist dort eine evangelische Jugendbildungsstätte.

Seine Witwe Berta konnte das Haus nach seinem Tod allein nicht unterhalten, so wurde es verkauft. Auch der Verlag erfuhr Veränderungen.

Stockacher Tagblatt, Jg. 1933 (73)

Sie lebte noch einige Jahre in Konstanz, Taborweg 10, ehe sie in am 20. Mai 1950 in Überlingen starb und am 24. Mai beigesetzt wurde.


  1. Heinrich Lhotzky als junger Mann (ca. 1880), FranzTW – Eigenes Werk, 3.11.2016, CC BY-SA 4.0 ↩︎
  2. Ruhbach, Gerhard, „Lhotzky, Heinrich“ in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 440-441 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116980176.html#ndbcontent ↩︎
  3. https://pfarrerbuch.de/sachsen/person/1110885323 ↩︎
  4. Der Planet und ich, Lebenserinnerungen und Zukunftsgedanken, Lhotzky, Selbstverlag 1925 ↩︎
  5. Erik Amburger Datenbank ID 96055 ↩︎
  6. „Deutschland, ausgewählte evangelische Kirchenbücher 1500-1971,“ database, FamilySearch (https://www.familysearch.org/ark:/61903/1:1:QP6H-18F1 : 9 March 2023), Berta Emilie Lhotzky, 24 May 1950; images digitized and records extracted by Ancestry; citing Burial, Überlingen, Bezirksamt Überlingen, Kreis Konstanz, Großherzogtum Baden, Deutsches Reich, , German Lutheran Collection, various parishes, Germany. ↩︎
  7. Foto der Hochzeitstafel S. 111 in: Heimatkalender der Russlanddeutschen 1959 ↩︎
  8. „Der Degener“ Wer ist’s?, Leipzig 1911, Band 5, p. 855 ↩︎
  9. bayerisches Reserve-Fußartillerie-Regiment Nr. 1 (München-Neu-Ulm)
    15222 Kriegsrangliste Bd 1 ↩︎
  10. Bayerisches Infanterie-Regiment (Lindau/Bayern) I Ersatz-Bataillon,
    07179-Kriegsrangliste ↩︎
  11. Bayerisches Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 17 (Augsburg), 03094 Kriegsrangliste Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 17 Bd. 1 ↩︎
  12. bayerisches Reserve-Fußartillerie-Regiment Nr. 1 (München-Neu-Ulm)
    15222 Kriegsrangliste Bd 1 ↩︎
  13. Berlin Grunewald, Standesamt Geburten Erstregister 1901 Nr. 32/1902 ↩︎

Asch (Aš)

Hotel „Schützenhaus“ Asch Ansichtskarte von 1938, Kunstverlag Georg Philipp, Nr. 26

Asch ist eine Stadt in Nordwestböhmen im heutigen Tschechien, im 11. Jahrhundert kamen Kolonisten aus Bayern, so erhielt sich bis ins 20. Jahrhundert, ebenso wie im südlich angrenzenden Egerland, der nordbayerische Dialekt. Auch im nördlich angrenzenden Vogtland wurde diese Mundart in etlichen Ortschaften nahe der tschechischen Grenze gesprochen.

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 gehörte Asch zur Tschechoslowakei, eine Angliederung an Bayern wurde abgelehnt. Nach dem Münchner Abkommen gehörte die Stadt von 1938 bis 1945 zum Landkreis Asch im Reichsgau Sudetenland, weshalb zahlreiche Umsiedler hier in Umsiedlerlagern untergebracht wurden.

Am 14.10.1940 wurden die Bewohner Kisils zum Donauhafen Kilia gebracht und fuhren mit dem Donaudampfer „Schönbrunn“ am Abend des 15.10.1940 Donau aufwärts durch das „Eiserne Tor“ bis Semlin bei Belgrad, wo sie am 18.10.1940 vormittags von einer Musikkapelle empfangen wurden.

Nach kurzer Rast in einem Zeltlager ging es am 20.10.1940 abends, mit Bussen zum Bahnhof Belgrad und per Zug über Graz, Wien, Prag und Eger nach Asch.

Alle, die mit dem Treck fuhren, Väter gemeinsam mit ihren ledigen Söhnen oder auch kinderlose jüngere Ehepaare, lenkten ihre Gespanne am 17.10.1940 von Kisil bis Galatz. Bei Ankunft wurde das Gepäck auf die Schiffe verladen und die Pferde für das Militär gemustert. Von Galatz ging an Bord der Schiffe bis Prahowo in Jugoslawien und von dort mit der Bahn bis Asch, wo sie am 10. November 1940 eintrafen.

In Asch wurden die Kisiler mit den eintreffenden Umsiedlern aus Manscha (Annowka) und Raskajetz auf drei Lager verteilt.

Das Hauptlager war das Schützenhaus, hier waren unter anderem Renate Manske (1922–1945, sie starb zusammen mit ihren Eltern auf der Flucht beim Überqueren der Weichsel), Ida (*1924) und Anna Maria (*1921) Heller, Elfriede Winter (*1924), Gertrud Härter(*1924), Harald Mantz (*1937) und Klara Klaudt (*1921) untergebracht.

Neue Turnhalle des Turnvereins Jahn in Aš (Asch) aus dem Jahr 19331.

