Beideck

Die Kolonien in dem Gouvernements, Saratow und Samara.1

 

Ausschnitt mit Baideck (Talowka) aus  „Die Kolonien in dem Gouvernements, Saratow und Samara“1

Beideck (Uganskoje, Bajdeck, Talowka, Werchnjaja Talowka) wurde am 14. August 17647 als Kronskolonie von 76 Familien aus Isenburg, Darmstadt und Hanau gegründet. Benannt wurde die Kolonie nach dem ersten Vorsteher der Gemeinde, Johann Michael Beideck, der aus dem baden-durlachischen Staffort nach Jütland emigrierte, von dort jedoch an die Wolga weiterwanderte.2

Das Dorf am Fluss Talowka lag etwa 45 km südwestlich von Saratow und wurde mit Erlass vom 26. Februar 1768 über die Benennung deutscher Siedlungen mit dem Amtsnamen Talowka versehen. Zu diesem Zeitpunkt gab es rund 300 Einwohner, bereits 1836 lebten hier 170 Familien, 1931 hatte der Ort etwa 4.300 deutsche Bewohner.

Die ersten Kolonisten besaßen 48 Wohnhäuser, 1 Scheune und 7 Pferdeställe, dazu 186 Pferde, 26 Arbeitsochsen, 193 Kühe und Kälber, 49 Schweine.

Gemeinsam mit Schilling (Sosnowka) gehörte Beideck zum Kirchspiel Talowka.

Allgemeine Kirchenzeitung 18403
  • 1764 Vorsteher der Gemeinde Johann Michael Beideck
  • 1767-1770 Pastor Georg Christian Seyer6
  • 1771-1778 Pastor Laurentius Ahlbaum aus Schweden (starb 1788 in Saratow)6
  • 1793-1820 Pastor Johann Martin Otto aus der Niederlausitz (gestorben in Warenburg)6
  • 1806 die Kirche der Gemeinde wurde  aus Holz errichtet
  • 1823 bis 1826 Pastor Lukas Cattaneo (1787 Norka -1828 Norka), Pfarrer des Kirchspiels Talowka5
  • Mai – August 1828 Pastor Heinrich Köpke6
  • 1830-1836 Pastor Alexander Haken (*1804 Weissenstein, Estland)
  • 1838-1850 Pastor Christian Gottlieb Hegele (1804-1864) aus Hirschlanden5
  • 1852-1858 Pastor Karl Dönhoff (*1824 Dönhoff)6
  • 1846 Umbau der Holzkirche zu einer Steinkirche für 1.000 Personen
  • 1859-1880 Felician Joseph Dittrich (*1831 Tiflis – 1903 Katharinenburg)6
  • 1860 zählte die Kolonie bereits 228 Gehöfte, es gab eine Schule, eine Poststation an der Astrachanischen Poststraße, sowie zwei Tuchwarenfabriken.
  • 1878 wurde zusätzlich zur bestehenden Kirchenschule eine Privatschule eröffnet, die vom Semstwo gefördert wurde.
  • 1883-1901Pastor Hugo Amadeus Julius Günther (1854-1918)6
  • Ab 1885 bis 1915 erschien in Talowka die lutherische Zeitschrift Friedensbote auf Berg- und Wiesenseite, mit Beilage Jugendfreund,  Herausgeber war Pastor Hugo Günther, der den von Pastor Hölz gegründeten Friedensbote-Kalender 1895 übernahm
  • Im Jahre 1886 zählte man 496 Haushalte mit 4.117 Personen, davon konnten rund die Hälfte lesen und schreiben. Der Ort bestand nun aus 537 Wohnhäusern, zehn Produktionsstätten, drei Trinklokale und sechs Verkaufsläden, zwei wassergetriebene Mühlen am Fluss Karamysch und vier Getreidelager. Der Bestand der bäuerlichen Gerätschaften und des Viehs wurde ebenfalls erfaßt:  439 Pflüge, 2 Hakenpflüge, 1 Mäher, 59 Harfen, 3 Dreschmaschinen, 1800 Arbeits- und Reitpferde, 420 Ochsen, 1304 Kühe und Kälber, 2551 Schafe, 1000 Schweine, 694 Ziegen.
  • 1887-1888 Pastor Liborius Herbord Behning (*1862 Sarata – 1933 Saratow)6
KB Sarata 1862 p.156
  • 1890-1892 Pastor Gotthold Eduard Hahn (* 1863 Katzbach – vermisst nach 1938 in Sibirien)
KB Katzbach 1863 p. 269
  • 1891 entstand die Fürsorgeanstalt für Senioren und Behinderte Bethania (Wifania)
  • 1894 waren rund 100 Personen mit der Herstellung von Sarpinka (Сарпинка) beschäftigt, einem russischer Baumwollstoff, der vor in Sarepta hergestellt wurde
  • 1895 wurde das Kinderheim Nasareth eingerichtet
  • 1895 Pastor Johann Georg Schwartz (*1867 Pölwe, Livland – 1935 Krassnyi-Kut)6
  • 1896 Pastor Johann Romann (*1869 Annenburg)6
  • 1900-1903 Pastor Eduard Seib (*1872 Bergdorf – 1940)6
  • 1901-1905 Pastor Johannes Nikolaus Blum (*1873 Ludwigstal – 1939 Jena, Deutschland)
  • 1907 entstand eine Wohlfahrtseinrichtung
  • 1908-1910 Pastor Wladimir Thumin (*1866 – 1912 Riga, Lettland)6
  • 1912 konnten rund 55% der wehrpflichtigen Männer der Siedlung nicht eingezogen werden, da sie nach Amerika entwichen waren4
  • 1917 gab es neben der Kirche einen Glockenturm aus Holz
  • 1918-1929 Pastor Herbert Julius Günther (* 1891 Beideck)6
  • In den 1920er Jahren gab es einen Genossenschaftsladen, eine landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft, eine Grundschule, ein Klub, und ab 1926 eine Lesestube.
  • 1921 starben 406 Bewohner während der Hungesnot
  • Am 28. August 1941 wurde das Dekret des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR „Über die Umsiedlung der Deutschen, die in den Wolgarayons leben“ erlassen. Die Bewohner der Beidecks wurden deportiert .
  • Nach dem Krieg entwickelte sich Luganskoje zur drittgrößte Siedlung des Rayons Krasnoarmejsk.

