Ostpreußen

O-Ton meines Großvaters: „Vergiss niemals, das Du ein Preuße bist!“


Ein Teil unserer Vorfahren stammte aus Ostpreußen, jener historischen Landschaft zwischen Weichsel und Memel, deren Zentren Königsberg (Kaliningrad), der Marienburg und mit Einschränkung Danzig waren. Erstmals erwähnt um 965, als Chroniken von dem Volk der Prußen berichteten.

Das Schild der Deutsch Ordensritter erinnert mich an eine Namenslegende unserer Vorfahren, der Breitkreutz (Breitkreuz, Brettkreuz, Bretcreutz ). Er soll auf die Ordensritter zurück gehen, die einst nach Jerusalem zogen, da nur diese Gewänder mit dem Kreuz tragen durften und als Breitkreuz(l)er bezeichnet wurden.

Nachdem der polnische Herzog Konrad von Masowien 1226 den Deutschen Orden zur Hilfe gegen die heidnischen Prußen in das Land rief und diese sich die volle Souveränität über alle zu erobernden Gebiete zusichern ließen von Kaiser Friedrich II. in der Goldenen Bulle von Rimini (1226 oder 1235) und Papst Gregor IX. in der Bulle von Rieti (1234), unterwarfen sie die Prußen im 13. Jahrhundert.

Zwischen 1232–1255 folgten die Gründung von Kulm, Marienwerder, Elbing, Balga, Braunsberg und Königsberg. Die ersten Deutschen Siedler kamen ins Land. Der Bau der Marienburg wurde um 1274-1276 begonnen, im Jahre 1309 wurde der Hochmeistersitz von Venedig nach Marienburg verlegt. Bereits ein Jahr zuvor eroberte der Deutsche Orden das Herzogtum Pommerellen und vereinte es mit dem ehemaligen Land der Prußen zum Deutschordensstaat.

Ausflug meiner Urgroßeltern zum Tannenberg-Denkmal und zum Hochmeisterhügel mit dem Jungingen-Stein, wo sich 1410 das Schicksal des Ordensheeres entschied. Das Reichsehrenmal vor den Toren Hohensteins wurde erbaut „den Gefallenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Mahnung, den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung“, leider wurde letzteres all zu wörtlich genommen.

Bis 1407 gründete der Deutsche Orden 93 Städte und mehr als 1000 Dörfer nach deutschem Recht (Kulmer Recht, Kulmer Handfeste), eine Modifikation des Magdeburger Stadtrechts, welches den Bürgern Selbstverwaltung und eigene Gerichtsbarkeit sicherte, dem Siedler Land zu bedingtem erblichem Besitz verlieh und dessen Pflichten dem Orden gegenüber regelte. Erst nach der verlorenen Schlacht bei Tannenberg am 15. Juli 1410 büßte der Deutsche Orden seine regionale Vormachtstellung ein. Im Ersten Frieden von Thorn 1411 noch unter Auflagen den größten Teil seines Territoriums behaltend, wurde 1422 im Frieden von Melnosee die Ostgrenze des Ordensstaates festgelegt, sie bestand unverändert bis 1945.

Nach dem Dreizehnjährigen Krieg zwischen dem „Preußischen Bund“ und Polen auf der einen und dem Orden auf der anderen Seite wurde das Ordensgebiet 1466 im Zweiten Frieden von Thorn geteilt: in das der polnischen Krone direkt unterstehende Königliche Preußen inklusive Pommerellen, und in den Restordensstaat, der die polnische Lehenshoheit anerkennen musste.

Der Hochmeister Albrecht I. von Brandenburg-Ansbach trat nach dem ergebnislos verlaufenen Reiterkrieg 1525 zum Protestantismus über, säkularisiert den Ordensstaat,  nahm das Herzogtum Preußen von der Krone Polens als erbliches Lehen an und führte als erster deutscher Fürst die Reformation ein.

Das weltliche Herzogtum Preußen, das 1618 durch Erbschaft an die Kurfürsten von Brandenburg fiel. 1657 konnte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm mit dem Vertrag von Wehlau für das Herzogtum Preußen die Souveränität gegenüber Polen erlangen.