In der Jahnhalle waren die Familien Artur Flöther (*1908), Eduard Haas (*1914), Gotthilf Kehrer (1900–1945), Rudolf Kehrer (*1899), Rudolf Böpple (1909–1984), Oskar Schoon (1899–1946) und Oskar Witt (*1902, Cousin des Großvaters von Katharina Witt) untergebracht. Mütter mit Säuglingen bekamen einen eigenen Schlafsaal.

Weitere bekannte Namen der Umsiedler in der Jahnhalle waren Adolf, Gerber, Merz, Rauch, Schneck und Wirth. Außerdem gab es noch das Jägerhaus.

Für die Speisezubereitung in der Lagergroßküche waren die bessarabische Frauen zuständig, schulpflichtige Kinder hatten das Glück, in die Bürgerschule gehen zu können, das war nicht immer möglich, vor allem im Warthegau war es mit dem Schulunterricht nicht so gut bestellt. Die Kinder ab 10 Jahren kamen zum Jungvolk, ab 14 Jahren zur Hitlerjugend bzw. zum Bund deutscher Mädel (BDM).

Den Schulunterricht erteilten die bessarabischen Lehrer Robert Deiß und Oskar Mantz (*1910) aus Kisil, Robert Brenner aus Manscha und Heinrich Sonderegger aus Raskajetz.

Zudem wurden die Umsiedler zur Arbeit in Fabriken und Betrieben herangezogen, Asch war ein Zentrum der Textilindustrie, das war nicht in allen Lagern so und führte dort durch Herumsitzen und Langeweile zu Frust. Junge Männer wurden direkt eingezogen zum Wehrdienst.

Am 17.10.1941 ging es per Zug über Eger, Karlsbad, Dresden, Görlitz und Breslau in den Warthegau, in Freihaus (Stunska Wola) wartete auf die Umsiedler noch einmal ein Durchgangslager vor der Ansiedlung im Warthegau.

Asch wurde am 20. April 1945 durch US-amerikanische Truppen besetzt. Im November 1945 kam Asch nach der Übergabe an sowjetische Besatzungstruppen unter sowjetische Militärverwaltung und wurde danach tschechisch.

Quelle:
1 Overview of the development of various streams of German physical education in the Czech lands – Scientific Figure on ResearchGate. Available from: https://www.researchgate.net/figure/Abbildung-6-Neue-Turnhalle-des-Turnvereins-Jahn-in-As-Asch-aus-dem-Jahr-1933-Figure_fig4_354658790 [accessed 6 Jul, 2023] Creative Commons Attribution 4.0 International

2 Kisil, ein Schwabendorf in Bessarabien, Schriften des Heimatmuseums der Deutschen aus Bessarabien Nr. 36, herausgegeben von Ingo Rüdiger Isert, Stuttgart 1999

Umsiedlerlager Löbau

Für die Umsiedler wurde in Löbau die Kaserne genutzt. Ob noch andere Gebäude belegt wurden, ist nicht bekannt.

Etwa 1915: Jäger-Kaserne Löbau, erbaut 1912-14. In der DDR Offiziershochschule der Landstreitkräfte „Ernst Thälmann“. Kasernen-Außenansicht von SSW (GMP: 51.105785,14.681745)1

Das Umsiedlerlager Löbau in Sachsen wurde von Borodinoer Umsiedlern zwischen dem 30. Oktober 1940 und dem 3. Dezember 1940 belegt. Diese Daten kann man dem noch vorhandenen Lagerpass der Familie Scheurer2 entnehmen.

Lager Löbau

Bessarabiendeutsche im Lager Löbau, Foto: Privatarchiv M. Scheuer, welcher das Bild freundlicherweise zur Verfügung stellte.


1) Wikimedia: Etwa 1915: Jäger Kaserne Löbau, erbaut 1912-14. In der DDR Offiziershochschule der Landstreitkräfte „Ernst Thälmann“. Kasernen-Außenansicht von SSW (GMP: 51.105785,14.681745). Fotograf unbekannt – 19770427050AR.JPG/Repro Blobelt CC BY-SA 4.0

2) Lagerpass Privatarchiv M. Scheurer

Lager Hellebæk

Hellebækgård, Fotograf Ole Rafn, 6.11.2007, CC BY-SA 3.01

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren noch viele Flüchtlinge in Dänemark, so auch in Hellebækgård (Haus Hellebæk). In Hellebæk wurde bereits 1576 ein Pachthof angelegt, im 18. Jahrhundert befand sich auf dem Gut eine Waffenfabrik (Kronborg Geværfabrik), dann eine Gewehrfabrik (Hellebækgård Götter) und ein Herrenhaus.

Heinrich Carl von Schimmelmann (1724–1782) erwarb den Grundbesitz3, welcher bis Ende des Zweiten Weltkrieges in Familienbesitz blieb. Die Familie Schimmelmann stellte das Haus den deutschen Besatzungstruppen zur Verfügung, 1945 wurden im Herrenhaus bessarabische und lettische Flüchtlinge untergebracht.

Im Jahre 1946 wurde das Gut von der dänischen Regierung konfisziert und 1951 an das Königlich dänische Waisenhaus verkauft, nach umfänglicher Renovierung von 1953 bis 2007 als Waisenhaus genutzt, dann als soziale Einrichtung, heute befindet sich seit 2014 eine Schule im Gebäude.

Brief aus dem Lager Hellebæk

Der folgende Brief2 beinhaltet eine „Liste von Insassen des Lagers Hellebäck“ und Grüße an den Onkel von J. Stock.