Es gibt keine Liste der ersten Bewohner mehr, jedoch wanderten einige von ihnen ab 1763 aus Jütland aus, da sie über die Siedlungsbedingungen in Dänemark mehr als enttäuscht waren. Zu diesen Auswanderern gehörten:

  1. der erste Vorsteher von Beideck, Johann Michael Beydeck, Weber aus Staffort, Oberamt Karlsruhe. Er wanderte mit Christina Wüstin und einem Kind über Flensburg 1761 in die Kolonie G9 „Christiansholm“, Amt Gottorf, aus. Am 17. Mai 1763 wurden er und seine Frau nach Russland entlassen.7
  2. Sohn Johann Martin Beydeck (geb. 16.01.1727 Staffort, Mutter Anna Maria Struber) mit Ehefrau Anna Katharina und 2 Kindern zog zunächst in die Kolonie J9 „Molkenberg“, Amt Coldinghuus, dann mit dem Vater weiter nach Beideck.7
  3. Sohn Jacob Beydeck lebte in der Kolonie J9 „Molkenberg“ bis 26. April 1763.7
  4. Martin Baydeck (* um 1705), dessen Ehefrau Theresia (* um 1715) und die Kinder Andreas Sickinger (*um 1743) und Frenzel (*um 1741) zogen in die Kolonie G2 „Friderichsfeld“, im Mai 1763 desertierte Martin.7
  5.  Johannes Beydeck, (geb. um 1736) heiratete am am 26. Mai 1761 in Kropp Margaretha Magdalena Grünemeyer, sie wurden  in der Kolonie G2 „Friderichsfeld“ angesetzt und verließen nach dem 12. Jan 1765 Dänemark in Richtung Beideck.7
  6.  Johann Michael Butz/Putz (*um 1725) aus der Grafschaft Degenfeld. Ehefrau: Anne Cathrine, (*um 1725). Kinder: Armegast, (*um 1751); Philip Peter, (*um 1753); Hans Georg, (*um 1754); Gottfried, (*um 1760); Philip Hendrik, (*um 1762); Cathrin, (*um 1764); Magaretha, (*um 1763). Seit 1. Mai 1760 in Fridericia, Kolonie J5 „Christiansheede“, nach den 7. Januar 1765 ausgewandert.7
  7. Sohn Andreas Butz/Putz (* um 1747) wanderte bereits im Dezember 1764 nach Beideck7
  8. Johannes Dreher/Dreyer/Drehr (* um 1703), aus Wembach, Amt Lichtenberg, Landgrafschaft Hessen Darmstadt. Ehefrau: Anna Eva (* um 1724), Kinder: Johannes Nicolaus, (* um 1745); Anna Magaretha, (* um 1750); Susanne Cathrine, (* um 1752); Elisabert Cathrine, (* um 1755). Seit 1760 in der Kolonie J6 „Julianaheede“, im Dez. 1761 Kolonie J5 „Christiansheede“, nach dem 7. Jan. 1765 nach Russland ausgewandert,7 sein Sohn Nicolaus und Frau Elisabeth Katharina im Census 1775 in Beideck verzeichnet.
  9. Josua Gammerstrath/Hammertrab, aus Staffort, Oberamt Karlsruhe, Markgrafschaft Baden-Durlach, Kolonie F8 „Christiansheide“,wurde am 11. Oktober 1764 nach Russland entlassen.7
