Auswandererschicksal Mai 1826

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11-6-1826 Bremen, 11. Jun. Mit Leidwesen ersehen wir hier aus einem Schreiben aus Mainz in öffentlichen Blättern, da allen Warnungen und der bestimmten Erklärung deß brasilianischen Herrn Geschäftsträgers zum Trotz, daß wer seine Ueberfahrt nach Brasilien nicht selbst baar bezahlen kann, nicht darauf rechnen darf, durch ihn hinübergeschafft zu werden, dennoch verblendete Landsleute sich auf hier aufmachen, um nach Brasilien auszuwandern. Am 31. Mai kam zu Mainz eine kleine, aus 48 Köpfen bestehende Karavane solcher bethörter und, wie nach jenem Schreiben scheint, unbemittelter Leute auf ihrer Reise auf hier an, die wahrscheinlich durch Betrüger hintergangen, gegen die Warnungs-Anzeige des Herrn v. Schäfer von ihm eingeladen zu seyn glaubten. “ Einsender dieses, heißt es in jenem Artikel, sprach mit ihnen und erzählte ihnen das bedauernswürdige Schicksal der württembergischen Auswanderer in Bremen, wie sie, ohne das Mitleid der dortigen Bewohner, dem Hungertode preisgegeben waren, und ohne Geld keinen Schutz zu erwarten hatten. Die Unglücklichen hielten Alles dieses für Täuschung und waren nicht zurückzuhalten.“
Möchte doch jeder, der dazu Gelegenheit hat, solche unglückliche auswanderungslustige Leute zu enttäuschen und aus ihrem Irrthume zu reißen suchen“ Mögen sie insbesondere diejenigen, welche nach Brasilien auswandern wollen, zu bewegen suchen, sich vorher mit dem bekannt zu machen, was sie dort zu erwarten haben, und zu lesen, was die Zeitschrift Columbus (und nach ihr Flora 67 und der Nürnb. Corresp. Nr. 137) in einem Schreiben des bairischen Gelehrten, Herrn von Martius, der selbst in Brasilien war, darüber mitgetheilt hat. Nur das große Elend, worin sich einige zwanzig Familien der obenerwähnten württembergischen Auswanderer befanden, vermochte diesige Einwohner, an deren Mitleid Unglückliche in der Nähe nähere Ansprüche hatten, dazu , Geld zusammen zu schießen, damit diese Leute nur wieder in ihre Heimath zurückgeschafft werden konnten. Auf solches Mitleid dürfen leichtsinnige Leute aber für die Zukunft nicht wieder rechnen, um so mehr, da sie im voraus gewarnt sind und ihnen ihr Schicksal vorher gesagt wird.
(Bremer Ztg.)