Die von mir vorgenommene Abschrift erfolgte in der Rechtschreibung des Schreibers. Folgen Sie einfach dem Link und klicken Sie die pdf. Datei an. Danke.


Brief vom 27.12.1945

Brief vom 27.12.19452

Brief vom 27.12.1945 Rückseite2


1 Wikimedia, Hellebækgård, Fotograf Ole Rafn, 6.11.2007, CC BY-SA 3.0, Foto

Brief privat, Familienbesitz Oberlander-Seidel Nachkommen, freundlichst genehmigt durch Frau Melanie Zensner

3 Bilder des Anwesens 1940-1960

Mariewka – Marianca de sus


Gewidmet der Familie Oberlander- Seidel, denen ich für Ihre privaten Fotos danke und in Erinnerung an Oskar (1922-1944) und Matthias (1925-1944), deren junges Leben – wie das vieler anderer – einen sinnlosen Tod in einem grausamen Krieg fand.


Leider ist mir der Verfasser dieser Chronik aus dem Jahre 1991, welche ich vorliegen habe, nicht bekannt, aber ich möchte sie – vorbehaltlich des Einwands, dann entferne ich das selbstverständlich – hier als Abschrift veröffentlichen, da sie einen wirklich schönen geschichtlichen Rückblick bietet.

Kurzchronik der Gemeinde Mariewka

Die Gründung der Gemeinde Mariewka hat eine bemerkenswerte Vorgeschichte. Vorbild für die Gründer war in etwa die Brüdergemeinde Korntal bei Stuttgart.

Es waren bei 30 bekehrte Brüder, die sich zusammentaten, um eine „reine“ Brüdergemeinde unter dem Namen Gnadenau oder Gnadenort in Mittelbessarabien zu gründen. Diese landarmen Bauern – später nannte man sie „landhungrig“ – fanden eine Gutsbesitzerin griechischer Herkunft, eine Gräfin Maria Radokonaki, in der Nähe des Marktfleckens Kauschani, die bereit war, von ihrem großen Landbesitz von 28 ooo Deßjatinen, 2128 Deßj. ihnen zu verkaufen. Für 28.-, bzw. 32.- Rubel je Deßjatine wurde der Kauf getätigt.

Die russische Regierung verwarf jedoch den vorgesehen Namen und so einigte man sich schließlich auf den Namen Mariewka in Anlehnung an den Namen der Gutsbesitzerin Maria Radokonaki. Zur Finanzierung dieses Landkaufs nahmen die 32 Bauern bei der Chersoner Landbank eine Hypothek á 20 Rbk. pro Deßj. mit einer Laufzeit von 25 Jahren auf. Bei der Aufteilung des Landes verfuhr man so, daß z.B. eine sogenannte ganze Wirtschaft 52,5 Deßjatinen umfasste.

Bei den Dorfgründungen in Bessarabien spielte ja das Wasser die Hauptrolle. Wo kein Wasser unter der Erde zu finden war, konnte auch kein Dorf stehen. Da Mariewka auf einer Hochebene von ca. 240 m liegt, war die Wasserversorgung das Hauptproblem. Der ursprünglich vorgesehene Standort erwies sich als ungeeignet. In einem weiter südlich gelegenen etwas krummen Tal wurde man in ca. 20-24 m fündig. Gutes trinkbares Wasser wurde auf der östlichen, weniger gutes auf der westlichen Talseite gefunden.

Im Winter 1891/92 wurden unermüdlich in den naheliegenden Steinbrüchen Bausteine gebrochen und im Frühling 1892 begann das große Bauen. Die meisten dieser Häuser standen noch in tadellosem Zustand bei der Umsiedlung im Jahr 1940. Das Dorf wurde in zwei parallelen Hofzeilen beiderseits des Tälchens angelegt. In der Dorfmitte sah man eine Kreuzstraße vor. Dort wurde auf der östlichen Seite ein großer Hofplatz für ein Bethaus/Kirche nebst Schule vorgesehen.

Bethaus Mariewka etwa 1938-1940; Foto privat, Familienbesitz Oberlander-Seidel Nachkommen, freundlichst genehmigt durch Frau Melanie Zensner

In zwei Anläufen 1895 und 1905 wurden beide Gebäude nebst einem Glockenstuhl erstellt. Eine gewaltige Leistung zu jener Zeit. Gegenüber, auf der westlichen Seite sparte man gleichfalls einen großen Platz für eine Dorfkanzlei aus. Sie, die Primaria wurde dann 1927/28 erbaut und ihrer Bestimmung übergeben. Heute, nach knapp 100 Jahren beherbergt dieser noch in passablen Zustand befindliche Bau, die Grundschule, die Dorfbibliothek und die Sanitätsstation des Rest-Dorfes „Marianofka de Sus“, wie Mariewka heute heißt.

Bethaus Mariewka um 1938-1940 Innenansicht; Foto privat, Familienbesitz Oberlander-Seidel Nachkommen, freundlichst genehmigt durch Frau Melanie Zensner

Die Hofparzelle einer „ganzen“ Wirtschaft war 50 m breit und 400 m lang. Oberhalb der Schulparzelle, ca. 50 m in Richtung Floroi hatte man den Friedhof angelegt. Eine breite Steinmauer umgab ihn. Auf der Außenseite des Eingangstors stand der Spruch: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Joh. 11, 25. Innen: Denk o Mensch an deinen Tod. Hier fand ich den einzigen noch gut lesbaren Grabstein 1991: „Katharina Scheffelmaier, geb. 1863, gest. 1899“.

