Kirchengeschichte Blumendorf

Mein Dank gilt Frau A. Relin, durch welche Fotos und Personendaten an mich mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung übergeben wurden. In Erinnerung an alle Einwohner von Blumendorf.


Unter Boleslaus I. kamen die ersten deutschen Siedler in die unberührte Wälder des Isergebirges und rodeten für ihre Ansiedlungen. Vermutlich um 1150 entstanden die beiden Dörfer Blumendorf und Kunzendorf (am kahlen Berge, auch Gräflich Kunzendorf), wobei Blumendorf die größere Ansiedlung war. Um 1660-1670 wurden durch Hans Wiesner 4 Häuser errichtet und die Ansiedlung Buschkäthe genannt, später zu Ehren des jungen Grafen Anton 1682 in Antoniwald umbenannt.

Die Parochie bestand aus Kunzendorf, Blumendorf mit Gotthardsberg, Antoniwald und die Besitzung Nonnenwald, die evangelischen Bewohner von Birngrütz und Neusorge kamen ebenfalls nach Kunzendorf.

Kartenausschnitt Historisches Messtischblatt 19361
  • Die Wolfgangskapelle, benannt nach dem Heiligen Wolfgang, lag etwa eine Wegstunde von Kunzendorf entfernt im Wald und diente den ersten Bewohnern als Ort ihrer Gottesdienste. Viele Wallfahrer aus Böhmen und der Oberlausitz besuchten diese Kapelle ebenfalls. Hier waren zudem einige Häuser errichtet worden, die man, als der Platz für die Bewohner zu klein wurde, abgetragen und in Blumendorf wieder aufgebaut hatte. Das waren das Haus Kiesewalter  (Nr. 67) und Ander (Nr. 5), einzelne, die im Wald standen wurden ebenfalls ins Dorf versetzt, so Ketzler (Nr. 9) und Elger (Nr. 15).
Kartenausschnitt Historisches Messtischblatt 19361
  •  um 1520/1525 wurde eine erste Kirche als Tochterkirche der Giehrener Kirche errichtet2
  • um 1530 wird die Kirche der Parochie Kunzendorf (am kahlen Berge) nachweislich evangelisch4, der Taufstein trägt die Jahreszahl 15252
  • bis 1552 gab es drei protestantische Geistliche in Kunzendorf2
  • 1552-1608  predigte Johann Krause2
  • um 1600 Bau einer neuen Kirche, der Taufstein wurde mitgenommen, die Glocke aus der Wolfgangskapelle ebenfalls und zwei (1601 und 1602) neu angeschafft, wie ihre Inschriften belegen2
  • 1608-1619 Magister Kaspar Tralles, ab 1604 Gehilfe des Johann Krause, ab 1606 Pastor, ging 1619 nach Zittau, wo er 1624 starb2
  • 20.8.1609 Zusicherung der Religionsfreiheit in Schlesien („Majestätsbrief„)
  • 1618-1648 Dreißigjähriger Krieg, man bedrängte die Einwohner, sich wieder dem katholischen Glauben zuzuwenden, das Vorgehen bekam den unrühmlichen Begleitnamen „Liechtensteiner Seligmacher“11
  • 1619-1654 Pastor Schwedler, zuvor Cantor in Friedeberg, predigte bis zur Wegnahme der Kirche in Kunzendorf, er starb 1656 und wurde in Messersdorf begraben2
  • 1648 Westfälischer Friede, Zusicherung der freien Religionsausübung für die Protestanten, ev. Kirchen durften in den Städten Schweidnitz, Jauer und Glogau errichtet werden, aber nur außerhalb der Stadt, alle anderen Kirchen sollten jedoch weggenommen werden
  • 1652 Befehl Ferdinand III. zur Übergabe der Kirchen in den Fürstentümern Schweidnitz und Jauer
  • 8.12.1653-23.4.1654 Oberstleutnant Christoph von Churschwandt, Pater Georg Steiner (Erzpriester in Striegau) und Sebastian von Rostock, Domherr zu Breslau, enteigneten 250 Kirchen2, darunter die Kunzendorfer, in ganz Schlesien waren 578 Kirchen betroffen
