Auswandererschicksal 1834

intelligenzblatt


bayern_2-10-1836
Im Namen Seiner Majestät des Königs.

Die Königl. Regierung des Regenkreises ist durch höchstes Ministerial-Rescript vom 10ten dies angewiesen worden, die aus der philadelphischen Zeitung entnommene Bekanntmachung einiger im Jahre 1834 nach Jamaika ausgewanderten Deutschen, die in der allgemeinen Zeitung Beilage zu Nr. 276. S. 2207 abgedruckt ist, zur Warnung durch das Kreis-Jntelligenzblatt noch weiter zu veröffentlichen. Indem man sich hiemit dieses Auftrages entledigt, werden die K. Polizeibehörden angewiesen, die Gemeindevorsteher hierauf noch besonders aufmerksam zu machen.

Regensburg den 20sten Oktober l836.

Königl. Regierung des Regenkreises, (Kammer des Innern.)

v. Schenk.

Kirnberger, Sekretär.

Auszug aus der allgemeinen Zeitung vom 2ten Oktober 1836 Nr. 276. Beilage S. 2207.

Der Westphalische Merkur theilt unter der Aufschrift:

„Auswanderer-Schicksal“ aus dem dritten Jahrgange der philadelphischen Zeitung nachstehende von sechs Deutschen, worunter fünf aus der Provinz Münster, ausgegangene Bekanntmachung mit: „Im Jahre 1834 hatte ein jüdischer Agent eine große Anzahl Deutscher unter den glänzesten Versprechungen überredet, ihre Heimath zu verlassen, und nach Jamaika sich einzuschiffen, um dort auf den Plantagen der Pflanzer als Land- und Arbeitsleute angestellt zu werden. Unter diejenigen, die ihm Vertrauen schenkten, gehörten auch die Unterzeichneten. Die Expedition ging wirklich von Statten, und die unglückliche Schaar betrogener Deutschen langte endlich an dem Orte ihrer Bestimmung an. War die süße Hoffnung einer bessern Zeit ein vollkommener Tröster während einer langen und beschwerlichen Seefahrt, so mußten wir diesen angenehmen Traum desto härter büßen, als die westindische Sonne über uns leuchtete, und unser verheißenes Paradies beginnen sollte. Schon in wenigen Tagen ward es klar, welch ein Schicksal uns erwartete. Statt Wohlfahrt und Freiheit zu finden, hatte uns jener Teufel, auf den wir Alles bauten, zu eigentlichen Sklaven verkauft. Da war keine Seele, die uns freundlich empfangen hätte. Niemand zeigte sich, um den Bedingungen nachzukommen, unter welchen wir unö verleiten ließen, in Jamaika unser Glück zu suchen.

Unser Schiff hatte im Hafen der Hauptstadt Anker geworfen. Man brachte uns wie eine verschacherte Viehheerde an’s Land, und schleppte uns zu Hunderten in die benachbarten Gegenden und das Innere der Insel. Auf Einmal zerstreut und von aller brüderlichen Verbindung getrennt, wußte keiner den Aufenthalt des Andern. Nur äußerst kärgliche Nahrung wurde uns gereicht, und Vielen nicht einmal diese. So starb in kurzer Zeit eine große Anzahl aus Mangel an den nothwendigsten Bedürfnissen.

Andere unterlagen den gewöhnlichen Krankheiten des Landes. Hunger und Klima, und die Gefühle der bittersten Täuschung vereinigten sich, um uns dem Elende oder Tode zu weihen.

Man wollte uns an die Stellen der Sklaven setzen, die in einem Jahre freigelassen werden sollten. Wer sich diesen Bedingungen nicht unterwarf, dem sollte das Recht bleiben, wieder fortzuziehen, wenn es ihm seine Kasse erlaubte. Da dieß aber nur bei sehr Wenigen Statt haben konnte, und vielmehr Jeder darauf gerechnet hatte, einen guten Verdienst im Lande zu finden, so läßt es sich leicht denken, welche Noth und sorgenvolle Tage über sie hereinbrachen. Nie hatte ein Seelenverkäufer frecher und satanischer mit Menschenglück und Menschenleben gespielt, als der, der uns zum Verlassen der Heimath verleitete. Nur mit der größten Anstrengung und dem festen Vertrauen, daß Gott unser Führer sein werde, ist es uns gelungen, dem allgemeinen traurigen Loose unserer armen deutschen Brüder zu entfliehen. Wir befinden uns nun in Nordamerika, zufrieden mir unserer Lage, und im vollen Genuße der bürgerlichen Freiheit. Eine höhere Hand räche den unerhörten Wucher und den satanischen Betrug, der die meisten unserer Reisegefährten in unaussprechlichen Jammer und in’s Grab stürzte. Einigen von uns ward die ernste Prüfung zu Theil, ihre eigenen Kinder als Opfer fallen zu sehen. Möge die öffentliche Bekanntmachung der Schandthaten, die ein Ungeheuer an uns und unsern Brüdern ungestraft verübt hat, wenigstens fernern Versuchen dieser Art ein Ziel setzen.

Philadelphia, den 20sten Mai 1836. (Unterz.) Friedr. Scherf, von Gehren. Johann Karl Schranke, von Erkeln. Anton Gelhaus, von Allhausen, im Praderborn’schen. Heinrich Halsch, von Allhausen, im Praderborn’schen. Anton Ebers, von Brackel. Johann Chr. Friedr. Wittler, von Polta, Amts Uslar.“