Dank der verhältnismäßig guten Anbindung an das Verkehrsnetz – Bahnstation Zaim 3km, der Markt Kauschani 7km entfernt, entwickelte sich die wirtschaftliche Situation Mariewka´s recht günstig. Eine tiefe Humusschicht und ein nicht allzu trockenes Klima erbrachte, dank fortschrittlicher Arbeitsweise, meist gute bis sehr gute Ernten.

Die großen Bauern Mariewka´s sorgten schon frühe für ihre wachsenden Familien vor: So konnten bei Lunga 1575 Daßjatien im Jahr 19o8, 191o ein Landgut von 35oo Deßj., der späteren Kolonie Olgental, dann 34oo Deßj. mit dem späteren Dorf Mariental erworben werden. Olgental bei Odessa ging nach 1918 den Mariewka-ern verloren.

Wie schon zu Beginn erwähnt, waren die Einwohner Mariewka´s groß teils geprägt durch ihren bekennenden evangelisch-pietistischen Glauben. Für die innere Ordnung in der Gemeinde, etwa bei Streitigkeiten, sorgte ein Bruderrat von 8-10 Männern, sodaß die weltliche Gerichtsbarkeit soviel wie nie benötigt wurde. Eine besondere Persönlichkeit in dieser Beziehung und auch sehr geschätzt in vielen Dörfern Bessarabiens was der „blinde Hansjörgvetter“ Schmied. Er war ein nimmermüder Streiter für die Sache Jesu. Im Dorf waren zwei Brüderversammlungen. Auch eine lebendige Baptistengemeinde entstand und sie erbaute eine eigene Kapelle auf dem Grundstück von Wilhelm Schreiber.

Bevor die Schule gebaut wurde, unterrichtete ein Bauer, Michael Jose die Kinder des Dorfes in einer Bauernstube. An 1895 fand dann immer von November bis Februar der Unterricht durch Lehrer statt. In den letzten Jahren vor der Umsiedlung waren meist zwei bis drei Lehrer bei über 1oo Kindern tätig.

1896 erbauten Samuel Wiese, Matthias Oberlander und Christoph Irion am Unterende eine Dampfmühle, die mit Stroh befeuert wurde. Joseph Idler aus Sarata übernahm sie nachher, mußte sie aber nach dem Ersten Weltkrieg an einen jüdischen Unternehmer verkaufen, der sie vergrößerte und statt der Dampfmaschine einen MAN-Dieselmotor von 12o PS einbauen ließ. Bei Wilhelm Haas lief einige Jahre auch eine Ölmühle, gekoppelt mit einer Wollekämmlerei. Ein Gemeindeladen, die „Lafke“ wurde 1917 gegründet, er kam aber zunächst langsam voran, denn ein gutgehendes jüdisches Geschäft sorgte für kräftige Konkurrenz. Später wurde dem „Konsum“-Laden noch eine Molkerei angegliedert, zu Anfang neben der Kreuzstraße, dann aber neu erbaut und modernisiert oberhalb des Ladens.

Dorfplan zur Umsiedlung von mir auf googlemaps5 aufgelegt, damals 52 Wohnhäuser, im Jahre 2018 noch 18 vorhanden, Fotos8

Was wäre noch zu sagen? Auf zwei geeigneten Landflächen wurden Weinberge angelegt, so in Richtung Kauschani, ca. 1 km vom Dorf entfernt und eine neuere Weinberganlage am Hortop in der Nähe von Neu-Mariewka. Neben Direktträgern gab es schon viele edlen Sorten. Die Bauern von Mariewka begannen in den letzten Jahren vermehrt mit Sojaanbau, während man bei der Schafzucht von den Milchschafen zur Karakulzucht über ging. Sechs große Dreschgarnituren nebst Garbenbindern, Mähmaschinen, Treckern, Drillmaschinen u.a. blieben 194o dort. In der Kirche die 1912 angeschaffte, wohlklingende Orgel der Ev. luth. Kirche, die die Russen sehr bald demontierten und nach Rußland schafften.


Ein Einblick in das landwirtschaftliche Leben um und auf dem Hof eröffnet uns das Familienalbum der Familie Oberlander8 , vielleicht erkennt jemand seine Angehörigen unter den unbekannten  Personen wieder?


Ein Zeichen großen Fortschritts war die Flurbereinigung 1938. Nach der Umlegung und Neuzuteilung waren alle Voraussetzungen für eine noch bessere Bewirtschaftung des Ackerlandes gegeben. Zwei gemeindeeigene Viehweiden in der Floroi und bei Neu-Mariewka hatten Futter für Vieh, Pferde und Schafe. – Es zeichnete sich allerdings die letzten Jahre ab, daß die Äcker auf Dauer ohne Düngung nicht mehr den erwarteten Ertrag bringen würde.
Gottfried Scheffelmaier, langjähriger Schulz/Primar von Mariewka sollte noch erwähnt werden, als herausragende Persönlichkeit vertrat er wirkungsvoll diese unsere Gemeinde sowohl in russischer als auch in rumänischer Zeit.