Am 18. Januar 1701 ließ sich sein Nachfolger Friedrich I. (Preußen), bekannt auch als Kurfürst Friedrich III. in Königsberg zum König Friedrich I. krönen. Unter seiner Regentschaft setzte sich die Bezeichnung Königreich Preußen durch.

Deutsch-russische Absprachen führten 1772 zur ersten Teilung Polens. Polnisch-Preußen sowie weitere südlich angrenzende Gebiete entlang der Netze wurden dem preußischen König überlassen. Das unter der brandenburgischen Herrschaft der Hohenzollern stehende souveräne Königreich Preußen wurde 1773 verwaltungsmäßig in drei Teile eingeteilt: Ostpreußen, Westpreußen und Netzedistrikt.

Mit der zweiten Teilung Polens gelangten 1793 die Städte Danzig und Thorn in ihren Einflußbereich. Nach Unterzeichnung des Vertrages von Österreich und Russland zur dritten Teilung Polens am 24. Oktober 1795 erhielt Preußen die restlichen Gebiete westlich von Bug und Memel mit Warschau, welche anschließend Teil der neuen Provinz Neuostpreußen wurden, sowie das nördlich von Krakau gelegene Neuschlesien.

1807 verlor das Königreich Preußen im Frieden von Tilsit  das Kurfürstentum Brandenburg, den größten Teil des Netzedistikts und das Kulmerland an das von Kaiser Napoleon gegründete Herzogtum Warschau, das war mehr als die Hälfte des Staatsterritoriums. Im Jahre 1815 erwarb es die Gebiete auf dem Wiener Kongress wieder zurück. Der Netzedistrikt wurde danach größtenteils dem preußischen Großherzogtum Posen zugeschlagen.

Von 1829 bis 1878 waren Ost- und Westpreußen in der Provinz Preußen verwaltungstechnisch vereint.

1871 wurde das gesamte Gebiet des Königreichs Preußen als Bundesglied Teil des deutschen Nationalstaats.

 

Die zwölf Provinzen Preußens und ihre Regierungsbezirke, 1895


Im August 1914 schlug Hindenburg siegreich die Schlacht bei Allenstein, welche als Schlacht bei Tannenberg bekannt werden sollte. Doch 1918 endete der Erste Weltkrieg mit einer Niederlage und nach dem Friedensvertrag von Versailles im Jahre 1919 wurde Westpreußen größtenteils zu Polen geschlagen, Danzig als Freie Stadt abgetrennt,  das Memelland kam ebenfalls zu Polen. Ostpreußen ist vom deutschen Mutterland durch das Korridorgebiet abgetrennt.

Am 11. Juli 1920 kam es zu einer Volksabstimmung in West- und Ostpreußen. 98% der Ostpreußen votierten für den Verbleib bei Deutschland.

Nach der Besetzung des Memellandes 1923 durch Litauen fällt es an Litauen.

Nach der Besetzung Polens im Zweiten Weltkrieg gehörten alle verlorenen Teile von 1939 bis 1945 zum Deutschen Reich.

Im Januar 1945 wird Ostpreußen von der Roten Armee besetzt, die Bevölkerung, bisher als „letztes Bollwerk“ missbraucht, begibt sich unter härtesten Winterbedingungen auf die „große Flucht“. Von den bei Kriegsende etwa 2,4 Millionen Einwohnern Ostpreußens verlieren binnen weniger Wochen rund  300.000 ihr Leben.

Am 2. August 1945 Potsdamer Abkommen wird der südliche Teil Ostpreußens kommt unter polnische Verwaltung, das nördliche Ostpreußen mit Königsberg der Sowjetunion unterstellt und alle Deutschen vertrieben.

Die DDR erkannte 1950 die Oder-Neiße-Linie im Görlitzer Vertrag als ihre Grenze zu Polen an, mit dem deutsch-polnischen Grenzvertrag vom 14. November 1990 gab auch die Bundesrepublik Deutschland jegliche Gebietsansprüche außerhalb der Bundesrepublik auf und erkannte die Grenzziehung als endgültig an.


Karte Meyers Konversationslexikon, 5. Auflage
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