  10. Margaretha Grünemeyer (* um 1739), Witwe des Matthias Grünemeyer aus Krabe (Crabe) Markgrafschaft Baden-Durlach, Oberamt Karlsruhe, Unteramt Graben. Kinder: Christopher (*um 1749); Matthias, (*um 1756); Anna Catharina, (*um 1747) aus der Kolonie F8 „Christiansheide“, zusammen mit Josua Gammerstrath als Besitzerin dieser Stelle, wurde am 11. Oktober 1764 nach Russland entlassen.7 Ihre Söhne Christopher und Matthias Grünemeyer sind im Census 1775 in Beideck verzeichnet.
  11. Jacob Hörter/Hälter/Herter (*um 1724) aus dem Amt Lindenfels, Kurpfalz. Ehefrau: Susanne Elisabert, (*um 1729). Kinder: Nicolaus, (*um 1754); Eva Barbara, (*um 1750); Elisbeth, (*um 1757) aus der Kolonie J5 „Christiansheede“, Amt Silkeborg, wanderten nach dem  7. Januar 1765 nach Beideck.7
  12. Johann Adam Kling (* um 1734), aus der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Ehelrau: Anna Cathrina Hoffmeister (* um 1735), Kinder: Johann Adam, (* 29. Jan. 1761); Anna Margaretha, (* um 1763) aus der Kolonie Jl „Friderichshoi“, Amt Haid, zogen nach Dezember 1764 nach Beideck.7
  13. Conrad Münster/Minster/Mynster, (*um 1722), aus Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Ehefrau: Anna Barbara (*um 1728); Kinder: Johan Peter, (*um 1750); Johann Georg, (*um 1751); Marie Elisabeth, (*um 1757), Kolonie Jl „“Friderichshoi“, Amt Haid. Nach dem 7. Januar 1765 nach Beideck.7
  14. Heinrich Neuberger (*um 1735), aus Neuloßheim, Unteramt Speyer, Klosteramt Maulbronn. Ehefrau: Marie Agnes, (*um 1725); Kinder: Franciscus, (*um 1755); Georg Michael, (*um 1761); Cathrine Magaretha, (*um 1763). Kolonie J5 „Christiansheede“, Amt Silkeborg. Nach dem 7. Januar 1765 nach Beideck.7
  15. Johannes/ Hans Pretzer/Bretzer (* 1729), Müller aus Crumstadt, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Ehefrau: Anna Catharina, (*um 1736). Kinder: Johann Philip, (*um 1761); Johann Peter, (*um 1762); Johann Conrad, (*1764) aus der Kolonie Jl „Friderichshoi“, Amt Haid. Nach dem 7. Januar 1765 nach Beideck.7
  16. David Trübelhorn, Ackersmann, mit Ehefrau und 1 Kind war Reservekolonist im Amt Tondern, sollte bleiben, wanderte jedoch nach dem 10. Juni 1763 nach Beideck.7
  17. Georg Conrad Weber (*um 1732), Ackersmann aus Wembach, Amt, Lichtenberg, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Ehefrau Susanne Marie (*um 1727). Kinder: Johan Baltzer, (*um 1754); Peter, (*um 1760); Cathrina Magaretha, (*um 1757); Marie Elisaberh, (*um 1762). Kolonie J6 „Julianaheede“, Amt Silkeborg, im Dezember 1761Kolonie J5 „Christiansheede“, Amt Silkeborg.nach dem 7. Januar 1765 nach Beideck.7
  18. Johann Peter Weber (*um 1739), Schneider aus Steinau, Amt Lichtenberg, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Im Dezember 1760 Kolonie J6 „Julianeheede“, Amt Silkeborg, Dezember 1761Kolonie J5 „Christiansheede“, Amt Silkeborg, verließ nach dem 26. April 1763 Dänemark.7