194o war dann die Zeit eines deutschen Dorfes Mariewka vorbei. Infolge der Besetzung Bessarabiens durch die Sowjetunion wurden wir Deutschen ins Deutsche Reich umgesiedelt2. Es gibt heute noch den Rest des einstigen Mariewka, aber in welchem Zustand! Fast alle der wenigen noch stehenden Wohnhäuser gleichen Ruinen, Wirtschaftsgebäude sind schon garkeine mehr da, Hofmauern sind verschwunden, die Dorfstraße ist mit Mais bepflanzt, der Friedhof und die Hofräume mit Unkraut und Gestrüpp überwuchert. Wird Mariewka das zweite Jahrhundert überdauern?


Die ersten Hofbesitzer 9

Liste der ersten Hofbesitzer im Juli 1892

Hof Nr.NameDeßjatien
1August Riethmüller78
2Reinhold Zinaleske65
3Samuel Drews78
4Magdalena Haag52
5Samuel Rehmann52
6Georg Hommel52
7August Zaiser39
8Friedrich und Abraham Winger26
9Michael Groß26
10Christian Tetz I39
11Friedrich Schäfer13
12Jakob Netz26
13Jakob Wildermuth26
14Friedrich Tetz26
15Johannes Schäfer26
16Christian Rüb, Lichtental52
17Gottlieb Matt52
18Jakob Schäfer, Gnadental52
19Christian Matt52
20Jakob Haas105
21Michael Jose78
22Georg Schmied105
23Jakob Baumann78
24Christian Rüb, Sarata65
25Matthias Oberlander105
26Jakob Herr52
27Bernhard Weiler52
28Karl Wildermuth39
29Christian Richter39
30Gottlieb Koppenstein52
31Gottlob Weißhaar26
32Johann Kleinknecht13
33Friedrich Wildermuth13
34Christian Ulrich13
35David Martin13
36Christian Math26
37Gottlieb Schäfer26
38David Layher26
39Christian Jeske52
40Gottfried Beierle52
41Gottfried Schaffelmeier52
42Johannes Wildermuth65
43Gottlieb Schreiber65
44Johann Gunsch78

Die Gefallenen des Ersten Weltkrieges 2

Rudolf Weisshaar, 1914, 23 Jahre

Wilhelm Weisshaar, 1914, 21 Jahre

Friedrich Häfner, 1915, 31 Jahre

Jakob Häfner, 1914, 22 Jahre

Karl Häfner, 1915, 28 Jahre

Jakob Henning, 1918, 27 Jahre

Jakob Schäfer, 1913, 23 Jahre

Georg Gwinner, 1916, 26 Jahre

Zusammengestellt Kurator: gez. Maas, 6.9.1938


Schule

Unmittelbar nach der Ansiedlung war es den Kindern nicht möglich, eine Schule zu besuchen, so wurde das Haus vom Michael Jose, einem Bauern, im Winter (November-Februar) zur Behelfsschule, in der restlichen Jahreszeit mussten die Kinder ihren Eltern helfen, ehe man sich 1895 an den Bau eines Schul- und Bethauses machte. In diesem unterrichteten nun endlich auch ausgebildete, von der Gemeinde bezahlte Lehrer, der Hauptlehrer war bis 1920 zugleich Rektor, Küster und Gemeindeschreiber.

Küster und Lehrer waren9:

  • 1893-1897 Michael Jose, Bauer aus Mariewka
  • 1898-1899 Jakob Herter, Lehrer aus Großliebental
  • 1899-1901 Immanuel Baumann aus Lichtental
  • 1902-1904 Gustav Witt aus Arzis.
  • 1906-1906 Christian Kalmbach
  • 1907-1909 Friedrich Rüb
  • 1909-1915 Karl Knauer 
  • 1915-1922 David Baumann
  • 1922-1931 Karl Knauer
  • 1931-1936 Karl Knauer – nur Lehrer
  • 1936-1940 Karl Knauer
  • ab 1930 als erste Lehrer: rumänische Lehrer

Die Änderung im Lehrkörper erfolgte, da in Bessarabien nun in rumänischer Sprache unterrichtet werden musste, zudem wurde weiter in Russisch unterrichtet, nur der zweite Lehrer durfte in einigen Fächern, wie Religion, auf Deutsch unterrichten.

Interessant in diesem Zusammenhang, in Folge der Russifizierung wurde in Bessarabien ab 1829 das Benutzen der rumänischen Sprache in der Verwaltung verboten. Ab 1833 durften Gottesdienste nicht mehr in rumänischer Sprache abgehalten werden und alle rumänischen Kirchenbücher wurden verbrannt. 1842 wurde in allen Gymnasien die rumänische Sprache durch die russische ersetzt. 1860 wurde der rumänische Unterricht sogar in den Grundschulen eingestellt. Mit dem Anschluß an Rumänien am 9. April 1918 endete die Russifizierung und Bessarabien bekam eine  zentralistische Verwaltung sowie eine Neuordnung der Gebiete in neun Kreise (Județ).

Die Schule wurde ab 1919 staatlich verwaltet, der rumänische Staat bezahlte das Lehrergehalt, war für Anstellungen der Lehrer zuständig und letztlich damit auch für die Lehrpläne, zudem zahlte der Staat das Heizmaterial, welches die Gemeinde für die harten Wintermonate lieferte.

Wirtschaftlich nahm Bessarabien nun eine starke Entwicklung wahr, auch die Infrastruktur wurde deutlich ausgebaut. Durch eine Agrarreform 1920 mit der Enteignung von Großgrundbesitzern (mit mehr als 100 Hektar – unser Opa Kühn machte daher seine Frau – damals ungewöhnlich – zur Eigentümerin eines Teils des Landes, um es zusammen zu halten) konnten viele besitzlose Bauern zu eigenem Land gelangen. Die Durchführung dieser Reform dauerte bis in die 1930er Jahre an und wurde teilweise durch Korruption gehemmt.