  • 25.2.1654 Wegnahme der Kunzendorfer Kirche und Übergabe an Pater Joachim Rieß vom Zisterzienserorden. Im Übergabeprotokoll wurden die 3 Glocken gelistet, ein silberner und ein vergoldeter Kelch, 3 zinnerne Leuchter, 1 Altartuch, 1 Chorrock, ausgeliehen Gelder 695 Mark, von der Wiedmuth hat der Pfarrer jährlich 4 Fl., es kann über Winter und Sommer 4 Scheffel gesät werden. Pastor Schwedler zog auf sein Bauerngut in Giehren, da die Pastoren ihren Wohnsitz bei der Mutterkirche hatten2, auch die Giehrener als Mutterkirche wurde eingezogen, die Einwohner wenden sich nach Messersdorf, Volkersdorf, später Gebhardsdorf und Nieder-Wiesa4, 9
  • 1656 Tod des Pastors Schwedler in Giehren
  • 1654-1742 die Bewohner mussten zum katholischen Pfarrer in Friedeberg, einen Erlaubnisschein bezahlen, um Taufen und Ehen in Messersdorf oder Volkersdorf vollziehen lassen zu können, Begräbnisse mussten still vollzogen werden
  • 1709 Altarbau in der Kunzendorfer Kirche, er enthält die Gebeine des Heiligen Aemilian und der Heiligen Justina2
  • 16.6.1729 die Kirche wird von einem Blitzstrahl getroffen, zündet jedoch nicht2
  • 16.12.1740 Besetzung Schlesiens durch Preußen, Friedrich der Große erteilt den evangelischen Bewohnern Schlesiens volle Glaubensfreiheit und erlaubte den Bau von Kirchen und Schulen und die Anstellung von Geistlichen
  • 1741 Gottfried Hoffmann, Gerichtsgeschworener von Antoniwald, reist nach Glogau, um den Bau eines Bethauses zu beantragen, Giehren ersucht gleichzeitig um einen Neubau, Hoffmann, der nicht nachweisen konnte, wer die Kosten tragen würde, erhält abschlägigen Bescheid2
  • 20.1.1742 der Richter Johann Christoph Feist aus Blumendorf und Gottfried Hoffmann, Gerichtsgeschworener von Antoniwald, erhalten die Erlaubnis zum Bau eines evangelischen Bethauses in Kunzendorf, die stärkere Gemeinde Blumendorf hatte dem Begehren der Kunzendorfer nachgegeben, weiter der Giehrener Kirche angehören zu wollen2
  • Februar-März 1742 Pfarrer Johann Christoph Kretschmer wird angestellt und zieht ins Oberdorf (später Schröter Nr. 56)2
  • 23.2. 1742 – 14.1.1753 Pastor Paul Henrich Burchardi (3.8.1714 in Königshain bei Görlitz – 2.1.1777 Hirschberg i.S.)10 wird nach Kunzendorf gesendet und hielt am Palmsonntag seine Antrittsrede, er verließ 1753 die Gemeinde und ging nach Hirschberg.2
  • 18.3. 1742, Palmsonntag mit Wiedererlangung der Religionsfreiheit können wieder evangelische Gottesdienste gehalten werden, zunächst in der Scheune der Anna Maria geb. Theuner, Witwe des Bauern Christoph Elsner2
  • 3.4.1742 Wiederaufnahme der Amtshandlungen mit der Trauung des Witwers George Heinrich Weichert, Häusler und Schuhmacher in Seifershau, mit Jungfrau Elisabeth Theuner, Tochter des Häuslers Heinrich Theuner aus Kunzendorf2
  • 18.5.1742 Wiederaufnahme der Amtshandlungen mit dem Blumendorfer Begräbnis des halbjährigen Sohnes des Schenken Gottfried Wiesner2
  • 23. Mai 1742 Wiederaufnahme der Amtshandlungen mit dem Täufling aus Blumendorf Helena Hain, Tochter des Häuslers Hans Christoph Hain2
  • 1743 Bau des Pfarrhauses, auf dem Boden des Pfarrhauses, hier gab es einen Verschlag, der als Sakristei diente und einen Beichtstuhl2,4,9
  • 5.7.1744 die neue hölzerne, lehmgefachte Kirche, auf dem Platz des damaligen Scholtiseibesitzers Johann Heinrich Bachstein für 1.300 Reichstaler2 erbaut, wurde unter Pastor Paul Henrich Burchardi in Kunzendorf eingeweiht, die alte blieb katholisch. Ihre Glocken, läuteten jedoch bis zur Vertreibung auch für die evangelischen Bewohner. Burchardi war von 1742 bis 1752 Pastor in Kunzendorf.4
alte Ansicht Gräflich Kunzendorf3
  • 6.12.1752 Ephraim Gottfried Künzel (9.5.1721 Hirschberg i.S. – 17.5.1792 Kunzendorf) erhält die Pfarrstelle und hält am 28.1.1753 seine erste Predigt.