 

Weitere bekannte Bewohner der Kolonie waren nach Stumpp8:

  • Pastor Johann Martin Ottow, aus Cottbus, nach Beideck 1793
  • Johann Heinrich Kuehn
  • Benedikt Reh aus Breitenbrunn/Hoechst (Odenwald),  Frau Margaretha Elisabeth Blumenschein
  • Schnegelberger
  • Johann Adam Schneider

 

 

 



Luganskoje (Wikipedia)

1Die Kolonien in dem Gouvernements, Saratow und Samara. Atlas der Evangelisch – Lutherischen Gemeinen in Russland. St. Petersburg. Buchdruckerei der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 1855. David Rumsey Historical Map Collection
2Werner Hacker: Auswanderungen aus Baden und dem Breisgau, Obere und mittlere rechtsseitige Oberrheinlande im XVIII. Jahrhundert, archivalisch dokumentiert. Stuttgart-Aalen, 1980.
3Allgemeine Kirchenzeitung, D.E. Zimmermann, D.K.G.Bretschneider, Lic. G. Zimmermann, 19. Jahrgang 1840 Erster Band Januar bis Juni , Verlag Karl Wilhelm Leske Darmstadt, p. 263>
4(Hrsg:) Victor Herdt, Dietmar Neutatz; Gemeinsam getrennt: Bäuerliche Lebenswelten des späten Zarenreiches in multiethnischen Regionen am Schwarzen Meer und an der Wolga; Veröffentlichungen des Nordost-Instituts, Band 7, Verlag Harrassowitz 2010, S. 114  „GASO.f.23,op. 1, d.6989 (Angaben über die Zahl der 1907-1912 der Einberufung in die Armee unterliegenden deutschen Bevölkerung im Amtsbezirk Sosnovka), 1.62; ebenda, d. 6989 (Bericht des Landhauptmanns des1. Distrikts des Kreises Kamyshin E.N. Lyzlov an den Gouverneur von Satatov v. 4.5.1913), 1.63.“
5Hans Petri, Württemberger als Pfarrer evangelischer wolgadeutscher Gemeinden in: Blätter für württembergische Kirchengeschichte 3.F., Bd. 62 p.268ff
6Schnurr, Joseph. Die Kirchen und das religiöse Leben der Russlanddeutschen – Evangelischer Teil (Stuttgart: AER Verlag Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland, 1978)
7Die Einwanderung deutscher Kolonisten nach Dänemark und deren weitere Auswanderung nach Russland in den Jahren 1759-1766, Dr. Alexander Eichhorn, Dr. Jacob und Mary Eichhorn, Bonn, Germany – Midland, Michigan, USA, 2012
8Dr. Karl Stumpp: Die Auswanderung aus Deutschland nach Rußland 1763-1862, Landsmannschaft der Deutschen aus Russland 1991