Religionslehrer und Rektor in dieser Zeit war Karl Knauer, als er das zweite mal nach Mariewka kam, außer in den Jahren 1930-1935, da übernahmen die Stelle des Küsters, Religionslehrers9:

  • 1931-1932 Otto Steudle,
  • 1932-1933 Wilhelm Gäßler,
  • 1933-1934 Herbert Merz und David Baumann
  • 1935-1936 Theophil Frey

Weil die Mariewka-er Brüdergemeinde einen großen Kindersegen hatte, musste die Schule bald erweitert werden. Zunächst 32 Schüler fassend, waren es 1909 bereits 80 und zur Umsiedlung über 1003.

1908 hatte man daher im Gebäude bereits die Lehrerwohnung zum zweiten Klassenzimmer umgebaut und die Lehrerwohnung in das neu gebaute Bethaus verlegt.

Es gab auch Schulhelfer, eigentlich die Stelle des zweiten Lehrers, später 2. Gemeinde- bzw. Staatslehrer, 1936-1938 als dritte Lehrer eingesetzt9:

  • 1908 Doris Hasenjäger
  • 1908-1909 Gottlieb Lust
  • 1909-1910 Leopold Gäßler
  • 1910-1911 Immanuel Necker
  • 1911-1912 Wilhelm Keller
  • 1912-1915 Johannes Knauer
  • 1920-1922 Arthur Witt
  • 1922-1924 Bernhard Häußer
  • 1924-1925 Otto Schaupp
  • 1925-1927 Johannes Knauer
  • 1927-1928 Adolfine Sonderegger
  • 1929-1930 Anna Wagner
  • 1930-1931 George Preda, Rumäne
  • 1931-1938 Otto Eckert
  • 1936-1938 Helene Dalibaltow, Bulgarin (III. Stelle)
  • 1939-1940 Helene Dalibaltow, Bulgarin (II. Stelle)

Die Gemeinde Mariewka hatte der Schule immer die Religions- und Lesebücher kostenlos gestellt, das blieb auch mit der Verstaatlichung der Fall. Die deutschen Lehrer, zugleich Küster und Religionslehrer, blieben in der Gemeinde, wurden von dieser ebenfalls entlohnt, entsprechend gut war ihr Stand. Die Kinder genossen den mehrsprachigen Unterricht zu ihrem Vorteil, in anderen Regionen des Landes litten sie häufig unter dem Mangel der deutschen Unterrichtung, entsprechend waren ihre Lese – und Schreibkünste der deutschen Sprache, besonders auffällig in der Dobrudscha, wo zur Umsiedlung vieles bereits rumänisch in den EWZ-Unterlagen vermerkt wurde, bzw. in sehr schlechtem, eher rumänisch klingendem Deutsch.

Aus der Schulzeit gibt es noch einige Erinnerungen der Familie Oberlander8, vielleicht erkennt der eine oder andere Leser seine Angehörigen wieder, dann wäre es schön, wenn er dazu mit mir in Kontakt treten würde.

Da auch für die Jüngsten gesorgt war, gab es einen Kindergarten. Die Betreuung erfolgte durch9:

  • 1925-1927 M. Lecka
  • 1927-1928 M. Zeliony
  • 1929-1930 Nedelsky
  • 1931-1932 Georgiade
  • 1933-1934 Segejencko
  • 1935-1936 Dardu
  • 1936-1938 Makaresku
  • 1938 Missan

Umsiedlung der Mariewka-er

Als es im September 1940 zu konkreten Planungen kam, wurden für die einzelnen Dörfer Marschruten festgelegt.

Marschroute II
A. Straße und Rastplätze: Mariewka, Borodino, Wittenberg, Kubej, Anatol, Überquerung des Pruth bei Girugiulesti.
B. Futter besorgen bei Borodino und Wittenberg.
C. Alle Umsiedler aus den Bezirken Beresina und Kischinjow werden diese Route nehmen.

Die Notwendigeit von Pferdefuhrwerken hatte mit den außerordentlich schlechten Straßenverhältnissen in Bessarabien zu tun. Nur wenige Abschnitte waren mit LKW´s zu befahren, zudem waren die Entfernungen und die Zahl der Menschen eine kaum zu bewältigende Transportorganisation. Dazu kamen starke Regenfälle, die den eigentlichen Termin vom 18. Oktober 1940 auf den 19. Oktober verlegten.

Für das Dorf Mariewka war ein Treck mit 538 Personen geplant, die Bewohner waren auf 269 Wagen mit 538 Pferden4 verteilt und hatten eine Weg von 259 km nach Galatz vor sich.

Weg von Mariewka nach Galatz mit Zwischenstationen5 6

Wie die Familie Oberlander zu berichten wußte, wurden einige Vorbereitungen zur Umsiedlung getroffen, Decken, Kopfkissen, Waschschüsseln, Schüsseln für das Essen, Tassen, Besteck und dergleichen sollten in einem kleinen Bündel verpackt werden, welches auch an Bord des Schiffes gut erreichbar sei, denn es gab keine Möglichkeit, das auf dem Vordeck verstaute Gepäck aufzusuchen. So entschied die Familie sich zum Vergraben ihres guten Geschirrs, ebenso kam der Familienschmuck in Erdverstecke, da man damit rechnete, zurück kehren zu können, wenn der Krieg vorbei wäre.