  • 1765 der Blumendorfer Johann Gottlieb Dreßler wird Pastor in Giehren
  • 1781 Kanzel und Altar für die ev. Kirche, beide mit Bildhauerarbeiten versehen, zu den Baukosten stiftete der Katholik, Vorwerksmann und Gerichtsgeschworene Joseph Frommelt aus Bürngrütz 50 Rthlr.2
  • 1792 zum 50jährigen Jubelfest der Kirche erschien ein Büchlein von Pfarrer Ephraim Gottfried Künzel (Kunzendorf unterm kahlen Berge)
  • 17.5.1792 Himmelfahrtstag, Pfarrer Künzel hielt vormittags noch eine Predigt, starb am selben Tag.2
  • 1792, 4. Advent Pfarrer Johann Gottfried Liebig (12.2.1764 Warmbrunn – 7.12.1735 Petersdorf) hält seine Antrittspredigt2
  • 1793 erscheint Nachricht von der Kirche zu Kunzendorf durch I. Fr. Hermann, Lauban (Kunzendorf unterm Walde)
  • 1798 verließ Pfarrer Liebig Kunzendorf2
  • 21.4.1798 Pfarrer Gottlob Friedrich Benedikt Künzel (21.5.1757 – 22.1.1825) übernahm die Stelle, er war der Sohn des verstorbenen Pfarrers Künzel.2
  • 1820 wurde die ev. Kirche für 476 Reichstaler durch den Staffierer Sturm aus Kaiserswaldau staffiert, davon waren 53 Rthlr. durch den Blumendorfer Bauern Feist gestiftet worden2. Die Kirche hat 1 Orgel mit 11 Stimmen, eine kleine Sakristei. Altar, Kanzel und Orgel in weiß und gold7, 9, mit Scharlachtuch verkleidet2, 24 gläserne Wandleuchter an den Säulen (später kamen noch 12 dazu)2, Vermögen 500 Taler4, 9
  • 22.1.1825 Tod des Pfarrers Gottlob Friedrich Benedikt Künzel2
  • 5.5.1825 Pfarrer Gottlob Friedrich Degner (*21.4.1797 Hirschberg i.S.) übernimmt die Pfarrstelle und ficht über Jahre einen Kampf gegen Grundsätze und Lehren, die in den Dörfern verbreitet waren, den christlichen Glauben jedoch in seinen Augen untergraben hatten2
  • 1826 Anschaffung gläserner Kronleuchter für die Kirche für 50 Rhlr.2
  • 1829 Neueindeckung von Kirche und Pfarre2
  • 1837 die Schulwirth Fischerschen Eheleute aus Blumendorf schenken der Kirche 2 Taler12
  • 1838 die Häusler-Witwe Böhmert, Universalerbin ihres Ehemannes, schenkt der Kirche 16 Rthlr. Aus freiwilligen Gaben der Junfrauen und Jünglinge der letzten Jahre kamen 112 Rthlr. zusammen, davon wurden eine Kanzel- und Altarbekleidung aus feinem Scharlachtuch, eine gleiche aus schwarzem Tuch mit weißen Fransen, eine gleiche aus grünem Damast mit gelben Fransen und ein dazu gehörendes Vortuch aus schwarzem Samt mit goldener Stickerei, sowie 2 gläserne Kronleuchter angeschafft.12
  • 11.7.1842 hundertjähriges Jubelfest, die Kirche erhält reichlich Geldspenden und Geschenke (1 Paar silberplatierte Altarleuchter, 1 Altarteppich, 2 Jubelfahnen, 1 silberner Kelch für Hauskommunionen, 1 silberne Abendmahlskanne, 1 Baßposaune, 1 Violine, 2 künstliche Blumenbouqets für den Altar, 2 gläserne Vasen, 1 Kruzifix, 1 silberne Hostienschale, 1 Paar Kerzen). Von den Spenden kaufte man scharlachtuchene Kanzel-, Altar- und Taufsteinbekleidung mit silbernen Fransen, Borten und Stickereien, dazu weitere musikalische Instrumente.2
  • 1848 Parochie Kunzendorf am Kahlen Berg mit den Dörfern Kunzendorf, Blumendorf, Steinhäuser, Gotthartsberg und Antoniwald, insgesamt 1.160 Seelen. Es gibt in Kunzendorf eine Schule mit 70 Schülern, der Organist Talke ist Lehrer seit 1836, in Antoniwald, Gotthartsdorf und Blumendorf gibt es Nebenschulen, versorgt durch 2 Adjunkten, Schulvermögen 1.260 Taler.7
  • 18.4.1867 der Bauer Johann Carl Ehrenfried Elsner hinterläßt der Kirche in Kunzendorf 50 Taler, der Blumendorfer Schule 75 Taler5
  • 1896 Tod des Pastors Reinhold Puschmann (1825-1896), Pastor zu Kunzendorf
Kunzendorf, Schule, ev. Bethaus u. kath. Kirche