Man schlachtete, machte Schmalztöpfe, buk Brot, verlud Mehlsäcke und Kübel mit Wasser, um für die Reise versorgt zu sein.

Familie Oberlander 19388
1. Reihe von links : Else Oberlander, Matthias Oberlander, Martha Oberlander geb. Riethmüller, Matthias Oberlander.
2. Reihe von links: Adele Oberlander und Oskar Oberlander.

Am 13. Oktober startete ein Renault-Krankenwagen (Sankra)-Transport um 9.00 Uhr morgens, um die infektiösen Kranken direkt nach Galatz zu bringen. Da russisches Militär die Straße blockierte, musste eine Umwegroute gefunden werden, der Sankra traf um 12.15 Uhr in Mariewka an. Vor Ort stellte sich heraus, dass Ingeborg Eckert neben Scharlach auch an Diphtherie erkrankt war. Der verantwortliche SS-Sanitätsdienstgrad (SDG) Schnelle gab die Anweisung, den Bezirksarzt von Kischinew darüber zu informieren, dass er die Erkrankte nicht mitnehmen können, weil Ansteckungsgefahr bestand für die die anderen Scharlach-Patienten, zumeist Kleinkinder.

Die Großeltern von Ingeborg Eckert sollten sie ursprünglich begleiten. Als Ergebnis einer Diphtherie-Infektion konnten sie nicht mehr als Begleitpersonen mitgenommen werden. So wurde Elisabeth, die Tante des Scharlach-Patienten Gerhard Schreiber ausgewählt und die Transportliste geändert. Um 14.30 Uhr ging es nach Taraclia, die Fahrt dauerte eine Stunde. Im Krankenwagen gab es zwei Typhus-Patienten, als eine russische Eskorte Probleme machte und die Aufnahme weiterer Patienten um eine Stunde verzögerte. Für zwei Patienten wurde die Zeitverzögerung zu viel, sie verstarben an Typhus.

Um 17.00 Uhr ging es aus Traclia weiter nach Leipzig, wieder machte das russischen Militär Schwierigkeiten für die Weiterfahrt, nach langer Diskussion konnte die Fahrt fortgesetzt werden, da brannte einem der Fahrzeuge eine Dichtung durch und es musste abgeschleppt werden nach Tarutino, damit die Reparaturen von der Werkstattzug des Militärs durchgeführt werden konnten. Die Ankunft war gegen 21.00 Uhr und Dr. Franke, dem örtlichem Sanitätskommandanten, bereits gemeldet worden. Trotzdem gab es gab keine Unterkunft für die Patienten,
sie mussten in den Krankenwagen übernachten. Auch die Verpflegung, die in den Zwischenstationen ausgereicht werden sollte, hatte bisher niemand erhalten.

Im Sankra mit den Scharlach-Patienten, 6 Kinder und die Begleiterin Elisabeth, gab es glücklicher Weise genügend Wolldecken, um nicht zu sehr unter der Kälte zu leiden. Die Typhus-Patienten konnten in einem leeren Haus untergebracht werden. In diesem Haus starb Frau Magdalena Schäfer gegen 23:00 Uhr. Sie bekam noch eine
Injektion gegen 22.00 Uhr von Dr. Franke, was ihr nicht mehr half.

Die anderen Patienten hatten die Nacht einigermaßen gut überstanden, waren mit heißem Tee versorgt worden.

Am 14. Oktober um 5.00 Uhr früh wurden die Typhuskranken in den Krankenwagen verladen und um 7.00 Uhr brach der Transport nach Reni auf. Die Straße war in ziemlich gutem Zustand und mit etwa 35-40 km/h passierbar, so traf man um 11.45 Uhr in Reni ein.

Kurz vor 13.00 Uhr wurde der Wachposten Pruth-Überfahrt ohne besondere Kontrollen oder Probleme durchgefahren und um 14.00 Uhr das Lager Galatz erreicht. Hier wurden nach Übergabe der Patienten Fahrzeuge und alle Einrichtungsgegenstände umgehend desinfiziert.7

In Mariewka gab es inmitten dieser Aufregung einen Trauerfall, die kleine Gertrud verstarb noch am 13. Oktober, hätte die Fahrt also nie überlebt und wurde, keine drei Jahre alt, in Mariewka zu Grabe getragen.

Dann kam der Abreisetag, viele Menschen standen an den Straßenseiten und winkten mit Tüchern zum Abschied, ehe sich die lange Schlange von Menschen und Wagen in Bewegung setzte. Eine große Trauer machte sich breit und das Heulen der zurückgelassenen Hunde war noch lange zu hören.

Das Lied, das die Kinder so gern in ihrer Mariewka-er Schule gesungen hatten, sollte nun für den Rest ihres Lebens eine neue, tiefere Bedeutung bekommen:

Wenn alles wieder sich belebet,
der Erde frisches Grün erblüht;
die Lerche sich zum Himmel hebet,
helljubelnd ihr melodisch Lied,
dann füllt mein Auge isch mit Tränen,
mein herz mit einer süßen Qual:
Dann treibt mich ein unendlich Sehnen
zu meinen Bergen in das Heimattal.

Ich denke an der Kindheit Tage
und um mich reiht sich Bild an Bild.
Es schau´n auf mich mit leiser Klage
die Eltern und die Freunde mild.
Es füllt mein Auge sich mit Tränen,
mein Herz mit einer süßen Qual:
Dann treibt mich ein unendlich Sehnen
zu meinen Bergen in das Heimattal.

Wie nah aber Trauer und Hoffnung beieinander lagen, zeigte sich in Semlin, auch schwangere Frauen waren mit extra Transporten bereits weggebracht, am 17. Oktober wurde der Familie Eckert mitten in ihre Trauer um das Töchterchen ein Sohn geboren.


Während die Mariewkaer ins Umsiedlerlager kamen, wurden Oskar (1922-1944) und Matthias (1925-1944) Oberlander einberufen. Wo das Bild8 aufgenommen wurde, ist unbekannt, links in der Vergrößerung derrechts markierte Oskar.

Wie so viele, war auch er der SS beigetreten, ob aus Überzeugung, oder weil er gedrängt wurde, da man vielen Umsiedlersöhnen versprach, es würde ihren Familien helfen, diese würden bevorzugt angesiedelt werden und kämen so schneller aus dem Umsiedlerlager, ist bis heute unklar. Was jedoch bekannt ist, er kam als Grenadier zur 7. SS „Das Reul“ und erlag einem Oberschenkelsteckschuss auf dem Hauptverbandsplatz Proskurow im Alter von 21 Jahren.

Bruder Matthias wurde als Grenadier dem Grenadier-Ersatz-Bataillon 322 zugeordnet und starb als Angehöriger der 1. Kompanie, Füsilier-Bataillon 291, an einem Herzschuss in Winiarki. Er wurde nur 18 Jahre alt.


Einige der Mariewkaer befanden sich nach Kriegsende mit anderen Bessarabiern in Dänemark, von dort erreichte ein Brief8 mit Lagerliste aus dem Lager Hellebæk die Heimat.


Oberlander – Verwandte:

Zu der Familie Oberlander gehört auch der Mediziner Dr. med. Johannes Oberländer (1894-1934) aus Sandbrunn. Sein Vater Johann Georg (1861-1922) stammte aus Sarata, seine Mutter Katharina Lorenz (*1860) aus Reichenfeld in Taurien. Im Jahre 1923 heiratete er Lydia Kludt (1902-1984), deren Eltern Dr. med. lv. Reinhold Kludt (1870-1922) und Beata geb. Baumann (1873-1960) waren.

Johannes Oberländer, Foto aus der Studentenakte der Kaiserlichen Universität Tartu EAA.402.1.19308

Der gemeinsame Sohn Helmut Oberlander (1924-2021) wurde mit 17 Jahren eingezogen und Übersetzer im Sonderkommando 10a beim deutschen Einmarsch in die Ukraine 1941, seine Aufgabe waren die Übersetzung von russischen Funksprüchen und die Unterstützung der deutschen Truppen. Da seine Einheit, die Einsatzgruppe D der Sicherheitspolizei und des SD, zur „ethnischen Säuberungen in der Ukraine eingesetzt wurde, stand er auf der Liste der meistgesuchten Kriegsverbrecher des Simon-Wiesenthal-Zentrums. Kanada entzog ihm 65 Jahre nach seiner Einwanderung das Aufenthaltsrecht und die Staatsbürgerschaft, er starb jedoch kurz vor der Ausweisung in Canada.10

Der Bruder des Johannes Oberländer, Jakob Oberlander (1899-1938), ebenfalls in Sandbrunn geboren, war Chemilaborant des Anapa Win-Kombinates. Er wurde durch die Feodossija PP OGPU der Krim verhaftet und der „Nationalistischen Propaganda“ beschuldigt. Die Verurteilung durch die NKWD-Kommission und Staatsanwalt der UdSSR erfolgte am 2. Februar 1938, das Todesurteil wurde am 3. März 1938 vollstreckt. Rehabilitiert am 16. Dezember 1957 aus Mangel an Beweisen.11


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Zentrum gegen Vertreibung: Nr. 5: Die Auswirkungen der Umsiedlungsaktion in Bessarabien; das Schicksal bessarabien-deutscher Umsiedler während des Krieges und nach dem Zusammenbruch.

Original: Dokumentation III der Vertreibung der Deutschen aus Ost- Mitteleuropa. Das Schicksal der Deutschen in Rumänien. hrsg. vom Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, 1957 S. 27-30

2 DAI, Mikrofilm 007953036

3 Steppenblumen. Heiteres und Ernstes in schwäbischer und hochdeutscher Sprache aus dem Leben der Deutschen in Bessarabien. Karl Knauer, Verlag Stuttgart-Vaihingen, Selbstverlag, 1954, p. 252ff

4 National Archives Microcopy #T-81; VOMI 920; Record Group 1035; Roll 317; Series 535; Frames: 2447170-2447172

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6 Source: National Archives Microcopy #T-81; VOMI 920; Record Group 1035; Roll 317; Series 535; Frames: 2447253-2447255

7 National Archives Microcopy #T-81; VOMI 920; Record Group 1035; Roll 317; Series 535; Frames: 2447178-244179

8 Foto, Brief privat, Familienbesitz Oberlander-Seidel Nachkommen, freundlichst genehmigt durch Frau Melanie Zensner

9 Familienbuch Mariewka, Band I,  begonnen 1. Juli 1939, Abschrift J.Rzadkowski

10 https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Oberlander

11 Liste der Opfer politischer Repression in der UdSSR


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