Pfarrer Kraft mit Konfirmanden 1929:

Obere Reihe ganz rechts Karl Lorenz, untere Reihe im karierten Kleid Meta Wilner, wer kennt die anderen?

 

 



1Historisches Messtischblatt 5059 Altkemnitz (1936), 5058 Friedeberg (1936), Google Maps + Historische Meßtischblätter (TK25) 4859 Löwenberg (1937)

2Jubelbüchlein für die evangelische Gemeinde zu Kunzendorf, Blumendorf und Antoniwald. Zur Feier ihres hundertjährigen Jubelfestes am 11. Juli 1842; Gottlob Friedrich Degner, evangelischer Pfarrer, Landholt Hirschberg

3 Ausschnitt Ansichtskarte

4Historische Statistik der Evangelischen Kirche in Schlesien: nebst einer Kirchen-Charte, F.G. Anders, Glogau 1848, p604f

5Amts-Blatt der königlichen Regierung zu Liegnitz Nr. 52, 28.12.1867 p.427

7Historische Statistik der Evangelischen Kirche in Schlesien: nebst einer Kirchen-Charte, F.G. Anders, Glogau 1848, p604f

9Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und anderer Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, nebst beigefügter Nachweisung von Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung mit drei besonderen Tabellen; Johann Georg Knie, Breslau 1845, p.336

10Lausitzisches Magazin oder Sammlung verschiedener Abhandlungen und Nachrichten, Zehnter Jahrgang aufs Jahr 1777, Johann Friedrich Fickelscherer, Görlitz, p. 88ff

11Maximilian Fürst von Liechtenstein (6.11.1578-29.4.1645 Raab), kaiserlicher Feldmarschall. „ Seligmacher“ nannte man die Truppen Liechtensteins, die wegen ihrer gewaltsamen Rekatholisierungsmaßnahmen in den kaiserlichen Erblanden berüchtigt waren.

12Amts-Blatt der königlichen Regierung zu Liegnitz Nr. 35, 1.9.1838 p.264